In einer Villa im Berliner Südwesten finden sich sechs Menschen zu einer ungewöhnlichen WG zusammen – aus Geldmangel, aus Einsamkeit, auf der Suche nach einer raschen Lösung. Die fünfundfünzigjährige Gloria kocht für alle – und sie kocht hervorragend –, nur ihr griesgrämiger Ehemann Herbert war von vornherein dagegen, dass sich andere Menschen in ihrem Heim einnisten. Als Erstes Chemieprofessor Gregor mit seiner Tochter Alissa, die permanent schlecht gelaunt unter der Trennung ihrer Eltern leidet. Wenigstens reißt sich Alissa zusammen, wenn sie sich in Herberts hauseigenem Antiquariat aufhält. Dann ist da noch Jay, ein Student, der sich dagegen sträubt, die Erwartungen seiner Familie zu erfüllen, und bemüht ist, Herbert den Internetversandhandel nahezubringen. Schließlich zieht Lou-Ann, genannt Lou, in die Villa ein. Mit Mitte dreißig hätte sie längst irgendwo ankommen müssen, doch stattdessen ist in ihrem Leben alles ungeplant und unfertig. Vielleicht ist sie gerade deshalb diejenige, die all die um sich selbst kreiselnden Gestalten zusammenbringt. Etwas verschiebt sich in dem Gefüge. Die Zweckgemeinschaft wird zur Wahlfamilie, aber das Konstrukt ist zerbrechlich.
Mit Mitte 30 ist Lou noch immer nicht sesshaft, kein Wunder wenn die Eltern aus beruflichen Gründen durch die Welt nomadisieren. Als Lou wirklich nicht mehr bei Freundin Mel und deren Kindern unterschlüpfen kann, trifft sie auf der Suche nach einem WG-Zimmer Gloria Sabrowski. Die ältere Frau bewohnt mit ihrem Mann und mit derzeit drei Untermietern die Villa ihrer Großeltern aus dem 19.Jahrhundert. Herbert ist bereits Rentner und betreibt in der Villa ein Antiquariat. Das vierte und letzte Zimmer liegt nach Norden und hat undichte Fenster, stellt Alissa noch vor der Besichtigung klar; die Schülerin lebt nach der Trennung ihrer Eltern hier mit ihrem Vater. Der fünfte Bewohner, Jay, hat kurz vor dem Examen gerade noch die Kurve gekriegt und sein Studienfach schätzen gelernt. Lou unterschreibt, kauft bei Herbert ein Buch und zieht sofort ein.
Auf den zweiten Blick leben die Sabrowskis nach dem Auszug ihrer erwachsenen Kinder in einer Art Patchworkfamilie; ein Paar, ein Vater-Tochter-Team und Jay als Wahlsohn. In der Villa gibt es weder eine Aufgabenverteilung noch Diskussionen über den ökologischen Fußabdruck oder ob weiße und bunte Wäsche gemeinsam gewaschen werden darf. Die berufstätige Gloria lebt weiter wie bisher, putzt und kocht für 6 Personen. Lou spürt, dass in diesem Haushalt einige Fragen auf Antworten harren, doch sie als Neuling wagt nicht zu fragen. Der Versuch, Gloria vom Kochen zu entlasten, scheitert. Auch Jays Entdeckung, dass das Antiquariat dringend über einen Online-Shop erreichbar sein sollte, finde wenig Gegenliebe.
Gloria scheint zunächst die Hauptfigur zu sein, doch auch ihre Mitbewohner samt ihrer aktuellen Lebenssituation treten nacheinander ins Rampenlicht. So entsteht das Bild von Menschen aus drei Generationen, die jeder in einem unfertig wirkenden Leben einen Gesprächspartner suchen, aber keinen Ratgeber. Gloria und Lou, Jay und Alissa, Jay und Herbert, in jeder Ecke schien ein Ziel oder eine Existenzgründungsidee auf sie zu warten. Dass die Gemeinschaft im reparaturbedürftigen Anwesen nicht mehr länger zu finanzieren ist, bleibt unausgesprochen und nur Franziska Fischers Leser:innen warten auf den großen Knall.
