Jump to ratings and reviews
Rate this book

Die Zähmung: Chronik einer Ehe

Rate this book
German

Pocket Book

First published January 1, 1984

Loading...
Loading...

About the author

Gisela Elsner

25 books7 followers
Elsner was born in Nuremberg, Middle Franconia. In 1959, she went to Vienna to study philosophy, Germanic letters and drama.

Elsner then lived as a freelance writer in various places: Lake Starnberg, Frankfurt, in Rome from 1963 to 1964, in London from 1964 to 1970, then in Paris, Hamburg, New York, and finally in Munich.

She was among the members of Gruppe 47, which also included Günter Grass and Heinrich Böll.

In her 1970 novel Berührungsverbot, several couples try to transcend the limits of the bourgeois sexual mores of their middle-class background by engaging in group sex orgies. In Switzerland, a journal that published excerpts from the novel was banned, and in Austria it was attacked as harmful to children.

Elsner described herself as a Leninist. She was a long lasting member of the German Communist Party.

Elsner committed suicide by jumping out of a window, in Munich, on 13 May 1992.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
12 (57%)
4 stars
4 (19%)
3 stars
3 (14%)
2 stars
2 (9%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Rick Lupert.
126 reviews10 followers
July 26, 2026
"Die Zähmung", ein Roman der großen, zu Unrecht halb vergessenen Gisela Elsner, ist untertitelt als "Chronik einer Ehe". Die beiden Eheleute sind Bettina Begemann und Alfred Giggenbacher - sie ist Filmemacherin, die das Geld heimbringt, er ist ein verhinderter Dichter, der mehr und mehr zum Hausmann dressiert wird. Den Hintergrund dieser Dressur, der er sich anfangs noch versucht zu widersetzen, bildet aufgrund ihrer beider Beruf(ung) das Kunst- und Kulturmilieu der BRD der 80er Jahre, also eine zutiefst spießige, oberflächliche, natürlich an Kunst völlig desinteressierte, doch sich ihres aufgeklärt-Seins, ihrer Moderne sichere Schicht, in der der aus einfacheren Verhältnissen stammende Giggenbacher nicht Fuß fassen kann, während Begemann immer weiter aufsteigt. Er befindet sich bald in völliger finanzieller Abhängigkeit von ihr und ist ihr dementsprechend ausgeliefert. Daraufhin kehren sich die traditionellen Geschlechterrollen um, deren Absurdität dadurch überdeutlich wird, während Elsner gleichzeitig klarmacht, dass die alleinige Umkehr nichts an ihrer Perfidität ändert. Man könnte den Roman, der übrigens rasant geschrieben ist und sich innerhalb zweier Tage verschlingen lässt, als reine Satire lesen - als das Bürgertum tatsächlich hassende Loriot-Persiflage. Ich habe mehrfach laut aufgelacht. Trotzdem wird ihm das nicht gerecht. Tatsächlich ist das Buch ein realistischer Gesellschaftsroman, der die Aussichtslosigkeit, die Enge, die Verstocktheit dieses Milieus - das ja nur ein Teil der bürgerlichen Schicht ist - fühlbar macht und Erkenntnis erzwingt. Als Miniatur mittendrin findet sich auch eine Karikatur Wolf Biermanns und generell des Typus' "DDR-Dissident", für die allein der Roman lesenswert ist.
Profile Image for Zapatoo.
151 reviews3 followers
October 23, 2011
Wie ist es möglich, dass in einer Paarbeziehung mit Kind beide ohne Ausbeutungsverhältnis gegenüber Dritten "beruflich erfolgreich" sind? Gisela Elsner gibt die Antwort vor: gar nicht.
