Alles beginnt in einer kleinen Wohnung mit Schaukelstuhl in einem russischen Kurort bei Kasan, in dem einst Stalin seine Sommer verbrachte. Hierhin kehrt Walja nach dem Tod ihrer Großmutter Nina zurück. Walja begibt sich auf Spurensuche, versucht zu verstehen, wo sie selbst herkommt. Sie erinnert sich an die Frauen, mit denen sie aufwuchs, grundverschieden, aber einig in ihrer Abscheu gegen jede Abhä Da ist die Urgroßmutter Tanja, die Walja als Kind in einer gefährlichen Nacht-und-Nebel-Aktion taufen ließ. Und natürlich Nina mit dem zielstrebigen Gang und dem koketten Kirschmund, die notorisch log und alle um sie herum einen Kopf kleiner werden ließ. Doch sie hatte auch ganz andere Seiten. Und erst viel später erfährt Walja von Ninas hartem Schicksal, von dem sie nie sprach … Walja, die zwischen den Welten lebt, zwischen einem norddeutschen Dorf an der B77 und der Wohnung ihrer Kindheit in Kasan, erkennt immer mehr, wie tief sie diese Leben geprägt haben. Valery Tscheplanowa ist eine starke neue Stimme. In ihrem autobiographisch inspirierten Roman findet sie ihre ganz eigene leuchtende, bildstarke Erzählweise, intensive Momentaufnahmen fügen sich zu einer großen Geschichte über vier starke Frauen im Russland des 20. und 21. Jahrhunderts.
Das Pferd im Brunnen zu bewerten fällt mir ein wenig schwer. Die Sprache gefiel mir außerordentlich gut, sie ist sehr bildhaft und poetisch. Dennoch fiel es mir wahnsinnig schwer in die Geschichte hineinzukommen. Erst nach etwa 70 Seiten konnte mich das Buch packen, reichlich spät bei noch nicht einmal 200. Ich wusste lange nicht, wer wer war, fand die Szenen zu unzusammenhängend und dahin geworfen. Erst eine zarte, sich langsam anbahnende Liebesgeschichte, die abrupt und bösartig unterbunden wird, hatte meine volle Aufmerksamkeit. Davor war es tatsächlich nur die Sprache die mich faszinierte. Was ich jedoch sehr toll finde ist, dass die Autorin es schafft, eine Familiengeschichte, die im 2. Weltkrieg beginnt und erst heute endet, auf so wenigen Seiten zu erzählen. Andere hätten dafür hunderte von Seiten und eventuell sogar mehrere Bände gebraucht und am Ende vielleicht gar nicht mehr erzählt als Valery Tscheplanowa. Das Pferd im Brunnen ist für mich kein Highlight, aber dennoch ein empfehlenswertes Buch. Denn vielleicht war es für mich einfach nur der falsche Zeitpunkt.
4.5 die leute die hier bereits bewerten haben offensichtlich den sinn für poesie verloren. was ist da los.
„Nina hat das Glück nicht außerhalb ihres Körpers gesucht. Was ihre Hände konnten und taten, das war ihr Glück. Die Geradlinigkeit ihrer Schritte und die Aufrichtung ihres Rückgrat, die Lasten, die sie heben, die tobenden Männer in der Psychatrie, die sie bändigen konnte, das war ihr Glück. Das Stück Land, das sie sich gefügig gemacht hat und das ihr Erträge schenkte. Glück war eine Tätigkeit. Das ist Ninas Erbe an mich.“
Mir hat die Sprache sehr gefallen. Zudem fand ich vor allem die Figur Nina spannend, da sie in den Rückblenden als vielschichtigerer Charakter rüberkommt als sie in der Wahrnehmung der anderen Figuren erscheint. Die kapitelweise wechselnden Schwerpunkte und Geschichten gefielen mir richtig gut und es hat sich für mich ein sehr eindrucksvolles Familien-/Frauenbild über mehrere Generationen ergeben.
Ich fand auch die Darstellung zum Sterbeprozess sehr berührend geschrieben.
Im Buch geht es um vier Generationen an Frauen und wie ihre Beziehungen untereinander einander im Leben beeinflussen. Die verschiedenen Generationen sind auf Deutschland und Russland verteilt.
