Mich hat hier das Cover gecatched, und der Klappentext klang gut – musste ich lesen. Und jetzt mein persönlicher Knaller: stellte sich doch raus, dass „Split“ die englische Übersetzung eines deutschen Romans ist. Das habe ich jetzt echt clever gemacht, *lol*. Ich habe dann die deutsche Ausgabe gegoogelt; unter dem Titel „Träume und Kulissen“ ist das Buch bei Jung und Jung vor 2 Jahren erschienen ( 1. Edition / 16. Juli 2021). Wobei: der Verlag sagt mir nichts, und sowohl Cover als auch Titel sind mir nie aufgefallen. Von daher hat man bei der internationalen Fassung ein paar Dinge besser gemacht, und ich hoffe, das Buch kriegt im neuen Design auch mehr Aufmerksamkeit. die hat dieses Buch nämlich definitiv verdient.
Also, nun aber kurz zum Inhalt auf Deutsch: wir sind im Jahre 1936 in Split, dalmatische, sprich kroatische Hafenstadt im damaligen Königreich Jugoslawien. Die Stadt ist bevölkert von Italienern, Kroaten, Serben, Juden, arm und reich, alt und jung, und man hat das Gefühl, in einer buntgemischten mediterranen Mini-Metropole zu sein. Der zweite Weltkrieg lässt schon langsam seine Schatten auf Europa fallen, und in Split tummeln sich in diesem heißen Sommer diverse deutsche Filmcrews, von denen die eine Hälfte der Mitglieder der neuen nationalsozialistischen Partei angehören und die andere Hälfte froh ist, dem Deutschen Reich zumindest für ein paar Wochen den Rücken kehren zu können….in Split treffen Faschisten diverser Nationalitäten auf Schmuggler, und Spione gibt es überall. Und inmitten all dessen passiert ein Mord. Und zwar schon ganz am Anfang – gehörte das Opfer zu den lokalen Freimaurern? Die habe ich in meiner Aufzählung gerade vergessen, die mischen ja auch noch mit, ganz top-secret. Ein paar Tage später gibt’s eine weitere Leiche, die im Hafen aufgefunden wird – die Polizei hat also alle Hände voll zu tun. Mario Bulat, Hauptermittler, hat mehr als genug Verdächtige, und kann niemandem vertrauen.
Mein Leseeindruck: die Autorin hat es hier für mich wunderbar geschafft, die Stimmung und Atmosphäre einzufangen. Die letzten noch halbwegs heilen Vorkriegsjahre in einer jugoslawischen traditionsreichen Hafenstadt, ein Melting-pot der Nationen, ein Vielvölkergewimmel und mittendrin die Mordermittlungen. Ein absolut gelungenes Gesellschafts- und Zeitportrait. Das hat mich gefesselt, das war gut, das war atmosphärisch dicht.
Was ich nicht so toll fand, und wo mich die Autorin dann auch ein wenig verloren hat, waren die -zig Protagonisten, von denen keiner in meinen Augen ein Hauptdarsteller war. Wir hatten echt unglaublich viele Leute, unglaublich viele kleine Sub-plots, aber irgendwie gab es keinen Held, keine Heldin, mit der man durchgängig hätte mitfiebern können. Die Protas waren gefühlt alle gleichwertig. Finde ich für eine Doku okay, aber für einen Roman fehlt mir da was.
Was durchgängig für mich rüberkam war die Liebenserklärung an die Stadt. Split muss toll sein. Ein weiterer Ort für meine Reise-Bucketliste 😊.
Geschrieben ist der Roman sehr gefällig und flüssig, wobei ich ja nur die Übersetzung beurteilen kann. Ha, und hier ist ein mittelgroßer Brüller passiert; ich habe mir leider die Stelle nicht markiert, aber ich bin beim Lesen echt drüber gestolpert: irgendwann geht’s darum, dass irgendwelche Leute keine Kirschen essen sollten. Im deutschen war das 100%ig die Redewendung, dass mit jemand nicht gut Kirschen essen ist (mit den Deutschen zum Beispiel, hahaha), und dann ist im englischen tatsächlich „cherry eating“ draus geworden. Also Augen auf beim Übersetzen, eine blumige Redewendung aus der einen in die andere Sprache zu übertragen, klappt nicht immer….! „It‘s best not tot angle with someone“ wäre mein Vorschlag hier gewesen….
Ich komme mal zu einem Fazit, das Buch hat mir mit einigen Abzügen gut gefallen, und ich könnte mir vorstellen, dass das eine coole Verfilmung geben könnte. Traumhafte historische und sommerliche Kulisse, Spannende Zeiten, Kapitalverbrechen – das ist vielversprechend!
Herzlichen Dank an Netgalley für das Rezensionsexemplar!