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Risse

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Das Mädchen ist zurück: In zehn Geschichten entfaltet Angelika Klüssendorf ein Kinderleben in der DDR in den 60ern und 70ern, geprägt von Ungeborgenheit und Sehnsucht. Nach dem Tod der geliebten Großmutter muss das Mädchen Übergriffen und Teilnahmslosigkeit begegnen. Es ringt darum, seine Eltern auszuhalten und zu verstehen und die Schwester zu beschützen. Lichtblicke liefern Bücher, das Lesen bietet selbst im Kinderheim noch einen Ausweg.

Die Kaschnitz-Preisträgerin erzählt die Vorgeschichten zum Erfolgsroman »Das Mädchen« neu, die vor zwanzig Jahren erschienen und nicht mehr lieferbar sind. Und sie überprüft schonungslos, was nicht erzählt wurde und warum. Ist Wahrhaftigkeit im Erzählen von sich möglich?

Autofiktion, radikal und bewegend!

171 pages, Kindle Edition

Published August 31, 2023

3 people are currently reading
123 people want to read

About the author

Angelika Klüssendorf

15 books10 followers
Angelika Klüssendorf, geboren 1958 in Ahrensburg, lebte von 1961 bis zu ihrer Übersiedlung 1985 in Leipzig; heute wohnt sie auf dem Land in Mecklenburg. Sie veröffentlichte mehrere Erzählbände und Romane und die von Kritik und Lesepublikum begeistert aufgenommene Romantrilogie „Das Mädchen“, „April“ und „Jahre später“, deren Einzeltitel alle für den Deutschen Buchpreis nominiert waren und zweimal auch auf der Shortlist standen. Zuletzt wurde sie mit dem Marie Luise Kaschnitz-Preis (2019) ausgezeichnet. Die französische Übersetzung ihres Romans „Vierunddreißigster September“ stand auf der Longlist des Prix Femina 2022.

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Displaying 1 - 20 of 20 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book4,992 followers
September 4, 2023
Longlisted for the German Book Prize 2023
All three parts of the series that came before this one were also nominated for the German Book Prize, but Klüssendorf has never won - and I'd be rather surprised if she broke the spell with this entry. "Risse" ("Cracks") is a re-telling of the story collection Aus allen Himmeln., so it also contains ten stories which are ultimately autofictional re-tellings of the author's childhood in the GDR, but with added interjunctions in cursive that comment on the events depicted. This meta-commentary both considers Klüssendorf's autofictional works that came before (particularly Das Mädchen, "The Girl") plus that the time that has passed changed perspectives and attitudes. These cursive passages declare to be commentary by the author on the work, but as they are part of the art work and not paratext, this must remain an illusion as well.

So the Book Prize sticks to its tendency to celebrate autofiction, and while the commentary aspect shows parallels to Dröscher's Lügen über meine Mutter ("Lies About My Mother") from last year's longlist, Klüssendorf refrains from employing these parts to explain her own intention. Rather, she points out how an author might use reality to produce fiction, and how a person constantly re-evaluates their life, because new experiences continue to shape and alter our judgement.

And the story itself is certainly worthwhile telling: The mother fell for a good-looking temp waiter and had his child (Klüssendorf herself, a.k.a. "the girl") at 17, they got married and hated each other, drinking, fighting, abusing the children, getting a divorce, at some pint Klüssendorf was taken away by child protection. These are dire stories about violence, poverty, and disillusionment, but, classically, the protagonist is saved by literature, and still fighting her demons by writing - as with this book, claims the narrative voice.

I don't want to diminish this fight for control over one's own narrative, the pondering of writing strategies, and the workings of time and consciousness - but is it really that innovative? Louis did something rather similar with Changer: méthode, and the result is spectacular, because he includes himself in the story, he re-examines the sources of his perceptions and standpoints, and it's radical and exciting and also very political. Klüssendorf keeps a distance to her protagonist and the narrative voice, and the detached language, very typical for this writer, does heighten the effect of someone writing a literary reportage and commenting on it.

