»Aspergers Schüler« | Aufwühlender historischer Roman auf zwei Zeitebenen Beruhend auf wahren Ereignissen, erzählt SPIEGEL-Bestseller-Autorin Laura Baldini von einem berühmten Kinderarzt, seinen kleinen Patienten und einer mutigen Krankenschwester, die alles für die Kinder riskiert. Als die junge Psychologin Sarah 1986 zu Forschungszwecken nach Wien zieht, kommt sie der erschütternden Geschichte einer Klinik während der Nazi-Zeit auf die Wien, 1926: Erich ist acht Jahre alt, als er in die Uniklinik zu Dr. Hans Asperger kommt. Erich sieht die Welt nicht wie andere Kinder. Er kann hochkomplexe mathematische Probleme lösen, aber es fällt ihm schwer, seine Gefühle zu zeigen. Nach schrecklichen Jahren in einer Pflegefamilie wird er hier ganz anders behandelt. Man hört ihm zu, man versteht ihn. Die Krankenschwester Viktorine schließt Aspergers kleinen Schüler ganz besonders ins Herz. Für sie bricht eine Welt zusammen, als die bahnbrechende Arbeit ihrer Abteilung vom NS-Regime vereinnahmt wird. Während Asperger sich mit den neuen Machthabern arrangiert, ist Viktorine entsetzt, als sie erfährt, was an der Klinik am Spiegelgrund vor sich geht. Für Erich wird es lebensgefährlich. Bewegender Roman über den Arzt, der den Autismus Für alle Fans von Susanne Abels Gretchen-Romanen und Geschichten mit wahrem Hintergrund. Genial, gefeiert, Dr. Hans Asperger (1906-1980) war ein österreichischer Kinderarzt und ab 1932 Leiter der heilpädagogischen Abteilung der Uniklinik in Wien. Dort führte man die Behandlung von psychisch kranken Kindern in eine völlig neue Richtung und begegnete ihnen mit Respekt. Als Erster beschrieb Hans Asperger Autismus und das Asperger-Syndrom, das nach ihm benannt wurde. 1938 musste ein großer Teil seiner Mitarbeiter vor den Nazis fliehen. Asperger selbst blieb und spielte eine bis heute fragwürdige Rolle. Entdecken Sie in diesem fesselnden historischen Roman die wahre Geschichte des weltberühmten Kinderarztes. Die SPIEGEL-Bestseller-Autorin Laura Baldini alias Beate Maly begeisterte die Leserinnen bereits mit ihren Romanbiografien (u.a. »Lehrerin einer neuen Zeit« über Maria Montessori). Neben der Schriftstellerei arbeitet sie mit Kindern, die das Asperger-Syndrom haben. Mit diesem Buch kehrt sie zu einem pädagogischen Thema zurück und erfüllt sich damit einen Herzenswunsch. Sie lebt mit ihren drei Kindern in Wien.
Schon vor einiger Zeit habe ich von Laura Baldini alias Beate Maly "Aspergers Schüler" gelesen. Die Autorin arbeitet als mobile Frühförderin mit Kindern, die eine Autismus-Spektrum-Störung haben, weshalb ihr dieses Thema besonders am Herzen liegt.
In ihrem Roman, der auf zwei Zeitebenen erzählt wird, geht sie näher auf den "Entdecker" des Autismuses ein. Im Jahre 1986 kommt die junge Engländerin Sarah nach Wien. Sie hat ein Stipendium erhalten, um für ihre Doktorarbeit über Dr. Hans Asperger zu schreiben, dessen Arbeiten sie schon immer fasziniert haben. Bei ihrer Recherche lernt sie Stefan, einen Journalisten, kennen, der sich mit der Geschichte der einstigen Kinderklinik am Spieglgrund während der NS-Zeit beschäftigt. Dabei taucht auch der Name von Doktor Asperger auf.
