Wir haben nur uns. Solidarität ist die Einsicht, dass die Ausgebeuteten, die Verdammten dieser Erde nur eine einzige Möglichkeit haben, ihre Rechte durchzusetzen: indem sie Mehrheiten bilden.
Unsere alten Gewissheiten zerbrechen aktuell an vielgestaltigen Krisen. Dem beizukommen wäre vornehmste Aufgabe der Politik. Doch die stellt sich kein gutes Zeugnis aus: Die einen klammern sich an den Glauben, dass die verlorene Normalität rückholbar ist. Die anderen wollen die Krisen mit Individualismus oder autoritären Maßnahmen meistern – und bedrohen damit den Rechtsstaat.
Natascha Strobl plädiert für einen dritten Weg: eine gemeinsame, antikapitalistische Klammer. Denn die Art, wie wir leben, produzieren und wirtschaften, muss sich grundsätzlich ändern. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, wenn die Lösung echte Solidarität ist – ein kollektiver Wert, der individuelle Befindlichkeiten überwindet.
Eine sehr unausgegorene, undurchdachte, wirr aufgebaute, sehr polemische Streitschrift über Solidarität, strikt gegen alle gesellschaftlich bestehenden Werte, ala wir zertrümmern einfach alles, auch das Bewahrenswerte, wir zerstören und bauen neu auf, wir wissen zwar noch nicht komplett durchdacht wie, aber zuerst alles niederreißen. Ich muss mich schon wundern, wie sehr eine treffende Analystin von politischen Reden so etwas fabriziert. Vor allem weil sie das falsche politische Framing und in Schubladen Stecken, das sie bei Konservativen oft zu Recht kritisiert, selbst anwendet.
Das beginnt schon beim Bashing von allen konservativen, im Sinne von bewahrenswerten Werten. Alle Konservativen von heute sind also radikalisiert und im radikalisierten Konservativismus sind dann alle auch faschistoid. Dieses polemische bösartige Framing von Andersdenkenden hat die Autorin übrigens mittlerweile genauso drauf wie die übelsten Figuren der ÖVP und FPÖ – Es wurde wahrscheinlich unter ihrer Ägide übrigens auch gegen jene SPÖ-Parteifreunde angewandt, die nicht so begeistert von ihrem Idol Andreas Babler waren und es wagten, sachliche Kritik und Diskurs zu äußern. Damit auch gleich alle wissen, dass wir eigentlich prinzipiell im selben Team spielen sollten, denn ich lasse mich nicht als rächts, Nadsi und faschistoid framen, nur weil ich in einigen Punkten anderer Meinung bin.
Mitten drinnen habe ich mich gefragt was soll das? Hauptsache Fortschritt und alles Einreißen, denn Irgendetwas zu bewahren ist schlecht. Nichts in Frage zu stellen, ob es aus der Vergangenheit was Gutes, Bewahrenswertes gibt, denn das ist konservativ und pfui. Progressiv voran, die Richtung ist egal, auch wenn sie im Abgrund endet. Wie ein zorniges Kind alles zerstören und dann vielleicht, aber nur vielleicht neu aufbauen. Das klingt tatsächlich frappant nach der Ideologie der Bolschewiki und ich möchte hier wieder einmal sagen, dass ich die Hufeisentheorie in der politischen Landschaft heutzutage als sehr präsent empfinde.
Strobls ganzes Gedankenkonstrukt ist wirr und inkonsistent aufgebaut, es hat keine logische stringente Struktur in der Argumentation, die Argumente werden unstrukturiert durcheinandergewirbelt vom Hundertsten ins Tausendste fabuliert. Ein paar sehr gute Gedanken zur Solidarität sind drinnen, aber mit allen Folgen einfach nicht zu Ende gedacht. Polemische Ansagen aber auch keine durchdachten Lösungen.
Manche Aussagen grenzen sogar an Wahnwitz. Im Originalton:
„Mein Plädoyer ist trotzdem, dass jede:r die Klammer der Solidarität so breit wie möglich, sprich an der eigenen Schmerzgrenze oder sogar knapp darüber ansetzt.“ „Eine postapokalyptische Gesellschaft ist im Grunde weniger radikal als die kapitalistische Gegenwart.“
Das klingt nach Apokalypse, Anarchie, Mord und Totschlag, Menschenleben und Existenzen als Kollateralschäden, aber nicht nach Solidarität. Solidarität von anderen zu verlangen, die über die eigene Schmerzgrenze hinausgeht und als postapokalyptisch bezeichnet wird, da kriege ich Vibes von verletzen, verhungern, anders sterben oder töten für die leere Hülse einer Solidaritätsideologie.