Das Buch ist hauptsächlich in der dritten Person geschrieben und nur gelegentlich aus der Ichperspektive, wenn wir aus der Sicht von Walja lesen. Wir lernen Lena, die Mutter von Walja, Nina, die Großmutter, und Tanja, die Urgroßmutter, kennen. Wir bekommen hauptsächlich von diesen drei Frauen einen Einblick in ihr Leben, dabei erfahren wir von Nina etwas mehr als von den anderen. Ich fand es schwer, in die Geschichte reinzukommen, da sie verwirrend war. Es war manchmal nicht klar, wann der Abschnitt zeitlich spielt und von wem es im ersten Moment handelt, da auch mittendrin schnell gewechselt wurde, welche Person in dem Abschnitt betrachtet wird. Die Geschichte läuft auf den Tod von Nina hinaus, sie wirkt aber zwischendrin sehr richtungslos. In der Geschichte wird über die generationale Weitergabe von Traumata geschrieben und wie sich Vernachlässigung und Trauma langfristig auf die Kinder und die Familiengebilde auswirken. Es wird über die Inflation nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion berichtet, wobei das Buch meiner Meinung nach gut den Schrecken dessen einfangen konnte. Das Buch beschreibt eine interessante Familienzusammengehörigkeit, weil wir sehen können, wie unterschiedlich die verschiedenen Generationen die verschiedenen Familienmitglieder wahrnehmen, weil sie ja auch unterschiedliche Erfahrungen miteinander gemacht haben. Außerdem schafft es, ein seltsam liebevolles Bild von Nina zu zeichnen, obwohl sie jede Menge furchtbarer Dinge gemacht und durchgemacht hat. Das Buch zeichnet die eigenen Figuren sehr differenziert.
Die Themen des Buches haben mir gut gefallen, leider war es jedoch schwer dem Text zu folgen.
Ein poetisches Buch, das zur Reflexion der eigenen Familiengeschichte anregt. Besonders die Darstellung des Disconnect zwischen Mutter und Tochter wird mir in Erinnerung bleiben, und im Vergleich dazu die lockerere Verbindung die die Töchter mit den Großmüttern aufbauen. Die Charaktere sind facettenreich und haben doch Wiedererkennungswert, sodass man sie spätestens nach ein paar Kapiteln nicht mehr miteinander verwechselt, trotz der nicht-chronologischen Abfolge der Geschehnisse. Auf eine Art erinnert mich der Stil an Kim de l'Horizons Blutbuch: anschaulich, fast malerisch. Interessant in der Familiengeschichte eingebettet sind Überlegungen zum Sozialismus und das Fortschreiten des Verfalls der Sowjetunion. Es gibt ein kurzes Kapitel darüber, dass das Schlangestehen eine sozialistische Übung in Geduld ist, das war mein Lieblingskapitel. Ist auf jeden Fall weiterzuempfehlen, auch wenn es am Ende Recht melancholisch & nostalgisch wird, was sicherlich beabsichtigt ist aber nicht ganz meins
Valery Tscheplanowas Debüt-Roman „Das Pferd im Brunnen“ ist eine nette, ruhige Lektüre für zwischendurch, aber nichts, was man zwingend gelesen haben muss.
Grundsätzlich hatte ich mir etwas mehr erhofft von „Das Pferd im Brunnen“. Die Kapitel sind nicht chronologisch geordnet und aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, sodass man sich mit dem Beginn jedes neuen Kapitels immer erst mal neu einfinden muss. Das hat mich oft aus dem Lesefluss gerissen. Manche der Kapitel waren interessanter als andere, sodass es schwer war, durch die anderen durchzukommen. Trotzdem hat mir die Handlung eigentlich gut gefallen. Durch die verschiedenen Perspektiven, aus denen erzählt wird, erlangt man einen differenzierten Blick auf die Beziehungen der Frauen untereinander, was ich gerne mochte. Der Schreibstil war auch in Ordnung, es gab einige Passagen, die mir sehr gut gefallen haben, manche weniger. Teilweise wirkte es ein wenig gezwungen, aber alles in allem ganz nett.
Insgesamt war es kein unangenehmes Lese-Erlebnis. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr Tiefe in Bezug auf die Protagonistin gewünscht und phasenweise war es ein bisschen langweilig. Es ist nicht unbedingt ein Must-Read, aber trotzdem nett für zwischendurch. Wer Interesse am Klappentext hat, sollte dem Buch auf jeden Fall eine Chance geben.
Ich habe es gerne gelesen, finde aber nicht, dass es ein Roman ist. Es kam mir eher vor wie Notizen oder Erinnerungen, kurze Texte, die zwar zusammen gehören, aber keinen Roman kreieren.
Von melodischer Leichtigkeit und Poesie sind die Worte, mit denen Valery Tscheplanowa in ihrem autobiographisch inspirierten Debütroman „Das Pferd im Brunnen“ die Bilder dreier Frauen zeichnet, dreier Generationen, die sich vom Zweiten Weltkrieg und der Perestroika bis in die Gegenwart erstrecken, von einem kleinen Dorf in Norddeutschland bis nach Russland - und zwischen den Welten: Walja. Über kurze, keinem zeitlichen Faden folgenden Szenen nähert sie sich ihrer Mutter Lena, der Großmutter Nina und deren Mutter Tanja an, den Frauen, die die Wurzeln pflanzten, aus denen sie heute deren Erinnerungen weiterlebt.
