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Armut

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Über Armut wissen wir nichts. Warum? Weil die Betroffenen schweigen – aus Scham, Angst, Schuldgefühl. Daniela Brodesser hat den Teufelskreis aus Stigmatisierung und sozialer Entfremdung erlebt, der mit Armut einsetzt, kennt die guten Ratschläge von Wohlmeinenden, die beschämend wirken. Eindringlich schildert sie, welche Verwüstungen Armut hinterlässt und zeigt, was finanziell und menschlich geboten ist, um sie nicht zur Sackgasse für Betroffene werden zu lassen.

89 pages, Kindle Edition

Published March 13, 2023

56 people want to read

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Displaying 1 - 13 of 13 reviews
Profile Image for Alexandra .
936 reviews365 followers
June 5, 2023
Dieses sehr dünne Büchlein zum Thema Armut ist aus dem Social-Media-Kanal Twitter heraus entstanden. Dort postete erstmalig unter dem Hashtag #IchBinArmutsbetroffen die deutsche Alleinerzieherin Anni W. als @Finkulasa über ihr Leben am Rande der Gesellschaft, den Stress, den Armut bedeutet und die Scham, die Armutsbetroffene haben. Sehr schnell schloss sich auch die Österreicherin @danibrodesser aka Frau Sonnenschein dieser Initiative an, beschrieb in unzähligen täglichen Tweets ihren Weg in die Armutsfalle und wie sie die Situation täglich zu meistern versuchte. Letztendlich ist aus dieser Erzählung eine Erfolgsgeschichte in Form dieses Buchs entstanden, das unsere Protagonistin, wie sie selbst sagt, auch wieder aus der prekären Situation herausgeholt hat.

Sehr persönlich und detailliert schildert Daniela Brodesser, wie sie in die Situation gelangte, so arm zu sein, dass sie nicht einmal mehr wusste, wie sie ihre Familie ernähren sollte. Bei dieser speziellen Biografie fällt zuerst einmal auf, es kann wirklich jeden treffen, denn Brodessers Familie ist nicht dieses typische Beispiel von „Sozialschmarotzern“, die uns die Rechte immer verkauft und die angeblich selbstverschuldet, mangels Arbeitswillens ins Prekariat schlittern.

Der Weg ganz nach unten begann folgendermaßen: Brodesser mit guter Ausbildung aus einem Beamtenhaushalt hat sich nach ihren älteren Kindern, deren Betreuung sie neben dem Beruf locker gewuppt hat, bewusst für ein behindertes Kind entschieden, dessen Versorgung viele hohe Kosten verursachte, die nicht vom Sozialsystem getragen wurden und auch viel Pflegeaufwand von der Mutter erforderte. Als dann nach Jahren ihr Mann durch einen Burnout arbeitsunfähig wurde, implodierte das finanzielle Netz, das die Familie bisher immer aufrechterhalten konnte, vollends.

Hier haben natürlich mehrere Stellen versagt, sodass er durch das Netz gefallen ist, die Firma, die ihn nach zehnjähriger Firmenzugehörigkeit bei ersten Krankheitssymptomen rausschmiss, der Arzt und Gutachter, der den Burnout nicht anerkannte, Brodessers Mann, der in der Notsituation aus Verzweiflung und Unwissenheit einen prekären freien Dienstnehmervertrag ohne Sozialleistungen annahm und sich dann natürlich bezüglich seiner Burnout Diagnose, so nachhaltig ruinierte, dass er gar nicht mehr arbeitsfähig war. Keine Sozialhilfe, weil freier Dienstnehmer, sehr viele falsche Informationen von den zuständigen Stellen und schlechte Beratung. Familie Brodesser dürfte da kein Einzelfall sein. Vor allem Menschen, die nie in einer Notsituation waren, und sich infolge dessen einfach überfordert fühlen, werden ganz bewusst von Leistungen ausgeschlossen, die ihnen eigentlich zustehen würden. Hier werden nicht die gewieften Systemausnutzer, die sich ohnehin auskennen, sondern Leute in vorübergehenden Notsituationen, die noch nie etwas mit dem Sozialsystem zu tun hatten, von den Behörden im Regen stehen gelassen

