Ida möchte sich um keinen Preis binden. Als sie auf Antoine trifft, stellt sie sich den Fragen nach ihrer Herkunft.
Ida lässt niemanden so leicht an sich heran. Eher hangelt sie sich von einem Mann zum anderen, lose Bekanntschaften sind ihr wichtiger als tiefgehende Beziehungen, sich an jemanden zu binden, scheint ihr unmöglich. Plötzlich aber wird sie durch ihre Begegnung mit Antoine und seinen beiden Töchtern Agnes und Leïla mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Ausgehend von der Beziehung zu ihnen beginnt sie, sich auf die Suche nach ihrer Herkunft zu machen. Schnell ist sie fasziniert von der Geschichte ihrer lange verstorbenen Großmutter Magdalena, die bislang ein blinder Fleck für sie war. Ida umkreist die Lebensgeschichte ihrer Großmutter wie ein Satellit, verknüpft deren Leben mit ihrem eigenen, ihre Erinnerungen mit Fremderinnerungen. Hat Magdalena die eigene Schwester Anna denunziert, weil sie 1941 ein Verhältnis mit einem französischen Kriegsgefangenen eingegangen ist? Während Idas Nachforschungen tauchen 300 Seiten Briefmaterial auf – alles Liebesbriefe von einem gewissen Raphaël, adressiert an Magdalena … Die Denunziantin hatte offenbar selbst ein Verhältnis zu einem Kriegsgefangenen. Zwischen Suchen und Finden, Traum und Wirklichkeit, Erzählen und Erinnern umkreist Luise Maier Fragen nach der eigenen Herkunft, nach den Zusammenhängen von Vergangenheit und Gegenwart.
Ich schwanke noch zwischen vier und fünf Sternen. Für eine abschließende Bewertung muss ich „Ehern“ noch ein zweites Mal lesen. Über den Inhalt möchte ich heute nicht mehr verraten, als dass es unter anderem um Transgenerationalität geht, ein Thema, das mich schon geraume Zeit beschäftigt.
Can't help myself aber ziemlich tief hat mich „Ehern" von Luise Maier gefangen genommen und bei sich behalten. Woher wissen wir, wer wir sind, was unsere Ängste ausmachen? Ich nehme es wie der Brander Kaspar und meine: glauben heißt nichts wissen! Und doch konnte ich alles beschriebene nachfühlen. Was hat unsere Eltern geprägt? Was prägte unsere Großeltern? Ein Plädoyer, um in die eigene Geschichte einzutauchen. Vielleicht werden Verletzungen dadurch nicht weniger oder gar geheilt, jedoch kristallisiert sich eine Sache für mich maßgeblich heraus: wir Menschen müssen sprechen. Ein Buch zur rechten Zeit, ziemlich schnell war ich im Sog. Denn L. Maier kann schreiben: und wie!
Ida ist auf der Suche. Nach ihren Wurzeln im Heute und in der Vergangenheit, nach sich selbst. Zunächst lässt sie sich treiben, bereist die Welt, probiert sich aus. Dabei landet sie auch mal in einem Neuseeländischen Gefängnis, erlebt den rauen Alltag eines Sozialarbeiters in Nairobi oder hängt in Georgien mit dem Kopf voran aus einem Hochhaus. Nebenbei hat sie hier und da Liebeleien, festlegen möchte sie sich auf mehreren Ebenen nicht. Dann lernt sie Antoine kennen, der bereits zwei Töchter hat und mit dem sie eine feste Beziehung eingeht. Ausgehend von diesem Fixpunkt beginnt sie sich mit ihrer Familiengeschichte auseinanderzusetzen. Idas Mutter stammt aus einer ländlichen Großfamilie, die in Ehern angesiedelt war. Ihre Erziehung war geprägt von einer verbitterten Mutter, Gewalt und den Schmerzen der Kriegsgeneration. Magdalena, Idas Großmutter, heiratete nach dem Tod ihrer Schwester Anna deren Mann Anton. Doch ihr Herz gehörte eigentlich einem anderen. Wer das war und warum diese Beziehung nicht sein sollte, findet Ida mühselig heraus. Je klarer das Bild