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Die Wunde

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Die neue feministische Stimme in der russischen Literatur 

Eine junge Frau bringt die Asche ihrer Mutter nach Sibirien, um sie in ihrer Heimatstadt Ust-Ilimsk zu bestatten. Von Wolgograd nach Moskau, von Moskau nach Nowosibirsk und Irkutsk mit dem Flugzeug und dann mit dem Bus durch die Taiga. Es ist eine Reise durch die harte postsowjetische Realität und zugleich eine Suche nach der Herkunft und Identität der Ich-Erzählerin. Sie nimmt Abschied von ihrer Mutter und versucht sie zugleich im Schreiben festzuhalten, bevor sie ihr zu entgleiten droht. Am Ende findet sie eine eigene Sprache, durch die sie bei sich selbst ankommt. Oxana Wassjakina erzählt vom Tod, aber auch vom selbstbestimmten lesbischen Leben und feministischen Schreiben, lakonisch und mit einer Offenheit, die geradezu wehtut.

»Die Wunde« ist der Debtüroman einer neuen aufregenden und ungewöhnlichen Stimme und ein Bestseller in Russland.

305 pages, Kindle Edition

Published May 17, 2023

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for himbeerbuch.
447 reviews45 followers
June 12, 2023
Ich tue mich schwer, dieses Buch zu bewerten. Denn auf der einen Seite fand ich es großartig geschrieben - und mindestens genauso großartig von Maria Rajer übersetzt. Die Eigenheiten der russischen Sprache, so weit ich es mit meinen Kenntnissen einschätzen kann, wurden wirklich hervorragend im deutschen Text aufgegriffen. Ich liebe es, wie schonungslos, direkt und ehrlich Oxana Wassjakina über Themen wie Sexualität und sinnlichen Erfahrungen, ihr Lesbisch-sein, ihr Schreiben und Dichten und natürlich den Krebstod ihrer Mutter schreibt, um den sich das Buch stets dreht. Und wie schön dieses Schreiben dabei ist.

Auf der anderen Seite kann mich autofiktionales Schreiben nicht so sehr berühren, wie ich es gern wöllte und ich kann bisher nicht den Finger drauf legen, woran das liegen mag. Vielleicht war es in diesem Fall so, weil mir die soziale Realität eines postsowjetischen Sibiriens aufgrund familiärer Erzählungen nicht ganz unbekannt ist. Oder weil mich dieses lakonische, collagenartige zwischendurch einfach etwas genervt hat und ich manchmal schlichtweg keinen Zugang zu einzelnen Passagen - wie einem langen Gedicht in der Mitte des Buches - hatte.

Insgesamt war es sprachlich zwar eine kleine Herausforderung, aus meinen üblichen Genres hervorzukriechen und ins literarische, teilweise an die Rhythmik von Prosa angelehnte zu blicken, aber es hat sich gelohnt, denn diese Erfahrung hat mir sehr gut gefallen und werde ich bei Zeiten sicherlich wiederholen.

Die Perspektive einer lesbischen, feministisch-aktivistischen russischen Frau aus Sibirien zu lesen war für mich gerade in Zeiten von Anti-LGBTQIA+-Gesetzen und Zensur ein Anstoß, mich weiter mit queerfeministischer Literatur aus Russland zu beschäftigen.

Vielen Dank an Netgalley für dieses Rezensionsexemplar.
Profile Image for Bele.
25 reviews1 follower
June 8, 2026
Fand das Buch sehr sehr anstrengend und bedrückend. An sich natürlich kein Wunder bei der Thematik, aber fand ihre Art darüber zu schreiben teilweise schon verstörend, vllt ja auch genau so gewollt. Sprachlich trotzdem an vielen Stellen sehr faszinierend und wirklich toll, aber insgesamt einfach eine sehr zähe Lektüre. Aber finde es auch schwer zu bewerten, sie meint ja selbst, das Buch bewegt sich an den Grenzen von verschiedenen Genres, ich kann es immer nich nicht wirklich greifen. Auch, wenn ich es nicht nochmal lesen wollen würde, ein wichtiges Buch meiner Meinung nach. (wahrscheinlich die wirrste meiner Rezensionen, aber spiegelt exakt das Leseerlebnis)
Profile Image for Vika.
108 reviews1 follower
September 5, 2023
Ich habe dieses Buch ohne jegliche Erwartungen begonnen, da ich sonst eher Sachbücher lese und keine Romane. Der Titel und die Kurzbeschreibung hatten mich beide jedoch fasziniert auf gewisse Art und Weise - und das zurecht. Ich habe diese Lektüre innerhalb weniger Tage verschlungen.

In dem Buch geht es um eine junge Frau, die aus Sibirien kommt und im Laufe der Geschichte ihre Mutter verliert und beerdigt (wobei es teilweise rückblickend, teilweise auf der realen Timeline erzählt werden, man als Leser*in aber von Anfang an weiß, dass die Mutter stirbt). Das Buch zeigt einen emotionalen Prozess, wie es war / ist in einem Ort aufzuwachsen, der homophob ist (die Protagonistin ist selbst lesbisch), weit weg von größeren Städten, bei und mit einer Mutter, die sich zwar um einen kümmert aber einen nicht liebt. Wie es ist, ein Familienmitglied, das man abgöttisch liebt, zu verlieren und zu beerdigen und sich all den eigenen inneren tiefen Wunden zuzuwenden und diese langsam zu heilen. Es ist für mich als Person, die selbst aus der Ukraine kommt und vieles von dem Gesagten und Erfahrenen nachempfinden kann, ein sehr tolles Buch, das einen in den Bann zieht.

Abseits der Geschichte selbst, baut die Autorin auch spannende Elemente ein wie beispielsweise Gedichte oder philosophiert über das Schreiben selbst, was das Erzählte aufbricht und anders zum Nachdenken anregt.

Also alles in allem eine interessante Lektüre, die ich definitiv empfehlen kann.

Allerdings: Der Anfang war für mich etwas holprig und ich hatte Schwierigkeiten reinzukommen, und auf den ersten Seiten werden einige Begriffe und Vorurteile reproduziert (aus dem Gespräch zweier Männer, dem die Protagonistin zugehört hat), die ich für diskriminierend halte. Abseits davon ist der Rest des Buchs aber besser und sogar sehr gelingen.

(Aus Transparenzgründen möchte ich noch hinzufügen, dass ich dieses (e-)Buch kostenlos über Netgalley gelesen habe im Austausch für meine Bewertung.)
Profile Image for Jin.
860 reviews151 followers
June 4, 2023
Es ist ein Buch der Suche. Es verirrt sich beim Erzählen, Erinnern und Verdauen von Ereignissen, und die Autorin nimmt den Leser unverschönt mit auf ihre Reise. Zwischendurch war ich mir nicht sicher, was ich hier lese, aber es ist trotzdem ein starker Debütroman. Ich mochte die Ehrlichkeit wie schonungslos Dinge erzählt wurden. Da ich selbst kein Fan von Gedichten bin, habe ich zwar zwischendurch den Faden verloren, aber insgesamt war es trotzdem ein lesenswertes Buch. Vor allem das Ende hat mir sehr gefallen, wie die Autorin den Leser noch ein letztes Mal abgeholt hat; es gibt zwar keine endgültige Erlösung oder ein allgemeines Happy End, aber trotzdem war es ein schöner Abschluss. 3-4 Sterne auf 4 hochgerundet.

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
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