"Für die Menschen ist der Wandel in den Neunzigerjahren verheerend. Wie eine schützende Decke ist der Kommunismus über ihren Köpfen weggerissen wurden, und nun ist Selbstständigkeit gefragt. Woher aber Selbstständigkeit nehmen, wenn man ein Leben lang Gehorsam gelernt hat?“ (S. 107) . Waljas Mutter Lena verließ 1988 das „zerfallende Land“ (vgl. S. 40), um nach Deutschland zu gehen; ihr Bruder Mischa begleitete sie, doch er fühlte sich ratlos in der Fremde, einsam in der Sprache, die er nicht beherrschte, verloren auf den sterilen Gängen des Jobcenters: "Dort im Ausland gab es die erdrückende Selbstverständlichkeit der Unterschied. Ganz so, als gebe es für jeden Menschen eine eigene Realität." (S. 40) . Sieben Jahre später kehrte er zurück nach Kasan, zurück in die Wohnung seiner Kindheit. Er ist der einzige Mann, der geblieben ist, waren sämtliche Väter aus dem Leben der Frauen verschwunden: „Tanjas Mann war im Krieg gefallen, Ninas Mann hatte sich mit einem Haufen Eier, Brot und Butter in den Herzinfarkt gefressen, und Lenas Mann hatten die Trümmer der Sowjetunion unter sich begraben. Die Gesichter der Väter geisterten fortan in den Köpfen dieser Frauen, und sie fanden die Linien nicht wieder. Die Frauen krempelten die Ärmel hoch. Sie hatten die Kinder zu versorgen, die Tiere zu füttern und die Pflanzen zu gießen." (S. 165) Das war ihnen, diesen so unterschiedlichen Frauen, gemein: ihr Wunsch nach Unabhängigkeit, Selbstbestimmtheit. Und doch spielten auch die politischen Umstände, der Zerfall der Sowjetunion und die damit verbundene Armut eine wegweisende Rolle in ihrer aller Leben. . Berührend und zermürbend, bisweilen bitter-ironisch und humorvoll sind die Bilder, die Valery Tscheplanowa zeichnet, und von einer sepiafarbenen Weichheit. Sie erzählt von der Rolle des Glaubens und Heiligenbildern, vom Verliebtsein und der Angst vor Einsamkeit, von Fürsorge und Mutterliebe – und dem Fehlen derselben –, vom Älterwerden und dem Tod, von Narben, die die Jahre, die Generationen überdauern und fortleben. Und von den blinden Flecken unserer Geschichte, die wir zu füllen versuchen. Während ich die erste Hälfte förmlich inhaliert habe, vollends geborgen in der Sprache und diesen besonderen Figuren, verlor mich die Geschichte zum Ende hin aus mir unerfindlichen Gründen. Ich kann nicht genau sagen, ob es letztlich die fehlende Präsenz der Erzählerin innerhalb der einzelnen Anekdoten ist, der schleichende Wandel der Tonalität, oder doch das zeitliche Setting, in dem ich das Buch las. Davon abgesehen hatte ich nämlich durchaus das Gefühl, dass das ein unbedingtes Highlight werden würde. Und das wünsche ich mir sehr.
Walja besucht ihre Großmutter Nina im russischen Kasan, wo sie die Geschichte ihrer Familie kennen lernt. Epsiodenweise bekommt man Einblicke in die Leben der Urgroßmutter Tanja, der Großmutter Nina und der Mutter Lena. Alles starke Frauaen, die sich jeweils in ihrer ganz eigenen Umgebung ihren ganz eigenen Weg bahnen. Die Geschichten sind so angeordnet, als würde man Nina selbst besuchen und Tag für Tag eine neue Episode anhören - die Kapitel spielen nicht unbedingt nacheinander- von Zeit zu Zeit gibt es Zeitsprünge und Wehcsel um wen es gerade geht. Das macht es etwas schwierger die Geschichten der einzelnen Charaktere im Blick zu behalten, macht das leseerlebnis aber spannender, da man teilweise erst später erfährt wer zum Beispiel warum gegen wen einen Groll hegt.
Als Haupterzählerin steht Ninas Lebensgeschichte im Vordergrund. Wie der ihrer anderen Familiengefährtinnen ist ihr Leben auch hart und anspruchsvoll; wodurch auch Nina schroff wird. Dennoch lernt man sie als liebevolle Person kennen, die sich durch ihre Lebensumstände und ihren Umgang damit nur irgendwie selbst den Weg zum Glück verbaut.
