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Leoparden im Tempel: Portraits großer Schriftsteller | «Da gehen einem die Augen über.» Florian Illies

Jedes große Werk der Literatur birgt Rätsel und Geheimnisse, und nicht selten findet sich der Schlüssel zur Lösung genau an jenem Punkt, an dem sich Leben und Schreiben ihrer Schöpfer berühren. In zwölf meisterhaften Porträts, von Hans Christian Andersen bis hin zu Jorge Luis Borges, spürt Michael Maar diese sensiblen Punkte auf – und stößt dort auf ganz Unerwartetes, manchmal Erheiterndes, aber ebenso auf innere Spannungen und Abgründe. Was bedeutete es für diese Schriftsteller, die allesamt auch Getriebene waren, wenn, wie es bei Kafka so bild- wie rätselhaft heißt, «die Leoparden in den Tempel einbrechen und die Opferkrüge leersaufen»? Wer wissen will, wie eng Thomas Mann mit dem Teufel verbandelt war, warum Marcel Proust kein Neujahrsgeschenk duldete, warum Virginia Woolf unterm Einfluss zweier Monde stand und Nabokovs Lolita Jungentracht trägt, woran Kafkas Käfer krepierte und was Robert Musil mit dem Giftzwerg Canetti Herzlich willkommen. Ein Streifzug durch die Weltliteratur, mit feiner Ironie und reich an überraschenden Einsichten.

128 pages, Kindle Edition

Published December 12, 2023

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About the author

Michael Maar

29 books10 followers
Michael Maar is a literary scholar and Germanist, the son of children's author Paul Maar. A member of the German Academy, he is the author of a dozen books, of which The Two Lolitas; Speak, Nabokov; and Bluebeard’s Chamber: Guilt and Confession in Thomas Mann have been translated into English.

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Simone.
27 reviews
February 10, 2025
Ein kleines und außergewöhnliches Buch. Maar seziert sprachlich brilliant die Charaktere und Lebensessenzen bedeutender Schriftsteller, unter Bezug auf vielfältige Quellen außerhalb der bekannten Biographien und anhand innovativer Analysen ihrer Hauptwerke. 120 Seiten - gewidmet 12 Genies, von denen einige im ersten Teil nicht weit entfernt sind vom Wahnsinn. HANS Christian Andersen ein hypochondrischer, unter verbotener Lust leidender Egozentriker? Proust ein großherziger, von seinen Zeitgenossen verkannter Einzelgänger? Thomas Mann erfüllt von Teufelsvisionen? Vladimir Nabokov ein heimatloser
Dostojewski-Verächter? Virginia Woolf, Robert Musil, Kafka usw. - es gibt viel zu erfahren und darüber hinaus geweckte Neugier auf "Altes", wie den Leoparden von Lampedusa. In der zweiten Hälfte des Buches beschäftigt sich Maar überwiegend mit der Werkanalyse der in Deutschland weniger Gelesenen - Borges, Chesterton, Powell, Canetti.
Für Leser mit Interesse für "große" Literatur und Literaturkritik ist der kleine Band eine klare Empfehlung. Meine zweite Empfehlung ist, diese Lektüre in 12 kleineren Häppchen zu sich zu nehmen.
Randnotiz: In dieser Neuauflage von 2024 (Erstaufl. 2007) wurde die alte Rechtschreibung vor der 96er Reform verwendet. Mußte das sein ?
Profile Image for Thomas Aebischer.
284 reviews11 followers
April 14, 2024
Mit „Leoparden im Tempel“ gewährt Michael Maar einen tiefen Einblick in die Abgründe grosser Schriftsteller. Genialität und Not zeigen sich dabei häufig als unzertrennliches Geschwisterpaar. Beim Lesen dachte ich manchmal, nun gut, so genau hätte ich diese, zum Teil erschütternden Hintergründe, gar nicht wissen wollen. Und trotzdem oder erst recht bilden diese Gegensätze den Nährboden für grosse Literatur, die vielleicht, wer weiss, ohne diese schwierigen Lebensgeschichten, nie entstanden wären. Und so haben mich diese Portraits gleichermassen abgestossen und getröstet, dies auf dialektische Weise, weil sie schlicht Menschliches Sein, auf ganz persönliche Art abbilden und damit auch mit meinem Leben in Dialog treten. Warum nur vier Sterne? Dies hängt mit dem Schreibstil von Maar zusammen. Ich verstehe seine Sprache nicht immer, ist sie doch mit nicht alltäglichen Begriffen gespickt und fordert ein hohes Mass an literarischem Wissen voraus. Und doch: ein Buch, das mir viele neue Horizonte eröffnet hat.
Profile Image for Max.
33 reviews1 follower
May 3, 2026
Ich bin mit großen Erwartungen an das Buch herangegangen, da ich bisher viel Gutes über Michael Maars Werke gehört hatte.
Erst einmal ist es sehr erstaunlich, wie literarisch bewandert der Autor sein muss, denn jedes dieser knappen Protraits gelingt mit der Wirkung, nun wirklich im Detail über die Person und das Werk (wenn letzteres eher sekundär) Bescheid zu wissen. Die meisten dieser Portraits fande ich auch sehr anschaulich und gelungen, wie jenes über Thomas Mann und Marcel Proust. Auch habe ich dadurch Leselust auf Werke von Autoren entdeckt, die ich davor gar nicht kannte (e.g. Anthony Powell).