Die Patchwork-Situation im Haus Sabrowski bietet durch die Vielfalt der Figuren im Vergleich zu einer WG Gleichaltriger verblüffend großes Potential. Auf Lous Einfluss hatte ich große Hoffnungen gesetzt, weil sie weder zur Eltern- noch zur Kindergeneration gehört – und ihre Rolle konnte mich am Ende am stärksten verblüffen.
Mein Lieblingssatz: „Ohne mich kommt ihr doch gar nicht zurecht.“ (Jay)
Wer wen ins Vertrauen zieht und welche Ideen sich schließlich umsetzen lassen, das wirkt klug geplottet. Weniger überzeugt hat mich der Roman sprachlich. Ein für die alltäglichen Ereignisse zu bildungsbürgerlicher Ton bricht sich an dazu unpassenden Stilsünden.
Gloria und Helmut vermieten Zimmer in ihrem zu groß gewordenen Haus, als die Kinder ausgezogen sind. Ihre Mieter könnetn unterschiedlicher nicht sein: Gregor und seine Tochter Alissa, die nach der Trennung ein neues Zuhause benötigen, Jay, der sein Studium erst im letzten Semester so richtig beginnt und zu guter Letzt Lou, deren Leben mal wieder einen Neustart braucht und die ein günstige Bleibe braucht.
Da Gloria auch Mahlzeiten anbietet, um sich nicht komplett unnütz vorzukommen, wächst die ungewöhnliche Gemeinschaft nach und nach zusammen und ergänzt sich auf unerwartete Weise.
Anfangs habe ich mir mit dem Buch ein wenig schwer getan, da die Perspektiven teilweise mitten im Text einfach gesprungen sind. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und konnte dann gut auseinanderhalten, bei wem ich gerade bin. Anfangs sah es so aus, als würden die Bewohner der Villa einfach nur so nebeneinander her leben, aber nach und nach schält sich dann doch ein unaufgeregtes Miteinander heraus.
Das Ende fand ich dann etwas abrupt, hier hoffe ich doch sehr, dass uns die Autorin dann doch noch mit Nachschub versorgt, was den weiteren Weg der Gruppe betrifft. Ich würde mir das auf jeden Fall wünschen.
Alles in allem war es ein schönes Buch, dass ich gerne empfehle, allerdings sollte man sich auf eine recht ruhige dahinfließende Geschichte einstellen. Wer Action und Aufregung sucht, ist hier falsch
Nachdem ich "in den Wäldern der Biber" sehr mochte, griff ich auch hier gerne zum neuen Buch der Autorin.
Wir landen in einer Wohngemeinschaft in einer alten Villa, die für Gloria und Herbert nach dem Auszug der Kinder zu groß und vor allem zu teuer geworden ist. Herbert führt nach seiner Frühpensionierung ein Antiquariat im Haus, während Gloria nopch ihrem Job nachgeht.
Im Haus wohnen zusätzlich Vater Gregor und Tochter Alissa, die nach der Trennung von Gregors Frau eine Bleibe suchten. Gregor ist ein zerstreuter Dozent an der Uni, der ohne Alissa wohl aufgeschmissen wäre, während sie sich wünschte, dass er sie wahrnimmt, anstatt für ihn sorgen zu müssen.
Jay, ein Student, liebt die Musik und möchte Herbert zum Internethandel bringen, während sein Studium eher zweitranging ist. Lou, die als letzte in eins der Zimmer zieht, ist eine Art Heimatlose, die die Welt bereist und immer wieder neu anfängt und eigentlich nur bei ihrer besten Freundin eine Art zuhause hat.
