Der neue Roman von Karin Peschka fasziniert durch seinen Blick auf eine Zeit, die meiner Meinung nach derzeit nicht so im Mittelpunkt steht, die zweite Hälfte der 50er Jahre rund um den Staatsvertrag. Der 2. Weltkrieg ist noch stark präsent in der Erinnerung, aber auch der 1. Weltkrieg ist noch gegenwärtig. Und dieser stellt das geschichtlich prägende Szenarium dar, ein Friedhof bei Eferding, angrenzend an ein Gefangenenlager für Serben, Italiener aus dem 1. Weltkrieg, die dort unter katastrophalen Umständen lebten und starben.
Dschomba oder besser Dragan Dzomba ist der Bruder eines der möglicherweise dort verstorbenen serbischen Gefangenen, und er kommt 1954 in diese ländliche Gegend, wird kritisch und teilweise abnehmend beäugt, befreundet sich mit dem ansässigen Dechant und mit dem Außenseiter Silvester. Mit Dragan Dzomba zeichnet Peschka eine Person, die lehrt, wie man durch emphatisch gewaltfreie Vorgehensweise, ohne sich zu sehr zu verraten, in schwierigsten zwischenmenschlichen Situationen überleben und Aggressionen deeskalieren kann. Dschomba lässt so manche Demütigung über sich ergehen und lässt die Angriffe seiner Feinde (und deren gibt es doch einige in dieser Gemeinschaft, auch sie haben ihre Probleme, die sie mit sich herumtragen) ins Leere laufen.
Wir lernen typische Frauenschicksale der Zeit (der Mann ist der Herrscher) kennen, erleben, erleben wie die unterschiedlichsten Charaktere versuchen, mit ihrem Schicksal fertig zu werden (z.B. die Unmöglichkeit, eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu leben), sehen, wie ein Selbstmord verhindert wird, lernen einen Pfarrershelfer kennen, der mir im Laufe der Zeit immer sympathischer wurde.
Was ich besonders an der Erzählung, die zwischen Rückblenden auf das Leben Dragans an der Save in den 1916er Jahren, der Erzählung rund um seine Ankunft und Sesshaftwerdung in Deinham 1954 - 1957 und aus Sicht der Ich-Erzählerin, der Wirtstochter in Eferding in den späten 1970er Jahren (Dragan gehört jetzt dazu zur Gemeinschaft) changiert, liebte ist, dass Peschka allen Figuren etwas mitgibt, die es ermöglicht auch an den "grauslichsten" Typen liebenswerte oder zu verstehende Anteile zu finden.
Für mich ein möglicher Tipp für den heurigen österreichischen Buchpreis, 2x ist Peschka ja schon in die Auswahl gekommen.