But to be fair, I never really got the aesthetic appeal of what Klüssendorf does, only on the theoretical level. And this is one more of her books which tells an important story and gives it a clever narrative framework, but alas, it does not really take off: I want literature that packs a few punches, that rages and cries and laughs and escalates and just goes forward. And for me, that's not it.
Profile Image for Uralte  Morla.
368 reviews121 followers
September 19, 2023
Die Mutter ist überfordert und schikaniert ihre beiden Töchter, der Vater trinkt und stiehlt - beide Elternteile bieten statt Stabilität und Geborgenheit nur Gewalt und Unzuverlässigkeit.
Schon in Angelikas Klüssendorfs "Das Mädchen" (2011) erfahren wir Teile dieser furchtbaren Kindheit, das weitere Leben der Protagonistin beschreibt Klüssendorf in ihren Romanen "April" (2014) und "Jahre später" (2018).
Bereits 2004 veröffentlichte Klüssendorf den Erzählband "Aus allen Himmeln", der in zehn Geschichten von einer Kindheit in den 60er/70er Jahren der DDR erzählt. Diese Geschichten sind jetzt unter dem Titel "Risse" neu erschienen. Neu sind - wenn ich das richtig verstanden habe - die Kommentartexte der Autorin am Ende der meisten dieser Erzählungen, mit denen sie die autofiktionalen Texte einordnet, nicht Erzähltes oder gar "Unwahrheiten" aufdeckt und die Texte somit noch näher an ihre eigene Biografie rückt.
Etwa wenn es um ein Verbrechen ihres Vaters geht, um seinen Tod und den Tod der Mutter, um die Schwester oder auch um die Zeit des Mädchens im Kinderheim.
Ich kenne den ursprünglichen Erzählband nicht, habe aber Klüssendorfs April-Trilogie sehr gemocht und bewundere auch hier wieder ihre Kunst, Schreckliches ganz federleicht bis nüchtern zu beschreiben.
Denn schrecklich sind die Geschichten, für mich stellenweise nur schwer erträglich. Vieles kam mir sehr bekannt vor, vielleicht stand es schon in den, auf den Erzählungen aufbauenden Romanen, vielleicht in anderen Büchern, manchmal überlappt sich Gelesenes im Gehirn auch.
Ich brauchte etwas, um in dieses Buch reinzukommen, insgesamt hat es mir aber gut gefallen. Nachhallen wird es garantiert, aus der Schwere des Erzählten werde ich mich nur langsam herausarbeiten.
Eine Leseempfehlung mit Contentwarnung auf eigentlich allen Ebenen.
Profile Image for Wandaviolett.
469 reviews67 followers
October 13, 2023
Misshandelt und gedemütigt
Kurzmeinung: Diesen Roman habe ich mehr gehasst als geliebt.
Von den Kindheitsbewältigungen in den diesjährigen Romanen, die für den Deutschen Buchpreis 2023 nominiert sind, ist „Risse“ das brutalste Buch. Dennoch meine ich, dass eine unglückliche Kindheit zum Therapeuten gehört und nicht auf mein Lesepult. Jedenfalls dann nicht, wenn es kontextlich nicht eingebettet ist in nachträgliche Reflexionen, Systemkritik whatsover.

Zum Inhalt: Die Protagonistin wird in der DDR in den 70er Jahren von einer alkoholkranken Mutter aufs Gröbste mishandelt und gedemütigt; der gleichgültige Vater, der eine Kneipe besitzt, und ebenfalls Alkholiker sein dürfte, ist kaum besser. Als das Kind wegläuft, bringt man es zurück zu den Eltern. Bei erneuten Ausbruchsversuchen, glaubt man ihm nicht, schließlich landet es im Heim, wo die Lebensbedingungen schlimm sind. Zeitsprung. Das Mädchen ist Polizistin. Ende.

Der Kommentar:
Sicherlich ist „Risse“ ein erschütternder Bericht über eine gestohlene Kindheit. Homo homini lupus. Den Bruch am Ende verstehe ich jedoch nicht. Wie sind wir so plötzlich von A nach B gekommen? Von gerade eben noch misshandelter und hilfloser Kreatur, ein Spielball der Mächte Eltern, Heim, Erzieher, Staat zu einem Ausbildungsberuf und angesehenem Berufsbild?

