Während im Sommer 1944 deutsche Soldaten ungarische Dörfer plündern, stellen sich die Bauern in Kákásd immer noch dieselbe Frage wie vor 700 Wie sollen sie leben von dem Lohn, den sie vom Grafen erhalten? Ein Streik könnte alles ändern. Doch in einer Zeit, in der ein Menschenleben billig und Weizen teuer ist, stehen die Chancen auf Erfolg schlecht. Ein junges Liebespaar auf der Flucht und ein Bauer bringen jedoch etwas ins Rollen, und das Leben im Dorf gerät aus den Fugen. Dieser Roman eines der größten ungarischen Romanciers war jahrzehntelang verschollen und erscheint hier zum allerersten Mal.
János Székely (born 7 July 1901 in Budapest, died 16 December 1958 in East Berlin) was a Hungarian writer and screenwriter. His best-known work is the 1949 autobiographical novel Kísértés (Temptation).
He published some of his books under the pen name John Pen. Further alternative names of his were Hans Székely and John S. Toldy. At the age of 18, he fled World War I, from Hungary to Germany. In Berlin, he wrote numerous screenplays for silent movie stars like Brigitte Helm, Willy Fritsch, Marlene Dietrich and Emil Jannings. Ernst Lubitsch in 1934 invited him to work in Hollywood. In 1938 he emigrated to the United States and became a sought-screenwriter for silent and sound films. In 1940 he was awarded the Academy Award for Best Story for Arise, My Love. In the McCarthy era, he left the United States, moved to Mexico, and in 1957 to East Berlin to work with DEFA.
János Székely war ein ungarischer Schriftsteller, der nach dem 1. Weltkrieg nach Deutschland floh, in Berlin als Drehbuchautor arbeitete und schließlich von Ernst Lubitsch nach Hollywood eingeladen wurde. Sein bekanntestes Werk ist der Roman Verlockung. Erst vor ein paar Jahren wurde durch Zufall das Manuskript zu einem bislang unbekannten Werk Székelys entdeckt, das des Romans Eine Nacht, die vor 700 Jahren begann. János Székely ist ein sehr begabter Autor und es ist schade, dass sein Werk nicht bekannter ist. Auch hier zeigt er seine ganze Erzählkunst. Er beschreibt alle Personen sehr lebendig (und es gibt eine Menge von ihnen). Für mich war es sehr interessant, mehr über die ungarische Geschichte zu erfahren. Das meiste davon war mir bisher unbekannt. Auch mehr über die Traditionen Sinti und Roma (die hier als Zigeuner bezeichnet werden, was aber im Nachwort erklärt wird) war äußerst spannend. Eine Nacht, die vor 700 Jahren begann, endet nach etwa 650 Seiten. Für mich hätten es dabei ruhig auch ein paar weniger sein dürfen. Dann auch wenn die Geschichte sehr spannend und gut zu lesen ist, so ist sie doch an der einen oder anderen Stelle ein wenig zu ausschweifend. Ich meine damit nicht Einschübe zu historischen Begebenheiten oder Erinnerungen an die Kindheit. Ich meine eher Szenen wie beispielsweise die, als Julka und Marci Unterschlupf bei einem Bauern finden und dabei gewisse Gedankengänge wieder und wieder erzählt werden. Da hätte ordentlich gekürzt werden können, ohne dass der Geschichte an sich etwas abgegangen wäre.
Eine opulente Geschichte, die jetzt erst nach über 70 Jahren Verschluss ihre Veröffentlichung bekommt. Der Autor János Székely erzählt auf über 600 Seiten eine Geschichte, die sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt. Es gibt immer wieder Rückblicke in die Jahre 1514 und 1848. Sie erzählen stets von einem ungarischen Dorf, welches bereits seit Jahren von der Grafschaft unterdrückt und ausgebeutet wird. Jedoch wehren sich die Bauern kaum. Sie ertragen es, hungern und sterben in bitterer Armut. Aber es gibt auch immer wieder Männer und Frauen, die sich zur Wehr setzen und in der fortlaufenden Geschichte als Helden verehrt werden. Besonders Dani Kurucz taucht bei den Dorfbewohner:innen immer wieder in den Erinnerungen und Geschichten auf. Wird er auch 1944 wieder auftauchen und die Bauern beschützen?
