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Doppler

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Ein Reifenplatzer. Als erstes fliegen die Boccia­-Kugeln durch den Fahrgastraum, dann Mutti und Vati. Der unversehrt gebliebene Jun­ge wird zu den Großeltern verbannt, sein Exil heißt: Frankenhayn. Ein Schelm, wer dabei an Frankenstein denkt – wiewohl das Dorf, in einer weinseligen Gegend Österreichs zu verorten, und sein Personal durch­aus schaurige Züge aufweisen.
In Frankenhayn sind Schnurrbärte bei Frauen beliebter als bei Män­nern. Für die Großeltern, nächtens in Sarkophage ohne Deckel gebettet, scheint es die normalste Sache der Welt, das Herz eines Schweines zu verspeisen, das eben noch fröhlich vor sich hinquiekte. Dazu trinken sie Wein mit einer Andacht, die sehr an den Pfarrer und sein sonntägliches Ritual erinnert. Überhaupt steht das Katholische in innigster Verbindung mit dem Alkoholischen. Und dem Diabolischen: Die beiden Cousins, zwei Flaschen, wie sie im Buche stehen, lassen keine Gelegenheit zur Grausamkeit an Mitmensch und ­-tier aus. Die Flaschen wiederum, die auf den Tisch kommen, sind von monströser Größe: zweilitrig, Doppler genannt, geradezu emblematisch für diesen Sommer 1970, nach dem nichts mehr so ist wie vorher. Auch wegen dem Geheimnis, das die Großmutter unter ihrer Kleiderschürze trägt...

224 pages, Hardcover

Published January 1, 2023

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1 star
2 (4%)
Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
September 8, 2023
Noch eine Nominierung zum deutschen Buchpreis 2023, eine Art Heimatroman würde ich sagen, schildert doch Thomas Olaf hier das Landleben in einem österreichischen Weinort - gleich bin ich an das Weinviertel erinnert, da kenne ich mich aus. Es geht durchaus herb zu in diesem Ort des grünen Veltliners und des Rieslings (einer davon nusseigen Geschmacks, einer mit einem Pfefferl), der Onkel der Hauptfigur (städtischer Junge, den es nach dem Autounfall der Familie hierher zu den Großeltern verschlagen hat) ist ein derber und brutaler Familientyrann, die beiden Cousins der Hauptfigur verschlagen (und auch geschlagen vom Vater).
Wir erfahren aus der unrühmlichen nationalsozialistischen Geschichte, ein Mord fehlt auch nicht (oder gar zwei?), wir sehen geheime Höhlen und erfahren viel über die Soziologie des Landes, teilweise auf durchaus humorvolle Art, für manches braucht der Leser wirklich gute Nerven.
Drei Einschübe über geschichtliche Vorkommnisse kommen mir etwas fremdkörperhaftig vor, trotz allem ein gut zu lesender Roman. Preiswürdig erscheint er mir nicht.
8.9.2023: Anders scheinen die Juroren für den österreichischen Buchpreis zu denken, sie haben Olahs Roman für den Nachwuchspreis nominiert
Profile Image for Wal.li.
2,573 reviews72 followers
September 20, 2023
Großelternurlaub

Auf diese Art bei den Großeltern anzukommen, hat der Junge nicht gedacht. Auf einer Autofahrt verliert sein Vater die Kontrolle über den Wagen. Und die Familienmitglieder landen im Krankenhaus. Der Junge ist kaum verletzt und es wird entschieden, dass er den Sommer 1970 bei den Großeltern verbringen soll. Was für eine fremde Welt ist dieses Frankenhayn. So richtig scheint die heutige Zeit noch keinen Einzug gehalten zu haben. Doch irgendwie will man sich eingewöhnen. Die Großeltern werden von allen Mutter und Vater genannt. Die beiden Cousins sind echte Rabauken, die mit ihren Späßen manchmal recht weit gehen. Doch so langsam beginnt der Junge den Geschichten zu lauschen.

