Rita findet sich nicht zurecht in der Welt. Ihr Leben lang hat sie sich in Genügsamkeit und Akzeptanz geübt; früh kommt sie zu der Erkenntnis, dass sich Träume oder Dinge, die verlorengehen, durch andere ersetzen lassen. Durch Beobachtung stellt sie fest: Der Mensch ist ein Gefäß, in das über die Jahre alles hineinkommt von außen – Meinungen, Verhaltensweisen, Gesten... Das Leben betrachtet sie als eine reine Aneinanderreihung von Spielchen; je nach Situation wird diese oder jene Version der eignen Person zur Schau gestellt und vor sich hergetragen. Was aus ihr werden soll, weiß sie nicht. Um das Chaos ihrer Welt zu bändigen, schreibt sie Geschichten, gestaltet Wahrheiten, erfindet sich Gefährten wie Ivo Jež, der – wie sie – im Ministerium tätig ist, Abteilung Raumfahrt. Oder handelt es sich um eine andere Art von Einrichtung und Ivo ist ein Mitpatient? Wird Rita therapiert oder wird die Ärztin von Rita manipuliert? Ist der freie Mensch frei oder ist derjenige ohne Zwang, dem die Entscheidungen abgenommen werden? „Jede Geschichte ist eine Gewalt an die Wahrheit“, schreibt Rita einmal. Verstehen wir dies als Einladung, den Wahrheitsgehalt der erzählten Geschichte infrage zu stellen.
Ein bisschen wie Deutsch-Hausübung. Jeder Satz in diesem Buch hat sich wie ein Puzzlestück angefühlt, das man in die Hand nehmen und in alle Richtungen drehen muss und sich trotzdem nicht sicher ist, was es zeigt und wo es hingehört. Es war wirklich anstrengend für mich, das Buch zu lesen und wenn man nur ein bisschen abdriftet, verliert man völlig den Faden. Es liest sich ziemlich elitär und es geht primär um die sprachlichen Aspekte und wenig um die Handlung. 3 statt 2 Sterne, weil ich mir etwas ganz anderes erwartet habe und auch null Lust auf so eine Art Buch hatte. Mit der richtigen Einstellung liest es sich wahrscheinlich besser.
Ich finde es spannend, wie Ana Marwan es die ganze Zeit Zweifel zu nähren, ob die Hauptperson nun im Ministerium ist oder in einer psychischen Einrichtung. Sehr gut gemacht!
3.5 🌟 ich habe noch nie so etwas in der Art gelesen, was gleichzeitig so gut, so verwirrend, so anders war! Bei diesem Buch steht absolut der Leseprozess im Vordergrund und nicht der plot oder das Ziel, das Buch zu beenden. Man sollte und muss sich Zeit nehmen für jeden Satz, da in jedem potentiell so viel mehr stecken kann als nur das Offensichtliche. Eine Rezension hat dieses Buch als Anti-Roman beschrieben, der mit unseren Erwartungen an Romane spielt, und das trifft es sehr gut - ich bin froh, dieses Buch endlich gelesen zu haben und es hat auf jeden Fall mein literarisches Denken erweitert und gefordert.
Find's sehr schwer das Buch zu bewerten. Einerseits hat es mir sehr gut gefallen und ich konnte es gar nicht weglegen, andererseits war ich die meiste Zeit sehr verwirrt und bin bis jetzt nicht sicher, ob ich verstanden habe worum es ging :D
Wunderbarer Sprachwitz und eine wirklich unkonventionelle Erzählform, aber leider nicht auf meiner Wellenlänge. Ich fand es wirklich schwierig in den Rhythmus des Buches zu kommen, erst gegen Ende hat es (ein wenig) "geklickt". Wenn man aber kein Problem hat mit dem Stil bin ich sicher dass man viel Gewinn aus dem Buch ziehen kann.
Rita ist jung und orientierungslos: Weder weiss sie, wer sie sein, noch, wo sie hin möchte in ihrem Leben. Um das Chaos in Kopf und Herz zu ordnen, erfindet sie ihre eigenen Wahrheiten. Ihre Geschichten drehen sich meist um den älteren Jež, der wie sie im Ministerium arbeitet. Oder handelt es sich um eine ganz andere Art der Einrichtung?
Ana Marwan schafft es, über 220 Seiten hinweg die Zweifel an dem zu nähren, was man liest. Jeder Satz hat mehrere Bedeutungen, kann verschieden interpretiert werden – je nach dem, was man über Rita zu wissen glaubt. Die Handlung rückt dadurch in den Hintergrund, vielmehr geht es um den Einsatz von Sprache. Leider verleitet der Text schnell dazu, abzudriften und nach wenigen Absätzen komplett den Faden zu verlieren. Konzentration ist gefragt – und der Wille, Fragen offen zu lassen.