János Székely hat bereits mit seinem Buch "Verlockung" gezeigt, was er für ein unglaublich guter Erzähler er ist. Er beschreibt die Charaktere und die Umgebung so detailliert und lebensnah, dass man sich schnell ein entsprechendes Bild erschaffen kann. Die Charaktere sind vielfältig und spiegeln die verschiedenen Gesellschaftsschichten Ungarns wider. Es gibt viele Charaktere, die man nur schwer ertragen kann und Charaktere, denen man gern folgt. Man lernt einiges über die politischen und gesellschaftlichen Konflikte, aber auch Traditionen von Ungarn.
János Székely hat dieses Buch nicht mehr veröffentlichen können. Es wurde erst jetzt entdeckt und von Ulrich Blumenbach übersetzt. Vielleicht hat man sich deshalb nicht an eine Kürzung des Textes gewagt, denn leider waren manche Szenen zu lang und ausschweifend. Andere Szenen wiederholten sich in den Jahren. Eine Straffung hätte der Geschichte gut getan. Ich kann jedoch auch verstehen, dass man posthum keine Kürzung vornehmen möchte bzw. kann.
Trotz mancher ausschweifenden Passagen ist es eine lesenswerte Geschichte, da János Székely ein phantastischer Erzähler ist, dessen Geschichten man gelesen haben sollte.
Eine epische Erzählung im Kleinen, denn eigentlich geht es hier vor allem um ein Dorf und dessen Geschichte, getragen von den Menschen, die unterschiedlich sind und dennoch miteinander verbunden. Dieses Buch erzählt viel geschichtliches, politisches und zeichnet dabei auch die handelnden Charakter sehr gut. Letzlich geht es um Marci und Julka, die in den Wirren des zweiten Weltkriegs auf der Flucht sind und in diesem Dorf landen bzw. Unterschlupf finden. Die beiden verbindet eine gemeinsame Geschichte und am Schluss eine Hassliebe. Immer wieder werden weitere Erzählstränge aufgemacht, über das Leben einiger Figuren erzählt und deren Beziehungen zueinander dargestellt. Mythen zur Geschichte des Dorfes und auch immer wieder Perspektiven der handelnden Personen, fast schon philosophische Plädoyers und gute Dialoge geben dem Buch hier eine gewisse Tiefe. Die Erzählweise ist detailliert, manche würden vielleicht von einigen Längen die das Buch hat sprechen. Aber gerade dadurch, dass es im Original vom Autor so verfasst und nicht mehr gekürzt oder worden ist, würde ich hier nicht von Längen sprechen.
Mich hat das Buch beeindruckt, weil es erzählerisch immer nah an den Figuren ist, dabei geschichtliches sowohl objektiv als auch subjektiv einfängt und zudem ein umfangreiches Gesamtbild eines Volkes aus der Sicht eines Dorfes vor und im zweiten Weltkrieg aufzeigt.
Der 7o Jahre verschollene Roman des Ungarn János Székely ist unfassbar intelligent konstruiert und zieht ab Seite eins in seinen Bann. Die Erlebnisse der Zigeunerin Ilka werden stufenweise freigelegt und verschmelzen mit den Bewohnern eines kleinen ungarischen Dorfes. Mit seinem gefühlvollen und anmutigen Erzählstil hebelt Székely die Miss/Verständnisse der selbstgemachten Rassentrennung aus und schreibt von der unendlichen Ohnmacht der gesellschaftlichen Unterschicht gegenüber dem Adel. Der Roman ist von derart enormer Tiefe und Ausdrucksstärke, dass man sich öfters beim gedankenversunkenen in die Ferne starren ertappt. Schon lange kein so kluges und ausdrucksstarkes Buch in Händen gehalten.