2007 spricht ein junger Mann vor einem Millionenpublikum die Worte: »Ich bin Balian!« und kündigt seine bevorstehende Transition an. Balian Buschbaum wird zum Vorbild für viele Menschen auf dem Weg zu ihrer wahren Identität. Inzwischen ist das Thema Diversität mitten in der Gesellschaft angekommen, wird leidenschaftlich diskutiert, führt aber auch zu Unsicherheiten und Unverständnis. Balian Buschbaum klärt auf und beantwortet offen und verständlich Fragen zu den unterschiedlichen Diversity-Dimensionen, zu geschlechtlicher Identität und Selbstverständnis. Wie unterstützen Eltern ihre Kinder am besten? Wie kann der Freundeskreis, die Nachbarschaft mit den Neuigkeiten und persönlichen Veränderungen umgehen? Wie können Firmen die Vielfalt in ihrem Unternehmen besser fördern und einsetzen?
Und Balian Buschbaum erzählt über seinen eigenen Weg. Fast 15 Jahre lebt er nun ein selbstbestimmtes Leben. Einen Schritt, für den er hart gekämpft hat, immer noch kämpft und für Aufklärung sorgt. Denn eins ist für Balian Buschbaum sicher: Ohne Diversität kein Überleben!
Ich muss gestehen, trotz einiger guter Stellen bin ich etwas enttäuscht.
Der Autor sagt zwar immer wieder, wie wichtig ihm Diversität ist, äußert sich gleichzeitig aber immer mal wieder ziemlich machohaft Frauen gegenüber.
Auch, dass jemand mit diesem Hintergrund so stark veraltete Geschlechterklischees bedient hat mich doch sehr erstaunt. U. a. erkannte er, dass er ein Junge war daran, dass er lieber Fußball spielte, als "typische Mädchensachen" zu machen. - Entschuldigung aber über solche Klischees sollten wir inzwischen nun wirklich hinaus sein. Auch wenn es der Autor selbst so empfunden haben mag, hätte ich mir ein wenig mehr kritische Reflektion zu dem Thema gewünscht. Natürlich ist Balian Sportler und nicht Verhaltensforscher aber ein wenig mehr Recherche zum Thema Vererbung vs. erlerntes Verhalten hätte dem Buch sicher gut getan.
Vielleicht tue ich ihm auch etwas Unrecht, es scheint mir dieses Buch leidet unter einem Problem, dass einige Bücher dieser Art haben: Sie wollen eigentlich nur Biographie und Gedankenspiel des Autors sein, werden aber durch Vermarktung/Covergestaltung zu etwas aufgeblasen, was Sie nicht sind. Auch hier erweckt das riesengroße DIVERSITY auf dem Cover den Eindruck, hier werde ein großes wichtiges Thema durchleuchtet und kritisch aufbereitet. Ein Eindruck, dem Balian nur mit Wiedergabe seiner persönlichen Erfahrungen und Meinungen gar nicht gerecht werden kann und was vermutlich auch gar nicht sein Anspruch war.
Gefallen haben mir Balians Überlegungen zum Thema Sport und einer möglichen dritten Kategorie außerhalb der männlich-weiblichen Dualität. Keine bahnbrechenden Erkenntnisse aber ohne Frage ein wichtiges Thema von dem ich gerne mehr von Sportlern selbst hören würde. Auch bei Balians persönlichen Schilderungen blitzte hin und wieder eine anscheinend sehr sympathische Persönlichkeit auf. Leider blieben diese Momente zu selten um wirklich wirken zu können.
Ich möchte zum Ende noch erwähnen, dass ich die Version von 2022, meines Wissens nach eine überarbeitete Version von "Blaue Augen bleiben blau" gelesen habe. Gerade, deshalb hatte ich einen aktuelleren Bezug zu manchen Themen erwartet. Leider hatte ich dass Gefühl, dass außer Vor und Nachwort nicht wirklich viel an der 2010 erschienen Fassung verändert wurde - auch wenn ich das nicht wirklich beurteilen kann, da ich die alte Fassung noch nicht gelesen habe.