Im zweiten Handlungsstrang sind wir in Wien im Jahre 1932. Wir lernen Schwester Viktorine kennen, die an der Heilpädagogischen Abteilung der Uniklinik in Wien arbeitet. Sie bewundert den jungen Doktor Asperger und widmet sich besonders den Kindern mit Zwangsstörungen. Dabei baut sie besonders zum achtjährigen Erich eine Beziehung auf, während die Ärzte den Jungen als hoffnungslosen Fall mit Beruhigungsmitteln, Gewalt und einer Zwangsjacke ruhigstellen. Nur Viktorine und Dr. Hans Asperger bemerken seine extreme mathematische Begabung. Während Viktorine dem Jungen helfen will, bekommt Asperger durch Erich bessere Einblicke in seine Forschungen über den Autismus, der damals noch nicht bekannt war.
Mit den Recherchen von Sarah erfahren auch die Leser immer mehr über die damaligen Begebenheiten. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt jedoch im Handlungsstrang der Vergangenheit. In den Rückblicken begleiten wir Viktorine und erfahren, wie sich die Nationalsozialisten immer mehr in die Arbeit der Kliniken einmischen und jüdische Ärzte aus den Krankenhäusern vertreiben. Und wer bereits zum Thema Euthanesie gelesen hat, weiß was in der Kinderklink am Spiegelgrund vor sich ging. Wir nehmen in Rückblicken auch am Leben von Erich teil. Seine Empfindungen und Gedanken werden ebenfalls geschildert. Obwohl ich schon einiges zum Thema Euthanesie gelesen habe, war die sogenannte "motorisierte Mutterberatung" neu für mich - ein weiterer Schachzug der Nationalsozialisten, um "unwertes" Leben auch am Land aufzuspüren. Grausamst!
Ich finde es immer wieder erschreckend zu lesen, wie vor nicht ganz hundert Jahren mit Menschen umgegangen wurde, die man als nicht "normal" bezeichnete oder die ganz einfach depressiv oder als "hysterisch" abgestempelt wurden. Zwangsjacken, Elektroschocks, Kaltwasserbehandlungen usw. waren an der Tagesordnung. Besonders erschütternd ist es immer wieder, wenn man über Kinderleid liest, wie hier in diesem Roman.
Wie so oft hat mir der Handlungsstrang in der Vergangenheit besser gefallen, als der Gegenwartsstrang, auch wenn dieser in den Achziger Jahren spielte - also auch schon vor vierzig Jahren. Die Liebesgeschichte, die hier vorkommt, hätte ich nicht wirklich gebraucht.
Manchmal fand ich den Schreibstil etwas nüchtern und einfach. Vielleicht war es aber auch Absicht von der Autorin, da manche Teile der Geschichte doch sehr harter Tobak sind. Ihr fachliches und historisches Wissen hat Laura Baldini perfekt in die Handlung miteinbezogen. Die Figur des Dr. Hans Asperger, nach dem das Asperger Syndrom benannt wurde, bleibt etwas vage. In der auf Wahrheiten beruhenden Geschichte hatte ich oftmals die Vermutung, dass er selbst an einer leichten Form von Autismus litt. Nachdem die Nationalsozialisten immer mehr in das Klinikwesen eingriffen, wurde er Mitglied einer Kommission, die Kinder, die als „aussichtslose Fälle“ eingestuft wurden, in die Anstalt am Spiegelgrund überwies. Ich nehme an, dass er wusste, was dort passierte. Er war selbst jedoch nie ausführende Person - trotzdem war er einer derjenigen, die die "Urteile" fällten. Im Nachwort erfährt man noch, wie wichtig der Autorin dieses Thema ist.
Fazit: Ein berührender und bewegender Roman über den Entdecker des Asperger Syndroms, sowie ein Blick in die Zeit des beginnenden Nationalsozialismusses und seine Auswirkungen auf Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Erschreckend und ergreifend!
Ich habe Probleme zu schreiben, dass mir dieser Roman gefallen hat. Warum? Weil dies ist eins der traurigsten Bücher ist, die ich je in meinem Leben gelesen habe.