Damals gab es noch nicht so ausgiebige Besuchszeiten in den Krankenhäusern und den Kindern wurde auch nicht viel erklärt. Und so wird der Junge in die Welt der Großeltern geworfen. Sie reden nicht viel, dafür arbeiten sie viel und sprechen auch viel dem Wein zu. Sie besitzen einen Weinberg und der will gehegt und gepflegt werden. Abgefüllt wird er irgendwann in Zweiliterflaschen, die Doppler genannt werden. Auch der Junge darf probieren, verkosten nennt man das. Meist ist er auf sich allein gestellt, aber ins Dorfleben eingefügt als wäre er schon immer da gewesen. Manche Dinge sind einfach so und werden auch so genommen wie sie sind.

Auf den Listen der Nominierten zu den Buchpreisen lässt sich immer etwas entdecken. Und wenn es dann ein Autor sowohl auf die Shortlist Debüt des Österreichischen Buchpreises 2023 als auch auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2023 geschafft hat, dann spricht das schon für sich. Es ist eine Schilderung eines Ausschnitts einer Kindheit, die in Erinnerung bleibt. So ein Sommer prägt sicher, der zeitweilige Verlust der Eltern, die Begegnung mit etlichen ersten Malen bei den Großeltern und die Unsicherheit, wie lange der Aufenthalt dauern wird. Vielleicht hätte doch eine Erklärung zu den Unfallfolgen gutgetan und nicht immer wird ganz klar, wie der Junge an einige Geschichten gekommen sein soll. Und doch ist es beeindruckend, wie die Lektüre auch eigene Erinnerungen wachruft und wie viel Zeitgeschichte in den Roman hinein geschrieben wurde. Die Welt der Großeltern ist eine Welt, die auch an die Welt der eigenen Großeltern erinnert, mit dem, was einfach hingenommen wurde, über das nicht groß geredet wurde und in der man doch klarkam. Ein sehr beeindruckendes Erstlingswerk, das gerne gelesen wird.
Profile Image for Anna.
627 reviews40 followers
November 9, 2023
Thomas Olah hat ein sprachlich beeindruckendes Buch geschrieben. Der Roman eröffnet mit einer dynamischen, volatilen Szene - ein Auto im Überschlag, darin eine Familie - die sofort gezündet hat. Es bleibt unklar, was genau passiert, doch wir Lesenden wissen, dass offenbar nur der ältere Sohn, namenlos und doch Protagonist des Buches, den Unfall ohne größere Schäden übersteht. Und damit beginnt das, was er später "den ersten Sommer meines Lebens" nennen wird - ein Aufenthalt bei den Großeltern in der Provinz, wo vor allem geschwiegen und Wein in Doppler abgefüllt oder getrunken wird. Wir sind in den 1970ern, und alles ist ein bisschen mehr, als man denkt.

Mit dabei: Zwei enthusiastische Cousins, einer verstört und grausam, der andere verstört und auf der Hut; die lächelnde Cousine, mit der der Protagonist erste romantische Erfahrungen sammelt; der grausame Onkel, der seine Kinder physisch missbraucht und losdrischt, sobald er kann; die hilflose Tante, die dem nichts entgegenzusetzen hat; und die Großeltern, die Mutti und Vati genannt werden, aber meistens schweigen. Der Junge schläft im Schlafzimmer seiner Großeltern, immer im Kampf gegen die Ritze seiner Bettstatt und unter dem ewigen Ticken der Großvateruhr. Sie fahren Fahrrad, versuchen, mit Traktoren und in Kofferräumen abzuhauen, suchen nach dem Eisernen Vorhang an der Grenze und leben einen Sommer als Kinder auf dem Land.