Was bringt es, wenn ich darüber jetzt lesen muss, weil ich mich für die Nominierten des Deutschen Buchpreises interessiere? Mein Mitgefühl ist Angelika Klüssendorf sicher, doch hätte es mich viel mehr interessiert, wie sie ihre Kindheit bewältigt hat und eine angesehene Schriftstellerin wurde. Nicht dass ich auch nur eine einzige Zeile von ihr vorher gekannt hätte. Sind wir es ihr schuldig, dass wir ihren Roman mögen? Ich mag ihn nicht.

Fazit: Sorry. Trotzdem. Not my cup of tea.

Kategorie: Teilbiografie. Autofiktional.
Auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2023
Verlag: Piper, 2023
Profile Image for Anika.
967 reviews322 followers
October 17, 2023
Die autofiktionale Geschichte des Mädchens (bekannt auf vorherigen Romane der Autorin), die unter einem eher desinteressierten Vater und einer gewalttätigen Mutter leidet, es nicht schafft, auszubrechen und in einem Heim landet, ist brutal, keine Frage. Aber die Art, wie es erzählt ist, ist nicht wirklich meins.

Mehr zum Buch in unseren ausführlichen Besprechungen @ Papierstau Podcast: Folge 274: Buchpreis 2023 Longlist #2
Profile Image for Andi.
275 reviews
October 11, 2023
Absolut heftig, teilweise hatte ich Gänsehaut und mir war schlecht, aber es ist definitiv sehr lesenswert.
Profile Image for Sarah.
637 reviews10 followers
December 18, 2024
Nicht schlecht erzählt, aber ich weiß nicht ganz, was das Buch von mir will. Vor allem die letzte Geschichte.
Profile Image for Fabula Books.
16 reviews6 followers
November 2, 2023
„Risse“ von Angelika Klüssendorf ist einer der Romane, den ich im Rahmen des #deutscherbuchpreis gelesen habe, da mich der Inhalt und die Leseprobe sehr ansprechen konnten.

In dieser autofiktionale Erzählung begleiten wir ein Mädchen, das nach dem Tod der Großmutter mit Gewalt, Alkoholkonsum und Gleichgültigkeit der Eltern konfrontiert wird. In zehn einzelnen Episoden, die jeweils am Ende mit einem Kommentar der Autorin ergänzt werden, berichtet das Mädchen in einer schonungslosen Erzählweise von ihrem Leid und dem Schmerz, den sie und ihre Schwester im Elternhaus erfahren haben.

Für mich war „Risse“ sehr brutal zu lesen. Angelika Klüssendorf schreibt sehr nüchtern und sachlich, dennoch löst der Text viele (negative) Emotionen aus. Die Beschreibung der psychische Gewalt durch die Mutter und der allgegenwärtige Schmerz ist kaum auszuhalten.
Die Erzählung in der dritten Person und die Kürze des Textes sind ein kleiner Kritikpunkt, sodass ich es ingesamt nur bedingt empfehlen würde.
Profile Image for Sabine.
64 reviews3 followers
March 8, 2024
2,5. Die Autorin hat zweifellos eine, gelinde gesagt, sehr unschöne, von Gewalt und Alkoholismus der Eltern geprägte Kindheit gehabt. Aber das allein macht noch keine gute Literatur. Das Buch ist kein Roman, sondern eine Sammlung von Erzählungen, in denen es gelegentlich Unstimmigkeiten gibt, die letzte Erzählung ist mir thematisch unverständlich. Sprachlich wenig mehr als Durchschnitt - schade, ich hatte mir mehr erwartet.
Profile Image for Marie On.
Author 1 book2 followers
November 1, 2023
Die namenlose Ich-Erzählerin hat einen Vater, den schönen Egon, der ist 27 Jahre alt, Gelegenheitsarbeiter und malt Ölbilder vom Meer. Die Mutter ist schwer alkoholabhängig und 17 Jahre alt, als sie das Mädchen bekommt. Indem Elternhaus des Mädchens herrscht die Gewalt vor. Der schöne Egon versäuft das Geld, das die Mutter beim Kellnern erwirtschaftet. Sie bunkert es im Küchenschrank, doch er findet es und haut ab, macht Urlaub auf Usedom und hält Frauen aus, bis das Geld aus ist.

