Ich verdrückte einige Tränen, als Toni endgültig in sein Gefängnis im Tal zurückkehrte. Vom Leben ausgehölt, hoffnungslos, traumatisiert und allein. Es war klar, dass Toni kein Glück finden würde und auch zu kraftlos war um gegen seine Gespänster anzukämpfen. Immer wieder ist er aus dem Tal geflohen, konnte atmen, konnte leben - konnte verdrängen. Und immer wieder rief ihn das Tal zurück, wenn seine Aufgabe getan war. Toni war gefangen in seinem Kopf und man merkte immer wieder, dass er sich selbst nicht verstand. Er bekam keine Hilfe, ganz zu schweigen davon, dass es zu dieser Zeit nicht wirklich Hilfe gab. Aber auch jegliches Verständis dafür, wie tyrannisierend sein Vater war und welche Spuren er bei Toni hinterlassen hat - in ihn hineinangeprügelt hat - gab es nicht.
Generell muss ich aus eigener Erfahrung mit meinem Aufwachsen in einem kleinen, fränkischen Dorf sagen, dass ich das Gefühl, die Beschreibung des Dorflebens und -gemeinschaft, als sehr gelungen empfand. Die Gerüchte, das Eingesessene, die Sturheit, die Einsamkeit. Wer nicht reinpasst, bleibt draußen. Einmal angefangenes Getuschel verfolgt dich bis zum Lebensende und hört auch an deinem Grab nicht auf. Marga empfand ich als frustrierend, aber als durchaus realistisch. Ihre Frage, ob Toni seinen Vater denn möge, hat mich die Augen verdrehen lassen. Ihre eigene Geschichte mit Alois außen vor, erzählt sie von dem tobenden Mann der niemanden geheuer ist und von dem sie selbst weiß, gerne seinen Sohn prügelt. Aber niemand nimmt den kleinen, stillen Toni unter die Fittiche. Weil Toni dafür zu anders ist. Zu still und noch schlimmer, stotternd. Ein verträumtes, ängstliches Kind. Und vielleicht ist er auch des Vaters Sohn?
Nach Tonis erster Rückkehr, bei der er feststellt, dass er aussieht wie sein Vater und vor Schmach und Verzweiflung tobt, verbreitet sich das Getuschel über sein vermeintlich ebenso gleiches Wesen im Tal wie ein Lauffeuer. Ich hätte mir alle Haare ausreißen können über Margo und Maria. Einerseits verständlich, dass sie, nachdem sie jahrelang neben einem gewalttätigen Vergewaltiger gelebt haben, sich fürchten der Sohn würde es ihm nun gleich tun, aber gleichzeitig kommt Toni aus einen Krieg in ein zerstörtes Haus zurück und hat eine, meiner Meinung nach zumindest, sehr menschliche Reaktion. Vor allem, weil Toni kein vollkommen Fremder war. Aber es ist eine andere Zeit und Dörfer sind einfach... Dörfer.
Das Ende hat dem Buch den Wind aus den Segeln genommen. Das es kein magisches Happy End für unseren Toni geben würde war klar. Aber der Mord am eigenen Sohn??? Und dann vermutlich ermordet von dessen Bruder??? Und das auf den letzten zehn Seiten. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, außer das es sich für mich billig angefühlt hat. Unnötig und leer. Wäre Toni allein im Tal gestorben, wäre das ein Ende gewesen das Sinn ergeben hätte. Er stirbt allein, auf seiner Bank vor dem Haus sitzend. Neben ihm ein leerer Milchkrug. (das bleibt mein eigens ausgedachtes Ende)
Selbst das sein Sohn auftaucht und Kontakt sucht und diesen sogar unzufriedenstellend herstellt, oder schon zu spät kommt hätte Sinn gemacht. ABER MORD UND TOTSCHLAG?! Nein. Aber selbst wie es geschrieben wurde, war unbefriedigend. Zwei, drei Seiten mehr um in die Tiefe von Tonis Gefühlen zu blicken, hätten vielleicht gereicht. Stattdessen: oh Maurice ist tot... ups... Jahre vergehen... oh jetzt ist auch Toni tot... aber siehe da ein geheimnisvolles, blaues Auto. Ulala Mysterie. Ende.
Ich habe das Buch gefühlslos und enttäuscht geschlossen.