Sehr gut beschreibt Dani Brodesser nach dem Abrutschen in die Armut – die bei ihr in Folge von Verleugnung erst nach 18 Monaten wahrgenommen wurde – dann die Talsohle, aus der alle nicht mehr herauskamen. Nachdem Brodesser versuchte, jeden einzelnen Putzjob und andere prekäre Arbeiten neben der Pflege ihrer Tochter anzunehmen, werden die Situationen des Alltags sehr anschaulich beschrieben: vor jeder größeren Rechnung und Reparatur Angst haben zu müssen, die Scham, der Verlust von Sozialkontakten, weil man nicht offensiv mit der Armut umgehen kann, sich Aktivitäten der Freunde nicht leisten kann, sie mit dem Gejammer nicht behelligen will und dann einfach mit einer Ausrede absagt. Am schlimmsten traf es das Kind, das in der Schule und bei den Freunden nach und nach isoliert wurde, weil es aus finanziellen Gründen nicht mitmachen konnte.

Auch die respektlosen Ratschläge in solchen Situationen werden sehr gut thematisiert. Als Brodesser dann anfing, auf Twitter offen über ihre Situation zu reden, war das wie ein Befreiungsschlag, sie beschreibt auch sehr ausführlich den Hass, das Unverständnis und die Verachtung, aber insbesondere den Zuspruch, die Bestätigung und die Hilfe, die ihr auf Twitter zuteilwurde. Plötzlich wusste sie, ich bin nicht alleine und konnte sich mit Leidensgenossen vernetzen und sich über ihre Probleme offen austauschen. Letztendlich lieferte ihr diese Notsituation die Grundlage für einen neuen Job: nämlich über Armut zu reden und darüber zu schreiben.

All das ist sehr gut persönlich geschildert und als Vortrag finde ich das Thema ausreichend abgehandelt, da können Betroffene Brodesser ja dann in der Pause oder anschließend persönlich kontaktieren. In Buchform bin ich aber sehr enttäuscht, denn konkrete Hilfestellungen für andere Armutsbetroffene in derselben Situation werden gar nicht strukturiert thematisiert. Da beklagt Brodesser sich in ihrer ganzen Biographie, dass ihr keine professionelle Hilfe zuteilwurde. Ist aber egal, denn der nächste Pechvogel muss erneut selber schauen, wo er bleibt.

Sorry, aber da helfen auch nicht ein paar dahingeschlenzte Links zu Beratungsstellen im recht dürftigen Anhang, die sich übrigens auch noch mitten zwischen den statistischen Quellennachweisen und Zeitungsquellen, in denen Schlagzeilen zitiert werden, verstecken und mit der Lupe gesucht werden müssen. Da braucht es sinnvollerweise ein eigenes Kapitel, in dem durch die eigenen Erfahrungen mit zusätzlicher Recherche und unterstützt von Fachleuten strukturiert angegangen werden muss, wie man die Ausganssituation analysiert, welche Behörden und Hilfeinstitutionen, Fonds, caritative Einrichtungen mit Links strukturiert dargestellt nach den einzelnen Bundesländern zuständig sind und kontaktiert werden können. Wenn dieses Buch Armut heißt und man so eine Chance hat, sollte man sich die Mühe für die Leidensgenossen auf jeden Fall machen. Meine Kritik geht übrigens sowohl an die Autorin als auch an den Verlag, der sie beim Blick über den eigenen Tellerrand nicht ausreichend forciert und unterstützt hat.

