Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist die Basis jeder Partnerschaft
Wir wollen so gesehen und geliebt werden, wie wir von Kopf bis Fuß, mit Haut und Haar. Doch wie lieben wir eigentlich? Wo entsteht Liebe, wie drückt sie sich aus, wie finden wir zu ihr?
Paartherapeut Umut Özdemir veranschaulicht mithilfe unseres Körpers die Grundprinzipien von Liebe und Wie wir auf unser Herz und unsere Bedürfnisse hören, wie richtige Kommunikation leichter über die Lippen geht, wie gemeinsame Erfahrungen Augen öffnen – und wie wir so gemeinsamen Schrittes eine langfristige Partnerschaft erreichen.
„Geht Beziehung auch einfach?“, hab ich mich vor dem Lesen gefragt. Jetzt, nach dem Ende der Lektüre, wurde mir vor allem klar, dass Beziehung kein Ding ist, das nur zwischen Menschen stattfindet. Aber erstmal allgemein zum Buch:
Es ist nahbar und leicht verständlich geschrieben. Es ist kein psychologisches Fachbuch und kein normatives Selbsthilfebuch. Umut Özdemir erwartet von mir als Leser*in gar nichts. Ich mache nichts falsch oder richtig. Vielmehr spricht er mit einer ganz offenen und wertschätzenden Art von Beziehungen – die zwischen Menschen und die mit sich selbst. Dabei fließen immer wieder Erzählungen aus dem psychotherapeutischen Alltag mit ein und mit jedem Paarbeispiel aus der Praxis wurde klarer: Andere Menschen sind ja auch ganz schön verschroben.
Das Buch beginnt inhaltlich mit einem psychologischen Blick auf Liebe und Beziehung. Was ist das Beides überhaupt? Wie sieht die Wissenschaft das? Dabei ist es genau so geschrieben, dass ich mich als angehender Psychologe nicht langweile und es dennoch auch für Nicht-Psycholog*innen leicht verständlich ist. Die einzelnen Kapitel sind nach Körperteilen und Organen benannt. Nicht wortwörtlich natürlich. Vielmehr geht es mit der Analogie eines uns bekannten Körperteils um einen speziellen Aspekt des (Zusammen)lebens: Das Herz sagt mir, was wichtig ist und was ich brauche. Der Mund sind all die Dinge, die ich aussagen kann und möchte. Die Ohren stehen fürs Zuhören und all das, was ich gehört habe. Und so weiter und so fort. In diesen Kapiteln geht es auch immer um unsere individuellen Erfahrungen, Bedürfnisse und Wünsche. Darum, wie Erfahrungen in der Vergangenheit auch mein heutiges Beziehungs(er)leben formen. Darum, wie ich meine Bedürfnisse überhaupt erkenne und auch ausdrücke. Darum, dass ich Wünsche haben und äußern darf. Genauso wie mein Gegenüber.
Großer Pluspunkt dafür, dass Umut Özdemir in seinem Buch auch Platz schafft für die Vielfalt des menschlichen Erlebens. Gleichgeschlechtliche Paare, nonmonogame Beziehungen und Polyamorie finden gleichwertig ihren Platz. Özdemir macht mehrfach klar: Es gibt nicht die richtige Beziehungsform. In der Beziehung geht es um das, was die Beteiligten möchten und wollen. Nicht um das, was die Gesellschaft oder andere Menschen wollen oder erwarten.
Vielen Dank Umut, für deine grandiose Arbeit insgesamt und für dieses tolle Buch. Sehr schön und verständlich geschrieben, kann mir vorstellen, das Patient:innen auch weiter zu empfehlen.