„Unsere Milch ist weißes Gold – machen wir das Beste daraus!“
Friesische Wehde 1890: Die Bauerntochter Lina hat ihren Mann Thees nicht aus Liebe geheiratet, aber er ist der Richtige, um den Milchhof der Familie zu übernehmen und zusammen mit Linas Vater eine Privatmolkerei zu gründen. Als Obermeier stellen sie Derk Voigt ein, der zuvor in Dresden in der berühmten Pfunds-Molkerei tätig war. Er verliebt sich auf Anhieb in Lina – und sie sich in ihn. Als verheiratete Frau ist Lina für ihn jedoch unerreichbar, und Lina würde es nie wagen, die Ehe zu brechen. Dafür kommen sich die beiden auf andere Weise näher, denn Lina entwickelt ein großes Interesse an der Molkerei und am technischen Fortschritt, worüber sie sich oft mit Derk austauscht. Sie arbeiten hart, und die Molkerei floriert. Doch dann erkrankt Thees schwer, und Lina steht als Frau allein vor der Aufgabe, den Betrieb zu führen. Mit Derk an ihrer Seite schafft sie es dennoch, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, müssen die Männer an die Front. Lina und ihre Tochter Alea bleiben allein zurück. Beide wissen, dass ihnen schwere Zeiten bevorstehen. Doch ob sie es gemeinsam schaffen können, die Molkerei zu erhalten, ist ungewiss...
Regine Kölpin, geb. 1964 in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen), lebt seit ihrer Kindheit in Friesland an der Nordsee. Sie hat für namhafte Verlage zahlreiche Romane und Kurztexte publiziert und ist auch als Herausgeberin tätig. Regine Kölpin wurde mehrfach ausgezeichnet, z. B. mit dem Bronzenen Homer 2020. Mit ihrem Mann Frank Kölpin lebt sie in einem kleinen idyllischen Dorf an der Küste. Dort konzipieren sie gemeinsam Musik- und Bühnenprojekte und genießen ihr Großfamiliendasein mit fünf erwachsenen Kindern und mehreren Enkelkindern oder lassen sich auf ihren Reisen mit dem Wohnmobil zu Neuem inspirieren.
Lina hat schon immer ihren eigenen Kopf gehabt, das Macht ihrem Vater Sorgen. Doch die Heirat mit Thees soll die Eigenmächtigkeiten beenden. Doch auch Thees kann Lina nicht einfangen, ist doch die Molkerei ihr Lebenstraum. Entsprechend schlecht läuft die Ehe, Thees passt es gar nicht, dass seine Frau sich so einbringt. Doch Derk, der Obermeier liegt auf einer Wellenlinie mit Lina und auch wenn ihre Liebe nicht ausgelebt werden kann, so können die beiden doch wenigstens gemeinsam arbeiten.
Das Buch liefert einen tollen Einblick in das Geschäft der Molkereien am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch hier zieht die Industrialisierung ein, die Molkerei betreibt zwei Dampfmaschinen und mit dem erzeugten Strom die neuen Geräte zu versorgen. Damals zogen viele Neuerungen ein, die Möglichkeit der Kühlung und der maschinellen Flaschenabfüllung kamen auf und durch die gute Eisenbahnanbindung konnten auch weiter entfernte Kunden beliefert werden.
Die persönliche Geschichte von Lina, Thees und Derk ist sehr schwierig. Thees ist wirklich unerträglich dargestellt, da lässt sich kaum etwas gutes finden. Er versucht auch immer wieder Lina und der Molkerei zu schaden, ist aber selber nicht in der Lage vernünftig zu wirtschaften. Mir war die dauernde Bedrohung manchmal fast zu viel, Lina wird ja nicht nur von ihm Hass entgegengebracht. Man hat dauernd das Gefühl, dass etwas schreckliches passieren wird.
Trotzdem fand ich das Buch spannend und gut zu lesen. Ich hatte die Gegend am Deich immer vor Augen und auch die Szenen, die in Dresden spielen fand ich gelungen. Die Charaktere sind gut beschrieben und nicht zu schwarz oder weiß, sie machen alle ihre Fehler und selbst bei Thees versteht man, warum er so ist, wie er ist.
Alles in allem war es ein schönes Buch und ich freue mich darauf auch die weiteren Bände der Reihe zu lesen.
Der Milchhof, historischer Roman (Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs), erster Teil einer Trilogie, die Geschichte ist nicht in sich abgeschlossen, sondern endet mit einem deutlichen Cliffhanger.