Die ersten Lebensjahre des Mädchens verbringen die Eltern im Gefängnis, weil sie sich angeblich der Spionage schuldig gemacht hatten. Irgendjemand vom Staatssicherheitsdienst im Osten Deutschlands hat sie angeschwärzt.

Der Vater heiratet wieder und macht sich auf Usedom mit einem Tanzlokal selbständig. Er erhält das Sorgerecht für das Mädchen. Ihre neuen Eltern sind mit sich selbst beschäftigt, das Mädchen bleibt sich die meiste Zeit selbst überlassen und baut keine Beziehung zum schönen Egon auf. Sie findet eine Freundin, die 14 ist, drei Jahre älter als sie selbst, mit der will der Vater allein sein, deshalb wartet das Mädchen draußen.

Fazit: Ich will über die Geschichte gar nicht mehr verraten. Eines ist sicher, sie zu lesen tut weh. Was die Protagonistin mit ansehen muss, wie abartig die Erwachsenen sich um sie herum benehmen, ist für mich, als Außenstehende schwer zu ertragen. Es geht um Co-Abhängigkeit, Narzissmus, Gewalt, Vernachlässigung und emotionalen Missbrauch. Wieder lese ich eine Geschichte, die vom Osten Deutschlands handelt und wieder stolpere ich über diese emotionale Kälte, die pathologisch ist. Erwachsene schaden minderjährigen Schutzbefohlenen (ihren eigenen Kindern) und es macht ihnen nicht das geringste aus, sie haben keinerlei Unrechtsbewusstsein.

Zum Ende der Geschichte kann ich nicht mehr so recht folgen. Die Autorin lässt ihre Protagonistin etwas erzählen, das erfunden ist, ich verstehe nicht warum und bin raus. Mir wird dennoch klar, warum Risse auf die Longlist des deutschen Buchpreises kam. Die Geschichte hat es absolut verdient, sie sollte gelesen werden.
Profile Image for Dunja Brala.
598 reviews42 followers
September 9, 2023
Völlig unvorbereitet stürze ich mich in dieses Buch, welches auf der #longlist zum deutschen Buchpreis gelandet ist. Ich habe weder „Das Mädchen“ noch die anderen autofiktionalen Erzählungen von Angelika Klüssendorf gelesen, deshalb fehlt mir jegliche Möglichkeit, das in einen Kontext zu setzen. Aber dieses Buch spielt vor den anderen. Das hat es mir leicht gemacht.

Wir begegnen hier einem Mädchen ohne Namen, das in einer unwürdigen Umgebung aufwächst. Das Setting ist die Gegend um Leipzig in den 60er und 70er Jahren. Die junge Mutter lebt ihren Frust und die Überforderung durch das Leben in Form von sadistischen Erziehungsmethoden aus und lässt die Kinder oft Tage lang allein. Der Vater sucht Erfüllung im Alkohol und ist meist abwesend oder mit Suizidversuchen beschäftigt, dabei ist er keine tragische Gestalt, sondern ebenfalls verschlagen und kriminell.
Das Mädchen versucht sich in dieser Umgebung einzurichten und muss mit Verwahrlosung, Einsamkeit und Hunger klarkommen. Die kleine Schwester muss beschützt werden doch sie ist dieser Aufgabe nicht gewachsen. In 10 Erzählungen begleiten wir das Mädchen in ihrem Elend und bekommen Einblick in ihre Trostwelt. sie fängt an, sich ihrer familiären Struktur anzupassen, lügt, stiehlt und ergibt sich einer Lethargie die schmerzt.
Erst im Jugendheim findet sie Struktur und Aufmerksamkeit. Und Bücher, die sie zu retten scheinen.
Am Ende eines jeden Kapitels versucht Klüssendorf den Text in ihre eigene Biografie zu transferieren. So erfahren wir, was möglicherweise wirklich so war und was Fiktion. Das fand ich bereichernd! Viele der Ereignisse wirken absolut grausam und surreal. Die Frage nach dem „Könnte es wirklich so gewesen sein?“ wird also am Ende beantwortet.
Ich finde es mehr als erstaunlich welchen Weg Angelika Klüssendorf gehen musste und wie sie es geschafft hat, nicht auseinander zu fallen und letztendlich darauf aufbauend literarische Anerkennung zu bekommen

Ein harter Text, der mich oft mit einem Kloß im Hals zurückgelassen hat
Profile Image for Kathrin .
183 reviews33 followers
September 18, 2023
Da ich die Trilogie von der Autorin, welche mit „Das Mädchen“ beginnt, nicht gelesen habe, ist dies mein erstes Werk von ihr. Hier schreibt sie episodenhaft die Vorgeschichte.

