Fikri Anıl Altıntaş wächst als Sohn türkischer Eltern in einer hessischen Kleinstadt auf. Sein Vater arbeitet als Türkischlehrer, seine Mutter als Reinigungskraft. Es ist eine Kindheit inmitten von Sozialwohnblocks, geprägt von dem drängenden Wunsch, »deutsch« zu sein und der bitteren Enttäuschung über die Realität in Deutschland. Beständig wächst die Sehnsucht, gesehen zu werden und einen eigenen Weg als türkisch-muslimischer Mann zu finden. Dabei ist es vor allem die Beziehung zu seinem Vater, die ihn letztlich vor die Frage Was bedeutet Männlichkeit überhaupt und wie kann sie jenseits der Klischees verstanden und gelebt werden? Inmitten von festgefahrenen Narrativen sucht Fikri Anıl Altıntaş nach den Zwischentönen. Radikal ehrlich blickt er auf sich und seine Familiengeschichte zurück, um die Gegenwart besser zu verstehen.
“Im Morgen wächst ein Birnbaum” ist eines dieser Bücher, von denen ich gar nicht erwartet hatte, dass es ein Highlight für mich wird, und in das ich mich dann doch komplett verliebt habe. Fikri Anıl Altıntaş schreibt über Identität, über Männlichkeit, seine Familiengeschichte und deren Prägungen, und das auf eine unaufgeregte, zärtliche Art, zwischendrin dann immer wieder wahnsinnig poetische Sätze, so dass ich sehr schnell nur noch mit Bleistift in der Hand lesen konnte, weil ich mir so viele Passagen anstreichen musste. Wie passend, dass ausgerechnet Lin Hierse, Autorin von “Wovon wir träumen”, ein Zitat für den Buchrücken beigesteuert hat, denn an ihr Buch musste ich beim Lesen schon nach wenigen Sätzen denken.
“Es geht darum, die Kraft zu finden, selbst gebaute Mauern einzureißen. Oder es zumindest zu versuchen. Davon will ich erzählen. Weil viele ein Bild von mir zeichneten, bevor ich selbst den Stift in der Hand halten konnte. Weil ich mehr bin als ihre Projektion. Aber der Weg dorthin brauchte Zeit.” (S. 10)
Wiedermal hat mich fasziniert, wie sehr mich ein solch persönlicher Text einer Person, die ich überhaupt nicht kenne, bewegen und mitnehmen kann. “Im Morgen wächst ein Birnbaum” habe ich innerhalb eines Tages verschlungen und sehr bewegt zugeklappt. Und weil ich das Gefühl habe, dass das Buch bei den vielen tollen Neuerscheinungen in diesem Literatur-Frühling vielleicht etwas untergegangen ist, wünsche ich ihm mehr Aufmerksamkeit hier auf #bookstagram und viele, hoffentlich genauso begeisterte Leser*innen!
Fikri Anil Altintas erzählt in diesem Roman in losen Episoden seine eigene Geschichte als Migrant, berichtet von seiner allmählichen Integration in Deutschland, der Zerrissenheit, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen und weder in der Türkei noch in Deutschland richtig dazu zu gehören. Die neue Heimat macht auch etwas mit den Eltern, verändert die Beziehung zu ihrem Sohn und zu der Verwandtschaft in der Türkei.
Wer "Herkunft" von Sasa Stanisic gelesen hat oder ein Buch von Abbas Khider geht mit Sicherheit mit einem verwöhnten Blick an dieses Buch, das nicht so ganz zu wissen scheint, wo es eigentlich hin möchte. Vieles wird angerissen, angedeutet, nicht auserzählt oder erfährt keinen narrativen Bogen, die Episodenhaftigkeit erschwert einen Zugang auf emotionaler Ebene oder die Möglichkeit, das Geschilderte nachvollziehen zu können. Auch die Birnbaum-Metaphorik ist nicht ausgereift, hätte aber viele Deutungen und Lesarten eröffnen können.
So bleibt ein eher wirres und unfertig scheinendes Kaleidoskop zurück, das viele Fragen zu dieser so aktuellen und interessanten Thematik nicht beantwortet.