Falls ich diese Originalsätze im Kontext falsch interpretiert habe, wird das Werk übrigens um keinen Deut besser, denn dann wurden sie einfach nicht ausreichend erklärt, was ja eigentlich Ziel dieses Buches hätte sein sollen. Die zwingend notwendigen Definitionen hält die Autorin übrigens auch für überflüssig, hier werden nur politische Phrasen wild durcheinandergewirbelt und dann kommt genau so ein Tohuwabohu heraus.
Ach ja das Kapitel der NGO's ist besser, hier kommen Originalstatements von vielen Personen zum Thema, die ich sehr schätze, aber hier unter dem Schlagwort Solidarität die Amadeu Antonio Stiftung zu Wort kommen zu lassen, die ein Denunziations- und Verleumdungsportal gegen linke Radikalfeministinnen aufgebaut hat, ist unpackbar dumm, kurzsichtig, und auch sehr bösartig.
Polemisch und unausgegoren. Kurzmeinung: Ein gutes Thema vollkommen in den Sand gesetzt. Eine solidarische Klammer aus allen möglichen Schichten und Klassen soll den Kapitalismus aus seinem Sattel heben und einer postkapitalistischen Gesellschaft Raum geben. Dies sei dann eine Gesellschaft, die ohne jede Ausgrenzung und Konkurrenzkampf auskäme. Wie dies zu bewerkstelligen wäre, wie diese Gesellschaft dann funktioneren könnte, darüber schweigt die Autorin. Aber genau das, wäre doch interessant gewesen! Kommentar: Der Kommunismus hat die klassenlose Gesellschaft gewagt- und dann gemerkt, dass er ohne Klassen nicht auskommt. Die von dem Essay "Solidarität" gegebene Botschaft hört sich für mich wie folgt an: „Zerstört alles, danach können wir etwas Neues aufbauen, wir wissen nicht, was, aber es wird besser sein.“ Wer das große Wir sein soll, ist unklar. Alle, die dann noch übrig geblieben sind ???- unter welcher Führung, no idea. Antworten darf man von Stobls Text leider nicht erwarten, nicht einmal zarteste Lösungsansätze werden vorgestellt.
Der Text von N. Strobl ist unwissenschaftlich. Er bleibt Definitionen schuldig, er arbeitet mit Schlagworten, undifferenzierten Schuldzuweisungen, unbelegten Behauptungen und mit Binsenwahrheiten. Stobls Text ist zutiefst polemisch. Was die gelobte und geliebte „Moderne“ sein soll, was sie beinhaltet und was nicht und wie die Autorin die Probleme der Menschheit beheben will oder (von wem?) beheben lassen will, davon findet man kein Wort. Eindeutig findet Strobl "Eigenverantwortung" des Einzelnen unwichtig, wenigstens solange die Reichen und die Großkonzerne so weitermachen wie bisher. Ich wünschte, sie hätte Eigenverantwortung nicht so abschätzig behandelt und dafür genauer ausgeführt, was gegen die Auswüchse der Großkonzerne zu tun ist, wie man die Reichen besteuert und Steuervermeidungen von Konzernen abschafft, etc. etc. Anfangen könnte man beispielsweise ebenfalls damit, dass die Begüterten kein Kindergeld mehr bekommen. Aber von solchen Konkretismen ist kein Wort im Text zu finden. Es bleibt bei der schwammigen Aufforderung "solidarisch" zu sein, mit wem? No idea. Mit jedem? Ich wette mit dem globalen Süden (Zynismus der Rezensentin). Nein, um fair zu sein, Strobl sagt, mit jedem, der benachteiligt ist. Aber auch dies ist einfach zu schwammig. Das ist ein Schlagen nach Wind.
Selbst als im letzten Drittel NGOs zu Wort kommen, die für Strobl exemplarisch für Solidarität stehen, bleibt es bei schwammigen Grußworten dieser Organisationen. Wieder wird nicht erklärt, was die einzelnen Organisationen machen, was sie auszeichnet und was sie nicht so gut machen. Vor allem aber, werden viele dieser NGOs von den von Strobl so sehr geschmähten Konservativen finanziert, nämlich von Spenden, die letztlich aus dem kapitalitischen System stammen. Woher sonst?
Schade, dass ein Text über in der Tat notwendige Solidarität so schwammig, unwissenschaftlich und polemisch daherkommt. Natürlich hat auch dieser Text seine "Körner der Wahrheit", wenn die Großkonzerne als die großen CO2Verbraucher angeklagt werden oder sie des Greenwashings beschuldigt werden. Was wir indes bräuchten, wären mündige Verbraucher. Die wiederum bräuchten echten investigativen Journalismus, der wiederum – vom Kapital bezahlt würde. Von wem sonst?
