»Die Menschen können sich heute eher ein Ende der Welt als ein Ende des Kapitalismus vorstellen«, lautet ein oft zitierter Befund. Alexandra Schauer geht dieser spätmodernen Malaise in ihrem überaus materialreichen Buch auf den Grund. In drei historischen Rekonstruktionsbewegungen zeigt sie am Wandel der Zeiterfahrung, der Öffentlichkeit und der Stadt, wie es kam, dass die Welt als Ort wechselseitiger Verständigung und gemeinsamen Handelns an Bedeutung und die für die politische Moderne einst so zentrale Idee der Gestaltbarkeit von Gesellschaft an Strahlkraft eingebüßt hat. Das hat schwerwiegende Konsequenzen für das vergesellschaftete Individuum der Gegenwart, das sich in der von ihm hervorgebrachten Wirklichkeit nicht mehr aus- und wiedererkennt.
Durch die Fülle an Informationen und fast 700 Seiten zieht sich das Buch zwar etwas, dennoch ist es auch dadurch unglaublich erkenntnisreich. Krass, dass solche Schinken noch im akademischen Schreibbetrieb entstehen können, da es eben nicht direkt auf den Punkt kommt und den Gegenstand, also den Menschen unter 'spätmodernen' Verhältnissen, von verschiedensten Seiten beleuchtet.
Ein schlaues, spannendes und erklärendes Buch über den Schlamassel in dem Gesellschaft und wir als vereinzelte Individuen heute stecken. Es werden durch Zeit, Stadt und Öffentlichkeit die Übergänge von Vormoderne, Moderne, Spätmoderne nachgezeichnet, was richtig Spaß macht. Wie die Autorin die Entwicklungen zusammenstöpselt macht für mich die Besonderheit aus, auch wenn die meisten Fakten nicht neu sind. Obwohl wir in gruseligen Zeiten leben, hat mir das Buch irgendwie Hoffnung gegeben: Gesellschaft kann verändert werden. Bleibt die Frage nach dem Wie. Ich will das Buch hier Mal als Pflichtlektüre anpreisen, so angetan bin ich!