What do you think?
Rate this book


288 pages, Hardcover
First published February 28, 2023

Die Sonne glüht beinahe ununterbrochen auf die Stadt herunter und heizt alles auf hochsommerliche Temperaturen auf. Auf der Deribasovskaja-Straße herrscht trotz der jüngsten Ereignisse eine ausgelassene Stimmung. Touristen mit Selfiestangen, Kaffeeterassen, die mittlerweile fast den gesamten Bürgersteig in Anspruch nehmen und die Odessiter in Rage versetzen, eine Schlange vor der französischen Konditorei, die vor einem Jahr aufgemacht hat und bereits in jedem Reiseführer steht. Pferde, die weiße Kutschen hinter sich herziehen und mit ihren Hufen rhythmisch auf die Pflastersteine schlagen, Kinder, die an ihrem Eis lecken, sowie deren Großmütter mit einem Taschentuch in der Hand, immer bereit einzugreifen.
S. 10-11
In meinem Alter sollte ich eigentlich wissen, was sich gehöre und was nicht. Meine Ankündigung, doch keine Ärztin werden zu wollen, habe Opa enorm zugesetzt, sagten sie, ich hätte ihm den Boden unter den Füßen weggerissen.
S. 162
Das sommerliche Odessa zu dieser Uhrzeit mag ich am meisten. Es ist noch nicht sehr viel los auf den Straßen, und manchmal sieht man noch die letzten Lkw, die den Asphalt mit Wasser abkühlen. Der Schatten der Bäume reicht bis zur gegenüberliegenden Straßenseite, und die Sonne ist angenehm mild. Mädchen in hochhackigen Schuhen und Miniröcken beeilen sich, ihre Pflichten zu erledigen, um später auf den Boulevards mit gespielter Langeweile und einem lässigen Gang die Jungs zu ködern.
S. 209-210