Paulita Pappel behandelt in dem Buch ein spannendes Thema mit vielen Schnittpunkten zu aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen und gibt tiefe Einblicke in eine Branche, die sonst eher ein Schattendasein führt. Es ist auf jeden Fall ein Buch, bei dem es sich lohnt aufmerksam und kritisch zu lesen.
Paulita Pappel habe ich zum ersten Mal in der Jan Böhmermann Sendung ZDF Magazin Royale in der Ausgabe "Rettet den Porno vor Pornoplattformen" im März 2022 kennengelernt. Dort wurde sie interviewt und hat explizit für diese Ausgabe den ersten öffentlich-rechtlichen Pornofilm produziert. Was sie dort erzählt hat fand ich spannend und so bin ich später auf ihr Buch aufmerksam geworden.
Ich habe das Buch nun schon vor zwei Monaten fertig gelesen. Mein Review erfolgt erst jetzt, da ich mir noch lange danach über viele Dinge Gedanken gemacht habe. Auch jetzt bin ich mir nicht ganz sicher, nach welchen Kriterien ich das Buch bewerten soll.
Ihr Schreibstil ist einfach nachvollziehbar und locker, da kommt man sehr gut durch. Sie gibt viele persönliche Einblicke und Anekdoten, die ihren Hintergrund beleuchten und Innenansichten aus den Entwicklungen innerhalb der Branche und wie sie dort gelandet ist zeigen. Naheliegend, da der Titel des Buches "Porno Positiv" lautet, geht sie im Verlauf des Buches vor allem darauf ein, welche Potenziale Pornografie hinsichtlich des Zeigens von sexueller und körperlicher Vielfalt sowie zur gesundheitlichen Aufklärung und des Lernens von Konsens und Kommunikation bietet und welche negativen Auswirkungen die Tabuisierung und Kriminalisierung dieser Branche sowohl auf diese selbst, als auch wechselwirkend wiederum auf die Gesellschaft haben. Dafür arbeitet sie mit vielen Beispielen aus der Vergangenheit und geht in diesem Zuge auch auf Kritik an der Pornografie ein. Insgesamt schätzt sie diese Kritik als tendenziell überzogen ein, bekräftigt jedoch, dass es keine Frage ist, dass es in der Branche Verbesserungsbedarf gibt und begründet das auch anhand von einigen Beispielen.
Ihre Argumentation mitsamt ihres persönlichen Hintergrunds war für mich nachvollziehbar und ihr flammendes Plädoyer für eine pornopositive Gesellschaft hört sich durchaus vielversprechend an, allerdings stelle sich bei mir das Gefühl ein, dass sie der Kritik an Sexarbeit sowie der Prornobranche nur recht oberflächlich begegnet und viel darauf setzt, dass sich die Zustände schlicht durch mehr Anerkennung und Enttabuisierung der Branche schlagartig verbessern. Ich kann das inhaltlich schlecht bewerten, da ich mich insgesamt nicht noch tiefer in das Thema eingelesen haben, daher bleibt es bei mir wie bereits erwähnt eben nur ein Gefühl.
Unabhängig davon ist es wie eingangs gesagt ein gutes Buch mit spannendem Thema, um es kritisch zu lesen. Daher würde ich es trotz meiner Unschlüssigkeit zu einer abschließenden Meinung empfehlen. Vielleicht zeichnet es sich ja auch gerade dadurch aus, dass man noch lange darauf herum denkt.