1926, Uniklinik Wien
Ich darf an Erichs Gedankenwelt teilnehmen. Der 8jährige spricht nicht viel und sein Umfeld enthält zuviele Reize, die er nicht verarbeiten kann. Einzig die liebevolle Krankenschwester Viktorine findet Zugang zu ihm. Ist beeindruckt von Erichs Zahlenverständnis. Viktorine liebt den kleinen Jungen. Gibt im so viel Zuwendung wie möglich. Sie verehrt Dr. Hans Asperger, den Entdecker des Aspergers Syndrom. Der österreichische Arzt erforscht das Verhalten von Kindern, die sich nicht in die Gemeinschaft einfügen können. Auch er zeigt Geduld für die Kinder. Die meisten Kinder in der Klinik sind von ihren Eltern aufgegeben worden. So konnte den Kleinen gar nichts besseres passieren, als von Dr. Asperger und Viktorine betreut zu werden. Doch dann hält das NS-Regime Einzug ....
1986 erforscht die junge Psychologin Sarah die Geschichte um Dr. Asperger und die damaligen Geschehnisse in der Klinik. Stellenweise wird es der jungen Frau zuviel. Was sie und der Journalist Stefan ans Tageslicht bringen, könnte genauso gut einem Horrorroman entsprungen sein.
Der Schreibstil ist mitreißend. Abwechselnd wird aus der Sicht von Viktorine, Erich und Sarah erzählt. Erichs Gedankenwelt ist mir besonders nahe gegangen. Der hochintelligente Junge fühlt sich im Klassenzimmer wohler, wenn er neben einer Wand sitzt. Auf den ersten Blick scheint es, als könnten er und die anderen Kinder keine Gefühle zeigen. Nur mit viel Empathie und Geduld kann man den Kindern näher kommen. Erich empfindet es als besonders schlimm, wenn er in eine Zwangsjacke gesteckt wird. Seine Gedanken in diesen Momenten haben mir einige Tränen entlockt. Nachdem das Nazi Regime das Sagen in der Klinik hat, flüchten qualifizierte jüdische Ärzte. Was dann mit den Kindern passiert, will man wirklich nicht lesen. In Österreich hat man lange die Augen vor diesen Gräueltaten verschlossen. Beim Lesen dachte ich mir oft, ob Dr. Asperger nicht selbst ein Autist war. Im späteren Verlauf äußert auch Sarah den Verdacht. Genau kann man einfach nicht sagen, wie weit der Arzt in die Gräueltaten an Kindern involviert war. Wie oft Kinder von ihm in die Heilanstalt *Spiegelgrund* überwiesen wurden, bei der Nazi-Ärzte die Kinder zu Tode quälten. Sarahs Recherchen und Begegnungen sind spannend und sehr emotional. Sie gelangt an Aufzeichnungen von Viktorine. Ich bin sehr beeindruckt von der mutigen Krankenschwester. Mehr möchte ich jetzt nicht mehr erzählen.
Fazit:
Wieder ein Buch *Gegen das Vergessen*! Diese wunderbare Romanbiografie mutet besonders tragisch an, da es hier um Kinder geht. Das Buch ist ausnehmend gut geschrieben. Was damals passiert ist kann keinem gefallen.
Wien, 1926: Erich ist acht Jahre alt, als er in die Uniklinik zu Dr. Hans Asperger kommt. Erich sieht die Welt nicht wie andere Kinder. Er kann hochkomplexe mathematische Probleme lösen, aber es fällt ihm schwer, seine Gefühle zu zeigen. Nach schrecklichen Jahren in einer Pflegefamilie wird er hier ganz anders behandelt. Man hört ihm zu, man versteht ihn. Die Krankenschwester Viktorine schließt Aspergers kleinen Schüler ganz besonders ins Herz. Für sie bricht eine Welt zusammen, als die bahnbrechende Arbeit ihrer Abteilung vom NS-Regime vereinnahmt wird. Während Asperger sich mit den neuen Machthabern arrangiert, ist Viktorine entsetzt, als sie erfährt, was an der Klinik am Spiegelgrund vor sich geht. Für Erich wird es lebensgefährlich (Klappentext Verlag/Autor).
