Trotz niedriger Erwartungshaltung immer noch ein schwaches Finale...
Nachdem ich die ersten beiden Bände der Reihe eher mittelmäßig oder zumindest stark ausbaufähig fand und einige Kritikpunkte hatte, bin ich ohne große Erwartungen an das Finale herangegangen, was definitiv auch gut war, denn meine bestehenden Kritikpunkte haben sich hier leider nicht in Wohlgefallen aufgelöst, sondern vielmehr noch ausgedehnt.
Die gute erste Hälfte des Buches verlief wieder recht ruhig, wobei ich mich beim Lesen aber trotzdem nicht gelangweilt habe - Dazu mag ich Lena Kiefer's Schreibstil auch viel zu gerne. Sie schreibt einnehmend, nahbar und gefühlvoll. Ihr Schreibstil ist leicht und ließ sich für mich flüssig lesen. Die Seiten flogen nur so dahin, aber sonderlich viel passiert ist darin leider nicht.
Das erste Happy End war schön, hat mich aber auch beunruhigt, da zu diesem Zeitpunkt noch einige Seiten verblieben waren, was deutlich machte, dass noch ein ein großer Knaller kommen musste und so war es dann auch. Dadurch konnte ich die schönen Momente nicht so richtig genießen und dann waren sie auch noch ebenso schnell wieder vergangen wie sie aufgetreten sind.
Der finale Coup war nervenaufreibend und packend. Ich bin nur so durch die Kapitel gerast und habe nichts mehr um mich herum wahrgenommen, ich war wie im Tunnel und genau dieses Spannungslevel hätte ich mir viel früher gewünscht. Dieses Buch ist schlicht und ergreifend seltsam aufgebaut, und zwar nicht nur in Bezug auf den Spannungsbogen, das Plotting hat mich ebenfalls irritiert.
Die Auflösung war so vorhersehbar, dass ich sie fast schon wieder ausgeschlossen hätte. Es gab viel zu viele offensichtliche Hinweise, die jeden Überraschungsfaktor ausgelöscht haben. Trotz meiner geringen Erwartungen an dieses Buch habe ich gerade in Bezug auf die finale Auflösung immerzu auf ein Mehr gehofft, das mich leider niemals erreichte. Das Plotting dieser Trilogie war für eine Buchreihe von Lena Kiefer ungewöhnlich flach und schwach. Ich bin wirklich enttäuscht. Zudem wurde der finale Showdown wahnsinnig schnell abgehandelt, während sich die Autorin davor hunderte Seiten lang in irrelevanten Nebenhandlungen sowie dem ewigen Hin und Her zwischen Felicity und Elijah verloren hat.
Ich weiß nicht einmal, ob diese Auflösung Sinn macht und hundertprozentig schlüssig ist. Vom ersten bis zum letzten Band dieser Reihe habe ich mich gefragt, wieso Lena Kiefer eine oder vielleicht sogar DIE zentralste Verstrickung bereits im allerersten Prolog offengelegt hat, und ich habe immer noch keine Antwort darauf gefunden, denn diese Enthüllung war tausendmal schockierender und vielversprechender als alles was in diesem Buch hier passiert ist. Ich dachte die ganze Zeit, dass diese frühzeitige Offenbarung bedeutet, dass die Handlung nur noch krasser werden würde, aber das tat sie leider nie. Letztendlich bot sich mir hier ein mehr als schwaches Endgame, das mich unzufrieden zurücklässt.
Die Charaktere haben es mir ebenfalls nicht leicht gemacht, vor allem Elijah, weil er immer alles mit sich selbst ausgemacht und infolgedessen wiederholt gefährlich unbedacht gehandelt hat, ohne jemals irgendwen über seine Pläne zu informieren. Er hat permanent über Felicity's Kopf hinweg entschieden und sie von sich gestoßen, was mich unheimlich wütend gemacht hat - Und dann kam Felicity auch noch immer wieder angekrochen und hat sich bei ihm entschuldigt! Wofür denn bitte?! Auch wenn Elijah eindeutig "der Böse" in dieser Liebesgeschichte ist, machte mich Felicity's nicht vorhandene Selbstachtung rasend vor Wut.
Lena Kiefer zeigt hier eine Beziehung, wie sie niemals sein sollte, und dafür wird sie innerhalb dieser Geschichte viel zu wenig angeprangert. Das ist nicht die Liebesgeschichte, die ich mir gewünscht habe. Das ist keine Liebesgeschichte, für die ich brennen kann. Das ewige Hin und Her zwischen den beiden war so ermüdend zu begleiten und Felicity verdient definitiv mehr als das!
Mein einziger Lichtblick neben Helena und Jess war Buddy - Er ist der stärkste Charakter dieser Buchreihe und hat die ganze Geschichte auf seinem kleinen, felligen Rücken getragen. Aber so sehr ich Buddy auch liebe, ein Hund sollte nicht der beste Charakter einer New-Adult-Romance-Buchreihe sein!
Lena Kiefer hat Eli mit diesem Spin-off in meinen Augen wirklich keinen Gefallen getan. Er durchläuft hier eine der negativsten Charakterentwicklungen aller Zeiten und ich mochte ihn in "Westwell" echt gerne. Sein Handeln ergab für mich trotz Innensicht überhaupt keinen Sinn und ich wäre beim Lesen am liebsten in das Buch hineingesprungen, um ihm endlich den Therapieplatz zu besorgen, denn er offensichtlich so dringend braucht. Mitzuerleben wie er sich komplett in sich selbst verlor, tat so weh!
Ich habe dieses Buch, wie die ersten beiden Bände auch schon, im Buddyread gelesen und es hat mir wieder unheimlich viel Freude bereitet, gemeinsam die wildesten Theorien zu spinnen (die in diesem Fall leider Gottes alle interessanter und spannender waren als die Realität) und sich zusammen über Elijah und seine undurchdachten Alleingänge aufzuregen. Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, wie ich dieses Buch empfunden hätte, wenn ich es alleine gelesen hätte, aber ich gehe davon aus, dass es mir dann noch weniger gefallen hätte, denn ich habe das Lesen wegen des Austauschs genossen und nicht den Buddyread wegen des Buches, so traurig das auch klingt.
Ich bin froh, dieses Buch nicht alleine gelesen zu haben, aber trotz meines tolles Buddyreads ist es für mich leider die bisher schwächste Buchreihe der Autorin. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso es alle so sehr lieben und vor allem auch viel mehr als die Don't-Reihe, aber es freut mich natürlich für diese Leser:innen. Ich hoffe, euch gefällt "Coldhart" besser als mir 💛
2,5/ 5 Sterne ⭐️