In der vermeintlichen Idyllik einer deutschen Provinz in den Jahren vor 1933 sucht Gustl Amricht, Kleinstädter, Zigarrenladeninhaber und Schwimmphänomen, die Nähe von Frieda Geier, erobert und heiratet sie. Aber an der Selbständigkeit Friedas prallen »die natürlichen Machtmittel des Mannes« ab, sie läuft ihm davon, und der Enttäuschte stürzt sich mit großem Entschluß auf die wichtige Aufgabe: er wird wieder der erstklassige Krauler, der aus seinem mannhaften Körper das letzte für seinen Verein herausholt.
Sehr eindrücklich geschriebener Roman, ganz im Sinne der Neuen Sachlichkeit am "Realen" orientiert, schlichte Beschreibungen, in einem grossen Fluss geschrieben. Fleißer beschreibt mit Frieda die neuen Freiheiten für Frauen um 1930, welche die Protagonistin aber stark verteidigen muss – um in ihrem von Männern dominierten Beruf zu überleben, muss sie eigentliche "Männereigenschaften" annehmen. Von der freien, selbstständigen, Widerstand leistenden Frieda fühlt sich Gustl stark angezogen und sie realisiert, . Frieda ist eine Aussenseiterin in der Kleinstadt, ihre Andersartigkeit wird negativ beurteilt (auch ihre sexuelle Freiheit ruft Irritation in der Kleinstadt aus). Auffallend sind die sachlichen Entscheidungen der Figuren (), die objektiven Beurteilungen () und dass der Sport, die Technik eine gewichtete Rolle spielen – die Figur des Sportlers ist sehr charakteristisch für die Zeit. Der nüchterne Blick, eine zynische, ironisierende Instanz, die doch Kommentare impliziert (gerade zu den Geschlechterverhältnissen) ist bereichernd, machen den Roman auch zu einem nicht so leicht lesbaren Buch, wie auch die etwas fragmentarische Abfolge der Kapitel; Einzelszenen sind hintereinandergestellt, ohne an sich vermittelt zu werden – ein nüchterne Aufreihung von Szenen, wobei sich die Erzählinstanz zurück zieht. Dass die Figur Gustl eine sehr brutale, direkte Sprache hat, die auch widersprüchlich ist, schein etwas über Zeitgeist zu sagen, genauso, wie sein Verein eine Institution ist (und nicht etwa ein Ort der Individualität), für den er lebt und sich einbringt. Fleißer beschreibt die neuen Gender-Strukturen der 1920er-Jahren, so, dass man sich fragen muss, warum sich das in den folgenden Jahrzehnten so langsam verbessert hat. Die Männervereine der Zeit, das zeigt sie bedrückend auf, können gut genutzt werden, wenn noch eine Ideologie dazu kommt; aus dem Moment heraus ist die prophetische Kraft jedoch beschränkt. (Zu schreiben, dass Fleißer den Erfolg der NSDAP vorausgesehen hatte, wäre übertrieben.) Eine unterschwellige, brodelnde Aggressivität ist immer vorhanden, latente Gewalt kommt immer wieder vor, die im Verein durch die Sporttätigkeit kanalisiert wird. Die andere Seite von der Gewalt ist die Macht, wie sie Gustl beispielweise im Schwimmverein hat, weniger eine Befehlshierarchie, sondern Kumpelhierarchie: Gustl reisst eine Führerposition an sich, die anderen folgen ihm (ein Stück weit). Frieda, als Ökonomin ist erfolgreich im Unterschied zu Gustl. Sie steht auf ihre Art in der Bäckerei, bis der Bäcker einknickt und ihr Mehl kauft. Sie macht auch keine Eingeständnisse, keine Preissenkungen. Das zeigt einerseits die Verhältnisse der Zeit, aber auch, wie sie gegenüber Gustl steht. Auch im erotischen Bereich nimmt sie, was sie will. Sie verfügt autonom über ihre Sexualität (Gustl ist attraktiv, was sie auch "nutzt"). Gustl hat eigentlich nur im Verein Macht. Gegenüber seiner passiv-aggressiven Mutter beispielsweise überhaupt nicht (Sie führt bei ihm ihre Macht stark aus, bürgt ihm Arbeiten auf, wogegen er nichts unternehmen kann).
Zwei Welten, zwei Figuren treffen aufeinander; dass sie zusammen sein wollen, wird von der Erzählinstanz zynisch kommentiert. Sind das die Momente der Wahrheit? – Man kann bei solchen Pointierungen nicht von Ironie oder Zynismus sprechen, aber – jemand spricht die Wahrheit? Die Verhaltensweisen werden blossgestellt, es gibt kein Identifizieren mit den Figuren – Distanz, Ausstellen, fast sie ein Bericht: Im Präsens geschrieben, evoziert der Roman eine Unmittelbarkeit, die aber verschleiert wird, indem man eine Beobachter-Haltung einnimmt.