So kommen wir zum Fazit: Sonst ist dieses Werk nämlich nur ein Gejammer über die eigene Armut, das niemandem nützt und keine konstruktiven Wege aufzeigt, wie man aus der Falle rauskommt. Schade um diese vertane Chance!
Profile Image for Wandaviolett.
468 reviews67 followers
March 21, 2023
Armut erhebt eine Stimme.
Kurzmeinung: Man spürt die Wut!
Daniela Brodesser geht als Frau Sonnenschein auf Twitter viral. Als sie sich Luft macht und anfängt sich zu beklagen, findet sie allmählich aus der Anonymität heraus und aus der Scham, erzählt ihre Geschichte öffentlichkeitswirksam und trägt dazu bei, dass das Armutsproblem in Österreich und Deutschland von der Politik bemerkt wird. Denn die Armut hat keine Lobby.
Das Büchlein „Armut“ ist eine Mischung aus Erfahrungsbericht, ein winziges bisschen Ratgeber, Anklage gegen den Staat und die Gesellschaft, hauptsächlich ein Wutschrei, eine knappe Schilderung der Faktenlage, mehr willkürlich als umfassend - und von Forderungen, politischen Forderungen wohlgemerkt, die aber wiederum nicht konkret ausformuliert sind, sondern schwammig bleiben. Die bemerkenswerteste Forderung ist die, nach einem respektvollen Umgang mit Menschen, die unterhalb der jeweils von jedem Land anders definierten Armutsgrenze leben. Der Amtsschimmel wiehert leider laut und willkürlich.
Von ihrer Lebensgeschichte greift die Autorin zwar einige markante Punkte heraus, doch eine Biografie schreibt sie nicht. Dabei hätte ich mich durchaus dafür interessiert. Vielleicht in einem zweiten Buchprojekt? Auch was ihrer „Armutskarriere“ betrifft, fasst sie sich kurz: Ich musste „Essen herzaubern, wo kein Geld mehr dafür vorhanden war, musste Ängste wegstecken lernen, lernen, mit Vorurteilen umzugehen, überlegen, welche Situationen vermeidbar waren“. Es hätte mich sehr interessiert, wie sie das gemacht hat. Wie zaubert man Essen her, wo kein Geld mehr dafür vorhanden ist? Leider verrät uns die Autorin darüber nichts.
Womit sie sich auch nicht beschäftigt, sind sozialethische Fragen. Ist der Staat seinen Bürgern etwa schuldig? Und wenn ja, im Austausch wofür? Und wieviel? Und wieviel ist genug? Und warum? Ist die Gesellschaft dem Einzelnen etwas schuldig, und wenn ja, wiederum warum? Es steht für die Autorin unhinterfragt fest, dass der Sozialstaat seinem Namen mehr Ehre machen muss, als seine Bürger nicht verhungern zu lassen. Aber das ist noch lange nicht ausgemacht. Die vielen individuellen Hilfen, die sie nicht explizit nennt, aber gemeint sind wohl Kleiderkammern, Tafel, Sozialkaufhäuser, etc. - sind für sie nur eine Ausrede für den Staat, nichts zu tun. Aber der Staat kann nicht alles stemmen. Tatsächlich braucht er seine Ehrenbürger. Diese Institutionen sind übrigens, wenn man es genau nimmt, auch Teil eines funktionierenden Staates. Wie unterscheidet sich der Staat von der Gesellschaft?
Worüber sich die Autorin ganz zu Recht auslässt, das ist die mangelnde Kompetenz von amtlichen Beratungsstellen und die Unübersichtlichkeit der sozialen Gesetzgebung. Mit mangelnder Kompetenz geht Personalmangel einher und eine herablassende Behandlung. Tatsache ist, wer kein Geld hat, wird herumgeschubst. Und die sozial Benachteiligten gehen der Politik am Hinterreifen vorbei. Weil, wie gesagt, Armut keine Lobby hat.
Auch von der Undurchlässigkeit der Bildungsschichten ist die Rede. Allerdings wieder viel zu knapp. Ja, die Bildungsdurchlässigkeit im Schulsystem ist rein theoretisch. Darüber kann man ein eigenes Buch schreiben.
Vor dem genannten Hintergrund sind Erfahrungsberichte wie dieser wichtig und der Weg in die Öffentlichkeit unverzichtbar. Damit die Armut eine Stimme bekommt. Damit sie sich organisiert und erklärt, wir sind Wählerstimmen. Ungerecht sagt sie, ist die Welt. Das stimmt. Ungerecht die Gesellschaft. Das stimmt auch. Eigentlich das Gesellschaftssystem. Aber gibt es ein gerechtes Gesellschaftssystem? War der Kommunismus gerecht? Es gibt Ansätze zu Verbesserungen, zum Beispiel durch das bedingungslose Grundeinkommen. Aber leider ist "Armut" auch kein richtig politisches Buch und äußert sich infolgedessen nicht zu neuen sozialpolitischen Modellen. Es ist von allem etwas, aber vor allem, in meinen Augen, nicht fertig.
Mit Steuerhinterziehung verlöre der Staat mehr Geld als er durch Sozialbetrug je verlieren könnte. Ja, aber was sind die Folgerungen? Sollte man das eine nicht bekämpfen wie das andere? Eigentlich beschwert sich Frau Brodesser ja über den Kapitalismus. Über seine Auswüchse und seine Opfer. Denn Armut ist nichts anderes als ein Auswuchs des Kapitalismus. Leider benennt sie ihn nicht als Ursache.

