Kurz mal, wo ich es gerade auf der Shelf-Liste von Walter Otto entdeckt habe. Ich habe es vor ein paar Wochen wirklich zu lesen begonnen, nachdem ich es schon Jahre vorher, augenscheinlich ungelesen, im antiquarischen Buchladen einer kirchlichen Organisation billig erworben hatte. Ein 1.000-Seiten-Roman, den man so designt hat, dass er zu einem Ziegelstein aus Papier wurde. Immerhin, gutes, alterungsbeständiges Papier, das nicht vergilbt.
Handke, der hier, Anfang der 1990-er Jahre, die Jahre reflektiert, als er in einem Vorort von Paris und dann noch mal in Österreich, bei Salzburg, gelebt hat, diese Orte sind seine „Niemandsbucht“, die Möglichkeit außerhalb der Gesellschaft und ihrer Zeit zu sein, tut hier nichts wesentlich anderes als er schon in den kaum verhüllten, kürzeren Fiktionalisierungen seiner Autobiografie („Die linkshändige Frau“, „Kindergeschichte“) und in seinen „Versuchen“ getan hatte. Ein Roman, als den das Feuilleton es bezeichnet hat, ist es ebenso wenig wie ein „Märchen“, so nennt Handke das. Es gibt keine dramatischen Ereignisse, es gibt keine „handliche“ Geschichte. Vielmehr imaginiert Handke sich selbst als einen älteren, österreichischen Juristen, der irgendwann ausgestiegen ist aus Österreich, seiner Karriere, seiner Ehe – seither, so hat es den Anschein, ständig herumreist, wenn er nicht gerade stundenlange Wanderungen durch das Umland von Paris und Salzburg unternimmt. Unterdessen fallen ihm immer wieder Szenen ein, die er in den jugoslawischen Teilrepubliken oder in Japan mit seinen „Freunden“ erlebt hatte. Bei denen es sich um eine Art romantischen Bund geistiger Jünglings- und Jüngerschaft zu handeln scheint. Er scheint sie jetzt alle nicht mehr zu treffen, erinnert sich aber noch gerne.
Ich bezweifle eher, dass ich dieses, offensichtlich viel zu lange, Buch eines Tages dann noch auslesen werde. Es liegt jedenfalls ganze Wochen lang unberührt bei mir. Und nicht von Ungefähr habe ich es auf die Liste der unlesbaren Bücher gesetzt. Dieses ewige, verklärte Herumschweifen des „Jesus-Man“ Peter Handke ist zwar immer wieder wundersam schön formuliert, aber irgendwann geht es einem dann doch auch auf die Nerven.