Die Texte in diesem Buch ändern ständig ihr Tempo, so wie wir selbst, so wie die Welt um uns herum, täglich, dauernd, absichtlich oder unfreiwillig.
»Tempoänderungen« enthält hunderte extravagante Miniaturen über zeitgenössische Phänomene, fragmentierte Betrachtungen über die Fragwürdigkeit von Wirklichkeit, freischwebende Textmoleküle in Hülle und Fülle, groteske Short Stories sowie Gedichte mit Titeln wie »Niedergeschlagenheit in Zeiten der Hochkonjunktur«, »Der Spaß der Sprache der Straße« oder den Dreizeiler »Sinken«:
»Was wir kaum / Wir können immer sinken. / Bei wem uns nur bedanken?«
Dieses Buch chronologisch wie einen Roman zu lesen ist vermutlich der falsche Zugang. Es ist eher ein Anreiz, ein Spiel mit Worten und Gedanken, in dem man schmökert. Dieses Spiel gelingt mehr oder weniger, teilweise hervorragend, teilweise fragwürdig. Andererseits ist das auch die Absicht. Die Texte sind nichtssagend und zugleich liegt ihnen die Sinnhaftigkeit der Welt zugrunde: alles Auslegungssache, alles vom Leser abhängig.
In einem der unzähligen Kurztexte fasst Markus Binder das Buch selbst treffend zusammen:
“Im Gegensatz zur Verteilung von Texten auf einander folgende Seiten wäre ein Buch wie dieses hier idealerweise als mehrdimensionales Netzwerk darzustellen, als eine Wolke aus unterschiedlichen Mikrogeschichten, alles da in quirliger Gleichzeitigkeit, ein Mix aus Fragmenten, Gedanken, Fundstücken, Jargons, Rhythmen, gefundenen, verdrehten und erfundenen Textmolekülen, Spielereien, Surrealitäten, Spintisierereien und sprachlichen Intensitäten, die auftauchen, zirkulieren und sich wieder verlieren wie ein Traum im Schlaf.”