Anil ist einfach der Hammer. Schon lange verfolge ich seine Arbeit und war begeistert, als klar war, dass er ein Buch schreiben wird. Ich besuchte seine Premierenlesung in Berlin und bin hin und weg von seinen Worten. Schon lange habe ich kein Buch mehr gelesen, was so aus dem Herzen und aus dem Alltag spricht. Als Tochter rumänischer Immigranten in Deutschland fühle ich so viele Stellen mit und kann die Tränen mit weinen. Ein tolles Debut voller Gefühl, Ehrlichkeit und Perspektiven, die so viele Menschen berühren werden. 💚
erinnern um gegenwart zu erhalten— find ich iwie schön, nicht so viele „neue“ themen aber tolle sprache, eingängig und schön. Immer wieder die übersetzung aus dem türkischen, das sind tolle bilder und redewendungen
on masculinity, family relations, growing up between two cultures and countries, working class and more.
Fikri Anıl Altıntaş describes his feelings beautifully and gives intimate insights into concepts of masculinity and how to find one’s own way and identity. though i don’t experience most of what is discussed this book brought me closer to those topics.
Eine Familiengeschichte, in der sich wohl viele Migramänner wiederfinden können. Die Aufarbeitung der Beziehung zum Vater, die Erwartungen an das Mannsein und das Aufwachsen in zwei Kulturen haben mich sehr berührt. Ein nicht wirklich spaßiges, aber dennoch so wichtiges Buch für mich.
handlung und thema haben mir total gut gefallen, der schreibstil leider gar nicht. teilweise irgendwie richtig poetry-slam vibes, super anstrengend. aber all in all trotzdem sehr lesenswert
Das ganze Buch waren nur Andeutungen; zwar für einen sicher guten, dahinterliegenden Text, aber den hätte ich halt lieber gelesen als den im Buch gedruckten.
Wie immer bei autobiografischen Werken spiegelt meine Bewertung lediglich den Unterhaltungswert, den das Buch für mich persönlich hatte, wieder. Es soll keine Bewertung der dargelegten Situationen und Erfahrungen sein.
Im Moment habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, eine breite Auswahl an Literatur zu lesen, die ich bisher selten gelesen habe. In meinem Fall heißt das eigentlich vorrangig Bücher auf Deutsch und gleichzeitig Nonfiction von deutschsprachigen Autor*innen. Irgendwie, ich erinnere mich nicht mehr wirklich wie, bin ich dann über dieses Buch gestolpert und fand sowohl den Titel und das Cover sehr ansprechend, aber auch die dargelegten Themen (Beschäftigung damit, was Männlichkeit eigentlich bedeutet) sehr interessant.
Es war auf jeden Fall sehr interessant zu lesen, war etwas anders als ich erwartet hatte, aber trotzdem gut. Besonders toll fand ich, dass viele Sätze auf Türkisch ausgeschrieben waren und direkt im Anschluss auch auf Deutsch übersetzt waren, was mir, der kein Türkisch kann, nur zugute kam.
Generell fehlte mir ein wenig die allgemeine Struktur des Buches, es wirkte sehr sprunghaft von Erinnerung zu Erinnerung und Szene zu Szene. Trotzdem beinhaltete es neben den Reflektionen des Autors über seine Familie und seinen Werdegang zahlreiche Passagen, in denen ich meine eigenen Gedanken über Männlichkeit wieder erkennen konnte.
Ich werde mal nach weiteren Autor*innen mit Familien aus der Türkei recherchieren müssen, da mir durch dieses Buch aufgegangen ist, dass ich viel zu wenig über das Land weiß. Spezifisch auch bezüglich Erfahrungen von deutsch-türkischen Menschen.
Also insgesamt war dieses Buch kurz und einfach zu lesen, aber auch sehr prägnant geschrieben. Es lohnt sich meiner Meinung nach auf jeden Fall zu lesen!
»Mein Vater sagte nur, du kannst dir deine Freunde oder deine Frau aussuchen, aber nie deine Familie.« (S.146)
In seinem autobiografischen Buch »Im Morgen wächst ein Birnbaum« 🍐 begibt sich der Autor Fikri Anıl Altıntaş auf Spurensuche und analysiert, wie komplex Männlichkeit ist. Er setzt sich intensiv mit sich, seiner Identität, Familie, Vorbildern, seinem Vater und der gemeinsamen Vater-Sohn-Beziehung (es gibt einen Brief an seine Anne, in dem er genau darauf eingeht) auseinander. Dabei hinterfragt er tradierte Männlichkeitsvorstellungen und -Erwartungen und gibt u.a. Einblicke in seine Kindheit und Jugendzeit, in erlebten Rassismus, in das Familienleben und, wie es sich anfühlt, wenn man als Kind um die Sorgen und Einsamkeit der eigenen Eltern erlebt.