Jede dieser scheinbar harmlos betitelten Episoden ist durchtränkt von unfassbarer physischer und emotionaler Gewalt gegenüber den beiden Kindern. Das Leben der Eltern der Geschwister ist von Alkohol geprägt und sie sind desillusioniert von ihrem eigenen Leben. Leider geben sie diese Enttäuschungen ungehemmt und ungefiltert an ihre beiden Mädchen weiter. Die einzige Zuflucht für das ältere Mädchen ist die Erinnerung an ihre liebevolle Großmutter, die ihr immer wieder Hoffnung und Mut schenkt, um sich und ihre kleine Schwester vor dieser willkürlichen Gewalt der Eltern zu schützen. Auch das ständige Eintauchen in die "Welt der Bücher" wird zu einem wichtigen Rettungsanker für sie. Die erste Episode trägt den Titel "Die Großmutter im Kirschbaum". Im Laufe der Jahre verschlimmert sich ihr Leid, und schließlich wird das Kind in ein Kinderheim gebracht, in dem es weder Fürsorge, Schutz noch Liebe erfährt. Während des Lesens stellte ich mir immer wieder erschüttert die Frage, wie ein Kind oder ein Jugendlicher solche Misshandlungen durch die eigene Familie und staatliche Behörden überhaupt ertragen kann, ohne zu verzweifeln. Dennoch scheint der Lebens- und Überlebenswille eines jungen Menschen schier grenzenlos zu sein.




Nach jedem Kapitel versucht die Erzählerin, vielleicht auch die Autorin, den Text in ihre eigene Lebensgeschichte zu übertragen. So erfahren wir, was womöglich wirklich passiert ist und was erfundene Geschichten sein könnten.
Auch wenn das Buch recht schmal ist, enthält es sehr viel. Ob es wirklich auf die Longlist des Buchpreises gehört, ist für mich jedoch fraglich. Ein gutes Buch, aber mehr leider auch nicht
Profile Image for Karola.
811 reviews7 followers
November 28, 2023
Kindheitserinnerungen mal anders dokumentiert.
Das Cover zeigt wohl eines der wenigen Fotos, die es von der Autorin gibt, aufgenommen kurz nach ihrer Ankunft in Usedom bei ihrem Vater und der Stiefmutter, mit einem sanften Lächelns voller sommerlicher Erwartungen. Der sicherlich bewusst gewählte Titel RISSE deutet auf eine alptraumhafte Kindheit in der DDR mit unverantwortlich handelnden Eltern hin, vernachlässigt in ihrer Kindheit durch Alkoholismus, Mangelernährung, Gewalt und Sadismus, Suizid-Versuchen des Vaters, gefolgt durch Diebstahl, Lügerei, Heimaufenthalten, Streunen und Verwahrlosung. In der Ich-Form erzählt die Autorin als misshandeltes Wesen von der üblen Macht der Eltern, der Heimmitarbeiter, der Polizei in einem kargen, emotionslosen Schreibstil, nicht anklagend, eher das soziale, kalte Umfeld schnörkellos beschreibend in 10 Geschichten. Kursiv gesetzte Zwischentexte korrigieren diesen autofiktionalen Text in Richtung Autobiografie oder kommentieren das eben Erzählte. Nur die kindliche Verbundenheit zu ihrer kleinen Schwester und die Liebe zu Büchern scheinen die Risse in ihrem traumatischen jungen Leben zu kitten.
Insgesamt bruchstückhafte, berührende Kindheitserinnerungen in asketisch gewählter Schreibweise dokumentiert.
Profile Image for Jin.
843 reviews146 followers
September 3, 2024
Ich kannte Angelika Klüssendorf nicht und hatte auch noch nie von ihrem Buch "Das Mädchen" gehört. Ich habe lediglich nur die Kurzbeschreibung gelesen und fand es spannend genug um das Buch in die Hand zu nehmen. Das Buch hat mich nicht enttäuscht, die Geschichten vom Aufwachsen in der DDR in den 60ern und 70ern werden sehr nah, mit Emotion und Gänsehaut erzählt. Jede Geschichte ist prägnant und ich empfand eine Einzigartigkeit in ihnen, vielleicht weil sie auch am Ende zu jedem Kapitel so offen und schonungslos kommentiert wurden. Der Inhalt des Buches ist nicht angenehm, stückchenweise fast schon surreal wie ein Mädchen mit Gewalt und Missgunst konfrontiert wird. Was ich auch schätze ist die Ehrlichkeit und wie einfach man durch die Seiten lesen konnte trotz des schweren Themas. Es war nicht zu extrem emotional oder neigte auch nicht in extreme Obszönitäten, und trotz der neutralen Sprache konnte ich als Leser mit den Geschichten mitfühlen.

** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt **
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
September 8, 2023
Das Buch hat mich etwas ratlos zurückgelassen. Möglicherweise müsste man einen Vorgängerroman, nämlich Mädchen, der Autorin kennen, da laut Rezension beide Romane zusammenhängen sollen. Was ich hier lese ist schon wieder (da gibt es im heurigen deutschen Buchpreis in paar Beispiele davon, s. dazu Anne Rabe und Angelika Klüssendorf ) die Geschichte einer unglücklichen Kindheit, verwahrlosende Eltern, das Gefühl, das jüngere Geschwister schützen zu müssen, Heime ohne Liebe.
Die Ich-Erzählung wird meiner Meinung nach einmal gebrochen, indem ein neues Ich auftaucht, der Schluss lässt mich rätseln, da taucht dann plötzlich eine erwachsene Frau auf mit einer mysteriösen Vergewaltigungsgeschichte.
Ja, Verwirrung über Verwirrung, werde mich wohl noch an den Roman Mädchen heranwagen müssen.
Profile Image for Michael Madel.
541 reviews11 followers
October 10, 2023
Ein weiteres zutiefst beklemmendes und berührendstes autofiktionales Werk aus der Feder von Angelika Klüssendorf. Die Inhalte sind zuweilen kaum auszuhalten. Ironischerweise hätte die Autorin ohne ihre Kindheits- und Jugenderlebnisse nie zu der großartigen Schriftstellerin werden können, die uns nun in lakonischen und sparsamen Worten ihre bedrückenden Schlüsselerfahrungen mitteilt.
Profile Image for Gijs Zandbergen.
1,063 reviews27 followers
August 7, 2024
Tien eerder gepubliceerde vergeten verhalen met nagekomen toelichtingen van de schrijfster. De verhalen gaan de gebeurtenissen in "Das Mädchen" vooraf. Wat me vooral bevalt is de toon waarop Klüssendorf over haar jeugd vertelt. Nergens larmoyant, terwijl er toch weinig is om jaloers op te zijn: verwaarlozing, alcoholisme, kindertehuizen, gewelddadigheid en eenzaamheid.
Profile Image for Ara.
35 reviews2 followers
February 25, 2025
Leseclub📒 Das Buch hab ich ein bisschen komisch gefunden, da es so wie eine Autofiktion ist. Man weißt nicht was ist wirklich passiert und was nicht. Trotzdem ganz einfach zu lesen. Ich hab das Buch gelesen und Audiobuh gehört.
Profile Image for Deniz Pala.
8 reviews
August 18, 2024
Den Inhalt und die Art der Schriftstellerin fand ich sehr beindruckend.
Profile Image for Estrelas.
935 reviews
December 15, 2024
„Schon damals waren Bücher für mich Heimat, wie später auch das Schreiben. Ich las alles, was mir unter die Finger kam, ich besaß sogar einen Bibliotheksausweis. Ich erinnere mich, wie die Bücher rochen, an ein Wohlgefühl und die Gewissheit, dass mir diese Welt niemand würde entreißen können.“

Dieses Mädchen hat nicht viel zu lachen. Ein schwer verdauliches Buch.
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