Ein Gedenken an den verstorbenen Vater, ein Nachdenken darüber, was erben heißt, ein kämpferischer Aufruf, aus der Falle des alternativlosen Denkens und Handelns auszubrechen.
Das Erbe seines Vaters hat Lukas Bärfuss ausgeschlagen: Es waren vor allem Schulden. Geblieben ist nur eine Kiste, die der Sohn nach fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal in Augenschein nimmt und die ihn zurückführt in seine eigene, schwierige Kindheit, in eine Jugend auf der Straße. Die Fragen werden drängend: Was hat er geerbt von seinem abwesenden, kriminellen Vater? Wie steht es um ein auf Privatvermögen zielendes Erbrecht, das uns, obwohl kaum hundert Jahre alt, wie ein Naturgesetz vorkommt? Wie steht es um die Verantwortlichkeit jenseits der familiären Bindung, wie steht es um die Teilhabe der Nachgeborenen, deren Schicksal wir bestimmen mit dem, was wir ihnen hinterlassen, mit unserem Erbe, unserem Müll?
Antworten werden sich nicht finden lassen, solange das planende Denken vor dem Wegfall aller Selbstverständlichkeiten die Augen verschließt, solange es sich einer Enttäuschung verweigert, die uns die wichtigen Fragen erst ermöglichen würde: Wollen wir weiter so leben wie bisher? Und wenn nicht: wie dann?
Anfangs sehr interessant, vor allem, wenn es autobiografisch und soziologisch-politisch wurde. Einige seiner Gedanken fand ich spannend und einleuchtend, z.B. in Bezug auf die Obsession unserer Gesellschaft, sich über die eigenen Vorfahren zu definieren. Ab der Hälfte dann viele philosophische Gedanken und Sprünge, denen ich nicht folgen konnte. Vom I. Buch Mose über Darwin, die Müllentsorgung und Kafka bis hin zum Klimawandel war alles dabei. Viel Namedropping und insgesamt irgendwie männlich-prätentiös geschrieben. Und was genau jetzt in Vaters Kiste war, weiß ich immer noch nicht.
Ich weiss schon, was er machen wollte. Irgendwie ich fand das Buch seltsam berührend. Der stream of consciousness war auch ganz lesbar, wenn er doch oft hin und her springt. Seine Forderungen, Analysen, Kritiken sind alle angekommen und verständlich. Aber in dieser Form halt doch nicht fordernd und übersichtlich genug. Auch war der Text meiner Meinung nach teilweise sehr pretentiös. Naja, berührt hat er mich trotzdem.
Schade, es war einfach überhaupt nicht, was ich erwartet hatte bzw. was mir "versprochen" worden war. In einer Konferenz hatte ich Lukas Bärfuss über dieses Buch und seine Familiengeschichte reden hören und war sehr angetan von der Idee, da hinein lesen zu dürfen. Gerade was die Frage des "Nicht-Erbens" angeht und was dies mit einem Nachkommen macht, da ich mich mit dieser Frage auch selbst auseinander setzen musste. Leider hat es in diesem sowieso schon sehr schmalen Buch nur sehr wenig von diesen angepriesenen Themen, zwar kommt die Familie, der Vater, seine Asche, die Kiste, die Frage nach dem Erben vor allem von negativen stigmatisierenden Elementen durchaus auch mal auf den Tisch bzw. aufs Papier, aber im Grossen und Ganzen dieses wie gesagt schmalen Bands drehen sich Lukas Bärfuss' Gedanken um alles mögliche, um die Evolution nach Darwin, um Klimawandel, um Kafka, die Sprache, sozialgeschichtliche Anekdoten hat es auch. Zwar beweist Lukas Bärfuss eine umfassende Beschäftigung mit diesen vielfältigen Themen und vielleicht damit eine Ablösung aus seinem prekären und bildungsfernen Elternhaus, vielleicht stehen all diese Überlegungen für das Erbe, das er abgelehnt hat... Für mich allerdings war es irgendwie völlig am Thema und an meinen Erwartungen vorbei, ich habe mich trotz der Kürze des Textes durch ihn durch gequält und bin schlussendlich ziemlich enttäuscht.
