Sehr unterhaltsame Geschichte, viele kreative Einfälle, skurrile Figuren, starker Flow von vorne bis hinten (hab es in 2 Etappen gehört, was gut ist, weil es eher was zum schnellen Aufsaugen ist).
Besonders gut gelungen finde ich die authentischen und immer wieder auch überraschenden Dialoge (das beherrscht die Autorin wirklich sehr gut).
Was es ist (Satire, skurrile Hexengeschichte, Märchen, Comic in Romanform?) und worin der Sinn liegt, kann ich nicht genau sagen, aber es hat auf angenehme Art unterhalten.
Literarisch bietet es eigentlich nur konventionellen Erzählstil, und die Sprache ist simpel und spielt keine tragende Rolle; das war aus meiner Sicht ein großer Mangel, weil aus der Ich-Perspektive erzählt halt oft flapsiges Geplapper das Stilmittel ist. Der Unterhaltung tut das keinen Abbruch.
Was mich eher gestört oder zumindest etwas irritiert hat, war die recht enge Kontrolle, die die Autorin manchmal über meine Emotion ausüben will. Häufig soll ich irgendwas witzig finden, oder spannend, romantisch, nein doch wieder tragikomisch oder ironisch. Ganz besonders kommt das im Hörbuch zum Tragen. Da überzeichnet der Vorleser am Beginn die Heiterkeit unfassbar, anfangs war das sehr nervig, wie so eine Begleitstimme einer typischen TV Show a la „die 100 peinlichsten Pannen“, wo dann Videos von Menschen gezeigt werden die auf die Nase fallen.
Den Verdacht dass sie ihre Leser unterschätzt, bin ich vereinzelt nicht losgeworden. Besonders markant ist die Stelle in der sie Killer erklären lässt, was „investiert sein“ bedeutet. Zunächst ist die Erklärung selbst auf einem Niveau, wie man es einem Kind erklärt, was unlogisch ist, weil es Wenzel ist (ein mutmaßlich nicht völlig unbelesener Mensch), dem es von seinem besten Freund (der Wenzel bestens kennt) erklärt wird. Schlussfolgerung: eigentlich soll es mir erklärt werden. Na dann, Vielen Dank!?
Meine Vermutung ist, es soll eine Art Comic in Romanform sein, in der auch ein paar echte Figuren vorkommen (Wenzel, Killer). Eher schablonenhaft und skurril überzeichnet sind viele der übrigen Figuren angelegt (Vica und ihr ganzer Trupp, der Opernsänger, usw). Witziger fand ich da schon wieder den Skirennläufer Donato, der sogar eine innere Entwicklung vollziehen darf und herrlich abstrus in seinen Statements ist.
In Summe eine nette, manchmal etwas klamaukige Unterhaltung im Sound der „Achtsam morden“ Romane von Karsten Dusse, mit dem Unterschied dass Sterblich keine klare Message vermittelt, während Dusse die Mission verfolgt zeitgeistige Selbstoptimierungstrends darzustellen und ein wenig durch den Kakao zu ziehen.
Am Ende bleibt eigentlich nichts worüber ich jetzt noch viele Gedanken anstellen könnte.
Mein mit Abstand größter Einwand ist ein sehr subjektiver: das Buch hat mich überhaupt nicht dazu motiviert noch etwas von der Autorin zu lesen. Dazu ist mir alles ein bisschen zu unausgegoren gewesen.