Eine starke Frau, die zu einer Zeit, zu der Frauen kein Geschäft führen durften, den elterlichen Hof und dessen Umwandlung in eine Molkerei nur dank einer geeigneten Heirat behalten kann. Im Hintergrund führt sie die Geschäfte, die Ehe stellt sich als großer Fehler heraus und die unerfüllte wechselseitige Liebe zum Leiter der Molkerei macht das Leben nicht einfacher.
Gefühlvoller Roman, viele Hintergründe zur Zeit und zum Thema Milchwirtschaft, Rechtlosigkeit der Arbeiter usw., unterhaltsam, doch leider nicht ohne die Folgebände wirklich lesbar.
Mir haben vor allem die Frauen gefallen, bei den Männern gab es keinen, der so wirklich ansprechend war, selbst die Besten haben deutliche Schwachpunkte.
„Friesische Wehde 1890: Die Bauerntochter Lina hat ihren Mann Thees nicht aus Liebe geheiratet, aber er ist der Richtige, um den Milchhof der Familie zu übernehmen und zusammen mit Linas Vater eine Privatmolkerei zu gründen. Als Obermeier stellen sie Derk Voigt ein, der zuvor in Dresden in der berühmten Pfunds-Molkerei tätig war. Er verliebt sich auf Anhieb in Lina – und sie sich in ihn. Als verheiratete Frau ist Lina für ihn jedoch unerreichbar, und Lina würde es nie wagen, die Ehe zu brechen. Dafür kommen sich die beiden auf andere Weise näher, denn Lina entwickelt ein großes Interesse an der Molkerei und am technischen Fortschritt, worüber sie sich oft mit Derk austauscht. Sie arbeiten hart, und die Molkerei floriert. Doch dann erkrankt Thees schwer, und Lina steht als Frau allein vor der Aufgabe, den Betrieb zu führen. Mit Derk an ihrer Seite schafft sie es dennoch, sich gegen alle Widerstände durchzusetzen. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, müssen die Männer an die Front. Lina und ihre Tochter Alea bleiben allein zurück. Beide wissen, dass ihnen schwere Zeiten bevorstehen. Doch ob sie es gemeinsam schaffen können, die Molkerei zu erhalten, ist ungewiss.“
Autorin Regine Kölpin entführt uns wieder nach Friesland. Dieses Mal dürfen wir Lina kennenlernen. Das zu Ehemann Thees keine Liebe besteht sondern alles nur eine Pflichtveranstaltung ist, merkt der Leser recht schnell. Dennoch ist es aber nunmal nicht anders möglich den familieneigenen Betrieb zu führen. Da braucht es eben eine männliche Hand. Die beiden haben ihr Auskommen miteinander, zumindest aus beruflicher Sicht harmonieren sie. Aber die Ankunft von Derk verändert Lina komplett und wir Leser können es nachvollziehen und gönnen es Lina von Herzen.
Als aufmerksamer Leser weiß man was einen hier ein wenig erwartet, so hat Kölpin doch irgendwie immer den gleichen Lauf die Geschichte zu erzählen. Kurzgesagt: ja, hier und da ist es vorhersehbar aber dennoch nimmt Kölpin einen ein und man folgt den Figuren sehr gern. Diese sind recht lebendig gezeichnet und Gefühle und Emotionen dürfen walten. Die Zeit spielt auch dieses Mal bei Kölpin wieder eine wichtige Rolle. Als der Erste Weltkrieg ausbricht ändert sich alles und so auch für Lina und ihre Tochter. Es ist ein Auf und Ab und der Leser weiß auch hier was geschehen wird und man möchte den Figuren gerne etwas von diesem Wissen abgeben. Die Story läuft aber wie sie läuft und endet so, das man den nächsten Teil selbstredend gern weiterlesen muss. Die Neugier ist da einfach stärker wie es weiter geht.
Fest steht: die Geschichte rund um den Molkerei-Betrieb hat viel Flair welches sehr gut einfangen wurde. Die Zeiten damals waren in diesem Geschäft sehr hart und das merkt man in jeder Zeile. Dennoch ahnt man eben hier und da den Verlauf der Geschichte voraus und ich gebe es ehrlich zu, wenn man die Romane der Autorin kennt, kennt man nicht nur ihren Stil sondern auch was wohl geschehen wird. Ist es dadurch Einheitsbrei? Nein, keineswegs aber der Wiedererkennungswert ist nunmal sehr groß. Dennoch hat die Story ihren Reiz und eben das ganz eigene Kölpin-Flair! 3,5 gute bis sehr gute Sterne hierfür!