So weit, so gut. Enorm starker Einstieg, und faszinierende Sprache. Das Problem ist dann aber, dass Olah sich nicht so richtig entscheiden kann, was er mit seinem Buch eigentlich will. Es geht um generationelles Trauma, um die Frage, wie Gewalt sich in der Familie Bahn bricht, und was Kriegserfahrungen mit einem Menschen machen können. In den letzten Kapiteln wird plötzlich noch die Geschichte Mutti und Vatis sowie des grausamen Onkels erzählt, und diesen Perspektivwechsel hätte es überhaupt nicht gebraucht. Der grausame Höhepunkt der erzählten Jetztzeit entsteht aus kindlicher Langeweile, Grausamkeit und Hilflosigkeit - wieder eine so starke Szene, die das Ausbuchstabieren des historischen Hintergrundes nicht gebraucht hätte. Gerade die Innenwelt des Protagonisten, der kindliche Blick, die unmittelbare Beschreibung sind die Stärken von Doppler. Selbst die leicht irritierenden Einschübe, in der über den Dopplereffekt und Männer mit einem bestimmten Brillenmodell erzählt wird, haben mich noch irgendwie mitgenommen. Doch diese letzte Addition war dann eine zu viel. Im ersten Teil war ich noch auf fünf Sterne Kurs, und erst ziemlich spät ließ das Buch für mich dann auf richtig gute drei Sterne nach.

Ein beeindruckender, stilistisch interessanter Roman, der seine Nominierung für den Deutschen und den Österreichischen Buchpreis verdient hat, aber am Ende von weniger Hintergrundgeräuschen und einer stärkeren Festlegung profitiert hätte.
Profile Image for Antonia.
134 reviews5 followers
Read
July 15, 2025
Ein Heimatroman der anderen Art, eingehüllt in einen erfrischenden Schreibstil, der mich durchwegs zum Schmunzeln gebracht hat.
Profile Image for Janno .
19 reviews4 followers
April 27, 2024
Zuerst das Gute: gefallen hat mir das Rhythmusgefühl und die Beschreibungsgenauigkeit des Autors. Man kann sich wie bei einem interessanten Musikstück den Sätzen Olah's hingeben. Ich mochte auch die österreichischen Spracheinsprengsel, wer auf sowas steht, kommt hier auf seine Kosten.

Zum Inhalt: es ist teilweise schwierig, festzustellen, in welcher Zeitebene die Handlung jetzt genau passiert. Der Ich-Erzähler (ein junger Bub) kommt nach dem Autounfall mit den Eltern zu seinen Großeltern. Diese werden aber im Text mit Vater und Mutter angesprochen. Auch die historischen Schilderungen sind nicht gleich ersichtlich. Man muss sehr genau lesen, um festzustellen, wann die Handlung gerade spielt. Zuletzt sind da noch die kursiv gedruckten Passagen über die Technik eines Chronometers oder einen Physiker? namens Doppler, der, was er gemacht hat, ist mir bereits entfallen. Aber vor allem scheinen mir die kursiv gedruckten Passagen nicht zum Rest des Romans zu passen.

Fazit: sprachlich ist "Doppler" durchaus überzeugend. Auch der Schauplatz ist ob seiner Kuriosität und Absurdität lesenswert. Wer eine Plot-getriebene, klare Erzählweise bevorzugt, dem könnte der kurze Roman hier und da zu lang sein.
Profile Image for Birgit.
7 reviews2 followers
April 19, 2023
Ein Spiel mit den Worten und den Effekten. Ein absolut gelungenes Debut!
Profile Image for Jan Stumper.
14 reviews
September 6, 2023
Ein Generationenroman – Thomas Olah’s „Doppler“

