Da bin ich doch erneut dem Lockruf auf dem Buchrücken auf dem Leim gegangen: "Ein großartiges Buch! Ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen." - Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie keinem Familienfoto mehr trauen." - "Eine Familiengeschichte, die so spannend ist wie ein Kriminalroman und so vielschichtig wie ein Gesellschaftsroman." - Wer das behauptet, müsste mir prompt mein Geld zurückgeben! -
In meiner Wahrheit sieht es folgendermaßen aus: Es ist Lichtjahre davon entfernt ein großartiges Buch zu sein. Ich musste aufhören zu lesen. Ja, ich werde nie wieder Familienfotos in einem Buch trauen, die nur dazu dienen, einer Geschichte Authentizität zu verleihen, um Leserinnen zum Kauf zu verführen, was bei mir leider funktioniert hat. Es ist eine Familiengeschichte, für die es letztlich keinen Beweis gibt bzw. für die die Autorin keine erbringen konnte. Trotz aller Briefe und Dokumente bleiben es Vermutungen, die durchaus wahr sein können oder aber auch ganz andere Erklärungen zulassen. Das auf Papier gebrachte dunkle Familiengeheimnis ist beileibe kein vielschichtiger Gesellschaftsroman. Es ist eine einseitige Niederschrift, in der die Autorin von ihren Entdeckungen, Recherchen und Interpretationen erzählt. Dies geschieht in geradezu naiver Form, gleich einer gewöhnlichen Tagebucheintragung, die für Niemands Augen bestimmt ist.
Zur Untermauerung ihrer Vermutungen bastelt sie Ausschnitte von Briefen - jetzt kommt's - doppelt und dreifach in den Text hinein. So passiert es eben, dass ich ein und denselben Abschnitt ein paar Seiten später erneut präsentiert bekam. Der Autorin fehlt zudem jegliche Distanz zum Thema und zu den Personen. Es finden sich unnötige Details von Szenen, die völlig unwichtig für die Geschichte sind. Auch ihre voreiligen unbedachten Schlussfolgerungen wurden immerdar eingefügt und trugen in keiner Weise dazu bei, diesen Buch zu etwas Großartigen zu verhelfen. -
Schade, mal wieder! Ich hoffe, ich lerne endlich daraus!