Die Armutsquote in Deutschland hat ein Rekordhoch erreicht. Die verheerenden Auswirkungen erlebt Cansin Köktürk bei ihrer täglichen Arbeit als Sozialarbeiterin In Kitas, in Schulen, in der ambulanten Jugendhilfe, in Notunterkünften und in den Städten, die am stärksten davon betroffen sind. Sie fordert eine Vermögenssteuer, ein bedingungsloses Grundeinkommen und offene Grenzen als Grundlage einer gerechten Gesellschaft. Ihrer Partei, den Grünen, wirft sie vor, die eigenen Werte verraten zu haben. Cansin Köktürks Buch ist eine unverzichtbare, streitbare Stimme im Kampf für soziale Gerechtigkeit.
Ganz gut aber nichts wirklich Neues für Menschen, die sich schon mit sozialer Ungerechtigkeit beschäftigt haben. Es wirkt ein bisschen wie eine Rede voller Schlagworte, bei der eher Slogans aneinandergereiht werden, das ist aber mehr eine Stil- als eine Inhaltskritik. Liest sich insgesamt wie eine Bundestagsrede. Wenig analytisch, wenig wissenschaftlich, was aber auch gar nicht das Ziel ist. Das sollte man nur vorher wissen.
Im Kern ist es eher ein Plädoyer für die soziale Arbeit als eine tiefgehende Analyse. Der Text wirkt sehr repetitiv, man könnte 30 Seiten überspringen und würde trotzdem problemlos weiterlesen können. Für meinen Geschmack nicht systemkritisch genug, aber das ist Ansichtssache.Hätte genauso gut ein Zeitungsartikel sein können. Kein schlechtes Buch, man sollte nur Lust auf stark autobiografische Inhalte haben. Stilistisch solide, aber nichts Weltbewegendes.
Am Anfang war es schwierig für mich, mich auf die persönlichen Erlebnisse der Autorin einzulassen, weil ich eine soziologischere oder gar philosophischere Perspektive erwartet habe. Nach kurzer Zeit habe ich allerdings Gefallen am Aufbau des Buches gefunden. Am Ende kommen die gesamtgesellschaftlichen Betrachtungsweisen keinesfalls zu kurz. Ingesamt sehr berührend und motivierend.