In “one of the most important German novels of recent years,”* a man, a town, and a country wrestle with fifty years of displacement and political upheaval Provincial Guldenberg is still reeling from World War II when a flood of German refugees arrives from the east, Bernhard Haber’s family among them. Life is hard enough—Bernhard’s father has lost an arm and his carpenter’s income. But added to this injury comes an accumulation of insults, as the upright town turns hostile toward the newcomers. After a string of mysterious losses—from the killing of the boy’s dog to the unexplained death of his father—Bernhard is set on extracting revenge. Rich with psychological insight, Christoph Hein’s acclaimed novel tells Bernhard’s story across nearly fifty years, chronicling his remarkable rise from victimized outsider to Guldenberg’s most prominent burgher. What began as a geographic dislocation evolves into a personal the thirst for vengeance yields to the deeper need for a home and settling down proves more important than settling grudges. As the socialist state gives way to reunification and the capitalism of the 1990s, Hein’s masterful, multivoiced narration charts the transformation not just of one man but of an entire nation struggling to leave history behind and claim a home. —* The Times Literary Supplement (London)
Growing up in Bad Düben near Leipzig as a clergyman's son and thus not allowed to attend the Erweiterte Oberschule in the communist East, he received secondary education at a gymnasium in the western part of Berlin. After jobbing as an assembler, bookseller and assistant director, he studied philosophy. Upon graduation he became dramatic adviser at the Volksbühne in Berlin, where he worked as a resident writer from 1974. Since 1979, he has worked as a freelance writer, becoming known for his 1982 novella Der fremde Freund (The Distant Lover).
Landnahme ist die Geschichte des Vertrieben Bernhard, der in den 1950er Jahren in die sächsische Kleinstadt Guldenberg kommt. Der Roman erzählt über knapp 50 Jahre hinweg vom Leben in der DDR, von Heimat und Fremdheit, von Hass, Rache und Feindseligkeit in einer ohnehin schon schweren Zeit. Was den Roman so besonders macht, ist, dass er nicht von Bernhard selbst erzählt wird, sondern von 5 Personen, die Bernhard in einem Abschnitt ihres Lebens begegnet sind. Die Art und Weise, wie das Buch aufgebaut ist, wie jedes Kapitel als eigenständige Geschichte gelesen werden kann und es trotzdem erst durch alle Teile zusammen vollständig wird, ist einer der wenigen Aspekte, die ich dem Roman zugutehalten kann. Obwohl die Geschichte einfach und flüssig zu lesen ist, finde ich sie unglaublich langweilig geschrieben. Weder die Erzähler noch Bernhard selbst sind mir sympathisch. Er bleibt die meiste Zeit über kalt und gefühllos.
Leider kommt es mir so vor, als würde allen Frauen in Landnahme eine gewisse Sexualisierung anhaften. Nicht nur Marions großer Busen, den die Jungen immer anstarren und begrapschen wollen, wird von ihr selbst immer wieder thematisiert. (Btw, sie ist erst 14/15 in diesem Kapitel). Vor allem bei dem Nebenchrakter Babsy ist es mir aufgefallen: Alle paar Seiten muss nochmal betont werden, dass sie die kürzesten Kleider in ganz Bad Guldenberg trägt oder welche Farbe ihr Unterhöschen hat. Sie flirtet, ist untreu und hat eine Liebelei mit Bernhard. Kommen wir nun zu Bernhards Schwägerin. Die 17-jährige Kathi wickelt ihren Chef für ein besseres Zeugnis um den Finger, schläft mit ihrem Vorgesetzten und „verführt“ Bernhard. Ich habe absolut kein Problem damit, wenn ein Roman einen offenen Umgang mit Sexualität pflegt. Ich will nicht, dass dieses Thema tabuisiert wird. Aber in Landnahme wird diese Rolle nun mal ausschließlich den Frauen, und zwar allen Frauen, zuteil. Sogar die prüde wirkende Rieke betrügt Bernhard mit seinem Freund und Nachbarn Sigurd. Die Männer sind an solchen Geschichten natürlich nie Schuld oder auch nur beteiligt. Sigurd äußert sich zu diesem Vorfall wie folgt: „Und diese lächerlich kleinen Geschichten, die mir zustießen, wie jene mit Bernhards Frau, hatten nichts mit Erotik und Sex zu tun, das war lediglich ein bisschen Biologie, ein mutwilliges Unternehmen der Natur, an dem ich recht eigentlich fast nicht beteiligt war.“ Ebenso macht Bernhard Kathi für seine Affäre verantwortlich. Sie hätte ihn verführt. Darüber hinaus beleidigt er sie als Aas, Miststück oder bösartig. Und, was mich am meisten ankotzt, er schlägt sie nach dem Sex für eine ihrer Bemerkungen. Aber wird das auch nur ansatzweise thematisiert? Mehr Aufmerksamkeit als einen 6 Worte langen eingeschobenen Nebensatz, bekommt dieser Vorfall nicht. Selbst Babsys Höschen widmet Hein mehr Aufmerksamkeit.