Durch die Familiengeschichte lernt man auch Russland durch ganz intime Einblicke im Wandel der Zeit kennen mit den verschiedenen Lebensumständen und Mindsets von Land und Stadt. Über (drohenden) Krieg, Inflation, Hunger, Religion, Lifestyle ist eigentlich alles dabei. Ein Aspekt der Weltgeschichte mit dem ich persönlich noch recht wenig Berührungspunkte hatte.
Lieblingszitate: Das leben ist ein Kampf und es gewinnen nur die Starken. Also halte durch.
Sie hat ihren Stolz, und so geht sie nach Hause, und dort wird sie auch mit ihm am Tisch sitzen und nur mit ihm, dem Stolz.
Für die Menschen ist der Wandel in den Neunzigerjahren verheerend. Wie eine schützende Decke ist der Kommunismus über ihren Köpfen weggerissen worden, und nun ist Selbstständigkeit gefragt. Woher aber Selbstständigkeit nehmen, wenn man ein Leben lang Gehorsam gelernt hat?
Auf die Idee zu kommen, einzigartig zu sein, ist beim Schlangestehen so gut wie unmöglich. Auch gibt es keine Hierarchie, die Schlange besteht aus Körpern die aufgereiht sind, egal wer was hat oder kann. Was gegessen wird bestimmt die Saison, nicht der Appetit. Was nicht in Schlangen erstanden werden kann, muss selbst gemacht werden, und das wiederum unterscheidet die Menschen.
Ich tue mich wirklich schwer etwas über Valery Tscheplanowas Roman "Das Pferd im Brunnen" zu sagen, zu sehr war ich begeistert und enttäuscht zugleich. Hätte Tscheplanowa sich auf die Geschichte der Familie mit Urgroßmutter Tanja konzentriert, wäre dies womöglich eins meiner liebsten Bücher geworden, zu sehr hat mich diese Beziehung zwischen ihr und ihrer Urenkelin mitgenommen, aber als nach etwa 50 Seiten Mischa und Nina im Fokus der Erzählung stehen, verliert diese Geschichte für mich nach und nach ihre Besonderheit und den Glanz, die Wärme und leider dann auch mein Interesse. Gerade die bildhafte, poetische Sprache, die Beschreibungen, die unterschiedlichen Charaktere, das leichte Russische, der Aberglaube... haben mich zu Anfang wahnsinnig begeistert. Ich liebte bereits das Bild des seit neun Jahren leerstehenden Schaukelstuhls, als Beginn einer Spurensuche nach der eigenen Herkunft und Familiengeschichte. Das Zitat, das sich zugleich auf der Rückseite des Buches befindet...
"Als ich sie kennenlernte, war ich siebzehn. Ich hatte sie oft gesehen, als Kind, aber sie war stets unterwegs vom Einkaufen zur Arbeit, von einer Wartschlange zur nächsten auf hohen Absätzen mit strammen Fesseln, die kleinen Brüste stets frech nach vorn gestreckt, laut und zornig und so charmant mit ihren kleinen, flachen Zähnchen lächelnd. Ich wusste nicht, ob ich sie mochte."
machte mich neugierig und formte erste Bilder einer vielbeschäftigten Frau, deren Geschichte sich Walja und die Leser*innen langsam nähern, aber dann wurde es für mich einfach nur noch mühevoll, kühl und distanziert, was natürlich einerseits auch ihrem Charakter, der beschriebenen, schwierigen Zeit und Gesamtsituation innerhalb der Familie geschuldet ist, andererseits fühlte es sich plötzlich wie ein ganz anderes Buch an, das mich inhaltlich etwas überforderte, mich abdriften ließ, leider auch langweilte und mich so dann einfach nicht mehr begeistern konnte.
Cover: Das Cover gefällt mir durch die künstlerische Aufmachung sehr gut. Ich hätte zunächst jedoch nicht gedacht, dass es sich bei dem Buch um eine autobiografische Sammlung handelt. Die Farben sind stimmig und warm und der Titel des Buches zieht eine Brücke zu dem Inhalt des Buches
Inhalt: Als eine Frau, die aus Belarus stammt und ihre Kindheit dort verbracht hat, interessierte mich die Erzählung der vier Frauen in diesem Buch sehr. Tatsächlich habe ich auch unfassbar viele Parallelen gesehen, sodass ich mich mit Waljas Leben stark identifizieren konnte. Das Buch hat nicht selten Nostalgie in mir ausgelöst und mich in unsere alte Wohnung in Belarus samt Gerüche und Geräuschen hineinversetzen lassen. Leider ist es das einzig gute dass ich dem Buch letztendlich abgewinnen konnte. Obgleich ich den Schreibstil anfänglich noch sehr mochte, empfand ich ihn mit der Zeit als sehr zäh, weil der Inhalt sich nicht für mich sortieren ließ. Die Zeitsprünge machten es mir unmöglich nachzuvollziehen an welcher Stelle und bei welcher Person ich mich gerade befand und wie das Verhältnis der einzelnen Personen überhaupt zu einander war. Ich wusste nie was bereits passiert ist oder was noch kommen würde. Deswegen musste ich mich durch das Buch durchquälen um es beenden zu können. Meinen Ansprüchen an ein Buch genügt es somit nicht. Dennoch muss ich betonen, dass mich das Buch auf der anderen Seite trotz allem wieder etwas meinen Wurzeln näher gebracht hat. Sodass mich das Buch zwar inhaltlich nicht überzeugt, jedoch trotzdem eine wichtige Bereicherung für mich persönlich darstellt.