»Ich möchte nicht mehr so sein wie er, und das ist auch gar nicht mehr schlimm. Denn auf Distanz zu gehen, das heißt auch anzuerkennen, dass wir auf unterschiedlichen Wegen jeder unser Glück finden. Und die Freude darüber gemeinsam teilen.« (S.169)
Es sind sehr zentrale Fragen, die der Autor für sich selbst erforscht: Wie werden wir, wer wir sind? Was prägt uns? Woran orientieren wir uns? Was gibt uns Halt? 🍐
Mit einer unglaublichen Wortgewandheit und Sprachkunst (was für literarische Sätze und feine Beobachtungen!) 😮💨 schreibt Fikri Anıl über Männlichkeit und auch über eine Zerrissenheit und Schmerz der innerhalb von Generationen weitergegeben wird und für den er selbst, einen Umgang geschaffen hat.
»Ah be, baba. Hätte ich gespürt, dass du so viel Trauer in dir trägst, hätte ich sie zusammen mit dir getragen. Du hättest mir gesagt, wohin es geht. Ich hätte keine Sekunde gezögert und das getan, was du von mir wolltest, damit du nicht weinst. Ich wusste, dass du heimlich weinst, auch wenn du es nicht vor uns getan hättest.« (S.145)
Ein unglaublich gut geschriebenes Buch; eine Auseinandersetzung und Neujustierung von Männlichkeit sowie Erwartungen, die seines gleichen sucht; und eine Spurensuche, die so facettenreich und deutungsschwer ist, dass ich das Buch direkt wieder von vorne beginnen möchte.
Ich habe dieses Buch im Rahmen eines Bücherabos erhalten, das mir meine Familie zum Geburtstag geschenkt hat. Mir wurde damals gesagt, dass die dazugehörige Buchhandlung eher Bücher zuschickt, die man nicht so auf dem Schirm hat. Und ganz ehrlich? Ich hatte dieses Buch überhaupt nicht auf dem Schirm. Der Autor ist mir völlig unbekannt und auch das Genre weicht sehr von dem ab, was ich üblicherweise lese.
Trotzdem bin ich unglaublich froh, dass ich das Buch lesen durfte. Der Autor hat einen sehr angenehmen, stellenweise fast poetischen Schreibstil. Themen wie Männlichkeit oder wie es ist, in zwei Welten Zuhause zu sein und doch zu keiner so richtig zu gehören, werden sehr gefühlvoll aufgegriffen.
Das Buch ist in fünf große Kapitel geteilt, welche sich durch viele Absätze auszeichnen. Und ich glaube, das ist mein einziger Kritikpunkt: Die einzelnen Absätze wirken etwas durcheinander. Nach jedem Absatz wurde meist ein thematischer und auch zeitlicher Sprung vollzogen. Das hat mich gelegentlich verwirrt, weil ich gedanklich noch beim vorherigen Absatz war und manchmal gerne mehr dazu gelesen hätte, als nur diesen einen Absatz.
Unabhängig davon kann ich diese Autobiographie wirklich nur empfehlen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich durch dieses Buchs in mehrfacher Hinsicht über meinen Tellerand hinaus schauen (oder lesen) konnte.
PS: Keine Sterne Bewertung, da es sich sonst anfühlt, als würde ich das Leben das Autors bewerten.
An sich schildert der Autor viele relevante Aspekte, die man als Migrant in Deutschland erfährt. Allerdings reißt er einzelne Fragmente an, ohne diese tiefgründig auszuführen. Zudem berichtet er autobiografisch von seinen persönlichen Erfahrungen, jedoch weiß man gar nicht wo er sich gerade zeitlich befindet, was manchmal für Verwirrung beim Leser sorgt. Der Schreibstil hat mich leider ebenfalls nicht überzeugen können.
