Auch wenn ich weder die BILD-Zeitung noch den langjährigen Chefredakteur Kai Diekmann mag, habe ich das Buch zu seiner Zeit in dieser Position sehr gerne gelesen. Diekmann benennt in dem Buch zwar auch Fehler, aber er bleibt grundsätzlich loyal gegenüber Springer. Für alle, die auf eine Fortsetzung der Springer-Festspiele im Sinne von Stuckrad-Barre hoffen, ist dieses Buch also nicht geeignet. Für Freunde unterhaltsamer Sachbücher mit zeitgeschichtlichem Hintergrund ist es eine Empfehlung. Diekmann macht sehr deutlich, dass das Buch seine subjektive Darstellung der Themen ist. Er glaubt nicht an "eine Wahrheit". Das sollte man bei der Lektüre im Hinterkopf behalten.
Kai Diekmann ist lediglich fünf Jahre älter als ich. Dementsprechend kenne ich viele der in seinem Buch beschriebenen Dinge aus der persönlichen Wahrnehmung ihrer Zeit. Das Buch ist keine chronologische Beschreibung. Es ist in thematische Kapitel strukturiert, die sich auch unabhängig voneinander lesen lassen. Zu diesen Themen gehören der Fall des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff, die Auseinandersetzung mit Wallraff, der Streit mit der taz, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Putin, die Fluchtbewegungen oder die persönlichen Bedrohungen und Anschläge auf Diekmann durch Extremisten.
Diese Themen werden überaus unterhaltsam und mit einer persönlichen Note geschildert. Die mitunter menschenverachtenden Töne der BILD findet man hier nicht. Es gibt Stellen, in denen der Leser emotional manipuliert werden soll. In einem Roman würde man hier Kitsch und Pathos als Negativpunkte benennen. Diese sind aber insgesamt so gering in der Zahl, dass sie den positiven Gesamteindruck kaum trüben.
Der Fall Julian Reichelt wird in diesem Buch nicht behandelt. Der Name fällt nur einige wenige Male in unverfänglichen Zusammenhängen. Nur ganz zum Ende lässt sich Diekmann zu der Aussage hinreißen, dass er sich "eine glücklichere Entwicklung gewünscht hätte", was aber Thema für ein nächstes Buch wäre. Vermutlich werden also die Verkaufszahlen dieses Buches entscheiden, ob es zu dieser Causa mehr von ihm geben wird.