Ich verstehe nicht, was dieses Buch als Abitur-Pflichtlektüre an sächsischen Gymnasien zu suchen hat. Mir ist schon klar, dass alle Figuren in ihrem Denken und Handeln durch die Zeit in der sie leben eingeschränkt bleiben. In der DDR spielten nun mal andere Werte eine Rolle als heute für mich. Das ist mir durchaus klar. Und dennoch: Zu dem Zeitpunkt des Erzählers sind die Figuren bereits um die 60 Jahre alt. Ihre Geschichten sind schon lange Vergangenheit und doch bleibt das, was sie sagen, oft unreflektiert. In meinem Unterricht sind wir nicht ein einziges Mal auf die Rolle der Frauen oder den unterschwelligen Sexismus im Buch eingegangen. Alles wird einfach so hingenommen. „Das war damals eben so“, wird von dem Buch vermittelt. Es ist kein Platz für ein kritisches Hinterfragen der Werte und Normen.
Landnahme ist und bleibt für mich ein zwiespältiges Werk, das ich nicht in schwarz und weiß bewerten kann. Was ich wirklich interessant und spannend fand, war die Aufbaustruktur des Romans: die fünf verschiedenen Perspektiven, die über Bernhard Habers Person sprechen, von Kindheit an bis zum Alter hin.
Auch hat mir gefallen, wie der Rahmen vom Prolog mit dem Epilog geschlossen wurde, auch wenn ich mir fälschlicherweise eine Wendung der Handlung imaginiert habe. Es werden wichtige Themen angesprochen: Vertreibung, Rassismus, Ausgrenzung und der Wandel des gesellschaftlichen Systems sind nur einige, aber meiner Meinung nach die zentralsten.
Was mich allerdings zu tief stört, ist die ständige Sexualisierung der auftretenden Frauen. Sei es Marion Demutz, bei welcher beschrieben wird, wie alle Jungs ständig auf ihre Brust starren, weil sie die einzige aus der Klasse ist, die bereits eine hat (wie alt ist sie? 14/15?) oder auch Babsy, bei der ständig betont wird, dass man ihr Höschen sehe und alle Männer drauf starren würden. Es sind immer nur Frauen, die auf ihren Körper reduziert werden, ihre Männer betrügen und ihre Prinzipien hintergehen. Ich finde es äußerst wichtig, dass Sexualität in Büchern thematisiert wird, allerdings nicht so einseitig und klischeehaft.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Buch an sich mir einen groben Einblick in die damalige Zeit des Alltags in der DDR gegeben hat, mir allerdings doch einige Kritikpunkte teilweise die Lust am Lesen verdorben haben.
Die wortkarge Hauptfigur aus der Perspektive von fünf Weggefährten darzustellen, liegt nahe. Entgegen vieler Vorredner:innen hier halte ich diese Figuren auch durchaus für vielschichtig geschrieben. Sie vermitteln als nur scheinbare Nebenfiguren stellenweise eindrucksvoll die Perspektiven „kleiner Leute“ im Sozialismus. Nur leider schneiden die Frauen tatsächlich deutlich schlechter ab, was angesichts des Settings in der patriarchalen Kleinstadt vielleicht noch verkraftbar wäre.
Als „großer Deutschlandroman“, wie auf dem Cover durch die taz angepriesen, war mir der Text dann aber doch deutlich zu konstruiert und wie angesichts von Christoph Heins vollkommen unnötigen Rassismen in einem Buch von 2004 einem Nachkriegserzähler wie Wolfgang Koeppen von lesenden Schüler:innen vehement Rassismus vorgeworfen und dabei über “Landnahme“ geschwiegen werden kann, ist mir schleierhaft. Leider muss nun auch das bald in der Schule gelesen werden.
