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Der Fluss und das Meer

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Meisterhaft und mit großer Dringlichkeit erzählt Natascha Wodin vom Fremdsein im eigenen Leben und schenkt ihren Figuren eine Heimat in der Literatur. 

«Hat sie Muscheln am Strand gesammelt, den schreienden Möwen nachgeschaut und im Sand gelegen?» In der Titelgeschichte von Natascha Wodins neuem Buch zieht die Erzählerin eine Spur von Mariupol am Asowschen Meer, an dem ihre Mutter aufwuchs, bis hin zur Regnitz in Franken, dem Fluss, in dem diese sich das Leben nahm. In einer anderen Geschichte beobachtet sie ihre Nachbarin, die in ihrem baufälligen Haus buchstäblich verfault, und andernorts, auf Sri Lanka, begegnet sie extremem sozialen Elend und einer bedrohlichen, alles verschlingenden Natur. Zurück in Deutschland, geht es um das Schicksal eines Unbekannten, der als psychisch kranker Patient entmündigt in einer Klinik im Fichtelgebirge lebt. Dorthin, «in die dunkelsten deutschen Wälder», schickt die Erzählerin ihm eine Nachricht, und es entwickelt sich eine Brieffreundschaft, dann eine Liebe, deren Anker die verbindende, rettende Kraft der Musik ist. 

Natascha Wodin führt uns auf die Nachtseite des Lebens, zu den Außenseitern, den Einsamen, den Verwundeten. «Ihr Schreiben ist ein Joint Venture aus gewaltigem Schmerz und ungeheurer Kraft, von Verletzung, Lebenswillen, Angst und Wut und Dazugehörigkeitsverlangen.» Arnold Stadler

«Natascha Wodins Bücher fragen, hinterfragen, suchen und entwickeln eine Erzählhaltung ganz eigener Art, deren Sog den Leser in den Glutkern politischer und menschlicher Abgründe führt.» Jury des Joseph-Breitbach-Preises 

190 pages, Kindle Edition

Published December 12, 2023

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102 people want to read

About the author

Natascha Wodin

19 books34 followers

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Community Reviews

5 stars
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1 star
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Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Paulina.
93 reviews14 followers
January 16, 2025
3,5⭐️.

Auch wenn diese autofiktionalen Erzählungen nicht an die grandios geschriebenen Bücher der Autorin wie z.B. „Sie kam aus Mariupol“ oder „Nastjas Tränen“ heranreichen, würde ich sie eigentlich gerne höher bewerten.
Allerdings hätte ich mir im Kapitel über die Sri-Lanka-Reise eine deutlichere Distanz zu ihren teilweise exotisierenden bis rassistischen Gedanken gewünscht. Diese sind vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte der Autorin zum damaligen Zeitpunkt und in der damaligen Zeit zwar „nachvollziehbar“, dennoch aber kritisch zu betrachten.
Auch ein paar Aussagen in der Psychiatrie-Geschichte stören mich. Die meisten Menschen dort können durchaus noch klar und rational denken. Hier wäre es wichtig gewesen, nicht allgemein von Psychiatrie zu sprechen, sondern zwischen geschlossener Psychiatrie und anderen Formen zu differenzieren bzw. den individuellen Fall klarer darzustellen.

