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Dschomba

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Ein halbnackter Fremder tanzt zwischen den Gräbern des Eferdinger Pfarrfriedhofs. Es ist November 1954, ein nasskalter Tag, und Dragan Džomba ist auf der Suche. Vor dem Friedhofstor stehen die Bürger – aufgebracht, misstrauisch, neugierig. Nur der Dechant nähert sich dem Serben und gibt ihm schließlich Quartier im Pfarrhof. Dragan spricht nicht viel, immer wieder zieht es ihn hinaus zum Lagerfriedhof nahe der Donau. Dort, wo es kaum Spuren der Vergangenheit gibt, sucht Dragan aber genau diese. Er bezieht die Hütte auf dem "Serbenfriedhof", schließt Freundschaften, erlebt Anfeindung und Argwohn. Jahre später, alt geworden, sitzt er im Gasthof "Zum roten Krebs" am Stammtisch. Dem Fremden bleibt das Fremde haften, das Seltsame. Ab und zu stellt ihm die zehnjährige Wirtstochter ein Bier hin. Sie ist in ihren Tagträumen daheim und fühlt eine Verbindung zu dem Mann, der nach Wald und Erde duftet, der vor ihr da war und weiß, welche Geschichte sich unter den Feldern verbirgt. Mit "Dschomba" schreibt sich Karin Peschka das Wissen um die Vergangenheit jenes Ortes, in dem sie aufgewachsen ist, in die eigene Biografie. Sie erzählt vom Leben in einer kleinen Stadt, von Begegnungen, von Lebenswegen und -wendungen, und ein wenig davon, wie es ist, als Wirtstochter aufzuwachsen.

375 pages, Kindle Edition

Published April 4, 2023

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About the author

Karin Peschka

8 books1 follower

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for MaggyGray.
674 reviews31 followers
April 11, 2023
Aussergewöhnliche Sprache, aber der rote Faden...?

Dschomba tanzt halbnackt auf dem Friedhof, und das ganze Dorf Eferding steht Kopf. Wer tanzt da - und warum? Wo kommt der Fremde her, und wo will er hin?

Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen; der Schreibstil der Autorin empfand ich als aussergewöhnlich - sehr konfrontativ, sehr direkt, und durch bestimmte österreichische Mundartausdrücke auch ein ganz kleines bisschen vertraut.
Im Laufe der Geschichte werden verschiedene Personen vorgestellt und mit der Handlung verwoben, ob es das Wirtskind ist, die leicht demente Alte, die ihr Häusl auf dem Friedhof verlassen muss, der Querulant, der seinen eigenen Frust auf alle anderen lädt, der Dechant, der Pfarrpraktikant oder die Tierärztin, die unter ihrem kalt-herrischen Ehemann leidet.
Sie alle spielen in "Dschomba" ihre ganz eigen kleineren und größeren Rollen, tauchen auf, verschwinden wieder, tauchen wieder auf. Die Autorin schafft es, Ecken und Kanten zu modellieren und den typischen Dorftypus ein bisschen aufzubrechen.

Und trotzdem hat mir im gesamten Verlauf ein bisschen der rote Faden gefehlt hat. Erst etwa im letzten Drittel des Buches erfährt man, was Dragan Dschomba eigentlich will, aber warum er tanzt, und ob er letztendlich findet, was er sucht, bleibt im Dunkeln. Auch die Personen sind zwar an sich gut herausgearbeitet, aber ihre jeweilige Aufgabe in diesem ganzen Geschehen ist ebenfalls etwas nebulös.

Nichtsdestotrotz hat mich das Buch gut unterhalten und werde mich mal nach anderen Büchern der Autorin umsehen...
Profile Image for Otto.
750 reviews51 followers
September 14, 2023
Der neue Roman von Karin Peschka fasziniert durch seinen Blick auf eine Zeit, die meiner Meinung nach derzeit nicht so im Mittelpunkt steht, die zweite Hälfte der 50er Jahre rund um den Staatsvertrag. Der 2. Weltkrieg ist noch stark präsent in der Erinnerung, aber auch der 1. Weltkrieg ist noch gegenwärtig. Und dieser stellt das geschichtlich prägende Szenarium dar, ein Friedhof bei Eferding, angrenzend an ein Gefangenenlager für Serben, Italiener aus dem 1. Weltkrieg, die dort unter katastrophalen Umständen lebten und starben.
Dschomba oder besser Dragan Dzomba ist der Bruder eines der möglicherweise dort verstorbenen serbischen Gefangenen, und er kommt 1954 in diese ländliche Gegend, wird kritisch und teilweise abnehmend beäugt, befreundet sich mit dem ansässigen Dechant und mit dem Außenseiter Silvester. Mit Dragan Dzomba zeichnet Peschka eine Person, die lehrt, wie man durch emphatisch gewaltfreie Vorgehensweise, ohne sich zu sehr zu verraten, in schwierigsten zwischenmenschlichen Situationen überleben und Aggressionen deeskalieren kann. Dschomba lässt so manche Demütigung über sich ergehen und lässt die Angriffe seiner Feinde (und deren gibt es doch einige in dieser Gemeinschaft, auch sie haben ihre Probleme, die sie mit sich herumtragen) ins Leere laufen.
Wir lernen typische Frauenschicksale der Zeit (der Mann ist der Herrscher) kennen, erleben, erleben wie die unterschiedlichsten Charaktere versuchen, mit ihrem Schicksal fertig zu werden (z.B. die Unmöglichkeit, eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu leben), sehen, wie ein Selbstmord verhindert wird, lernen einen Pfarrershelfer kennen, der mir im Laufe der Zeit immer sympathischer wurde.
Was ich besonders an der Erzählung, die zwischen Rückblenden auf das Leben Dragans an der Save in den 1916er Jahren, der Erzählung rund um seine Ankunft und Sesshaftwerdung in Deinham 1954 - 1957 und aus Sicht der Ich-Erzählerin, der Wirtstochter in Eferding in den späten 1970er Jahren (Dragan gehört jetzt dazu zur Gemeinschaft) changiert, liebte ist, dass Peschka allen Figuren etwas mitgibt, die es ermöglicht auch an den "grauslichsten" Typen liebenswerte oder zu verstehende Anteile zu finden.
Für mich ein möglicher Tipp für den heurigen österreichischen Buchpreis, 2x ist Peschka ja schon in die Auswahl gekommen.
Profile Image for Anne Dietrich.
203 reviews
April 16, 2023
Nachkriegsgeschichte außergewöhnlich erzählt

Ich lese gerne historische Romane und dieser sticht durch seine außergewöhnliche Erzählweise heraus.
Die Autorin berichtet aus der Sicht der Wirtstochter in Eferding, die sie selbst ist. Der Roman ist also keine reine Fiktion, sondern enthält autobiografische Züge. Ihre Großmutter erzählt ihr von dem titelgebenden jungen Serben Dragan Dschomba, der Berichten zufolge halbnackt auf dem Pfarrfriedhof tanzt. Er ist ein Fremder und die Dorfbewohner tratschen über ihn. Auch im Wirtshaus wird viel geredet und die Wirtstochter hört zu.
Das Buch ist weder spannend noch besticht es durch einen außergewöhnlichen Schreibstil. Dieser ist eher einfach, so wie auch die Überschriften jeweils nur aus einem Wort bestehen. Dafür sind die Charaktere und ihre Lebenswege gut ausgearbeitet. Die Erinnerungen an den Krieg, die Nachkriegszeit, die Spuren, die die zurückliegenden Ereignisse hinterlassen haben, sind bedrückend, melancholisch und wirken nach.
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