Durch die gemeinsamen Mahlzeiten enwickelt sich in den Bewohnern schließlich eine Art Zusammenhalt, der jedoch immer wieder neu gestaltet wird. Lou ist dabei der Dreh- und Angelpukt, denn erst mit ihrem Einzug scheint die WG komplett. Durch ihre Gespräche verändert sich einiges im Haus und so wird aus der Starre, in der sich alle zuvor befanden, eine Gemeinschaft, die sich auf den Weg macht, die Zukunft zu leben, statt nur auszuhalten.
Für mich konnte diese Geschichte nicht an den Vorgänger anknüpfen, es war einfach anders. Doch anders heißt nicht unbedingt schlecht. Es war ein sehr ruhiges Buch, das oftmals die Gespräche und Gedanken der Bewohner wiedergibt. Man kann nachvollziehen, wie sich die Protagonisten entwickeln.
Das offene Ende war für mich ziemlich abrupt, irgendwie passt es aber dazu, dass sich alle auf den Weg machen und das Ziel noch ungewiss ist.
"So viele fremde Menschen, dabei war es doch kein Hotel, es war sein Zuhause seit fast dreißig Jahren, Er würde geduldig warten, bis sie auszogen. Zu zweit waren sie sehr zufrieden gewesen, das reichte doch eigentlich."
Herbert, ein in die Jahre gekommener Antiquitätenhändler, erkennt sein Zuhause kaum wieder, nachdem Gattin Gloria beschlossen hat, Zimmer zu vermieten. Nachdem die gemeinsamen Kinder ausgezogen sind, ist die riesige Villa am Rande Berlins zu groß für die beiden und es mangelt auch an Geld. Das eigene Zuhause zur WG zu machen, erscheint Gloria damit nur schlüssig. Und so wohnen beim alten Ehepaar bald ein Professor, der ohne die Unterstützung seiner Tochter Alissa nicht überlebensfähig wäre. Selbst das Frühstück packt sie ihm ein. In seinem Abgeschottetsein gleich Professor Gregor Herbert. Beide sind eigenbrötlerisch, wollen nicht in ihren Gedanke oder ihrer Ruhe gestört werden. Jay ist da zum Glück anders. Der Student liebt die Musik und widmet sich seinem Politikstudium eher halbherzig. Alissa ist in ihn vernarrt, hört sie doch nachts seine Kompositionen durch die Wand. Als letztes zieht Lou-Ann in die Villa ein. Sie ist Lebenskünstlerin, wohnt mal hier mal da und möchte ihrer Freundin nicht mehr im Weg sein. Deswegen zieht sie von deren Sofa ebenfalls in die Villa. Ihre Tage scheinen eher improvisiert, sie gibt Tanzkurse und schaut, was das Leben für sie zu bieten hat.
Franziska Fischer erzählt in "Unsere Stimmen bei Nacht" zunächst von verschiedenen Lebensentwürfen, die außerdem dem gemeinsamen Wohnort in der Berliner Villa wenig gemeinsam haben. Doch schon in ihrer künstlerischen Erzählgestaltung verweist die Autorin auf eine gewisse Verbundenheit: Unvermittelt wechselt die Figur, aus deren Sicht die Schilderungen vorgenommen werden. Manchmal passiert das mitten im Abschnitt. Der Leser muss sich dann kurz orientieren: Moment, bei wem oder vielmehr mit wem bin ich gerade unterwegs? Das ist nicht immer leicht und kostet gerade zu Beginn der Lektüre einige Mühe. Die Handlung entwickelt sich dagegen nur langsam. Das mag zwar mit Blick auf die vielen Fokalisierungswechsel ganz angenehm sein, um nicht (noch mehr) zu überfordern. Allerdings steigert sich dadurch nicht unbedingt die Motivation, weiterzulesen.
Insgesamt kann ich auch nach der Lektüre nicht richtig fassen, wo genau der Kern der Geschichte liegt. Ähnlich zufällig wie das Zusammentreffen der Figuren gestaltet sich auch der erzählerische Schwerpunkt. Innenschau und sanftes Kontaktaufnehmen, Figuren zwischen Eigensinn und Wahlfamilie. Die Entwicklungen werden sehr behutsam beschrieben. Wer Romane mit viel Innensicht und Psychologie mag, der ist hier sicherlich richtig.