4,5 ★ „wir reiben uns aneinander, wir lieben uns. und die erinnerung bleibt unser fundament, auf dem wir weiter gemeinsam träumen lernen“
ich bin so unglaublich berührt von der art und weise wie fikri anil altintaş geschichten schreibt, sie miteinander verknüpft & die lesende person einlädt in seine welt & erinnerungen einzutauchen. gerade als ich den letztes satz des buches gelesen habe & mir sowieso schon die tränen in den augen standen, habe ich eine nachricht von meiner mama bekommen. vielleicht ein kleines zeichen vom universum, welches dann das fass zum überlaufen gebracht hat (sie hat mir das buch empfohlen).
dieses buch hat mich so viel fühlen lassen & an den apfelbaum erinnert, der für meinen bruder und mich in unserem garten gepflanzt wurde.
Ein sehr besonderes Buch. Es bietet sehr intime und persönliche Einblicke, die gleichzeitig aber auch an strukturelle und gesellschaftliche Themen gebunden sind. Die Brücke zu schlagen, ohne zu persönlich zu werden oder zu oberflächlich zu bleiben, das ist ihm super gelungen. Große Empfehlung! Und Fikri Anıl Altıntaş ist einfach selber auch so eine sympathische Maus! Das muss man einfach lesen!
Leider finde ich das Buch sehr zerfahren. Der assoziative Stil führt zu viele Sprüngen. Dadurch war es für mich schwer, den Gedanken des Autors zu folgen. Das Bild mit dem Birnbaum leuchtet mir auch nicht so wirklich ein.
Dieser Roman ist letztlich eine Autobiografie, in der Fikri Anýl Altýntaş Stereotypen der Männlichkeit untersucht und sich Stück für Stück von seinem kulturellen Erbe löst. Er wächst als Sohn türkischer Eltern in einer hessischen Kleinstadt auf. Sein Vater war bereits als Lehrer in der Türkei tätig, arbeitet in Deutschland als Türkischlehrer, seine Mutter als Reinigungskraft, bzw. sie ist Hausfrau. Es ist eine Kindheit inmitten von Sozialwohnblocks, später mit dem eigenen Haus, geprägt von dem drängenden Wunsch, «deutsch» zu sein und der bitteren Enttäuschung über die Realität in Deutschland. Ein Wechselbad der Kulturen – auf der einen Seite das «Deutsche» anzunehmen, doch im Haushalt durfte nur Türkisch gesprochen werden und auch sonst wurde sehr traditionell die türkische Kultur zelebriert. In Fikri Anýl Altýntaş wächst die Sehnsucht, gesehen zu werden und einen eigenen Weg als türkisch-muslimischer Mann zu finden. Es ist aber auch eine Geschichte über Diskriminierung und Rassismus.
«Ich habe auch mit 14 und 15 Jahren gedacht, o.k., irgendwie werde ich nicht als 'deutsch' und nicht als 'weiß' wahrgenommen, das heißt ich muss auch irgendeine Selbstsicherheit in mir finden. Das hat natürlich dazu geführt, dass ich irgendwann gedacht habe, ich will der Typ sein, der krasse Rap Musik hört und einen Bling Bling Ohrring trägt. Das hat damals auch eine Berechtigung gehabt, weil ich da zum ersten Mal eine Sicherheit in meinem eigenen Sein und in meiner eigenen Sozialisation gefunden habe.»
Der Vater war immer sein Vorbild. Aber will er Sohn den Weg des Vaters gehen? Er fragt sich: Was bedeutet Männlichkeit überhaupt und wie kann sie jenseits der Klischees verstanden und gelebt werden? Radikal ehrlich blickt er auf sich und seine Familiengeschichte zurück, um die Gegenwart besser zu verstehen. Es ist keine Abrechnung, sondern eine zärtliche Annäherung an den Vater, an seine Sehnsüchte und die Verletzungen, die er erfahren musste, im fremden Land, wie später auch im eigenen. Ein tiefer Einblick in eine typisch muslimische Einwandererfamilie, die sich nicht angenommen fühlt, Kinder, die sich mit doppelter Kultur konfrontiert sehen. Familiengeschichte und Identität – wie prägt sich Männlichkeit, und inwiefern ist auch das Leben in zwei Kulturen damit zusammenzubringen? Fragen, die sich der Autor stellt.