Das Buch "Asbergers Schüler" handelt von der jungen Psychologin Sarah, die 1986 nach Wien kommt, um über Dr. Asperger und seine Arbeit zu forschen. Zusammen mit dem Journalisten Stefan deckt sie erschütternde Verbrechen während der Nazi-Zeit in der Spiegelgrund-Klinik auf. Die Geschichte handelt von Dr. Asperger, der über Autismus forscht, und wird in zwei Zeitebenen erzählt: einmal aus der Gegenwart von Sarah und einmal aus der Vergangenheit, hauptsächlich aus der Sicht der Krankenschwester Viktorine und des autistischen Jungen Erich. Das Buch beruht auf wahren Begebenheiten, klärt aber nicht alle Fragen über Asperger. Es zeigt die Grausamkeiten der Nazi-Zeit in Österreich und die menschenunwürdige Behandlung von autistischen Kindern. Durch die Recherche von Sarah und ihren Begegnungen werden die Hintergründe beleuchtet. Der Roman bietet interessante Einblicke in die Arbeit mit autistischen Kindern und die historischen Umstände, zeigt aber auch die unklare Rolle von Dr. Asperger während der NS-Zeit. Der Schreibstil ist mitreißend und wechselt zwischen verschiedenen Perspektiven. Insgesamt ist der Roman berührend und schockierend zugleich, und bietet einen Blick hinter die Kulissen des Autismus und der Nazi-Verbrechen in Österreich.
Historisch und psychologisch umfassbar gut geschrieben. Ich fand richtig gut gemacht, aus der Perspektive von Menschen mit Autismus zu lesen und den Blick von ihnen auf viele Situationen zu betrachten.
Eigentlich ein interessantes Buch, wenn man auf eine nicht „trockne“ wissenschaftliche Art und Weise über die Geschichte der Autismus-Diagnose lernen will, sondern sich ein bisschen in den Autismus einfühlen mag. Das ist der Schriftstellerin gelungen, auch mit den Beschreibungen aus der Sicht eines autistischen Jungen. Ganz interessant auch, dass die Rolle von Dr. Asperger während des Krieges nicht einfach —wie so oft— auf schwarz-weiß geschildert wird, sondern werden die ganzen Nuancen und komplizierten Bedingungen in Betracht genommen. Urteile werden mangels Information nicht erreicht, so wie es eigentlich sein sollte.
Das Schreiben ist dennoch eher mittelwertig und die meisten Charaktere eindimensional, oberflächlich und Klischee-Haft. Heutzutage müssen der Kaffee und die Zwetschgenknödel nicht „auf einmal bitter“ werden wenn man an was unschönes denkt, das hat man ja schon tausendmal gelesen. Auch die emotionelle Wirkung die ich von Buch erwartet habe war nicht da. Obwohl die Geschichten, von denen im Buch erzählt würde, manchmal grauenhaft waren, kam für mich das Gefühl nicht rüber. Ich weiß, das Sarah sich schockiert gefühlt haben muss bei den Sachen die sie über die Kriegszeit entdeckt hat, ich habe es aber halt nicht gespürt.
Trotzdem vier Sterne für die harte Arbeit der Schriftstellerin, diese Geschichte auf der richtigen Dimension und mit Liebe für autistische Kinder darzustellen.
Der historische Teil ist interessant geschrieben, sehr spannend, und die Autorin hat ganz klar ein Herz für Kinder mit ASS. Leider erstreckt sich diese Sichtweise nicht auf Kinder mit anderen Beeinträchtigungen - so grenzt sie teils sehr streng ab von Kindern mit Down-Syndrom, Menschen mit Psychosen (die auch Ressourcen haben!). Der Unterton ist ganz klar, dass Intelligenz oder spezielle Talente Menschen per se interessanter machen (und problematisch für Dr. Asperger damit auch schützenswerter).