„Manchmal fand Lou das, was Menschen nicht erzählten, sehr viel interessanter, als das, was sie tatsächlich sagten.“
Lou-Ann Weber mietet das letzte freie Zimmer in der kleinen Villa des Ehepaares Gloria und Herbert Sobrowski in Berlin, wo bereits der alleinerziehende Professor Gregor Mader mit seiner Tochter Alissa und der Student Johann „Jay“ leben. Mit der offenen und selbstbewussten Lebenskünstlerin Lou ist die kleine Wohngemeinschaft schließlich komplett. Während der Hausbesitzer Herbert und der Chemieprofessor Gregor Abweichungen in ihrem gewohnten Alltag ablehnend gegenüberstehen, sind Jay und Lou regelrechte Freigeister: spontan, neugierig, voller Fragen und an ihren Mitbewohnern interessiert. Und obgleich die Lebenspläne, die Vorstellungen und die Alltagsroutine dieser völlig gegensätzlichen Menschen in keiner Weise übereinstimmen, entsteht aus dieser ungewöhnlichen Gemeinschaft dank der unkonventionellen Lou als Bindeglied schließlich eine richtige kleine Wahlfamilie. Gemeinsame Mahlzeiten fungieren als Basis für interessante Gespräche, entspanntes Chillen im Garten und tiefsinniger Gedankenaustausch in schlaflosen Nächten erzeugen eine zusätzliche emotionale Bindung zwischen den Hausbewohnern.
„An manche Menschen musste man sich sehr langsam herantasten, jede Person hatte einen eigenen Rhythmus, ihr eigenes Tempo, um ihre Lebensgeschichte zu teilen.“
Diese Neuerscheinung der mir bislang unbekannten Autorin Franziska Fischer hat meiner hohen Erwartungshaltung in jeder Hinsicht entsprochen. Sowohl der einzigartige und wunderschöne Schreibstil der Autorin, als auch die starken Emotionen und tiefgründigen Gedanken machten diesen Roman zu einer herzerwärmenden Lektüre. Es gibt Bücher, die mich als Leser tief berühren und unter die Haut gehen. „Unsere Stimmen bei Nacht“ ist eines davon – eine erlesene kleine Perle, die mich vollständig in den Sog ihrer Geschichte zog und mir durch die poetische Sprache, durch kostbare und wohlformulierte kluge Lebensweisheiten und Gedanken außergewöhnlichen Lesegenuss bescherte.
Die Handlung selbst wird weder von Spannung, noch aufregenden Höhepunkten beherrscht. Es handelt sich vielmehr um ein leises, unaufdringliches Buch, das seine Magie auf vielfältige Weise entwickelt. Und zwar durch kleine, aber wichtige Episoden im Alltag dieser sechs Protagonisten, die detailliert und liebevoll beschrieben werden und das Buch zu einem Leseerlebnis machten, das ich nicht mehr missen möchte. Franziska Fischer bedient sich hervorragend ausgearbeiteter Charaktere und schreibt von dem Bestreben eines jeden Einzelnen, seinen Weg zu finden, tiefsten Wünschen und Sehnsüchten Ausdruck zu verleihen und den Mitbewohnern nach und nach Einblick in seine ganz persönliche Lebensgeschichte zu gewähren.
„Sie waren eine merkwürdige Gruppe an Menschen, dachte Lou. Alle zusammen in dieses Haus geschüttet, und manchmal war es so, als gäbe es keine Außenwelt mehr, nur sie, sechs Personen, die einander genug sein mussten.“
Sowohl die hochwertige Aufmachung, als auch Optik und Haptik dieses Buches sind bemerkenswert. Eine in bunte Farben getauchte Abbildung mehrerer Äpfel auf dem tiefschwarzen Einband zieht den Blick des Betrachters unweigerlich auf sich. Der Buchtitel wurde in stark kontrastierendem Weiß gedruckt, der dunkle Hintergrund und die etwas dezentere Einbringung des Verlags- sowie des Autorennamens sowie ein rotes Lesebändchen vervollständigen das edle Erscheinungsbild.