Hervorzuheben ist jedoch die radikale Ehrlichkeit in allen Geschichten, mit der die Autorin sich hier sehr nackt zeigt – derart habe ich das noch nie erlebt bzw. gelesen.
Und schreiben kann Wodin allemal: Alle ihre bisher gelesenen Bücher habe ich regelrecht verschlungen, und auch dieses wird ganz sicher nicht mein letztes von ihr gewesen sein.
Profile Image for Lina.
127 reviews10 followers
January 2, 2024
Die Autorin veröffentlicht mit diesem Buch ehrliche Einblicke in ihr Inneres und ihre Geschichte, ihr Gefühl ein Fremdkörper zu sein, der jederzeit entdeckt und entfernt werden könnte und die ständige Angst davor. Der Schreibstil ist fortgeschritten, man merkt, dass es nicht ihr erstes Buch ist und die Ehrlichkeit mit der sie hier schreibt hat mich beeindruckt. Die ersten Geschichten fand ich sehr gut und bewegend, danach konnte ich mich nicht mehr so richtig einfühlen.
713 reviews13 followers
November 20, 2024
4,1 (Die ersten Erzählungen haben mir alle deutlich besser gefallen als die letzte)
Profile Image for Tom Hendrikx.
95 reviews
October 16, 2025
Dieses hervorragend geschriebene Buch ist das vierte von Natascha Wodin, das ich mit viel Vergnügen gelesen habe. Es umfasst fünf autobiografische Geschichten, die für sich genommen schon lesenswert sind. In Verbindung miteinander und mit der Kenntnis ihrer anderen Bücher entsteht jedoch eine sehr wertvolle Vertiefung. Absolut empfehlenswert!
Profile Image for lina.
175 reviews19 followers
January 6, 2026
"Ich kann nicht leben, also schreibe ich. Obwohl ich das Schreiben hasse, weil es der Ausdruck meines Nichtlebens ist, und obwohl ich weiß, dass es für das, was ich zu sagen habe, keine Worte gibt."

"Der Fluss und das Meer" ist eine Sammlung von fünf Erzählungen, die mal acht, mal 50 Seiten lang sind. Vier davon wurden bereits in anderer Weise veröffentlicht und wurden für dieses Buch von der Autorin überarbeitet. Beim Lesen kam bei mir die Vermutung auf, dass Natascha Wodin von ihren eigenen Erlebnissen erzählt, und tatsächlich habe ich nach der Lektüre herausgefunden, dass es ein autobiografisches Werk ist.

Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber der Inhalt des Buches ist dunkler und weniger modern als das Buchcover vermuten lässt. Letzteres liegt zum einen daran, dass die Erzählungen im 20. Jahrhundert spielen, zum anderen am Schreibstil, der mich teils, warum auch immer, an meine damalige Schullektüre erinnert hat. Das meine ich nicht unbedingt negativ, denn das Buch lässt sich gut lesen.

Allen fünf Erzählungen liegt eine unheilvolle Grundstimmung zugrunde. Auch das kann ich schwer beschreiben, aber ich hatte teils das Gefühl einer unheimlichen Vorahnung. Und ja, worum geht es denn jetzt eigentlich in diesem Buch?

Es geht um psychische Erkrankungen, es geht um innere Kämpfe und die Suche nach einer Verbindung. Mal beobachtet die Autorin regelmäßig eine verwahrloste Nachbarin vom Fenster aus, mal schreibt sie Briefe mit einem Patienten in einer geschlossenen Psychiatrie.

Da ich jetzt weiß, dass es ein autobiografisches Buch ist, empfinde ich es als sehr mutiges Werk, da die Autorin hier ehrlich und ungeschönt von Episoden aus ihrem Leben schreibt. In gewisser Weise ist es auch ein Zeitdokument, denn Natascha Wodin wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Kind sowjetischer Zwangsarbeiter*innen geboren, wuchs in einem Lager für Displaced Persons auf, verlor ihre Mutter an Suizid und litt unter der Gewalttätigkeit eines schweigsamen Vaters. So kommt sie in dem Buch auch zu der Erkenntnis, dass sie die Traumata ihrer Vorfahr*innen in sich trägt – und dass kaum über das Schicksal der sowjetischen Zwangsarbeiter*innen gesprochen wird.

An manchen Stellen haben sich die Erzählungen etwas gezogen, an anderen haben sie mich etwas verstört. Insgesamt finde ich es ein interessantes und wichtiges Buch und würde es Leser*innen empfehlen, die sich für die Autorin und/oder die angesprochenen Themen interessieren.