«Ah be, baba. Hätte ich gespürt, dass du so viel Trauer in dir trägst, hätte ich sie zusammen mit dir getragen. Du hättest mir gesagt, wohin es geht. Ich hätte keine Sekunde gezögert und das getan, was du von mir wolltest, damit du nicht weinst. Ich wusste, dass du heimlich weinst, auch wenn du es nicht vor uns getan hättest.»
Will ich dem Rollenbild meines Vaters entsprechen?, fragt sich der Autor: zu viel Gewalt, Frauenverachtung und Rassismus. Er kann sich mit dem patriarchalischen Führungsstil des Vaters nicht identifizieren. «Meine Mutter entschied, was es bei uns zu essen gab. Mein Vater, ob es schmeckte.» Er will sich von toxischer Männlichkeit lösen, weg von Dominanzstreben, von dem Glauben, dass Männer in der Gesellschaft wertvoller sind, mehr Gewicht haben. Er hat die Unsicherheit und Verletzlichkeit an seinem Vater wahrgenommen, ihn im Verborgenen weinen sehen – aber anstatt dies zuzulassen, hat der Baba dies männlich dominant überspielt. Für Fikri Anil Altintas geht es darum, Gefühle zuzulassen, das System der Männlichkeit zu hinterfragen, die «Macht» mit den Frauen zu teilen, in einem gleichberechtigten Gesellschaftssystem zu leben. Auf zweierlei Ebenen ein interessantes Buch, weil es einerseits eine migrantische Familiengeschichte darstellt und auf der anderen Seite als Auseinandersetzung mit der Männlichkeit ein anderes Gesellschaftsbild fordert. Literarisch knirscht es hier und da ein wenig – und dann kommen Stellen, die sehr berühren. Auf jeden Fall ein lesenswertes Buch!
«Ah be, baba. Du willst nicht, dass die Heimat dir mit Wut begegnet. Sich von dir entfernt und deinen Namen aus dem Gedächtnis streicht. Wie soll sie das auch, wenn du ihren Namen jeden Tag im Munde führst? Ihn pflegst wie die Bäume im Garten, den du in der Türkei hast? Ah be, baba. Du sagst, du bist nicht einer von hier geworden, dabei haben wir doch uns, reicht dir das nicht, baba?
Fikri Anil Altintas, geboren 1992 in Wetzlar, studierte Politikwissenschaften, Ethnologie und Osteuropastudien in Tübingen, Istanbul und Berlin und arbeitet als politischer Bildner und freier Autor. Er schreibt unter anderem für der Freitag, taz und pinkstinks. de. In seinen Texten, Vorträgen und Workshops, u.a. für den Gropius Bau und das ZDF, beschäftigt er sich mit Männlichkeit und Rollenbildern, Privilegien und der (De)-Konstruktion von nicht-weißen, muslimisch gelesenen Männlichkeiten in Deutschland. Auf Instagram schreibt er unter @_faanil über Rollenbilder und bricht mit Sehgewohnheiten und ist ehrenamtlich als #HeForShe Deutschland Botschafter von UN Women Deutschland aktiv.
Anil wächst als Sohn türkischer Einwanderer in Deutschland auf. Er wurde hier geboren und wenn er auch als kleiner Junge immer wieder das Gefühl hatte, wie sein Vater - sein Vorbild - werden zu wollen, so lässt dieser Wunsch während des heranwachsens mehr und mehr nach. Er kann sich mit dem patriarchalischen Führungsstil des Vaters nicht identifizieren.
„Meine Mutter entschied, was es bei uns zu essen gab. Mein Vater, ob es schmeckte. Ich wehrte mich dagegen. Er fegte den Teller vom Tisch. Der Reis verteilte sich auf den Teppich in der Küche.“ (S. 100)
Zu festgefahren sind ihm die türkisch-moslemischen Männer, Traditionen und Regeln. Er hat Träume, Hoffnungen und Sehnsüchte, die aber nicht immer mit denen seines Vaters konform sind. Er schlägt einen anderen Weg ein, wobei es ihm wichtig bleibt, dass sein Vater stolz auf ihn ist.