Thomas Olah’s Roman Doppler handelt nur oberflächlich und nebenbei von einer übergroßen Weinfalsche, die sich konstant als Dingsymbol durch die Handlung zieht. Auf der Handlungsebene wird dem Leser ein Junge präsentiert, der nach einem Autounfall seiner Eltern bei seiner Großmutter und seinem Großvater im österreichischen Dorf „Frankensteyn“ unterkommt. Das etwas rückständig anmutende Dorf mit seinen gleichfalls rückständig anmutenden Bewohnern lebt primär von der Weinproduktion. Das Weinfest und die Doppler haben also eine gewisse existenzielle Bedeutung.
Diese recht basale Handlung dient allerdings nur als Vehikel, um auf einer Metaebene mehrere Doppelungen anzusprechen und in Anbetracht dieser Denkanstöße zu geben. Vieles in unserer Welt existiert doppelt, und wenn dies nicht der Fall ist, so strebt das Einfache dennoch zu einer Dopplung hin. Das Einzelne, der Einzelgänger sind nur selten vorkommende Erscheinungen in unserer Welt. Dopplung meint nach Olah’s Verständnis auch nicht die reine Existenz von zwei identischen Entitäten. Angespielt wird im Gegenteil sprachlich wie inhaltlich, auf das, was man auf die Floskel „zwei Seiten der Medaille“ herunterbrechen könnte.
Jeder Mensch hat diese zwei Seiten. Die eigenartigen Großeltern des Protagonisten in „Doppler“ haben legen ihr Verhalten auf Grund bestimmter (traumatischer) Erfahrungen in ihrem Leben an den Tag. Die Kehrseite, die Dopplung dieser Ereignisse, manifestiert sich in der Handlungsgegenwart in ihrem Verhalten wie in der Einrichtungen des eigenen Hauses; als Repräsentanz der doppelseitigen Persönlichkeit. Es gibt das Außen und es gibt das Innen.
Eine weitere Dopplung im Sinne einer Kehrseite erkennt man mit Blick auf die „enthusiastischen Cousins“ des Protagonisten; der eine gewalttätig und unberechenbar, der andere zurückhaltender und auch körperlich eher schmaler gebaut. Sie sind als Brüder selbst Kehrseiten des anderen und in ihrem Verhalten zeigt sich ebenfalls jene Dopplung, die sie durch Prägung seitens ihrer Eltern erhalten haben. Auch der Protagonist selbst sorgt sich über die Handlung hinweg um seinen kleinen Bruder, der ihm wohlmöglich im Zuge des Unfalls genommen wurde.
Auf sprachlicher Eben arbeitet Olah durchgehend, aber nicht aufdringlich, mit Wortspielen, teilweise ganz unverblümt mit Teekesselchen – deren Dopplung sich schon aus der Natur des Wortes selbst ergibt. Aber auch subtiler schafft es Olah die Sprache selbst auf Dopplungen, Kehrseiten, ihre Ursachen und ihre Wirkungen hin zu präsentieren und hinterfragt damit die Funktion von Wort und Grammatik.
„Doppler“ ist weit mehr als die Beschreibung einer scheinbar tristen Dorfgemeinschaft in Österreich. Der Roman ist eine Offenlegung von Ursachen und Wirkweisen in jeglichem Kontext der Existenz. So gibt es stets die primäre Wirkung (etwa den Schuss mit einer Pistole) aber auch die direkte, kausale Folge dieser (den Rückstoß). Letzteren verkennt man häufig, beachtet ihn nicht und ist erstaunt, wenn man die Aufmerksamkeit aktiv auf diese zweite Ebene lenkt oder sie plötzlich dahin gelenkt wird.
Olah gelingen mit seinem Buch – auch durch nur scheinbar willkürliche Einschübe zu wissenschaftlichen Erkenntnissen, wie etwa dem Doppler-Effekt – Denkanstöße, dahingehend, bei jeder Handlung und jedem Gegenstand des Alltags nicht nur deren direktes Ziel oder dessen sichtbare Oberfläche zu berücksichtigen, sondern zu hinterfragen, welche Dopplung, im Sinne einer Kehrseite, damit einhergeht.
Sich auf dieses Spiel einzulassen, erfordert angesichts des recht kurzen Romans von 220 Seiten, relativ viel Zeit. Das Erlebnis der eigenen Erkenntnis hinsichtlich des Vorgehens Olah’s auf direkter, wie Metaebene seiner Erzählweise, ist dann aber umso befriedigender.
Schließlich ist „Doppler“ ein Roman auch über Gesellschaft generell. Er fragt nicht nur nach objektiver Erkenntnis, sondern hinterfragt deren Ursprünge. Angesichts der Gesellschaft des Dorfes „Frankensteyn“ kann man in „Doppler“ auch einen Generationenroman lesen, der sich der Frage widmet, wie ein eigentümliches Dorf eigentlich zu dem geworden ist, was es ist. Daran an schließt die Frage, wie jeder von uns und dann – auf abstrakter Ebene wieder – wie wir als Gesellschaft zu dem geworden sind, was wir oberflächlich sind. Doppler fragt daher nach den Tiefgründen des Oberflächlichen. Thomas Olah gelingt ein erzählerisch ansprechendes und interessantes Experiment auf inhaltlicher wie sprachlicher Ebene.
Profile Image for Heike Bund.
63 reviews
October 30, 2023
Thomas Oláh gelingt es in seinem Debutroman auf außerordentliche Weise den Zeitgeist der 70er Jahre einzufangen und diesen einfühlsam aus der Sicht eines jungen zu schildern. Durch einen Autounfall aus dem Familienverband herausgerissen und alleine zu den Großeltern aufs Land in eine Weinbaugemeinde katapultiert, wird er Teil eines Trios mit seinen brutalen Cousins vom Nachbarhof, bleibt fremd und wird doch auch Teil dieser dörflichen Gemeinschaft. Tiere waren Sachen und Alkohol der selbstverständliche Begleiter in allen Lebenslagen, zumal in einer Weinbaugemeinde. Wer selbst in dieser Zeit aufgewachsen ist, fühlt sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Der Autor erzählt uns eine Geschichte, wie früher die Großmutter am Herd und wir folgen ihr gerne. Denn Sprache ,Stil und Inhalt verbinden sich hier zu einer äußerst gelungenen Einheit.
Ich kann die Lektüre nur empfehlen und hoffe in Zukunft noch viel von diesem Autor zu hören und zu lesen.
42 reviews
October 15, 2025
Seitenweise sehr zäh, 3 Sterne, dann aber wieder grandioses, furioses Kopfkino, welches 5 Sterne verdienen würde. Lustige bis haarsträubende Episoden aus der österreichischen Pampa zwischen Krieg und 70er Jahren. Treffende Beschreibungen aus der Provinz (könnte weitgehend auch in der Schweiz oder D spielen), dann aber ohne diesen ur schiachen Scharm der oesterreichischen Umgangssprache. Gerne wieder, gerne mehr.
Profile Image for Johanna Doppler.
59 reviews4 followers
March 8, 2024
Nach einem Autounfall lebt ein junger Bursche bei seinen Großeltern und Cousins. Das Leben am Land und der Wunsch nach Flucht wird beschrieben.