Was ich absolut nicht gebraucht hätte, wäre die „Entdeckergeschichte“ inklusive zweidimensionaler Liebesgeschichte einer extrem naiven, historisch ignoranten Doktorandin, der von einem männlichen Journalisten die Welt erklärt wird. Sie ist schlecht und übertrieben geschrieben, und macht inhaltlich keinen Sinn, da eine psychologische Doktorarbeit keine historische Arbeit ist und hier absolut voreingenommen und unwissenschaftlich vorgegangen wird.
Dieses Buch macht zwar Lust auf Krautfleckerl und Zwetschgenknödl, aber leider nicht darauf nochmal ein Buch von Laura Baldini zu lesen. Man merkt zwar, dass sie viel Herzblut in die Geschichte gesteckt hat, zum Beispiel in die Passagen die aus der Perspektive des autistischen Bubens erzählt sind. Aber die Sprache fand ich leider sehr uninspirierend, voller Klischees und die Charaktere eindimensional und langweilig.
Ich bin hin- und hergerissen. Die Geschichte um den achtjährigen Erich und die Krankenschwester Viktorine im Wien der 1920er Jahre unter Dr. Asperger ist packend und der Schreibstil ist angenehm flüssig und man ist emotional sofort drin, besonders als die Bedrohung durch das NS-Regime und die Klinik am Spiegelgrund zunimmt. Das war die große Stärke des Romans.
Aber um ehrlich zu sein, habe ich mir von dieser Geschichte etwas ganz anderes erwartet. Der Titel und das Setting implizieren eine tiefere Auseinandersetzung mit der Forschung rund um das Asperger-Syndrom und dem komplexen Charakter des Arztes selbst, der ja eng mit der NS-Zeit verstrickt war. Leider bleibt das alles eher im Hintergrund, fast schon an der Oberfläche gekratzt, was ich wirklich schade fand. Man erfährt kaum etwas über die bahnbrechende Arbeit oder die Persönlichkeit Aspergers. Stattdessen wird die Handlung durch eine zweite Zeitebene ergänzt, die in den 80ern spielt, wo die junge Psychologin Sarah den Spuren der Vergangenheit nachgeht. Und genau da liegt mein größter Kritikpunkt: Sarahs Perspektive hat mich oft genervt. Es gab einfach viel zu viel Kitsch und Beziehungsdrama, was ich in einem Roman mit einem so ernsten, historischen Hintergrund einfach nicht gebraucht hätte. Es hat die Spannung und die Ernsthaftigkeit der Recherche komplett rausgenommen. Besonders enttäuschend fand ich, dass Sarah ihre Forschung letztlich einfach aufgibt, als die unangenehme Wahrheit über Asperger angedeutet wird.
Im Endeffekt war es ein kurzweiliger Roman, der spannende Momente hatte und als Schicksalsgeschichte funktioniert. Aber es war eben nicht das, was ich erhofft hatte. Wer eine tiefgehende historische oder wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Asperger sucht, wird hier keinen Mehrwert finden. Wer einfach einen gut geschriebenen, emotionalen Roman mit historischer Kulisse lesen möchte, kann zugreifen.
Die junge englische Psychologin Sara reist nach Wien, um über Dr. Hans Asperger für Forschungszwecke ihre Doktorarbeit zu schreiben. Dabei stößt sie auf Ereignisse, die nicht ans Licht kommen sollten. Dr. Hans Asperger (1906-1980) war ein österreichischer Heilpädagoge und Kinderarzt. Nach ihm ist eine Form des Autismus benannt. Erzählt wird diese Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht, in zwei Zeitzonen. Einmal begleitet der Leser im Jahr 1986 Sara, die bei ihren intensiven Recherchen auf den kleinen Erich und die Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ stößt, die während der NS-Zeit für schreckliche Zwecke missbraucht wurde. Dann schwenkt die Handlung in die Jahre 1932 bis 1944 und erzählt auch aus der Sicht des autistischen Jungen. Die Handlung ist voller Dramatik, fesselnd und gibt klare Einblicke in das Verhalten und die Wahrnehmung der betroffenen Patienten. So richtig an Fahrt nimmt der Plot auf, als Sara beginnt, Nachforschungen zu Überlebenden der NS-Zeit anzustellen. Laura Baldini ist es sehr gut gelungen, die verschiedenen Charaktere eindrucksvoll und nachvollziehbar zu gestalten und in Szene zu setzen. Fiktive Personen sind glaubhaft in diese reale Geschichte mit eingeflochten, die mir auf den letzten Seiten die Tränen in die Augen trieb. 4 Sterne und eine Leseempfehlung.