Es sind Geschichten aus Anils Leben. Auch Geschichten über Diskriminierung und Rassismus, wie sie noch ausgeprägter und typischer in den 90er-Jahren in Deutschland waren, wobei die Vater-Sohn-Beziehung stets im Mittelpunkt steht. Eine ehrliche autobiografische Geschichte von einem jungen Mann, der so gerne angepasst sein wollte. Ein schmales Buch in einer zu Beginn holprigen, später sehr schönen literarischen Sprache, welches ich nicht in einem Rutsch lesen konnte - zu oft hüpfte der Autor vor und zurück (ich mag wohl doch die chronologischen Geschichten). Dennoch konnte mich das Buch an einigen Stellen berühren. Ein gutes Debüt, dem ich eine große Leserschaft wünsche. 3½/ 5
bueno, ha sido una lectura entretenida que está bien y que se habría llevado más estrellas si hacia el final el autor no se hubiera tirado piedras a su propio tejado. trata de un chico alemán hijo de migrantes turcos. me parece que el autor no ha entendido bien su historia o no ha sabido transmitarla, porque recalca insistentemente en sinopsis y en el propio texto que él escribe sobre la masculinidad, sobre cómo ha vivido el convertirse en hombre, pero yo creo que eso es un tema supersecundario de su obra. son mucho más interesantes y cuantiosas sus reflexiones sobre su identidad nacional (cómo es crecer entre culturas, no sentirse del todo a gusto en ninguna y finalmente decantarse más por aquella que no es la de sus padres) que las de su género. me interesa bastante poco tu relación con el género como hombre cishetero ligeramente deconstruido (no quiere casarse y friega en casa) y ese ensalzamiento de la masculinidad del que habla a veces parece ir acompañado de un desinterés casi total por las figuras femeninas de su vida: en todo el libro no para de hablar de su padre como referente y de mostrar empatía por el migrante que dejó atrás su país para darle un futuro mejor a sus hijos y parece olvidarse de que la historia vital de su madre es exactamente la misma; sin embargo, a ella le dedica un capítulo bien frío y distante :/
Fikri Anıl Altıntaş arbeitet in diesem Buch viele fragmentarische Erinnerungen seines und dem Leben ihm nahestehender Personen als erwachsener Mann rückblickend auf. Diese Absätze und Passagen mit und auch ohne Bezug auf Männlichkeit fand ich teilweise sehr berührend und interessant geschrieben, manche Metaphern und der Rote Faden in diesem Buch sind dadurch verloren gegangen, aber das hat nicht erheblich gestört, da ich mir von diesem Buch kein großes ganzes erhofft habe.
Trotz der tiefen Persönlichen Komponente kam es mir teilweise vor als würde jemand aus meinen Erfahrungen berichten - sich mit fremden durch Texte so verbunden zu fühlen spricht für Altıntaş’s literarische Fähigkeiten. Ich glaube dieses Buch und die Auseinandersetzung mit seiner Herkunft und seinem neu gewonnenen Ich waren notwendig damit Altıntaş sich in seinem Werdegang befreien und weiterentwickeln kann. Ein wirklich schönes und emotionales Buch welches ich besonders anderen Personen weiterempfehlen kann. Es fühlt sich schön an, zu wissen, dass man nicht allein ist.
Aufgrund der biografischen Natur des Buches gibt es keine Sterne Bewertung.
Hat mir alles in allem gut gefallen, auch wenn ich manchmal durch die unstete Schreibweise Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte zu finden. Zeitweise war ich auch etwas verwirrt, weil ich nicht ganz nachvollziehen konnte, über wen oder was der Autor schreibt. Das war gewöhnungsbedürftig, aber nicht zwingend schlecht.
Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, habe mich für 4 entschieden, weil ich das Thema interessant und wichtig finde und das Buch insgesamt eine sehr schöne Atmosphäre vermittelt.
Das Buch hat mich sehr berührt, indem es die kollektiven Erfahrungen der 2. und 3. Generation Eingewanderter so schön einfängt. Aber auch die persönliche Geschichte das Autors/Protagonisten ist interessant. Die Erzählung folgt den Mustern der gerade so beliebten Autofiktion und lässt sich als postmigrantische Widerstandslektüre gegen die lange so vorueteilbehafteten Geschichten ÜBER uns lesen.