Fazit: Eine verschenkte Möglichkeit. Schwammig, unklar, unwissenschaftlich. Eine Brandrede, von der man kaum weiß, was sie erreichen will. Anarchie?
In einer Zeit, in der politische Gewissheiten brüchig werden und Krisen von vielen Seiten instrumentalisiert werden, setzt dieser Essay einen wichtigen Kontrapunkt. Besonders beeindruckend ist die präzise politikwissenschaftliche Analyse des radikalisierten Konservatismus und der Tendenzen innerhalb sozialdemokratischer Parteien, sich nostalgisch an eine vermeintlich harmonische Vergangenheit in großen Koalitionen zu klammern. Wer den aktuellen Bundestagswahlkampf verfolgt, erkennt die Relevanz dieser Beobachtungen – auch zwei Jahre nach Erscheinen des Textes.
Doch der Essay verharrt nicht in der Diagnose der politischen Misere. Stattdessen schlägt er mit dem Konzept der Solidarität eine Alternative vor, die über individuelle Befindlichkeiten hinausgeht. Die historische Verankerung in der Arbeiter*innenbewegung und die Übertragung auf heutige gesellschaftliche Herausforderungen bieten einen hoffnungsvollen Ansatz für eine gerechtere Zukunft. Die Wahl der Essayform trägt zusätzlich zur Stärke des Buches bei: pointiert, analytisch und zugleich eindringlich macht es deutlich, dass ein Umdenken nötig und möglich ist.
Ich verfolge Natascha Strobls beharrliches politisches Engagement gegen rechts bereits seit einigen Jahren bewundernd, weshalb ich mich sehr über das Rezensionsexemplar durch NetGalley gefreut habe, und umso mehr als es sich beim Lesen als grosse Empfehlung entpuppte.
In einer Welt, die zunehmend von Krisen und Spannungen geprägt ist, beschreibt Natasha Strobl in ihrem Buch eindrucksvoll die Herausforderungen und die Bedeutung von Solidarität. Das Konzept der Solidarität, so wie es immer schon ein Grundpfeiler des menschlichen Zusammenlebens war, wird hier neu beleuchtet, insbesondere in Zeiten politischer und sozialer Unsicherheit. Strobl zeigt, wie die gegenwärtigen globalen Krisen – sei es durch politische Instabilität, soziale Ungleichheit oder wirtschaftliche Verwerfungen – die Bewegungsfreiheit des Einzelnen einschränken, während gleichzeitig die Notwendigkeit wächst, sich als Gesellschaft zusammenzuschließen und füreinander einzustehen.
Das Buch hat mich in meinem eigenen politischen Engagement bestärkt. Strobls Botschaft, dass alle Menschen gleich sind und dass wahre Solidarität auf dem Prinzip beruht, dass wir füreinander Verantwortung tragen, erscheint mir fundamental und kraftvoll. Es steht dabei entschieden im Widerspruch zur Haltung, die in George Orwells "Farm der Tiere" beschrieben wird, wo zwar alle gleich sind, aber einige "gleicher" sind als andere. Diese ungleiche Machtverteilung, die heute von neofeudalen Kreisen propagiert wird, wird von Strobl klar hinterfragt. Ihre Worte sind ein Aufruf, sich nicht von dieser verzerrten Weltsicht täuschen zu lassen.
Das Buch ist nicht immer leicht zugänglich. Es fordert eine intensive Auseinandersetzung mit politischen und ideengeschichtlichen Theorien, um den vollen Einfluss und die Relevanz der behandelten Themen in der aktuellen sozialen und politischen Realität zu begreifen. Doch gerade diese Komplexität macht es zu einer wertvollen Lektüre für jene, die bereit sind, tiefer in die Materie einzutauchen.
In vielen Rezensionen wird das Buch als ein wertvoller Beitrag zur aktuellen politischen Diskussion über Solidarität und soziale Verantwortung angesehen. Es gibt jedoch auch Raum für weitergehende Reflexionen und kritische Auseinandersetzungen mit den dargestellten Thesen.
Mein persönliches Fazit: Ich schätze das Buch und die Perspektiven, die es bietet. Strobl wirft einen kritischen Blick auf die heutige Welt und warnt zugleich vor den Gefahren eines "Brave New World"-Szenarios. Es bleibt die große, beängstigende Frage, wo genau das neue gesellschaftliche Modell, das entstehen muss, auf dem Spektrum der Möglichkeiten angesiedelt sein wird.
In einer Zeit, in der die Menschlichkeit in verschiedenen Bereichen immer wieder auf die Probe gestellt wird, erinnert mich das Buch auch an Ansätze in der medizinischen und pflegerischen Versorgung, wo die Maxime "niemand wird zurückgelassen" schon in Krisenzeiten und Grenzsituationen praktiziert wurde. Vielleicht könnte ein solcher Ansatz, ein Modell der Menschlichkeit, als Leitmotiv dienen – sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Gesellschaft im Allgemeinen. Die Hoffnung, dass ein solches Prinzip der Solidarität und des Miteinanders auch das gesellschaftliche Handeln leiten kann, ist noch nicht gestorben.
