Die Geschichte versteckt sich – hinter vielen schön gesetzten Worten
Bevor ich dieses Buch zur Hand nahm, habe ich erst einmal die Villa E.1027 gegoogelt, die einen wichtigen Bestandteil dieses Buches und von Eileen Grays, Jean Badovicis bzw. Le Corbusiers Leben darfstellt. Eine atemberaubende Villa an der französischen Riviera, die für die damalige Zeit eine atemberaubende Modernität aufweist und nach Jahren der Vernachlässigung in diesem Jahrhundert liebevoll renoviert wurde.
Von Beginn an begeistert der Roman durch seine poetische Sprache und die langsame und atmosphärische Erzählweise. Nur manchmal ist es des Ganzen zu viel. Unter sprachlichen Bildern, Metaphern und schön gesetzten Worten findet man oft die Geschichte nicht.
Es gab Teile, die habe ich dreimal gelesen und erst am Ende des Abschnitts gemerkt, dass ich das schon kenne.
Ein Buch, bei dem man nur so durch die Seiten fliegt, ist dieses hier nicht. Und das ist auch nicht schlimm. Es ist ein langsames Buch voller Poesie, das die Geschichte einer Frau erzählt, die darauf brannte, Altes hinter sich zu lassen und Neues in die Welt zu bringen. Einer Frau, die nicht nur Konventionen den Rücken kehrte, sondern trotz ihrer gesellschaftlichen Stellung Lackarbeiten im Dienste der Kunst ausführte – als Frau damals nicht nur eine Herausforderung, sondern eine enorme Leistung.
Die poetische Sprache fängt Eileens Überlegungen und ihr künstlerisches Denken an sich wunderbar ein, wirkt jedoch hin und wieder sprachlich übertrieben und da kann die Geschichte nicht mithalten, vermag es nicht, einen zu fesseln. Mehr als ein paar Seiten habe ich daher nie am Stück lesen können. Dass es insgesamt doch lesenswert ist, ist vor allem der Hauptfigur zu verdanken, die jeden kunstinteressierten Menschen, wertvolle Denkanstöße gibt, auch selbst den Mut aufzubringen, Neues in die Welt zu tragen.
Ein Buch, für das man sich Zeit lassen darf, weil es für mein Gefühl selbst ohne Reime mehr einer gedichtartigen Erzählung ähnelt als einer traditionell erzählten Geschichte.