Fazit: Mein Geschmack wurde mit diesem Werk nicht getroffen, ich bin der Autorin dennoch dankbar für das aufleben einzelner Momente meiner Kindheit. Das ist etwas durchaus positives dass ich aus diesem Buch mitnehme und zu schätzen weiß.
Die deutsche Theaterschauspielerin Valery Tscheplanowa hat mit Das Pferd im Brunnen ihren Debütroman vorgelegt. Darin erzählt sie die Geschichte von vier Frauen zwischen Sowjetrussland und der norddeutschen Provinz. Wir begegnen Tanja, der Urgroßmutter, die statt den Ersatzgöttern Lenin und Stalin weiter an der Jungfrau von Kasan festgehalten hat und ihre Ur-Enkelin heimlich taufen ließ. Im Alter wird sie nunmehr wieder zum Kind, dement und in ein Zimmer der Wohnung ihrer Tochter gesperrt. Die Tochter, Nina, könnte als Musterbeispiel für emotionale Kälte durchgehen, zumindest würden ihre Kinder das wohl unterschreiben, doch der geneigte Leser begegnet ihr auch als junger, leidenschaftlicher Frau, noch nicht vom Leben gezeichnet. Ihre Tochter Lena sucht ihr Glück im Westen und landet bei einem norddeutschen (Kreuzfahrt)Alleinunterhalter, der sich wie alle Männer im Buch als Totalausfall entpuppt (die anderen sterben im Krieg oder hauen ab und fressen sich zu Tode). Und ganz am Ende der Kette haben wir natürlich noch Walja, die Urenkelin Tanjas, Ninas Enkelin und Lenas Tochter. Walja kehrt nach dem Tod ihrer Oma nach Kasan zurück und erinnert sich an Nina, mit der sie eine besondere Freundschaft verband, die in dem Kompliment gipfelte: „Auch wenn du nicht meine Enkelin wärst, sondern eine Fremde, ich würde dich mögen.“
Der Autorin, die selbst als Achtjährige aus Kasan nach Deutschland kam, ist ein poetisches und trotz aller Traurigkeiten federleichtes Buch gelungen, in dem sie viel Autobiografisches verarbeitet hat. Die Figuren begleiten einen noch eine Weile und die Komik einzelner Momente fand ich sehr gelungen.
Insgesamt eine schöne (kurzweilige) Lektüre mit Tiefgang
Lesenswertes Debüt „ Das Pferd im Brunnen“ erzählt eine autobiographisch inspirierte Familiengeschichte . Es ist der Debütroman von Valery Tscheplanowa . Das Cover , gestaltet im impressionistischen Stil , hat mich sofort angesprochen. Dieses farbenfrohe Bild ließ mich eine fröhliche Familiengeschichte erwarten , aber das ist sie wahrlich nicht. Geschrieben wird von 4 starken Frauen , die es oft sehr schwer im Russland des 20. und 21. Jahrhunderts - ab dem Zweiten Weltkrieg über die Perestroika bis in die Gegenwart - haben. Farbenfroh empfand ich aber die Erzählweise. Manchmal wurde das Lesen erschwert durch die mangelnde Chronologie der einzelnen Kapitel. Das wiederum passt aber zur Idee der Spurensuche. Walja begibt sich auf eine ganz persönliche Suche nach ihren Wurzeln. Sie wurde in der Sowjetunion geboren, kommt mit acht Jahren nach Deutschland und kehrt erst nach Jahrzehnten in ihr Geburtsland zurück. Die Autorin zeichnet eine klare Sprache aus ;knappe Sätze , aber tiefgründige Beobachtungen, die den Leser manchmal erschrocken zurücklassen. Tscheplanowa macht es ihren Lesern nicht immer leicht. Aber am Ende merkt man, dass die bunten Farbtupfer des Covers zu den Eindrücken von den einzelnen dargestellten personen passen und plötzlich ein Ganzes ergeben : eine junge Frau ( auf der Suche nach ihrer Identität).