Franziska Fischers Roman offenbart seinen Inhalt ganz behutsam und langsam. Es handelt sich um eine Erzählung, die den Leser dazu auffordert, sich vollständig ins Geschehen hinein zu begeben, die ihre Geheimnisse nur nach und nach Preis gibt und nicht mit einer Fülle von Informationen überquillt, sondern vielmehr mit leisen Andeutungen arbeitet. Das Unausgesprochene, das in vielen Familien im Raum steht, spielt hier die Hauptrolle. Die Antwort auf etliche Fragen findet sich zwischen den Zeilen, findet sich in den wechselnden Perspektiven und in den Erzählungen der einzelnen Figuren. „Unsere Stimmen bei Nacht“ ist ein sehr ruhiges, leises Buch, das dem Leser in eindringlichen Worten und mit zahlreichen, teilweise emotionalen Details, die Lebensgeschichten seiner Figuren erzählt. Mir hat die bedächtige Art, die Vergangenheit aufzurollen, überaus zugesagt und ich wurde auf diese Weise immer vertrauter mit Gloria, Herbert, Gregor, Alissa, Jay und Lou. Es werden nicht nur innere Konflikte, sondern auch tief zurück liegende Verletzungen innerhalb der Familie und des Freundeskreises aus der Vergangenheit zur Sprache gebracht, und keine der handelnden Personen bleibt davon unbeeinflusst.
„Manchmal ist jeder Schritt eine Geschichte, jedes Lachen eine Erzählung, jedes Wort ein Roman.“
Fazit: „Unsere Stimmen bei Nacht“ war mein erstes, aber mit Sicherheit nicht mein letztes Werk dieser Autorin. Die ruhige, unaufgeregte und behutsam erzählte Geschichte bietet dem Leser weder turbulente Höhepunkte, noch hohe Spannungsmomente, wartet dafür aber mit einem außergewöhnlichen Schreibstil, tiefen Emotionen und einer Vielzahl kluger Gedanken und Lebensweisheiten auf. Franziska Fischer beschreibt in poetischen Worten das gemächliche gegenseitige Kennenlernen und Annähern völlig konträrer Charaktere. Dieser beeindruckende Roman war für mich eine ganz besondere Lektüre. Es ist ein leises Buch, das lange nachwirkt, mit handelnden Figuren, die man nicht so rasch wieder vergisst, deren Geschichte die Gedanken des Lesers auch noch über das Zuschlagen der letzten Seite hinaus beschäftigen. Das Buch hat meinem persönlichen Lesegeschmack in jeder Hinsicht entsprochen und ich möchte dieses kleine Highlight ganz besonders Menschen, die ruhige und tiefgründige Bücher lieben, ans Herz legen.
Es ist nicht ganz die typische WG, die in Franziska Fischers Roman "Unsere Stimmen bei Nacht" (so poetisch können Küchengespräche der Bewohner bezeichnet werden!) in einer Berliner Villa zusammenfindet. Denn Herbert und Gloria, sowohl Eigentümer als auch Mitbewohner, brauchen einerseits Geld und haben andererseits reichlich Platz, nachdem die drei Kinder ausgezogen sind und ihr eigenes Leben leben - auch wenn Ex-Bilbliothekar Herbert einen Großteil des Erdgeschosses in ein eher schlecht gehendes Antiquariat umfunktioniert hat.