Fazit: Das Büchlein ist wichtig, auch wenn es nicht perfekt ist und unausgegoren wirkt. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es greift zu kurz. Die vielen Gendersternchen haben mich nachhaltig gestört.

Kategorie: Erfahrungen
Verlag: Kremayr & Scheriau, 2023

Profile Image for Florian Lorenzen.
151 reviews161 followers
August 23, 2023
Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend, in denen es weder besonderen Wohlstand noch einen Zwang zum Sparen gab, habe ich glücklicherweise bisher keine Armutserfahrungen machen müssen. Wie es ist, mit sehr wenig Geld auskommen zu müssen, erzählt uns die österreichische Armutsaktivistin Daniela Brodesser in ihrem knapp 100-Seiten-Starken Büchlein „Armut“. Hierin verarbeitet sie ihre Zeit in der Armut, in der sie durch die Krankheit ihrer Tochter und dem Burnout ihres Mannes hineingeraten ist. Sie berichtet von den vielen Entbehrungen, die mit Armut einher gehen, von ungesunden Gedankengängen, mit denen sie sich in dieser Zeit selbst klein gehalten hat, sowie von gesellschaftlichen Stigmatisierungen. Brodesser Geschichte rüttelt auf, denn sie zeigt, dass auch Mittelschichtsfamilien vor einem Abstieg in Armut nicht gefeit sind. Letztlich konnten sie und ihrer Familie der Armut entfliehen, nachdem Brodesser dank ihres Twitter-Engagements eine attraktive Stelle angeboten wurde.

Für mich ist „Armut“ auch ein Plädoyer für den Familien-Zusammenhalt. Sie haben zusammengehalten, sich füreinander aufgeopfert und es gemeinsam aus der Armut herausgeschafft. Dieser Aspekt ihrer Geschichte hat mich mit am meisten berührt. Dass überhaupt ihre Familie als soziales Auffangnetz agieren musste, wird von Brodesser als Versagen des Sozialstaats angeprangert. Und in der Tat stellt sich die Frage, wie Brodessers Geschichte in einem so üppig ausgestatteten Sozialstaat, wie Österreich oder Deutschland ihn haben, überhaupt vorkommen konnte. Mir erscheint, dass der Sozialstaat teilweise an den falschen Stellen tätig wird und in seinen Strukturen recht ineffizient ist, wodurch zu wenig Geld für die wirklich Bedürftigen übrigbleibt. Die vehementen Proteste bzgl. der Abschaffung des Elterngelds für Haushaltseinkommen oberhalb von 150.000€ haben meines Erachtens sehr gut gezeigt, dass „Bedürftigkeit“ sehr flexibel interpretiert werden kann.

Als einzige Schwäche des Buches können wiederum die nicht immer treffsicheren politischen Kommentierungen Brodessers angesehen werden. So versteift sie sich beispielsweise an einer Stelle des Buches dazu, den Beruf des Steuerberaters als den gesellschaftlich schädlichsten Beruf zu titulieren. Dahinter verbirgt sich die Vorstellung, dass Steuerberater v.a. dazu da sein, illegitime Steuerschlupflöcher für ihre Mandaten ausfindig zu machen. Als jemand, der als Unternehmer selbst mit einem Steuerberater zusammenarbeitet, kann ich dazu nur sagen, dass dies eine abwegige Vorstellung ist. In Wirklichkeit sind die regulatorischen Anforderungen des Staates im Hinblick auf Steuer-Themen dermaßen komplex, dass es ohne Steuerberatung zumeist nicht geht. Entsprechende Kompetenzen selbst aufzubauen und stetig zu aktualisieren, sodass die Beauftragung eines Steuerberaters nicht notwendig ist, können sich eigentlich nur größere Unternehmen erlauben. Selbiges gilt für die vermuteten Steuersparmodelle, die für einen Handwerksbetrieb oder Solo-Selbstständige schlicht nicht darstellbar sind. Es ist also genau andersherum: Gerade weil der Staat Steuervermeidung um jeden Preis verhindern will, ist man als mittelständischer Unternehmer auf einen Steuerberater angewiesen, weil man nur so den mannigfaltigen Steuer-Regulatoriken gerecht werden kann. Auch andere Kommentierungen fand ich nicht unbedingt zutreffend; respektiere aber, dass man das von einem anderen politischen Standpunkt aus betrachtet auch anders sehen kann.