Walja will mehr über die Vergangenheit ihrer Familie erfahren und begibt dazu auf Spurensuche. Dabei erfährt sie eine Menge über ihre Urgroßmutter, Großmutter und ihre Mutter und wir erfahren viel über vier vollkommen unterschiedliche Frauen aus vier Generationen und das Leben in Russland im 20. und 21. Jahrhundert, beginnend nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart.
Der Roman ist autobiografisch und entsprechend authentisch gelingt es der Autorin das Leben der Frauen zu schildern. Es sind ganz alltägliche Situationen, die hier in gut verständlichen Sätzen eindringlich dargestellt werden. Die Handlung wird durchgehend in der Gegenwart erzählt, wechselt aber zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her.
Interessant sind die Unterschiede zwischen Russland und Deutschland, die hier deutlich dargestellt werden.
Die Schicksale sind bewegend und interessant zu lesen, ich hätte mir lediglich etwas mehr Bezug zu der jeweiligen politischen Situation gewünscht.
Mit schöner, poetischer Sprache erzählt Valery Tescherplanowa eine Familiengeschichte über vier Generationen vor dem Kontext der geschichtlichen Veränderungen dieser Zeit. Manches stellt sich auf dem Kopf, aber Vieles an dem Kurort an der Wolga bleibt auch gleich.
Am Anfang des Buches fiel es mir sehr schwer hineinzufinden und am Ende wollte ich nicht das es endet. In dem kurzen Buch haben für mich auf beeindruckende Weise viele Themen stattgefunden und vor allem die Großmutter Nina konnte man durch die tolle Sprache sehr lebendig kennenlernen: „Nina hat das Glück nicht außerhalb ihres Körpers gesucht. Was ihre Hände konnten und taten, das war ihr Glück.“
Von den thematisch unterschiedlichen Kapitel ist mir vor allem spürbare Geschichte (von Ideen wie Religion über Kommunismus), die Veränderungen und Kontinuität über Genrationen, das Altern mit seinen Erkrankungen und der Tod im Kopf geblieben. Besonders die Beschreibung des Todes und Verfalles hat mich gegruselt und berührt.
Das farbenfrohe Cover, das sehr ansprechend ist, deutet auf Buntheit, Freiheit, Fröhlichkeit hin. Der Inhalt des Romans "Das Pferd im Brunnen" von Valery Tscheplanowa ist das Gegenteil davon. Die Eintönigkeit des Lebens und Gefangenheit in einem für uns fremden Staat, lässt mich beim Lesen etwas traurig zurück. Schaffen es doch die Protagonisten , vor allem die starken Frauen nicht sich daraus zu befreien. Nur in Gedanken flüchten sie in ihre eigenen Welten und träumen von......???? Trotzdem scheinen sie nicht unglücklich zu sein. In ihrer Bescheidenheit leben sie das für sie bestimmte Leben. Dabei sind Gefühle oft verdeckt vorhanden. Der Autorin Valery Tscheplanowa gelingt es in einer ihr eigenen Erzählweise, die Persönlichkeiten sehr genau in ihrer alltäglichen Umgebung zu beschreiben. Das "Springen" von einer Person zur nächsten, zeitlich vorwärts und zurück, ist manchmal beim Lesen etwas ungewohnt.
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Zum Inhalt: Als die Großmutter Nina stirbt, kehrt Walja in die Heimat zurück, um zu verstehen was ihre Wurzeln sind. Sie erinnert sie an die Frauen in ihrem Leben, wie die Urgroßmutter Tanja, natürlich auch an ihre Großmutter Nina. In ihren Erinnerungen wird ihr einiges klarer, auch welches hartes Schicksal Nina durchgemacht hat. Walja, die selbst zwischen den Weltern lebte, erkennt so langsam welchen Einfluss das alles auf sie hatte. Meine Meinung: Ich bin mir nicht so sicher, ob mich das Buch mitgenommen hätte, hätte ich es selbst gelesen, denn es ist keine leichte Lektüre. Aber ich hatte die Hörbuchversion, die den Charme hat, dass man einfach nur zuhören muss. In der Version hat mir das Buch gefallen. Die Autorin spricht das Buch selbst und das hat sie auch gut gemacht, denn ich fand das Buch gut gelesen. Das Cover hätte mich vermutlich nicht unbedingt angesprochen. Fazit: Gut als Hörbuch
schon das cover finde ich total schön, die leuchtenden farben gefallen mir sehr. die geschichte ist sehr interessant, eigentlich sind es mehrere geschichten über die verschiedenen frauen der generationen, die natürlich zusammen dann ein ganzes ergeben. dass das buch autobiographisch inspiriert ist macht es noch interessanter, die details über russland und die geschichte dort sind eine bereicherung und lassen die geschehnisse realistisch dargestellt erscheinen. die frauen sind sehr unterschiedlich und haben alle ihre eigenen schicksale und gehen verschieden an ihr leben heran, was die anderen dann dadurch beeinflusst. die frauen sind anschaulich beschrieben und man erkennt gut, was sie ausmacht und wie sie sind. die sprache ist schön, der schreibstil ist teilweise etwas gewöhnungsbedürftig und die sprünge zwischen den zeiten nicht immer ganz so einfach zu verfolgen. dennoch ein sehr gutes buch.