Am ehesten typische WG-ler sind Politikstudent Jay, der lieber auf seiner Gitarre komponiert als sein Studium voranzutreiben, und Lou, die zwar schon Mitte 30 ist, aber eher ungeplant in den Tag hineinlebt und gerne immer wieder neu aufbricht. Außerdem gibt es noch Chemieprofessor Gregor, gewissermaßen der Prototyp des zerstreuten Professors, und seine 15-jährige Tochter Alissa, die nicht nur mit Pubertätsproblemen zu kämpfen hat, sondern auch unter der Trennung ihrer Eltern leidet und den Vater ständig an regelmäßiges Essen erinnern muss. Wie gesagt - die Welt außerhalb chemischer Probleme nimmt Gregor eher verschwommen war.
Es ist die unkonventionelle, offene und unverblümte Lou, die aus dieser Zweckgemeinschaft nach und nach eine vielleicht dysfunktionale, aber doch auch zusammenwachsende Ersatzfamilie macht, die Isolation der einzelnen Bewohner aufbricht und Verbindungen knüpft.
Dabei sind die Männerfiguren dieses Romans eher blass. Mit Lou, Alissa und Gloria hat Fischer gleich drei Frauenfiguren verschiedener Generationen geschaffen, die auf der Suche sind, die Sehnsüchte und Hoffnungen haben, die sich nicht abfinden wollen mit Monotonie und zugeschriebenen Rollen. Klar, dass die titelgebenden nächtlchen Gespräche einen wesentlichen Teil leisten zu diesem Zusammenwachsen und der Annäherung an die kleinen und großen Geheimnisse der Figuren.
"Unsere Stimmen bei Nacht" ist ein ruhig erzählter, eher unspektakulärer Roman, der mich mit der Beschreibung des WG-Biotops in der Villa überzeugt, in der am Ende doch nicht mehr alle nebeneinander her leben. Dabei sind die Figuren in ihren stillen Dramen glaubwürdig und unprätentiös, wecken Smypathien. Der Zauber eines Neubeginns wohnt auch dieser WG inne.
Sechs Menschen kommen in einer Wohngemeinschaft in einer Berliner Villa zusammen. Die Hauseigentümerin Gloria und ihr pensionierter Ehemann Herbert vermieten die Zimmer der geräumigen Villa um ihr Einkommen aufzubessern. Nachdem die drei Kinder ausgezogen sind, füllen der Chemieprofessor Gregor und seine 16jährige Tochter Alissa, der Politikstudent Jay mit Hang zur Musik und die Mittdreißigerin Lou-Ann, Tänzerin und Gelegenheitsjobberin, die bisher leerstehenden Zimmer mit Leben.
Der Leser taucht ein in das Leben der sechs, aus denen im Verlauf des Romans so etwas wie eine familiäre Wohngemeinschaft entsteht. Eine spannungsgeladene Geschichte gibt es nicht, vielmehr wird der Alltag in der Villa eindrücklich geschildert. Das liest sich gut, wenn auch die Sprache m. E. hin und wieder etwas kitschig anmutet.
Gut vermittelt wird die Atmosphäre in der Villa, in der schon die Großeltern der Eigentümerin lebten. In solchen Villen kann man tatsächlich eine ganz besondere Stimmung wahrnehmen, so als lebten und sprächen die Räume, und das macht die Autorin fühlbar. Sie verknüpft die Geschichte der Villa mit der Geschichte des Vermieter-Ehepaares und mit dem Leben der neuen Bewohner. Gloria fühlt sich durch das Auftauchen der jungen Lou-Ann in ihre frühe Jugend zurückversetzt, die 16jährige Alissa erinnert sie an ihre eigenen Kinder, Herbert findet durch Jay im in der Villa geführten Antiquariat Anschluss an die Welt des Internet.
Eine schöne Idylle wird hier beschrieben, in der alle in Sympathie zueinander finden. Die alte, mit dem Charme des etwas Hinfälligen versehene Villa, ihr wild natürlicher Garten, die gemeinsamen Kochabende, das verstaubte Antiquariat, ein Gartenfest in lauer Sommernacht: Das alles kam mir jedoch allzu idyllisch, ja geradezu märchenhaft daher.