Am Ende erfüllt dieser Essay dennoch zweifelsohne seinen Zweck, denn es zeigt einen alltagsnahen, ungeschönten Blick auf das Thema Armut. Gerade diejenigen, die bisher keine Armutserfahrungen erleben mussten, könnten hiervon profitieren

Review auf Instagram: https://www.instagram.com/p/CwRyZhKsJfm
Profile Image for PiaReads.
345 reviews8 followers
January 20, 2025
Daniela Brodesser hat mich mit ihren Beiträgen auf Twitter erstmals dazu gebracht, mich intensiver mit dem Thema Armutsgefährdung auseinanderzusetzen. Ihre Schilderungen haben mir die Augen für eine Realität geöffnet, die oft übersehen oder verdrängt wird. Deshalb wollte ich ihr Buch lesen – und es hat mir noch einmal sehr viel mitgegeben. Das ebook habe ich als Leseexemplar über NetGalley vom Verlag erhalten.

Die österreichische Autorin beschreibt mit schonungsloser Ehrlichkeit die sozialen und emotionalen Folgen von Armut, die weit über finanzielle Not hinausgehen. Sie zeigt, wie Scham und Stigmatisierung Betroffene zum Schweigen bringen und gesellschaftlich isolieren. Dabei verbindet sie ihre persönlichen Erfahrungen mit fundierten Fakten und macht deutlich, dass Armut nicht nur ein individuelles, sondern ein strukturelles Problem ist.
Profile Image for Anna Hager.
46 reviews
September 14, 2025
3,5🌟
sehr prägnante erzählung über daniela brodessers persönliche armutserfahrungen. gut erzählt, nachvollziehbar und anregend.
persönlich hätte ich mir mehr strukturelle kritik gewünscht, die zwar in ansätzen vorkommt, jedoch für mich noch ausbaufähig wäre. allerdings ist der rahmen des buches extrem klein, weshalb eine ausführlichere kritik oder weiterführende informationen zur armutsbekämpfung (auf persönlicher oder struktureller ebene) zwar interessant wären, aber wahrscheinlich die seitenanzahl drastisch erhöht hätten, was vielleicht einfach nicht vorgesehen war.

insgesamt auf jeden fall lesenswert, in der hinsicht, dass es die auswirkungen von armut auf die autorin sehr nachvollziehbar und verständlich aufzeigt und somit entstigmatisierend wirkt.
Profile Image for Ina Vainohullu .
887 reviews17 followers
May 15, 2023
So richtig, so wichtig !!!

Bitte unbedingt lesen, verstehen und lernen.
Profile Image for Valerie.
306 reviews11 followers
June 27, 2023
Armut ist ein strukturelles Problem

"Es ist an der Zeit, die Debatte endlich in eine andere Richtung zu bewegen. Weg von der Stigmatisierung, weg von Schuldzuweisungen an Betroffene. Hin zum Aufzeigen, warum Menschen in Armut leben, warum sie keine oder nur prekäre Jobs finden, warum sie wegen Erkranungen arm sind und warum sie wegen Armut krank werden. Hin zum Aufklären darüber, dass ein Ende der Generalvorurteile nicht ein Ende der Zivilisation bedeuten würde, sondern den Beginn einer ernsthaften Arbeit an nachhaltiger Armutsbekämpfung. Hin zum Verlangen, dass die Wohlhabendsten unter uns ihren Beitrag leisten müssen, auch wenn sie dadurch ein klein wenig ihres Reichtums einbüssen würden. Hin zu fairen Löhnen, sicheren Arbeitsverhältnissen, weg von Ausbeutung."

Daniela Brodesser war lange armutsbetroffen. Die Österreicherin rutsche durch eine Reihe an unglücklichen Ereignissen schliesslich in die Armut - und es dauerte noch einige Zeit, bis ihr dies bewusst wurde. In der Armut erlebte unter anderem sie Beschämung, Vorurteile, schlechte Beratungen auf Ämtern, prekäre Arbeitssituationen. Sie entschloss sich nach mehreren Jahren schliesslich, darüber zu sprechen. Und schaffte es dadurch aus der Armut. Dabei half ihr Glück und Menschen, die ihr eine Chance gaben. Seitdem spricht sie öffentlich über Armut. Nun hat sie auch ein Buch zu dem Thema geschrieben.

