eigentliche Wertung: 1,5 Sterne!
In diesen 349 Seiten erzählt die Australierin Bronnie Ware über das Leben und berichtet über ihre Erfahrungen mit Sterbenden und über das, was Sterbende am meisten bereuen. Dennoch: viel zu viel Leben und viel zu wenige Einsichten der Sterbenden. Das Leben der Bronnie Ware, das wäre ein guter Titel für dieses Buch gewesen, nicht aber 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.
Lange habe ich mich davor gedrückt, diese Rezension zu schreiben. Es ist schon ein paar Monate her, seit ich das Buch gelesen habe. Seither steht es zusammen mit meinen anderen Büchern in meinem Regal und hin und wieder höre ich es rufen, wie es mich daran erinnert, dass ich noch eine Rezension zu schreiben habe. Wieso ich das Schreiben dieser Rezension so lange vor mir her geschoben habe? Ich wusste einfach nicht, wie ich es bewerten sollte. War es gut? War es schlecht? Irgendwas dazwischen? Ich wusste es nicht. 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, ein Buchtitel, der unter die Haut geht. Meine Erwartungen waren demnach sehr hoch. Je älter ich werde, desto nachdenklicher werde ich auch. Früher war einem gar nicht bewusst, wie schnell die Zeit an uns vorbei zieht. Was ist wirklich wichtig im Leben? Was ist uns wirklich wichtig im Leben? Die Idee darüber zu schreiben, was Sterbende am meisten bereuen, verursachte mir im ersten Moment etwas Gänsehaut, im zweiten Moment dann aber wirkte es unglaublich faszinierend auf mich. Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, wir sterben alle irgendwann. Worauf möchten wir dann zurückblicken? Auf ein Leben voll verstaubter Träume oder auf ein Leben, in dem Träume zur Wirklichkeit wurden?
Das Buch legt den Fokus auf zwei Themen: Bronnies eigene Lebenserfahrungen und die Einsichten Sterbender, die sie als Sterbebegleiterin betreut und auf ihrem letzten Weg begleitet hat. Statt von den Sterbenden und ihre Einsichten zu erzählen, wie es der Titel des Buches eigentlich verspricht, geht es in dem Buch hauptsächlich um die Erfahrungen, die Bronnie selbst gemacht hat, immer bezogen auf diese fünf Dinge, die Sterbende angeblich am meisten bereuen. Sie beginnt mit ihren Erzählungen tatsächlich immer bei den Sterbenden, schweift allerdings nach wenigen Sätzen bereits wieder ab und erzählt umfangreich von ihrem eigenen Leben, ihren Erlebnissen, ihrem Werdegang, ihren Gefühlen und Emotionen, ihren Erwartungen an das Leben und und und. Im Grunde hat sie, so schlimm es auch klingen mag, die sterbenden Menschen ausgenutzt, um ihre eigene Geschichte zu erzählen, womöglich um so mehr Leser zu erhalten, da eine Geschichte über fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, vermutlich häufiger gekauft und gelesen wird, als die Biografie einer Frau, die keiner kennt.
POSITIV
Das Buch hat mich jedoch nicht völlig kalt gelassen, ganz im Gegenteil. Immerhin gibt es trotz allem diese fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen, seien sie nun eben so oder so erzählt. Das Buch regt zum Nachdenken an, es ließ mich diverse Dinge mein eigenes Leben betreffend in Frage stellen. Es hat mich motiviert, mich gelehrt und mir die Augen geöffnet. Auch hat es mich emotional berührt, denn die Menschen, von denen Bronnie Ware in ihrem Buch erzählt, haben allesamt noch ihren Frieden finden können, bevor sie für immer die Augen schlossen. Sie hatten Familie um sich, Freunde, Bekannte, geliebte Menschen, die sie auf ihren letzten Wegen begleiteten. Es waren allesamt interessante Menschen mit interessanten Leben, über die ich wirklich gerne noch so viel mehr erfahren hätte.
Die 5 Reue-Punkte:
1.Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten
2.Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet
3.Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen
4.Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten
5.Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt
Bronnie Ware schreibt von Ehrlichkeit und Authentizität; sie schreibt von Aufrichtigkeit, davon, der Welt und den Menschen gegenüber offener zu sein/werden. Sie schreibt darüber freundlicher zu werden den Mitmenschen gegenüber. Im Bus oder der Bahn einfach mal ein Lächeln tauschen, statt ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter zu ziehen. Sie schreibt davon, das Leben zu genießen und es so zu leben, wie man es leben möchte, ganz gleich, was andere davon denken oder halten mögen. Man lebt immerhin nur einmal; man hat nur dieses eine Leben, das ohnehin viel zu kurz ist. Wieso die Zeit mit Dingen verschwenden, die einen nur unglücklich machen?
