Das Wispern der Ahnen ist der neuste Roman von Sara Pepe. Das Cover zieht einen mit seinem Leuchten magisch in den Bann. Zumindest geht es mir so. Mittelpunkt des Bildes ist eine Frau in hellem Gewand, die in einem weitläufigen Raum mit riesigen Fenstern steht. Es könnte ein Ballsaal sein. Hinter den Fenstern geht gerade die Sonne unter und taucht alles in ein warmes, goldenes Licht. Die Frau sehen wir nur von hinten und vor ihrem Rücken steht ein kleines Mädchen. Die Bedeutung dessen bleibt uns verschlossen.
Der Klappentext verrät uns in großen Zügen, dass 3 Personen im Vordergrund der Geschichte stehen werden. Amalia, Keylam und Emil. Wie sie zueinander stehen und ihre Geschichten miteinander verbunden sind, wird hier nicht klar. Wir erfahren, auch, dass die Geschichte in einem Land spielt, wo noch ein König regiert, also wird es wohl nicht in der aktuellen Zeit spielen oder der aktuellen Welt. Beim Beginn des Lesens wurde mir das schnell klar. Es gibt zwar eine Eisenbahn, mit der die Menschen fahren, aber die Bahngleise sind dürftig ausgebaut und neben der Bahn reist man in der Kutsche oder zu Pferde. Technik oder Elektrizität scheint es nicht weiter zu geben. Es handelt sich also wohl um eine vergangene Zeit. Nun ist die Frage, ob es auch eine andere, vielleicht magische Welt ist. Ich denke eher nicht, denn die Menschen sind doch alle, ohne besondere Fähigkeiten oder dergleichen. Mythen über Hellseher, Kräuterhexen und dergleichen gab es zu jeder Zeit, somit hat das nichts zu bedeuten.
Die Geschichte von Sara enthält viele spannende Aspekte. Es geht sowohl um Liebe, als auch um Leidenschaft und die Erkenntnis, dass beides zusammengehören kann, aber auch getrennt voneinander existiert. Eine Frau, die ich begehre, muss ich nicht lieben. Ich kann auch ohne dieses Gefühl leidenschaftliche Stunden mit ihr verbringen. Und ich kann mehrere Frauen lieben. Auf andere oder unterschiedlich intensive Weise. Schwierig ist es, wenn ich die eine finde, die mein Herz begehrt und liebt, diese Liebe aber nicht erwidert wird und doch nicht von ihr loskommen kann.
Neben diesem Aspekt stehen noch andere wichtige Gefühle im Raum. Einsamkeit. Ohne euch vorweggreifen zu wollen, können sich viele sicher vorstellen, wie einsam man als Prinz in einem Palast sein kann. Da wäre diese Geschichte nicht die erste und auch Amalia kennt das Gefühl, nachdem sie ins Kinderheim musste. Man fühlt sich verlassen und auch wenn viele Menschen um einen herum sind, heißt das nicht, dass man sich geborgen, sicher und zu Hause fühlt.
Diese ganzen Gefühle nutzt Sara in ihrem Roman, um ein wichtiges Thema anzusprechen. Nämlich der Frage, ob man auf seine Gefühle hört, auf sein Herz oder auf den Verstand. Muss man die Gefühle tief in sich vergraben, weil man eine Pflicht erfüllen muss? Manchmal können Fragen in dieser Richtung quälend sein, vor allem weil es keine richtige Antwort für alle gibt. Sie fällt doch für jeden anders aus. Und dann ist da noch die Frage, ob man die Gefühle überhaupt erst zulässt, wenn man von Anfang an weiß, dass sie zum Scheitern verurteilt sind. Vielleicht, weil man durch den Stand in der Gesellschaft getrennt ist. Spannende Fragen, aber ich glaube, Emil bereut seine Entscheidungen nicht gänzlich, genauso wenig wie Amalia, oder seht ihr das anders? Findet es heraus.
Neben diesen Aspekten, vor allen den Entscheidungen, die man trifft, die das ganze Leben verändern können und von denen man nicht weiß, ob sie man Ende das richtige sind, geht es auch um die Wahrheit. Manchmal ist es ganz gut, sie zu verschweigen, denn sie kann beschützen. Vor Schmerz und Enttäuschung und auch das Leben retten. Dennoch tut es gut, wenn man jemanden hat, dem man sich anvertrauen kann.
Was mir zudem noch gefallen hat, war die Wandlung, die die Charaktere im Laufe der Geschichte mitgemacht haben. Gerade bei Amalia tritt ihre Entwicklung deutlich hervor und auch in Keylams Gedanken sehen wir, wie stark aus dem kleinen Vögelchen vom Waisenhaus eine, starke junge Frau geworden ist. Er selbst ist zum Mann geworden. Auch Emil wird im Laufe der Geschichte älter. Ob er aber am Ende damit zufrieden ist, was aus ihm geworden ist? Da bin ich mir nicht so sicher. Klar, war einiges durch die Herrschaft seines Vaters vorbestimmt und egal, wie es sich verhalten oder gehandelt hätte, nicht mehr abzuwenden, aber dennoch glaube ich, er hat das Gefühl, er hätte es besser machen müssen. Wieder eine Frage an euch, ob ihr das auch so seht. Lasst es mich gern wissen. Hier oder auf Instagram.
Nun frage ich mich nur noch eins: Wie geht es weiter? Die Autorin hat eine unglaublich vielfältige Geschichte erschaffen. Mit weitreichenden Verwicklungen zwischen den einzelnen Charakteren und es ist auch eine größere Zeitspanne im Rahmen der Geschichte vergangen, aber ich bin sicher, das war nicht das Ende. Das Königreich hat noch einige Probleme, die geklärt werden müssen. Das Volk ist an dieser Stelle auch nicht zufrieden und meiner Meinung nach ist Amalia da auch noch involviert. Wie, verrate ich euch nicht. Denn ich würde mich freuen, wenn ihr das Buch auch lest. Von mir gibts eine klare Leseempfehlung.