Ich bin froh, dass Daniela Brodesser sich entschlossen hat, darüber zu sprechen. Armut ist ein sehr wichtiges Thema, das in der öffentlichen Debatte meist zu kurz kommt. Das Buch ist sehr gut gelungen. Brodesser spricht über ihre eigene Geschichte und wie sie in die Armut gerutscht ist. Sie erklärt, was Armut eigentlich ist - dabei bezieht sie sich vor allem auf Österreich und Deutschland. Sie zeigt auf, wie schnell man in die Armut rutschen kann und dass es jedem passieren kann. Sie räumt mit häufigen Vorurteilen auf und zeigt eindrücklich, dass sehr Reiche, die ihre Steuern nicht zahlen, viel mehr Impact haben als Armutsbetroffene, die Hilfe vom Sozialstaat haben. Schliesslich endet sie damit, was wir als Individuen für Armutsbetroffene tun können (vor allem darüber sprechen und typische Vorurteilen hinter sich zu lassen). Ein sehr wichtiges, gut umgesetztes Buch.
Profile Image for Justus.
46 reviews1 follower
March 27, 2024
"Es war Normalität, auf nichts ein Recht zu haben, weder auf Teilhabe noch auf Ablenkung noch auf Freude. Wer arm ist, hat keine Freude zu haben. So weit hatte mich die Beschämung gebracht." - S.62


Eine so wichtige, kurze und gleichzeitig bedrückende, aufweckende Schrift. Gänsehaut beim Lesen. Daniela Brodesser schreibt von ihrer ganz persönlichen Geschichte, ihrem plötzlichen Fall in die Armut, wie einfach dies einer "Durchschnittsfamilie" passieren kann, wie gravierend sich das Leben ändert und auf alle Beteiligten wirkt. Und dass es nicht so sein sollte, nicht so sein muss.

"Wo bleibt übrigens der Generalverdacht, wenn es zum Wohlhabende geht? Während Medien oft und gerne über Sozialbetrug berichten, liest man selten von steuerschonenden Praktiken von Reichen [...]. Warum wohl? Weil wir immer lieber nach unten treten. Ich erinnere mich an die Debatten rund um die Erhöhung des Arbeitslosengelds oder das 9-Euro-Ticket in Deutschland. Man könnte meinen, das würde das Ende des Abendlands bedeuten! Man stelle sich vor: Armutsbetroffene, die dadurch ein paar Euro mehr zur Verfügung hätten oder gar mobil wären! Undenkbar." - S.40
Profile Image for yellowdog.
852 reviews
March 13, 2023
Intensiver Erfahrungsbericht

Daniela Brodeser gestaltet ihr wichtiges Essay anhand ihrer eigenen Erfahrungen mit Armut. Es wird daher sehr intensiv. Der Weg in die Armut trifft sie und ihre Familie schleichend. Entscheidend dabei sind auch Krankheitsfälle in der Familie.
Man kann als Leser sich in ihre Situation hineinversetzen und erlebt ihre Erfahrungen hautnah mit, z.B. die Beschämung und man versteht, was fehlende Teilhabr bedeutet. Und, das Armutsbetroffenheit jeden erreichen kann.
Daniele Brodessers Weg raus aus der Armut gelang nur, weil sie mit dem Thema an die Öffentlichkeit ging und merkte, wie viele Betroffene das selbe durchmachen wie sie. Sie macht aber auch klar, dass sie damit ein Ausnahmefall ist und die allermeisten nicht aus der Situation rauskommen können.
Daher ist ein gesellschaftliches Umdenken beim Umgang mit Armutsbetroffenen sinnvoll.
Profile Image for Sandra Forstner.
10 reviews
July 26, 2024
Ich musste das Buch während dem Lesen immer wieder zur Seite legen, weil es mich sehr zum Nachdenken angeregt hat. Daniela Brodesser schreibt über ein Thema das leider immer noch zu wenig in der Öffentlichkeit angekommen ist. Danke für diesen Erfahrungsbericht!
Profile Image for André Bernhardt.
306 reviews12 followers
October 28, 2023
Muss man am Stück sofort durchlesen (und man muss nicht auf einem Kindle - ich tat das auch nicht - aber es gibt keine andere Edition hier.
Profile Image for Kat.
50 reviews18 followers
December 25, 2023
Ein wichtiges Buch, hoffe viele lesen es.
Displaying 1 - 13 of 13 reviews

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