Für Freunde von Wohlfühlromanen sicher das Richtige. Für mich war es eher nichts. Ich vergebe 3 Sterne.
Ruhige und fokussierte Geschichte – Mitten aus dem Leben erzählt
„Unsere Stimmen bei Nacht“ ist nun der zweite Roman, welchen ich von Franziska Fischer gelesen habe und bereits jetzt hat ihr Stil finde ich großen Wiedererkennungswert. Wem also bereits „In den Wäldern der Bieber“ gut gefallen hat, wird sich hier sicherlich auch erneut wohlfühlen. Ich persönlich mag die gewählte ruhige Erzählweise sehr gerne, wobei sich gerade auch dadurch die Handlung nur langsam entwickelt. Der Fokus liegt klar auf der Beziehungsdynamik zwischen den sechs Mitbewohner:innen der doch recht ungewöhnlichen WG. Von deren Leben Außerhalb bekommt man zwar auch immer wieder etwas mit, detailliert werden aber nur Szenen aus dem gemeinsamen Wohnumfeld aufgegriffen. Erzählt wird dabei aus der Sicht von Allen, die Perspektive wechselt innerhalb der Kapitel immer wieder, manchmal auch binnen weniger Sätzen. Was auf den ersten Blick chaotisch klingt, war in sich aber doch stimmig. Und trotz der fließenden Übergänge, fiel es mir erstaunlich leicht die einzelnen Personen und ihre Gedankenwelten voneinander zu unterscheiden. Im Buch werden nicht nur die Charaktere lebendig, auch die alte Villa und der wunderschöne Garten sind bildhaft vorstellbar und nehmen kraftvoll Raum ein. Wir Leser:innen dürfen die Figuren eine Weile begleiten, wobei die Geschichte jeweils nur Lebensausschnitte beinhaltet und am Ende doch Vieles offen lässt. So erschien mir die Lektüre wie ein kurzer Blick durchs Schlüsselloch in sehr unterschiedliche Leben. Inhaltlich unaufgeregt, sprachlich aber wunderbar feinfühlig und poetisch, war der Roman für mich ein echter Lesegenuss! Gerne vergebe ich dafür volle 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Das Cover des Buches finde ich sehr ansprechend. Die Zeichnung im Hintergrund gefällt mir sehr gut und der Titel des Buches habe mich neugierig auf die Handlung gemacht. Die Haptik des Hardcover Buches ist wirklich toll und die Farben sind sehr harmonisch.
Die Geschichte beginnt damit, dass Gloria und Herbert beschließen ihre leeren Zimmer in ihrer Villa im Berliner Südwesten zu vermieten, bald ziehen der Professor Gregor und seine Tochter Alissa ein und danach folgt der Student und Musiker Jay. Die Lebenskünstlerin Lou stößt als letztes zu ihnen, sie wirbelt das Zusammenwohnen richtig auf und erweckt die WG zu einer richtigen Gemeinschaft mit vielen Emotionen und Gefühlen. Gloria ist der Mutterersatz für die WG sie kümmert sich um das Wohl Aller. Die WG könnte unterschiedlicher nicht sein aber dadurch entsteht in dem Buch eine wundervolle Spannung und Dynamik. Die Charaktere sind sehr facettenreich und man kann die Handlung und die Emotionen sehr gut nachvollziehen. Das Buch ist Mitten aus dem Leben geschrieben und ich konnte mich in manchen Situationen wiederfinden, es ist eine berührende und gefühlvolle Geschichte, die mich mitgerissen hat.
Der Schreibstil des Buches hat mir sehr gut gefallen, er war verständlich und flüssig zu lesen, mir hat die Idee der WG und die Entwicklung der Geschichte sehr gut gefallen und ich empfehle das Buch auf jeden Fall weiter.