NEGATIV
Die Autorin bezeichnet sich selbst als sehr spirituell, differenziert allerdings nicht, sondern stellt ihre Ansichten stets als Tatsachen hin. Man fühlt sich bemuttert, bevormundet irgendwie und eventuell auch ein wenig in die Enge getrieben von ihren hartnäckigen Ansichten. Teilweise wirkte es nicht so, als würde die Autorin den Leser inspirieren, sondern ihm lieber Vorschriften machen wollen, wie man das Leben „richtig“ lebt.
Sie lebt nach dem Motto, sich nur auf das Gute im Leben zu konzentrieren, das Schlechte auszublenden, den Verstand zu überwinden und auf sein Herz zu hören.
Es mag Menschen geben, die ihre Auffassung und Meinung teilen, dennoch liegt das Problem meiner Meinung nach darin, dass sie all diese Meinungen, Ansichten und Auffassungen, die sie vertritt, nicht als eben solche hinstellt, sondern als einzig richtigen und wahren Weg verkaufen möchte. Alle anderen, die eben nicht nach diesem Motto leben, leben ihr Leben falsch. Glaubt sie. Natürlich ist es wichtig und lohnenswert, sich auf die eigenen Ziele zu konzentrieren, einfach mal auf das Herz zu hören, immerhin tun wir das viel zu selten, allerdings ist es sicherlich auch nicht ganz unbedenklich, den Verstand einfach komplett auszuschalten. Auch Probleme zu umgehen, ihnen einfach auszuweichen, statt eine Lösung zu finden, ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Das Leben ist nicht immer Friede Freude Eierkuchen, es ist nicht immer perfekt. Manchmal bekommt man eben Steine in den Weg gelegt, manchmal kleine Steinchen, die man einfach weg kicken kann, manchmal aber auch riesige Felsbrocken, die man alleine nicht bewegt bekommt. Wenn man nie lernt, mit Problemen umzugehen, was passiert denn dann, wenn man tatsächlich mal vor einem Berg an Problemen steht, den man sich nicht einfach so weg wünschen kann? Das Einfachste Beispiel sind wohl Geldschulden. Natürlich kann man dieses Problem vermeiden, in dem man einfach keine Schulden macht, doch man weiß nie, wie das Leben einem spielt und wenn man diese Schulden erst einmal hat, kann man sie nicht mehr umgehen und sie lösen sich auch nicht in Luft auf, nur weil man eben bloß an das Gute im Leben glaubt.
Die Autorin stützt sich hier und da immer wieder in irgendwelche Extreme, meist auf spiritueller Ebene, was sie meiner Meinung nach alles andere zu einer guten Lebensberaterin macht.
LOHNT SICH DAS BUCH?
Die Kapitel über die Sterbenden und deren Einsichten deren Leben betreffend sind empfehlenswert, sehr sogar. Die Lebensgeschichte der Autorin eher weniger, wird sie mit der Zeit doch immer langweiliger, langatmiger und unnötiger. Ich musste mich teilweise regelrecht durch die Seiten quälen. Sie erzählt ihre Geschichte willkürlich, teilweise zusammenhangslos. Von Kapitel zu Kapitel wird deutlich, dass sie sich selbst offenbar für eine Heilige hält. Sie meditiert, sie betet, sie lebt nach ihren ganz eigenen Überzeugungen und ist offenbar fest der Meinung, dass nur ihr Weg der Richtige; der einzig Wertvolle ist.
Das Buch hat mehr von einer Biografie, als von dem, was der Titel verspricht. Dennoch lohnt es sich, die 5 Reue-Punkte der Sterbenden zu kennen, jedoch muss man dafür nicht das ganze Buch lesen. Hier reicht auch die Inhaltsangabe. Von einem Kauf des Buches würde ich daher abraten, ich würde eher dazu raten, es sich eventuell auszuleihen, falls Interesse besteht, es zu lesen. Die Autorin sagt, das Buch hätte ihr Leben verändert. Meins hat es nicht verändert.