Auf jeden Fall ein sehr eindrücklicher Roman, der mich zum Nachdenken gebracht hat, nur war der Neue-Sachlichkeit-Stil eine Schwierigkeit für mich.
Der Vater hat in den letzten Jahren nicht mehr viel gemacht ausser im Internet Dinge zu bestellen, insbesondere Dinge aus dem Verlag DIE ZEIT, Sondereditionen im Schuber, aufwändig gemacht, im Regal aufgereiht, ungelesen. So habe er noch Pendenzen und wir etwas zu erben, meinte er. Die Pendenzen blieben unerledigt, geerbt hat die lesefreudige Tochter. – Ich beginne mit der "Bibliothek der Goldenen Zwanziger" und dem Buch einer Autorin. Ein Buch mit einem Schwimmer auf dem Umschlag kann kein schlechtes Buch sein, denke ich mir. Die Lektüre ist dann allerdings etwas zäh, nicht uninteressant, aber auch recht weit weg, sprachlich und inhaltlich. So wirklich golden scheint mir die Zeit nicht gewesen zu sein. – Fleisser schreibt in einem eigenwilligen Stil, meist in kurzen Sätzen und kurzen Abschnitten. Ihr Text kommt mir vor wie ein expressionistischer Holzschnitt. Sie hat ihren Ort im Reigen der Klassiker bestimmt verdient, doch mehr als drei Sterne mag ich ihr nicht geben.
Die erste Fassung von Fleißers einzigem Roman erschien 1931, er spielt sehr erkennbar und örtlich verwurzelt in meiner Geburtsstadt Ingolstadt.
Die Geschichte des jungen Gustl Gillich, aus dessen Perspektive meist erzählt wird, stadtberühmter Schwimmer, der gerade seinen eigenen Tabakladen eröffnet hat. Der Frieda Geier kennenlernt, eine selbständige junge Frau, die als Handelsvertreterin nicht nur für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgt, sondern auch die Schulbildung ihrer jüngeren Schwester finanziert. Die karge und wortarme Romanze zwischen den beiden geht nicht gut.
Sperrig und eigentümlich erzählt Fleißer ihre Geschichte und ihre Figuren, unrund und überhaupt nicht gefällig - doch gehört das genau so. Die Bilder, die Fleißer mit Wörtern erzeugt (deren Schreibung sie oft wider orthografische Regeln verändert), erinnerten mich immer wieder an expressionistische Malerei (nicht an expressionistische Literatur): Die zugefrorene Donau, über deren tauende Schollen ein Bub springt / wie ein paar Schwimmvereinsburschen nachts den Pionieren am Künettegraben Balken vom Brückenbau stehlen / der Tabakhändler, der an einem Wintermorgen hinter den Eisblumen seines Schaufensters verschwindet.
Wie viel sie immer miterzählt! Bücher aus lang vergangenen Zeiten transportieren ja immer sehr viel Hintergrundinfo, weil sie aus einer anderen Welt kommen, doch das ist meist eine unbeabsichtigte Nebenwirkung. Fleißer aber will ganz viel miterzählen: Straßen, Häuser, Landschaft, wie es auf dem Wochenmarkt zugeht, wo der Zug nach Passau entlang fährt. Scharfsichtig wie eine Magnum-Fotografin hält sie bedeutsame Momente fest, die für eine Zeit und eine Gesellschaft stehen.
Ich habe schon lange nicht mehr ein so fantastisches Werk der Literatur gelesen. Ich werde es noch ein paarmal lesen. Diese Schriftstellerin gehört für mich von nun an zu den Klassikern der Literatur. Sie gehört in die Deutschstunde eines jeden Gymnasiums.
Havde det super sjovt over sproget i den her bog, som om måden den var skrevet på indeholdt det tyske sprogs sætningsstruktur så meget, at det skinnede igennem på dansk. Så wow god oversættelse! Ret udfordrende og knudret, men nød at læse den!
Irgendwie recht lustig, und irgendwie auch sehr wirr - viele Seitenstränge, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte, weshalb sie nun relevant sind für das Buch.
Fleißer beschreibt die Beziehung zwischen Frieda und Gustl in kleinsten Detail und arbeitet dabei wunderbar die Ambivalenz Friedas heraus, sowohl ein Leben als emanzipierte Frau zu führen als auch eine erfüllte Beziehung mit Gustl zu leben. Erstaunlicherweise schrieb Fleißer den Roman Ende der 20er Jahre..
Köpenick Vibes. Musste über meinen Schatten springen, inneren Widerstand überwinden. Aber lohnt! Klassiker lohnen immer. Hätte gern mehr über Friedas Weitergang erfahren.
Our German teacher made us read this in ninth grade and I think that it was just too early. Most of us didn't make it through half of the book. We just hated it. I remember that our teacher was very enthusiastic about the book and tried to get us to understand it, but we were also simply not interested. I definitely want to give it another chance. (Also, I'm from Ingolstadt and so was Marieluise Fleißer and the book is set there.)