3 ⭐
Profile Image for Ancla Müller.
844 reviews5 followers
January 1, 2024
Fremdsein im eigenen Leben, ein Unikat!

**** Worum geht es? ****
Eine Reise durch die Zeit, eine Reise durch das innere Fremdsein und eine Reise entlang außerordentlicher Orte und außerordentlicher Bekanntschaften. Eine Erzählerin, ein Leben, ein Ende: von Mariupol, über die Liebe zur Musik, dem Hunger in Sri Lanka, der Inneren Leere und Verdorbenheit bis zur Regnitz in Franken begleitet der Leser die Entwicklung dieses Fremdseins in einem selbst und die daraus resultierende Verzweiflung.

**** Mein Eindruck ****
Sachlich und verzweifelnd berichtet die Autorin in 5 Kurzgeschichten von den Schattenseiten des Lebens und hat mich mit der Erzählerin auf ganz eigene Weise mitfühlen lassen. Trotz Dramatik empfand ich kein Mitleid, sondern echtes Interesse an den Sichtweisen und Gefühlen, die mir selbst so fremd, doch auch teils so nah sind. Das sich innere Fremdsein bekommt hier eine Vielzahl an Schichten und eine besondere Stimme, dabei rede ich nicht von der Hörbuchsprecherin, die ebenfalls vom Stil und Klang sehr gut zum Inhalt passte. Unterschiedlich intensiv erlebte ich die 5 Geschichten, langweilig wurde es nie, auch wenn hier kein Spannungsbogen oder ähnliches aufgebaut wird. Das Erzählen des Erlebten, sowie die inneren Gefühle der Erzählerin, sowie ihr Handeln darauf stehen im Zentrum und bedürfen keiner Dramaturgie. Der Schreibstil und der Aufbau der einzelnen Geschichten ist in sich stringent und anspruchsvoll, der Situation angemessen, formuliert. Hier kann man viel über sein Inneres und die Zwischenmenschlichkeit lernen, die Erzählerin setzt hier ganz eigene Normen.

**** Empfehlung? ****
Eine Erzählung ganz besonderer Art, die aufgrund des Stils eher für die anspruchsvolle Leserschaft, Menschen mit ähnlichen Empfindungen oder Interessierten geeignet ist.
Profile Image for Dan.
240 reviews3 followers
May 23, 2024
Natascha Wodin, Tochter sowjetischer Zwangsarbeiter, trägt das Trauma ihrer Eltern weiter und teilt es in ihren oft traurigen und aufrüttelnden autofiktionalen Kurzgeschichten.
Besonders gefallen mir die Abschnitte über Mariupol und ihre Reise als Studentin nach Sri Lanka. Hingegen empfand ich die Geschichte über Depression und ihren Therapeuten als etwas langatmig.
Ich hoffe für mich, dass dies mein Einstieg in das Gesamtwerk der vielfach ausgezeichneten Schriftstellerin sein wird.
Profile Image for Laura Eckl.
32 reviews2 followers
January 2, 2024
Die Kurzgeschichten haben mich sprachlich und inhaltlich sofort in ihren Bann gezogen. Wodin schreibt so unmittelbar und manchmal brutal ehrlich über ihre Gefühle und Beobachtungen. "Nachbarinnen" beschäftigt mich immer noch - eine ganz andere Perspektive auf ein süddeutsches Dorf der Nachkriegszeit.
Profile Image for Vivi.
120 reviews2 followers
December 28, 2023
3,25☆
This is a good 3 stars, not a bad one!
25 reviews1 follower
November 17, 2024
Ich mag Wodins Art zu Scheiben, war aber ziemlich irritiert über eine der Geschichten im Buch weil ich finde, dass sie stark mit rassistischen Projektionen aufgeladen ist..
Displaying 1 - 10 of 10 reviews

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