In einem fortschrittlichen Milieu spielend, mit intellektuellem Hintergrund, erwartet man von einer Beziehung, die auf gegenseitige Rücksichtnahme und Empathie aufbaut, so etwas wie Emanzipation. Ganz anders bei Elsner. Trotz der "guten Voraussetzungen" wird einer der Partner, hier dank eines Rollentausches allerdings der Mann Alfred, freischaffender Schriftsteller, zum bloß funktionierenden Anhängsel, das durch Arbeit zuhause, die Basis des Erfolgs des Anderen zu schaffen hat. Der "berufliche Erfolg" greift schon etwas auf das Kernproblem, der sich, immer noch und immer wieder, rekonstruierenden familiären Machtverhältnisse, zu: dem Konkurrenzkampf im Kapitalismus, der eben doch immer noch dazu führt, dass sich, mutmaßlich von den alten Rollenverhältnisse emanzipierte, Menschen in der klassischen Familie einfinden.
Klassisch ist dabei der Verlust des Nachnamens für Alfred, seine allmähliche Umwaldung in einen "geschlechtslosen Hausmann", der sich eher für Spülmittel interessiert, als für Sex, und somit steht seine Zähmung für Entmenschlichung, Entindividualisierung und die Reduktion auf unterstützende Dienstleistungen im, das zeigt sich auch im Roman deutlich, gering geachteten Reproduktionssektor. Gering geachtet auch nicht ohne Grund, sondern weil dort in der Fixierung auf die immer wieder gleichen Leistungen, die stückweise die Zeiträume des Tages zerreissen, die eigene Kreativität ausgesetzt und abgetötet wird. So erzählt der Roman eben keine Geschichte der Emanzipation und ist somit auch nicht eigentlich ein feministischer Roman.
Als Frage entsteht, auch dank der kaum möglichen Identifikation mit Alfred, unter welchen Bedingungen und mit welchen Voraussetzungen beide ihr kreatives Potential hätten nützen können. Der Verzicht auf den Machtkampf müsste beiderseitig stattfinden und funktioniert nur mit gewissen gesellschaftlich vorzugebenden Bedingungen: Produktiv sind beide nur dann, wenn sie eine dritte Person in einem Ausbeutungsverhältnis unterordnen können (einmal eine Freundin und Ex-Geliebte des Schriftstellers der Bettina inspirierte und einmal Alfreds Vater), das dafür auch bis hin zu der Sklaverei ähnlichen Ausbeutungsverhältnissen reichen kann.
Durch die Darstellung der Ausbeutungsverhältnisse ohne die übliche Idealisierung derselben bzw. eine überspitzte Idealisierung, wird doch klar, auf was das hätte hinauslaufen sollen: ein anderes System, ohne Ausbeutung. In dem eben nicht mehr jeder ausschließlich sich selbst der Nächste ist und dann eben ggf., so wie Alfred, im Konkurrenzkampf unterliegt, weil er zu schwach, zu "weibisch" ist.
Profile Image for Astrid.
208 reviews7 followers
April 27, 2025
Verflucht seien die Zeiten und Zustände, die solche Bücher entstehen ließen und vermutlich auch notwendig machten. Die patriarchale Ehe und die Familie als Raum der Gewalt - das wird hier ausführlich und als Satire dargestellt.
Der Blick der Autorin ist genau und unbarmherzig. Sie wischt all den Kitsch und die Romantik beiseite, die die (Familien-)Verhältnisse im Patriarchat bemänteln und Gewalt verschleiern.
Analyse und Kritik, schön und gut. Aber ich kann nicht hunderte von Seiten Fiktion lesen, in der sämtliche Charaktere abstoßend und in diese Verhältnisse heillos verstrickt sind. Wie die Autorin es ertragen hat, das zu schreiben, ist mir ein Rätsel. Der Mief der bürgerlichen Nachkriegsgesellschaft ist allzu überwältigend auch wenn es natürlich eine Leistung ist, ihn so realistisch zu beschwören.
DNF
Aber ja, die Lektüre hat deprimierende Alpträume bei mir ausgelöst. Die Autorin kann zweifellos was.
2 reviews
April 11, 2021
Unglaublich guter Satire-Roman.
Displaying 1 - 5 of 5 reviews