Die Geschichte spielt in Wien, Ende des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen Nikolett und Julianna, zwei völlig unterschiedliche junge Frauen: Nikolett gehört zur „höheren Schicht“ und soll jetzt bald auf dem Wiener Opernball debütieren – das zumindest will ihre Mutter. Sie selber möchte lieber weiter zurückgezogen leben, sich ihren Büchern, ihrem Hund Max und dem Eislaufen widmen. Durch einen Unfall hat sie eine Narbe am Hals, die immer wieder Anlass gab, sie auszugrenzen und zu hänseln – das möchte sie nie wieder erleben, daher meidet sie die Öffentlichkeit oder ist dort – wenn es sich nicht vermeiden lässt - immer sehr schüchtern und zurückhaltend.
Julianna ist ganz anders – sie ist in einem Waisenhaus aufgewachsen und arbeitet nun als Dienstmädchen in einer höheren Familie. Durch ihr lebendiges und oft auch vorlautes Mundwerk fängt sie sich aber immer Ärger ein. Sie hat nur eine Information über ihre Mutter: Sie war eine bekannte Eisläufern – und klar, dass auch sie das Eislaufen liebt. Zufällig lernen sich Julianna und Nikolett kennen und wollen unbedingt beim Eis-Schaulauf des Wiener Eislaufvereins mitmachen. Doch es werden ihnen viele Steine in den Weg gelegt.
Es ist eine Wohlfühlgeschichte, in die man richtig eintauchen kann. Wien im 19. Jahrhundert ist eine interessante Zeit und man bekommt viele Einblicke in die damaligen Konventionen und Lebensumstände – und zwar sowohl aus Sicht eines Dienstmädchens als auch aus Sicht einer Tochter aus gutem Hause. Aber auch die Geschichte des Eislaufens kommt nicht zu kurz, und hier hat die Autorin geschickt Wirklichkeit und Fiktion miteinander verknüpft.
Der Schreibstil ist leicht, einfach zu lesen und sehr atmosphärisch – gerade die Szenen auf der Eisfläche fand ich immer sehr schön und hatte viele Bilder vor Augen. Erzählt wird die Geschichte aus Sicht mehrerer Figuren, wobei meistens Nikolett und Julianna das Wort ergreifen. Dabei bekommt der jeweilige Erzähler immer ein eigenes Kapitel, dem der Name vorangestellt ist, so kann man nicht durcheinander kommen.
Neben Nikolett und Julianna gibt es natürlich auch noch weitere Figuren und man ahnt sicher auch, dass es nicht nur um das Eislaufen geht. Ein Jugendfreund von Nikolett, János, soll ihr Partner auf dem Opernball sein, er jedoch hat sich von Nikolett zurückgezogen, was sie auf ihre „Entstellung“ zurückführt. Jackson ist Eisläufer durch und durch, kommt eigentlich aus Amerika und will in Wien seinen eigenen Eislaufstil bekannt machen. Ihn mochte ich in der ganzen Geschichte tatsächlich am meisten, weil er auf Konventionen nichts gibt, die Menschen annimmt, wie sie sind und irgendwie immer den richtigen Ton findet, mit ihnen umzugehen. Julianna war mir mit ihrer direkten Art auch gleich sympathisch, Nikolett dagegen fand ich mit ihrer sehr selbstmitleidigen etwas anstrengend.
Man ahnt als Leser natürlich, wie die Geschichte enden wird, und tatsächlich nimmt dann auch alles ein gutes Ende. Und ja – wirklich alles. Das war mir zu viel des Guten, insbesondere da mir die Erklärungen auch zu weit hergeholt, unrealistisch und konstruiert erschienen.
Trotzdem habe ich die Geschichte gerne gelesen, und insbesondere die winterliche Atmosphäre sehr gemocht. Wer also mit einem doch eher konstruierten Happy End gut leben kann, dem empfehle ich diesen leichten historischen Roman gerne weiter.