Ein einzigartiges Buch mit besonderer Struktur. Erzählt wird die Geschichte einer russischen Familie über mehrere Generationen, genauer die der Frauen. Dabei folgt die Geschichte keinem roten Faden, die Kapitel wechseln stets die Erzählperspektive und springen unchronologisch durch die Zeit. Somit entsteht langsam ein Flickenteppich aus Erinnerungen. Einen übergreifenden Plot gibt es nicht, es wird eher ein Gefühl transportiert. Meist ging dieses Gefühl bei mir Richtung Bedrückung, was ich aber sehr passend fand. Unterstrichen wird das Ganze von wirklich schöner Sprache. Aufgefallen sind mir auch die liebevollen und realitätsnahen Details zur russischen Kultur, die ich selbst aus meiner Kindheit kenne. Auch wenn ich die Sowjetzeit nie selbst miterlebt habe, fühle ich mich durch dieses Buch meiner upsprünglichen Heimat ein Stück näher. Abzug gibt es, weil die reine Atmosphäre für mich dann doch nicht gereicht hat und ich mir einen prägnanteren Plot gewünscht hätte. Alles in allem ein gelungenes Buch, aber auch kein Must-Read.
Unleuchtend Enorm gestrahlt hat das Buch bereits im Buchladen, als ich es das erste Mal erblickt habe. Mit seinen grellen bunten Farben ist mir das Buch sofort aufgefallen und hat meine Aufmerksamkeit erhascht. Bei näherem Hinsehen hat das Auffallen jedoch nicht nachgelassen: Auch der Titel "Das Pferd im Brunnen" ist doch eher ungewöhnlich und weckte zumindest mein Interesse an diesem neuen Buch von Valery Tscheplanowa. Was der Titel mit der Geschichte zu tun hat? Das muss jeder selbst herausfinden - offensichtlich ist diese Information zunächst nicht, und das ist auch das schöne. Hinter dem Titel versteckt sich eine Spurensuche einer Frau nach Kasan, wo sie einen Großteil ihrer Kindheit verbracht hat. Angepriesen wird das Buch als "leuchtende" Erzählweise, was ich so leider nicht ganz unterschreiben kann. Etwas lahm kam mir diese mal wieder eingesetzte Spurensuche vor, auch wenn einige intensive Momente geschaffen wurden.
Intensiv Das Pferd im Brunnen war mein allererster Roman von der Autorin Valery Tscheplanowa, weshalb ich mir sehr unsicher war, was mich erwarten würde, bevor ich mit dem Lesen begonnen habe. Vom Titel lässt sich jedenfalls auch nicht viel ableiten, das Cover immerhin ist in meinen Augen schön gestaltet. Im Buch findet sich die Reise der Hauptprotagonistin Walja - auf der Suche nach den Spuren ihrer Familie, Kindheit und damaligen Weggenossen. Während die Suche immer tiefer und tiefer geht, wird man als LeserIn auch immer weiter in das Schicksal der Protagonistin mitgenommen. Das wird zeitgleich auch immer intensiver - kommen doch immer mehr Details ans Licht, über die selbst Walja bislang noch nichts wusste. Dies ist zwar sehr eindrücklich geschildert, zieht sich allerdings recht lang. Das typische Spurensuche-herausfinden über die eigene Person findet sich hier wieder - wenn auch nicht sehr originell.
"Das Pferd im Brunnen" ist der Debütroman von Valery Tscheplanowa. Sie erzählt die Geschichte von vier Frauen verschiedener Generationen einer Familie zwischen Sowjetrussland und der norddeutschen Provinz. Man begegnet Tanja, der Urgroßmutter, Nina, die Großmutter, Lena und Walja. Die verschiedenen Generationen sind auf Deutschland und Russland verteilt.
In der Geschichte wird über Traumata geschrieben und wie sich Vernachlässigung in der Familie über Generationen auswirkt.
Das Buch überzeugt mit Tiefgang - sehr kurzweilig geschrieben. Der Stil der Autorin ist ungewöhnlich - tiefgründig, aber dennoch federleicht.