Leider eher enttäuschend, ich finde es nicht humorvoll oder lustig. Die historischen Einschübe sind nicht notwendig für die Handlung und haben nur wenig Mehrwert. Ich hätte mir mehr erwartet.
Profile Image for Leserlich.
106 reviews
September 5, 2025
Eine interessante Entdeckung. Die detailgenaue entschleunigte Schilderung eines ländlichen Dorfs im ersten Drittel des Buchs ist genau so wie ich es kenne. Aus den Augen verlorene Accessoires wie Schürzen, Kopftücher, Kittel, Steyr Traktoren oder Semperit Turnschuh werden hier zu neuem Leben erweckt, die Säulen des Dorflebens (Messe, Schlachten, Begräbnis) durch das staunende Auge des Großstadtcousins betrachtet.

Die Einbindung der Kriegserlebnisse der Altvorderen in der zweiten Hälfte ist jedoch nicht sehr gelungen. Zudem tauchen dann noch unerwartet und unmotiviert alte Bekannte auf, wie der Schachtürke, Christian Doppler, Sigmund Freund oder Kurt Gödel.

Trotz dieser Eskapaden war es sehr vergnüglich zu lesen. Witzig geschrieben ist es auch. Die Einsicht beispielsweise, dass die Kunde von der Kundschaft kommt, fand ich sehr bereichernd.

Zahlt sich auf jeden Fall aus, da mal reinzulesen, insbesondere mit Weinviertler Hintergrund.
Displaying 1 - 12 of 12 reviews

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