Dies ist der Auftakt der Milchhof-Saga und wir lernen im Jahr 1890 die liebe Lina kennen, die eine Zwangsehe eingehen muss, um ihren geliebten Milchhof zu behalten. Lina soll nach der Heirat jedoch nicht mehr am Hof arbeiten, doch sie denkt gar nicht sich daran zu halten und findet einen Weg auch weiter dabei zu sein. Ihr Herz hängt sehr am Hof und sie würde alles tun, damit dieser bestehen bleibt. Die Geschichte an der Nordsee verzaubert den Leser rasch und man möchte nicht mehr aufhören zu lesen. Es gibt einige Zeitsprünge, die aber eine angenehme Länge haben.
Die Entstehung des Milchhofs und alle damit verbundenen Arbeiten, waren für mich ein sehr interessanter Einblick. Die Herstellung des Käses war auch sehr gut geschildert. Man spürte sofort die Leidenschaft, die Lina mit dieser Arbeit verbunden hat und wie sehr ihr Herz an ihrem Hof hängt. Doch leider durfte in der Zeit eine junge Frau keinen Hof führen und so war sie auf ihren Ehemann angewiesen. Was für ein Glück, dass es da noch Derk, den Obermeister der Molkerei gab, der sein Handwerk versteht und sehr gut auf den Hof passt.
Die Autorin hat hier wirklich exzellent recherchiert und die Protagonisten waren sehr gut ausgearbeitet. Jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen und man lernt rasch alle gut kennen. Vor allem Lina ist eine sehr starke Frau, die versucht ihren Weg zu gehen, auch wenn ihr doch sehr viele Steine in den Weg gelegt werden und sie sehr oft wieder neu beginnen wird. Ihre Stärke und ihr Willen sind wirklich bewundernswert.
Nicht nur einmal blieb mit der Mund beim Lesen weit offenstehen. Was für eine schwere und sehr harte Zeit war das früher. Die Geschichte berührt, fasziniert und ist zugleich auch sehr spannend. Für mich war es ein toller Start der neuen Reihe der Autorin. Ich bin schon sehr auf die Fortsetzung gespannt.
In diesem ersten Band der Familien-Saga um die familieneigene Landmolkerei an der Nordseeküste begleitet der Leser die junge Lina in den Jahren 1890 bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914. Es ist keine Liebesheirat, als Lina Thees Bleeker ehelicht, sondern es geschieht auf Wunsch des Vaters, damit eine Privatmolkerei gegründet werden kann. Als der junge Derk Voigt als Obermeier eingestellt wird, ist es für beide Liebe auf den ersten Blick. Beide wissen jedoch, dass diese Liebe niemals gelebt werden kann. Es folgen für Lina harte Jahre, in denen sie Schicksalsschläge hinnehmen und immer wieder um den Erhalt der Molkerei kämpfen muss. Durch Derk, der ihr beruflich zur Seite steht, kann sie den Milchhof modernisieren und allen Widerständen trotzen. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und alle Männer müssen an die Front. Dieser Roman hat mich bereits ab der ersten Seite in seinen Bann gezogen. Die Handlung ist fesselnd und unvorhersehbare Wendungen halten den Spannungspegel konstant auf einem hohen Level. Die Protagonisten sind ausdrucksstark und bildhaft beschrieben. Die Autorin führt mit einem feinfühligen und leichten Schreibstil durch dieses sehr gut recherchierte Buch. Mein Fazit: Ein wundervoller Auftakt der Reihe, deren Fortsetzung ich schon jetzt entgegenfiebere. 4 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
"Der Milchhof" erzählt die Geschichte um Lina Bleeker und spielt zeitlich am Übergang zwischen 19. / 20. Jahrhundert in Norddeutschland. Die Geschichte ist und die historischen Gegebenheiten sind gut recherchiert und die Erzählweise ist flüssig und nachvollziehbar. Es gibt keine unnötigen Längen oder Passagen, welche den Erzählfluss der Geschichte stören. Einzig die Gestaltung der Charaktere ist mir zu einseitig. Es gibt gut / böse, keine Zwischennuancen. Auch fehlt es, außer der Hauptperson, an Charaktertiefe, was beim Lesen dann stört, weil man keine Überraschungen und Twist mehr erwarten kann. Für ein kurzweiliges Lesevergnügen eignet es sich aber auf jeden Fall, besonders durch die gute Recherche lernt man auch einiges über Landwirtschaft und Milchwirtschaft zu dieser Zeit.