Das Thema des Buches hat mir sehr zugesagt. Es zeigt deutlich die Unterschiede der Generationen und wie unterschiedlich mit den Themen umgegangen wird - und dass die Personen alle unterschiedlich zueinander stehen.
S. 71: „Was ist das, ein wahrer Mensch?“, fragt sie. „Jemand, der sich nicht aufhalten lässt und der für die anderen lebt“, sagt der Junge.
S. 87: Ungeduldig ist sie oft, schnell und verletzend, aber erzählen wird sie nicht. Wo anfangen und wo aufhören und wozu erzählen von denen, die nicht zählen hier draußen?
S. 123: Als Krankenschwester kann sie die Zeichen lesen, die den Tod ankündigen. Das sicherste Zeichen des nahenden Endes ist aber das kurze Aufrichten der Mutter, der Blick direkt in Ninas Augen und ein Satz: „Nina, verzeih mir.“
Mit gerade mal 190 Seiten beweist Valery Tscheplanowa, dass ein starker Familienroman nicht unbedingt viele Seiten braucht (looking at you Thomas Mann). In ihrem autobiographisch inspirierten Debütroman »Das Pferd im Brunnen« porträtiert Tscheplanowa eine unglaublich beeindruckende Familiengeschichte in deren Mittelpunkt vier Frauenschicksale stehen.
Wir bewegen uns durch Russland im 20. und 21. Jahrhundert, vom Zweiten Weltkrieg, der Perestroika bis in die Gegenwart. Dabei lernen wir in verschiedenen Episoden vier Generationen kennen: Die Ich-Erzählerin Walja, ihre Mutter Lena, Großmutter Nina und Urgroßmutter Tanja. Zugegeben, ich habe am Anfang etwas gebraucht, um die Figuren trotz ständiger unchronologischer Zeitsprünge auseinander halten zu können. Doch dann konnte ich den Roman nicht mehr aus der Hand legen. Tscheplanowa hat mich mit ihrem bildgewaltigen und eindringlichen Schreibstil bis zum Ende gefesselt. Es ist die Geschichte von starken und unabhängigen Frauen. Frauen, die es nicht leicht hatten und zu Überlebenskünstlerinnen wurden. Frauen, die ihre Träume, Liebe und Sehnsüchte nicht zeigen durften. Frauen, die ihre Heimat verließen.
Dieser Roman braucht nicht viele Seiten, kein Tamtam. Er besticht mit leichter Melancholie und zarter Poesie. Valery Tscheplanowa hat ein wirklich großartiges Debüt hingelegt und ich hoffe, wir werden in Zukunft noch Einiges von ihr lesen dürfen!
Es ist eins dieser Bücher in den nicht viel passiert, die aber sehr schön geschrieben sind und tatsächlich bin ich ein großer Fan von diesen Büchern. Als Ostblockkind zusätzlich sehr interessant diese Geschichte ganz ohne Wertung zu hören, an die eigene Familie und Geschichte zu denken. Die letzten 40 Seiten aber muss ich sagen waren etwas langgezogen und ich habe mich nehr durchgequält. Kann empfehlen da ein paar Absätze zu überspringen. Alles in allem aber sehr gelungen!
Der Roman holpert und stolpert öfters in seiner Erzählung. An solchen Stellen stellte ich mir oft die Frage, wo ich jetzt eigentlich verortet bin? Mit den Charakteren hatte ich keine Schwierigkeiten, im Gegenteil, ich mochte wie distinkt und eigen sie waren. Ein interessantes und eindrückliches Buch mit einer klaren und schönen Sprache.
"Das Pferd im Brunnen" von Valery Tscheplanowa hat mich leider doch überhaupt nicht überzeugen können. Ich habe mir von der Leseprobe deutlich mehr erwartet. Am Anfang dachte ich mir, dass es aus zwei, maximal drei Seiten beschrieben wird, jedoch sind alle Kapitel eine eigene Geschichte, die sich dann schlussendlich doch am Ende als eine herausstellt. Also im Großen und Ganzen muss ich sagen, dass mir der Anfang und das Ende zugesagt haben, jedoch musste ich mich beim mittleren Teil wirklich dazu zwingen, das Buch auch zu beenden. Ich fand es ehrlich gesagt etwas anstrengend zu lesen, vor allem weil immer wieder neue Charaktere aufgetreten sind, ohne genau zu wissen, wer jetzt wer ist. Schlussendlich beginnt der Stammbaum bei Tanja und Jura, welche die Eltern von Nina sind und diese ist in weiterer Folge die Mutter von Lena und Mischa. Mehr konnte ich leider dem Buch nicht abgewinnen.