Nach über zwanzig Jahren wurde Knausgards Debüt auf Deutsch veröffentlicht. Warum nicht eher, wird mit der zunehmenden Popularität seiner autobiographischen Romane erklärt, und beim Debüt handelt es sich schließlich um ein fast 1000seitiges Werk. Ich würde es nicht wagen, den Roman zu empfehlen, zumindest nicht Menschen, die ich nicht kenne, oder andersherum – manchen würde ich ihn nicht ans Herz legen, weil ich sie kenne.
Es wird ja vor allem damit geworben, dass sich ein Lehrer in seine 13jährige Schülerin verliebt. Das war, als es '98 in Norwegen erschien, kein Problem. 20 Jahre später, als es in Schweden herauskam – SKANDAL! Es handelt sich hier jedoch nicht um einen Pädophilen, also das Gesamtpaket, sondern um einen jungen Mann, der ziemlich im Arsch ist und von einer Katastrophe in die nächste taumelt. Das macht unter anderem den Reiz des Romans aus, man liest ihn gewissermaßen in gekrümmter Haltung, weil man nicht fassen und ertragen kann, wie er sich immer wieder in die Scheiße reitet. (Sorry, language!)
Ich habe ein bisschen in den negativen Goodreadskommentaren rumgestöbert - langweilig, wirr, abschweifend, widerlich ... nichts davon habe ich empfunden. ich bin ihm gebannt überall hin gefolgt, konnte nicht aufhören zu lesen. Vieles, was wir aus seinen autobiographischen Romanen kennen, taucht hier bereits auf, nur vielleicht, weil es sich um Fiktion handelt, noch einen Zacken krasser. Ja, und diese "Abschweifungen", dieses Vorsichhinreflektieren - toll, von mir aus ewig so weiter. Übrigens sehr gut übersetzt.
Das war sein Debüt, der Roman erschien, als er 28 war, also war er natürlich noch viel jünger, als er ihn schrieb.