Was mir am Buch aber gar nicht gefallen hat, mich teilweise wirklich genervt hat, ist der überhebliche Ton, den Maar anstimmt, wenn er über die Autoren spricht. Einige werden dargestellt, als seien sie völlig verrückt. Zu Teilen mag das ja auch stimmen und vielleicht einen Teil des Genies ausmachen. Mir als lesendem suggestierte das aber eine sehr unangenehme Abschätizgkeit seitens des Autoren. Gerade das Essay zu Nabokov wirkte, um es banal auszudrücken, wie: "Ich habe alle Bücher gelesen, kenne mich bestens mit Biographie und Werk aus und kann deswegen im absoluten sagen wie gut aber auch wie schwach doch sein Charakter und seine Bücher sein können". Wirklich unglaublich unangenehm, diese dutzend Seiten gelesen zu haben.
Hier rezitiert er an einer Stelle zum Beispiel, "Nabokovs Englisch sei wie Wasser mit einem ganz leichten Geschmack von Metall". Meiner Meinung nach eine unhaltbare Aussage. Nabokov mag viele Schwächen haben, die Art der Kritik ist hier aber völlig absurd.

Alles in allem vermutlich mein erstes und letztes Buch von Michael Maar für die nächste Zeit. Lesenswert sind meisten Portraits aber durchaus.
Profile Image for Johanna Berger.
167 reviews8 followers
January 22, 2024
Warum die Leoparden im Tempel die Opferkrüge leer saufen, kann auch Michael Maar nicht entschlüsseln. Er fragt sich aber dennoch wie so viele, was mit dem Menschen Kafka los war, der sich das ausgedacht hat, spricht von dessen Isolation durch Herkunft, Religion, Familie und dem "Rand der Paranoia", an dem Kafka sein Leben zubrachte. Spürbar sei die Homoerotik, die Kafkas Werk durchwehe. Ein anderer großer Schriftsteller, der an sich selbst litt, war Hans Christian Andersen. "Enorme Füße, eine riesige Adlernase, Schweinsäuglein und überlang herabschlackernde Arme ...". Ein Hypochonder, viel deutlicher als Kafka an seiner Sexualität leidend.

Eine Lektüre, die aufbauender ist, sind die bewundernden Essays über Proust, Anthony Powell und Tomasi di Lampedusa. Die Frage Maars, ob man den Leopard überhaupt noch lese, kann ich jedenfalls für mich selbst beantworten. Nach der Lektüre des wunderbaren Essays habe ich mir das Buch gekauft. Und Dance to the Music of Time von Anthony Powell kommt dann auch noch dran. Zumindest der erste von den zwölf Bänden ...

"Leoparden im Tempel" ist zum ersten Mal 2007 im Berenberg Verlag erschienen und 2023 bei Rowohlt neu aufgelegt worden wohl wegen des großen Erfolgs der Schlange im Wolfspelz (Bestseller 2021). Elf Schriftsteller und eine Schriftstellerin (Virginia Woolf) werden vorgestellt mit ihren Marotten, aber vor allem mit den Eigenschaften, die Maar an ihrem Werk so sehr schätzt. Schade, dass er nur eine Frau portraitierte! Eine sehr lohnende Lektüre, auch wegen der präzisen und poetischen Sprache des Autors.
67 reviews
April 17, 2026
Kenntnisreiche, elegant verfasste und durchaus meinungsstarke Essays mit einer teilweise überraschenden Autorenauswahl. Insgesamt hätte ich mir noch mehr zu den jeweiligen Erzählstilen gewünscht, aber ich werde es wohl trotzdem noch einmal lesen.
Profile Image for Malte Kraft.
24 reviews
June 26, 2026
Spannende Einblicke in die Leben von Autoren. Sehr anregend Bücher jener zu lesen .
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