Das Buch war wirklich gut. Ich mochte, dass man zum einen die Perspektive von Viktorine und Erich hatte, die in den 30ern und 40ern im AKH mit Dr Asperger waren, und gleichzeitig auch Sarahs Sicht, wie sie die Geschichte mit Stefan zusammen in den 80ern aufarbeiten. Zum einen ist es sehr erschreckend zu sehen, was früher in Österreich passiert ist und was Schlimmes dieses Kindern angetan wurde. Zum anderen war es aber auch interessant zu sehen, wie Viktorine langsam die Ursachen für das Verhalten der autistischen Kinder verstanden hat. Die Aufarbeitungsarbeit von Sarah war auch spannend, da sie zum einen Asperger als Idol gesehen hat, aber sich dann mit seiner Verbindung zu den Nazis auseinander setzen müsste, aber gleichzeitig auch von der älteren Generation, in dem Fall ihre Vermieterin, diesen Gegenwind erhalten, weil sie die Vergangenheit nicht ruhen lassen und das Geschehene nicht verschweigen wollte. Wirklich spannendes Thema und sehr unterhaltsam und gut zu lesen in diesem Roman verpackt.
Ab und zu ziemlich hart, aber ist auch kein leichtes Thema, definitiv eine gute Darstellung von einem Thema das sehr komplex ist auf zu arbeiten. Etwas viele Emotionspausen, die es damals definitiv nicht gab, dadurch ist es allerdings deutlich leichter für den Leser...ob das etwas gutes ist liegt im Auge des Betrachters.
Gerade aktuell müssen wir uns wohl vor Augen halten wie unmenschlich Dinge in unserer vergangenen waren und werden können, wenn wir nicht aufpassen. Ich weiß nicht ob us dabei Emotionspausen vergönnt sein sollten.
Das wichtigste was man aus diesem Buch wohl schließen sollte: jeder ist ein Mensch und hat das Recht wie einer behandelt zu werden.
Eine gut recherchierte Geschichte über die Forschung und Arbeit mit ASS sowie die Zeit um ~1930-1943 in Wien sowie einer fiktiven Rahmenhandlung zur Nachrecherche von 1983. Mir hat die detaillierte historische Beschreibung von Wien und der psychiatrischen Arbeit und Entdeckung des ASS zu dieser Zeit sehr gut gefallen. Der Spannungsbogen sowie Schreibstil war für mein Empfinden oft etwas flach und einzelne (fiktive) Charaktere waren wenig ausgearbeitet, letztlich aber klare Buchempfehlung für alle die ein historisches Buch zur NS Zeit in Wien und der Arbeit mit Autismus interessiert…
Das Buch hat mir gut gefallen. Ich fand es sehr interessant und gut geschrieben. Tatsächlich basiert die Geschichte auf realen Personen und Laura Baldini hat einen persönlichen Bezug dazu, wie sie im Nachwort erklärt. Es geht um den Arzt Hans Asperger und seine Forschungen im Österreich der Nazi-Zeit. Wie frei ist Forschung in einer Diktatur und wie muss man bestimmte Dinge möglicherweise im Nachhinein anders bewerten. Lesenswert.