Klappentext: Solidarität ist die Einsicht, dass die Ausgebeuteten, die Verdammten dieser Erde nur eine einzige Möglichkeit haben, ihre Rechte durchzusetzen: indem sie Mehrheiten bilden. Unsere alten Gewissheiten zerbrechen aktuell an vielgestaltigen Krisen. Dem beizukommen wäre vornehmste Aufgabe der Politik. Doch die stellt sich kein gutes Zeugnis aus: Die einen klammern sich an den Glauben, dass die verlorene Normalität rückholbar ist. Die anderen wollen die Krisen mit Individualismus oder autoritären Maßnahmen meistern – und bedrohen damit den Rechtsstaat. Natascha Strobl plädiert für einen dritten Weg: eine gemeinsame, antikapitalistische Klammer. Denn die Art, wie wir leben, produzieren und wirtschaften, muss sich grundsätzlich ändern. Das muss nichts Schlechtes bedeuten, wenn die Lösung echte Solidarität ist – ein kollektiver Wert, der individuelle Befindlichkeiten überwindet. Meinung: Ein sehr kurzes knappes Buch, über ein wichtiges Thema, das einen alternativen, besseren Weg aufzeigen möchte, da kann man doch nicht viel falsch machen, dachte ich. Leider doch. Denn trotz, beziehungsweise vielleicht auch gerade wegen der Kürze zog sich das Buch. Jeden Satz musste ich mehrmals lesen, da es so umständlich formuliert und mit unbekannten, unnötig komplizierten Wörtern gespickt war und kaum etwas erklärt wurde. Dadurch fand ich es wirklich schwierig am Ball zu bleiben, konnte kaum was mitnehmen, weil es so schwierig zu verstehen war und hab mich ein bisschen gefragt, was das soll. Vielleicht bin ich nicht die Zielgruppe, sondern es ist nur für Menschen, die sich darüber hinaus bereits sehr viel mit dem Thema beschäftigt haben, dann wiederrum wird es aber vermutlich auch wenig Neues in dem Buch für sie geben, denn auf 100 Seiten kann man natürlich nicht sehr weit in die Tiefe gehen. Außerdem fände ich das bei einem Buch über Solidarität doch auch sehr unpassend, schließlich betrifft das Thema alle. Ein bisschen mehr Seiten, auf denen mehr erklärt, mehr in die Tiefe gegangen wird und vor allem alles etwas sprachlich einfacher geschrieben wäre, hätten dem Buch sicherlich gutgetan.
Solidarität ist ein wirklich wichtiges Thema, dass in diesem Buch aus der Essay-Reihe Übermorgen behandelt wird. Ziel ist auch, Mut zu machen in Zeiten vieler Krisen.
Die Politikwissenschaftlerin Natascha Strobl macht eine Zeitdiagnose, zeigt, wie auf die Krisen reagiert wird und plädiert für Solidarität, die natürlich auch definiert werden muss.
Am Ende des Buches werden zahlreiche Beispiele für praktische gesellschaftliche Solidarität von diversen Gemeinschaften gezeigt. Das war ziemlich überzeugend.
„Solidarität“ von Natascha Strobl. Seit dem Europe Calling Termin zum Rechtsruck (https://lnkd.in/e-E2yitZ) und den Correctiv Enthüllungen bin ich großer Fan von dieser Frau! Was für eine starke Stimme und was für eine spannende Streitschrift zum Thema Polykrisen und Solidarität in der Klammer. In "Solidarität" argumentiert Natascha Strobl, dass angesichts verschiedener Krisen unsere herkömmlichen Gewissheiten bröckeln. Sie kritisiert, dass einige an der Idee festhalten, die verlorene Normalität wiederherstellen zu können, während andere auf Individualismus oder autoritäre Maßnahmen setzen, was den Rechtsstaat und die Demokratie bedroht. Strobl schlägt einen dritten Weg vor, der auf … der Name dieses Essays verrät es… auf Solidarität setzt. Sie betont, dass grundlegende Veränderungen in der Art, wie wir leben, produzieren und wirtschaften, notwendig sind und dass echte Solidarität dabei helfen kann, individuelle Befindlichkeiten zu überwinden. Strobl regt dazu an "Solidarität in der Klammer zu betrachten, innerhalb derer an vielen verschiedenen Ansätzen gearbeitet werden kann. Diese Klammer zu finden und zu definieren ist nicht einfach, aber nichts an der aktuellen Zeit ist einfach."