auf seltsame art und weise hat es mich berührt, dieses büchlein. lukas bärfuss hat einen wunderbarsamen "weg mit worten" (wie mein härzchäferli sagen würde). ich las dieses buch, weil meine therapeutin mir den podcast mit seinem autor empfahl über das erben. weil er sie beeindruckt hatte, als er sagte, er habe die vernachlässigung durch seine eltern nie auf sich bezogen. und er hat einen wundersamen, bewunderbaren umgang mit seiner geschichte, doch "vaters kiste" ist mindestens ebenso eine kapitalismuskritische abhandlung wie eine verarbeitende (auto)biografie. bärfuss plädiert dafür, die gesellschaft durch eine abschaffung des erbens in zeitlupe zu revolutionieren, und wenn ich auch nicht glaube, dass das ausreicht, so hat mir sein ansatz doch einen happigen denkanstoss gegeben. an seiner generation gemessen hat der gute herr bärfuss auch einen erstaunlich intersektionalen blickwinkel (klimakrise, klimaschuld). können sie mich adoptieren herr bärfuss? vielleicht können sie mir ja erklären, wie mensch das emotionale erbe eines noch lebenden vaters ausschlägt. auf ein kafi im pyri? oder gleich in m., da war mein papa nämlich auch schon, aber nur, weil er nicht ins andere m. konnte zur therapie. eben erst habe ich die von ihnen erwähnten wasserfälle besucht mit sherlock holmes und an einen spaziergang mit meinem vater gedacht vor einigen jahren durch das tourismusverschandelte dorf und die vielen deerstalker (so heissen die dinger doch, nicht?). ich werde sentimental. das angebot steht.
A short book on the topic of inheritance, inspired by a box of ephemera that the author was handed after his father's death. Contained therein: demands and reminders for payment of public and private debts; a handwritten CV with questionable entries; official papers. These bear silent witness to his father's lifetime of failure in the context of bourgeois society's expectations, and more generally the question of inheritance and how our world is structured by its brutal ability to enforce the passing of privilege through the generations.
Lukas Bärfuss writes in a highly literate and sophisticated German that requires considerable attention and application on the part of the reader: this isn't a casual read. I found it to be an engaging and thought-provoking attempt to wrestle with a problem that is generally hidden from view because it's so much a fundamental assumption of the society in which we live.
Funnily enough it has taken me a few weeks to get this little review published. There was a problem with the ISBN number for the book that meant it was not being recognized as a legitimate book by the Goodreads system. Instead, a duplicate version of the book by "unknown author" had usurped its rightful place and stolen the inheritance. It took some effort on my part to raise the issue with those who have the power to redeem banished works and rehabilitate them. A nice little parable on the complexities of inheritance.
Der Lesezirkel, again ein Schulterzuckemoji. – Dafür, dass ich es schlecht finden wollte, fand ich es eigentlich recht gut, vor allem auch, dass es doch schnell ausgelesen ist. Viele Gedanken von Bärfuss finde ich interessant, stimme seinen Schlüssen zu. Anderen kann ich nicht folgen, etwa wenn Kafka und der Klimawandel quasi im selben Topf kochen. Am besten gefällt mir, wenn er wirklich erzählt, doch das macht er in diesem Büchlein nur selten, schade.
This pamphlet stems from a lecture the author delivered in the autumn of 2021. Had I read this note earlier—tucked away in the final pages—the overall approach might have been clearer, or at least I would have better understood the writing style. It’s also a type of book outside my usual genres, which may color my assessment. That said, its fragmentation is undeniable. I found it very hard to stay focused: the text feels like a cluster of ideas where the author offers prompts but never truly develops any of them. More importantly, he refrains from sharing personal reflections; reading the endnotes, you realize how many of his words are actually quotations.
I also expected more on the personal dimension of his relationship with his father. I thought he would use that starting point to thoroughly explore the notions of origin and inheritance. Instead, the father is almost absent—reduced to background noise for a broad commentary on society, politics, economics, ecology, and so on. Lastly, on a purely personal level, I don’t connect with the author’s cynicism. Still, I’m glad I managed to finish the book despite the difficulties, even if I suspect that before long I’ll have forgotten most of its content.
Vo sim erbe us, d kiste vo sim vater, verzellt de bärfuss philosophisch u.a. vom problem vo familie, erbe und natione. immer kapitalismuskritisch isch das buech mrga spannend, aber au mengisch ahstrengend zum lese. isch jz nöd es buech, wommer amigs churz im zug liest, sondern sich au chli muss ziit neh. weg dem kei 5 sternli aber suscht würkli mega
Das Buch hat mich inspiriert und teilweise berührt. Mir fehlte aber der rote Faden, ich konnte die Gedankengänge nie ganz verknüpfen. Die angesprochenen Problematiken sind sehr spannend und haben mich ins Grübeln gebracht - die Gedankensprünge fand ich aber anstrengend.
schwierig zu bewerten. viele spannende und merkenswerte Gedanken aber irgendwie ein bisschen chaotisch aneinandergereiht und irgendwie erstaunlich wenig über die Kiste des Vaters. das gedankenaneinanderreihen fühlte sich für mich immer wieder wie prahlen an..