Die Idylle am Bodensee ist ein Klischee, das ist die simple Einsicht Kommissar Heinzles. Ein Serientäter lässt Frauen spurlos verschwinden, Radikale marschieren auf, die Presse belagert die Stadt und niemand fühlt sich mehr sicher. Sein Bauchgefühl führt den Kommissar ganz nach unten. Dorthin, wo ein Einsamer sich an Unschuldigen rächt.
Wie immer im Urlaub waren wir auf der Suche nach Buchhandlungen. Als wir in einer hübschen Stadt am Bodensee eine kleine, nette entdeckten, wurden wir von Rebekka Moser persönlich angehauen und natürlich haben wir uns ihr Buch signieren lassen und mit nach Hause genommen. Eine schöne Erinnerung, die mit diesem Titel zusammenhängt.
Hätte ich einfach nur das Cover gesehen und den Rückentext gelesen, hätte ich wahrscheinlich nicht zu diesem Werk gegriffen. Doch das Schicksal geht teilweise interessante Wege, wie oben geschildert. Denn kaum hatte ich angefangen zu lesen, war ich schon mitten drin und wollte gar nicht mehr raus.
Moser hat ein Talent dafür, Menschen zu schildern. Heinzle ist zwar ein ebenso gebrochener Mann wie viele andere Ermittler, dennoch wirkt er auf mich echter. Sein Schmerz ist da, aber glaubhafter, weniger aufgesetzt als bei so manch anderen. Die Beziehung zu seiner Tochter ging mir sehr nahe, gibt sie dem Kommissar doch einen Grund, weiterzumachen.
Die Erzählsicht wechselt immer wieder auf den Täter. Auch hier wurde meine Neugierde und meine Faszination auf das Böse gepackt. Spannend, ergreifend, aber nicht so effektheischend wie bei anderen Thrillern, die ich gelesen habe.
Trotz der Schwere des angesprochenen Themas, liest sich das Werk leicht und süffig. Ich konnte problemlos eintauchen und Moser schaffte es, dass ich alles um mich herum vergass. Heinzle drückte ich stets die Daumen, ich hoffte mit ihm. Bewunderte die Stärke der geschilderten Frauen, fürchtete das Böse, das hinter jeder Fassade lauern kann.
Beim Showdown vergass ich teilweise das Atmen.
Nur der Prolog war mir ein wenig zu aufgesetzt und unklar. Doch das ist ein gesuchter Negativpunkt in einem sonst durch und durch überzeugenden Buch. Krimi- und vor allem Thrillerfans sollten Rebekka Moser definitiv eine Chance geben.