Wir ziehen zusammen mit Lou in ihre neue Berliner Zweck-WG. Damit sind alle Zimmer belegt. Die alte Villa mit Charme gehört einem älteren Ehepaar, das nach Auszug ihrer Kinder viel Leerstand hat und einen Nebenverdienst gut gebrauchen kann. Zusammen gefunden haben sich Personen unterschiedlichen Alters, unterschiedlichen Charakters und in unterschiedlichen Lebenssituationen. Ihnen gemeinsam ist das etwas schwierige Verhältnis zu ihren Familien. Sehr langsam lernen sich die Personen näher kennen. Besonders die fröhliche Lou baut mit ihrem ehrlichen Interesse an ihren Mitbewohner:innen Bindungen auf. Das ruhige, unaufgeregte Erzähltempo ist der Erzählung angemessen, da die Charaktere eher zurückhaltend und in sich gekehrt sind. Es ist schön zu lesen, wie sich schrittweise eine Gemeinschaft entwickelt, die jedem einzelnen positive Anstöße gibt. Die Charaktere bleiben dabei durchgehend authentisch. Sie gehen sehr rücksichtsvoll und vorsichtig miteinander um und achten auf gegenseitige Grenzen. Dadurch sind sie mir ans Herz gewachsen und ich hätte sie gerne weiter begleitet. Besonders gefallen haben mir auch die geschickten Perspektivwechsel, die sich wie zufällig durch Begegnungen ergeben. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es ist einfach angenehm und schön, ohne jemals kitschig zu sein. Eine große Leseempfehlung von mir.
In diesem Buch begleitet man als Leser eine Zeit lang eine kleine, bunt gemischte, aber sehr sympathische Hausgemeinschaft. Jeder der Charaktere macht dabei seine ganz persönliche Entwicklung durch.
Besonders schön fand ich die poetische Sprache und die Art, wie die Autorin die Handlung komponiert hat. Fast wie ein Musikstück. Die Wege der Figuren kreuzen sich im Haus immer wieder und dabei wechselt die Erzählperspektive elegant von einer zur nächsten Person, die dann wiederum die Handlung weiterträgt, bis sie einer weiteren Person begegnet. Auch das alte Haus hat seine ganz eigene Persönlichkeit und scheint regelrecht zu atmen. Am Ende war ich sehr traurig, die kleine Gemeinschaft wieder verlassen zu müssen.
Wer eine „einfach schöne“, unaufgeregte, langsam und liebevoll erzählte Geschichte sucht, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.
Ein wunderbares Buch, um das Jahr zu beginnen. Ein Zufallsfund in der Buchhandlung, den ich nur deshalb mitgenommen habe, weil die Autorin meinen Namen trägt.
Die Geschichte ist leicht, sprachlich schön geschrieben und auch wenn nicht sonderlich viel passiert, fließen die (Lebens-)Geschichten der sechs Bewohner:innen so schön ineinander, dass sie mich nicht losgelassen haben.
Hat mich doch seeeeehr an „Zusammen ist man weniger allein“ erinnert, wenn auch etwas moderner erzählt und kühler im Ton. Aber ein EASY READ mit schöner Message.
Sehr ruhiges Buch, schön geschrieben. Jedoch war mir die Geschichte etwas zu unaufgeregt und hier und da eher langweilig. Das Ende hat für mich nicht so richtig zur Geschichte gepasst.
Als Freund des Generationen übergreifenden Wohnens habe ich mich auf ein Rezensionsexemplar beworben. Und eine ganz andere Perspektive erhalten als ich mir hätte vorstellen können. Einerseits tiefgehend und dann doch wieder oberflächlich liest man vom Zusammenwachsen 6 sehr unterschiedlicher Menschen. Erfährt Distanz, Nähe, Abwehr, Zuneigung, Verschlossenheit und Öffnung in sehr unterschiedlichen Dimensionen.
Ein unaufgeregt Buch, sehr schön geschrieben. Ich habe es in tiefen Zügen genossen. Ein Buch, das man entweder liebt oder zur Seite legt. M.E. sehr empfehlenswert