Ich war etwas überrascht wie viel das Buch 1986 spielt. Ich hatte mir erhofft, dass der Hauptfokus Viktorine ist und nicht Sarah. Sarah fand ich leider wahnsinnig unsympathisch und ihre Weigerung Ich einzugestehen, dass ein Arzt der unter den Nazis Karriere gemacht hat Dreck am Stecken haben könnte mehr als anstrengend. Dafür, dass sie der Hauptcharakter ist, wirkte ihre Hintergrund Geschichte irgendwie lose zusammen gewürfelt und in Teilen schon fast unwichtig für den Plot.
Seit längerer Zeit habe ich mal wieder zu einem historischen Roman gegriffen obwohl dies eingentlich eines meiner Lieblingsgenres ist. Ich habe das Buch gern gelesen auch wenn es ein hartes Thema behandelt. Wie so oft bei Büchern auf zwei Zeitebenen hat mir der historische Teil besser gefallen.
Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen, vor allem wenn man sich für Autismus und/oder den zweiten Weltkrieg interessiert. Die Autorin hat es geschafft, korrekte und aufschlussreiche Informationen in eine berührende Geschichte einzuarbeiten. Man merkt, dass ausführlich recherchiert wurde.
Wirklich fesselnder Roman, der die Balance zwischen präziser Recherche im Spannungsfeld von Fakt und Fiktion navigiert. Phasenweise finde ich das Österreichbild etwas einseitig.
Heftige Schilderungen über NS-Verbrechen an Kindern und ein differenziertes Bild des historischen Dr. Asperger treffen auf eine in Verlauf und Worten vollkommen klischeehafte Liebesschmonzette.
Das Thema ist interessant und es sind wirklich wahnsinnig viele Informationen in das Buch gepackt. Der Schreibstil und die Geschichte, die erzählt wird ist aber leider nicht meins. Oft war es mir zu kitschig, sehr vorhersehbar und einfach plump.
Als ich auf Klassenfahrt in Berlin war und wenige Minuten gefunden hatte, um von der Gruppe wegzuschleichen und kurz einen Bücherladen zu besuchen – so wie es sich einer guten Deutschlehrerin gehört, sobald sie in Deutschland ist – hat mich dieses Buch sofort angelächelt. Das Thema, Autismus, sprach mich an, denn ich habe selbst Autismus (oder, in alter Klassifizierung: das Syndrom von Asperger), und nach dem Lesen des Klappentextes erhoffte ich mir viel von diesem Buch. Diese Erwartungen konnte das Buch leider nur teilweise wahrmachen. Die Autorin arbeitet schon seit einiger Zeit selbst mit jungen Menschen mit irgendeiner Form von Autismus, weswegen ich vom Buch noch mehr Nuancierung in Sachen des Autismus-Spektrums erwartet hatte als es schlussendlich gab. Die Vielfältigkeit des Spektrums wurde unterbeleuchtet, stattdessen überherrschten die alten Klischees, wie: Autisten mögen Berührungen nicht, verstehen Redewendungen nicht, zeigen kaum Emotionen, usw. Sicherlich passt das natürlich zur Zeit der Forschung von Dr. Asperger, allerdings hätte die Autorin meines Erachtens mehr mit den Klischees spielen können, wenigstens in der neueren Zeitlinie der Geschichte, statt sie nur zu bestätigen. Dieser Aspekt des Buches war für mich enttäuschend. Gefallen an dem Buch hat mir aber der Schreibstil, der einen durch die Geschichte fließen lässt. Anhand des Klappentextes dachte ich mir, dass die Geschichte sich zu einer Art Krimi entfalten würde, aber als solches würde ich sie dann doch nicht umschreiben, obwohl sie gewiss spannend war. Zudem fand ich den Rückgriff auf die bedenkenswerte Rolle von Dr. Asperger in der nationalsozialistischen Zeit besonders gelungen. Es hat bestimmt viel Recherchezeit darin gesteckt, die geschichtlichen Details dafür genauestens herauszufinden. Alles in allem kann ich das Buch durchaus weiterempfehlen, aber dabei würde ich auch dafür warnen, sich anhand des Buches ein Bild vom Autismus-Spektrum zu bilden.