ihrer Vergangenheit wird, desto mehr lernt sie auch sich selbst kennen. Luise Maiers Roman "Ehern" ist ein Puzzlebuch, das sich erst nach und nach zusammensetzt. Die Handlung verläuft nicht stringent, vielmehr baut Meier aus kleinen Szenen, Gedanken, Träumen, Briefen ein Familiengeschichtengerüst, das erst ganz am Ende in seiner Gänze betrachtet werden kann. In drei Teile teilt sie ihr Buch dabei: Der erste Teil widmet sich Ida, der zweite ihrer Familie und im dritten werden beide Stränge zusammengefügt. Dieser Aufbau verlangt durchaus Konzentration ab, man muss sich einlassen auf dieses Puzzlespiel, auf springende Szenen und Gedanken. Tut man das aber, ist man ganz dicht an Idas Blick dran, geht mit ihr auf die Suche und erfährt sehr authentisch, wie transgenerationale Traumata sich in Kopf und Körper festsetzen, weitergetragen werden und wieviel Kraft es kostet, sie zu durchbrechen. Ein kluges, besonderes Buch, das dazu inspiriert, das eigene innere Puzzle zu sortieren und zusammenzusetzen.
Transgenerationales Trauma ist das zentrale Thema dieses Romans.
Ida lebt ein emotional unstetes Leben. Sie kann sich an keinem Partner binden und macht ein Spiel daraus, mit möglichst vielen Männern zu knutschen oder noch intimer zu werden. Als sie Antoine begegnet stellen er und seine Kinder Fragen nach der Vergangenheit ihrer Familie. Ida beginnt, sich damit zu beschäftigen und besonders Anna, die im dritten Reich inhaftiert war, weil sie ein Verhältnis zu einem französischen Zwangsarbeiter hatte, löst bei ihr starke Gefühle aus. Wir tauchen ein in die Geschichte einer Familie mit einer nationalsozialistischen Vergangenheit. Landwirte, die keine höheren Positionen hatten, aber der Ideologie nahe standen. Magdalena, Idas Oma, die 8 Kinder nach den brutalen, pädagogischen Richtlinien der Johanna Harrer erzog, mutiert nach und nach zur zentralen Figur, und am Ende wird deutlich, dass sie eine eigene Geschichte hat
Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Dabei wechselt die Erzählperspektive von der ICH Figur Ida, zum allwissenden Erzähler, und wieder zurück zu Ida. Besonders im ersten Teil wird sehr zwischen den Ereignissen hin und her gesprungen, und es ist mir teilweise schwer gefallen, die Verknüpfung zu erkennen. Ab dem zweiten Teil fiel mir das deutlich leichter, und die Geschichte konnte mich sehr für sich einnehmen. Obwohl der Erzählstil weiterhin sehr sprunghaft bleibt, bekam ich einen tiefen Einblick in die harte Kindheit vor allem der Töchter Magdalenas, die ohne Liebe aufwuchsen. Dieser Roman ist sehr temporeich erzählt, so dass die Brutalität oft plötzlich und unerwartet kommt und mich nachhaltig geschockt hat. So schnell werde ich manche Bilder nicht vergessen. Der Zusammenhalt der Schwestern ist sehr bewegend. Eine rasant erzählte Familiengeschichte, die uns mal wieder aufzeigt, wie wichtig es ist, die eigene Historie zu kennen und aufzuarbeiten damit, damit sich dunkle Zeiten nicht auf weitere Generation übertragen.
"als wäre mein Gehirn, mein Körper mit den Gehirnen, den Körpern all der Mütter verknüpft, als wäre ich eine Matrjoschka, die in sich alle Mütter meiner Linie vereint"
Die Erzählerin befasst sich mit ihrer Familiengeschichte. Anfänglich erzählt sie in kurzen Vignetten aus ihrem Alltag, von Situationen, die durchaus nicht gewöhnlich sind. Derart pointierte Aussagen vermisse ich im zweiten Teil, der hauptsächlich aus Briefen der Vergangenheit besteht. Dennoch ein explosives Gemisch.