Ich verstehe, dass der Autor Christoph Hein das Bild der deutschen Nachkriegszeit - mit dem Schwerpunkt auf den Vertriebenen - zeichnen wollte. Die ablehnende Haltung der Bewohner des Ortes gegenüber den „nicht-dazugehörigen“ wurde anhand verschiedener Aussagen deutlich. Das Prinzip der Multiperspektivität war im Grunde dabei tatsächlich sehr hilfreich- jede Person hat andere Erfahrungen mit Bernhard gemacht und sprach dementsprechend anders über ihn. Dass Bernhard dabei nicht ein Mal zu Wort kam, ließ seine eigentliche Geschichte btw. seine Meinungen offen. Umso mehr hätte ich mir gewünscht, dass mehr auf ihn, und weniger auf das Leben der erzählenden Figuren eingegangen worden wäre. Es ist so dermaßen viel passiert, was keinerlei Einfluss auf die Handlung hatte, dass ich teilweise einfach Abschnitte überflog. Außerdem hat mich das vermittelte Frauenbild sehr an meine Grenzen gebracht: Frauen waren ausschließlich Sexobjekte, hinterlistig oder eifersüchtig. Es gab unzählige Beschreibungen von Unterhosen und BH‘s, die mich zusammenzucken ließen- insbesondere, weil die Worte von einem Mann stammten.
Bernhard Haber? More like Bernhard Laber weil come on das hätte man alles auch mit 200 Seiten auf den Punkt bringen können
Dann: Konversation mit Oma vorgestern über Landnahme. Ich: kennst du Landnahme von Christoph Hein? Weil wir müssen das gerade in deutsch lesen Oma: Christoph hein? Lebt der noch? Ich: ja glaub schon. Jedenfalls geht’s da um so einen, der wurde damals aus Breslau vertrieben. War das nicht bei euch auch so? Oma: Nee, der Christoph Hein ist doch schon tot. Denis, Christoph Hein ist doch schon gestorben oder?! Ich: nein der lebt wirklich noch. Kennst du Landnahme? Oma: nee noch nie gehört. Uwe, bringst du mal die Küchlein?
es hätte ein wirklich gutes buch sein können, wenn es nicht vor sexismus strotzen würde. selten habe ich eine so abstoßende darstellung des weiblichen geschlechts in einem buch vorgefunden. wie oft sollen minderjährige mädchen noch sexualisiert werden? und warum betrügen sich alle gegenseitig??
[2.5] Fand den Aufbau des Buches interessant, sowie den Einblick in das Leben nach dem 2. Weltkrieg und der DDR, Aber das Frauenbild war ja kaum auszuhalten
Tatsächlich hat mir das Buch gut gefallen aber zeitweise sind die Kapitel doch sehr langwierig und außerdem werden die weiblichen Figuren auf eine Art und Weise dargestellt, die mir absolut missfällt
Christoph Hein became one of my favorite writers before I had finished even 20 pages of this book. His intense ability to see people through the eyes of each other, of history, and of politics is incredibly unique and beautiful. In Settlement we see the main character through many people's perspective, though never his own, and through these people we see a story unfold of a child who becomes a refugee- an outcast, and takes great effort to become a part of the same town, the same community that exiled him- eventually rising to great status. Each time there is a change in narrator it is like a great, exciting breath of fresh air. I've never been so instantly drawn into a book that is so reliant on having historical and political background (east/west german relations after WWII) and my great lack of knowledge did not in any way leave me feeling as though I was missing out on anything. Christoph Hein looks at everything through the most human perspectives and effortlessly shifts from young boy to young girl to older man with not a single flaw. Each narrator is utterly believable and completely whole and one learns about the main character while at the same time learning a great deal about the individuals whose perspectives we so gracefully encounter. Settlement is a book about what it means to be an exile and what it means to be a part of a community but it is also about how you can learn a great deal about someone especially, and almost as a result of, his own stoic silence.
i mean, i just can’t do it anymore. i am doing myself and service and dnf this. if i have to i will read a detailed description of the plot but i refuse to continue reading this boring bullshit.
it was kind of interesting that the book is about a character who never actually talks in the story, he is only talked about. but then the five different povs are just very very boring. and sexist. and just not fun.
maybe i just hate everything that has got to do with the gdr (obviously i am biased because that’s all i here about in my history classes).
this is the first book that i have to read for school that i haven’t actually finished and that is the only sad thing about me dnfing this.
The very best stories are simple and while the premise of this book - the rise of one boy/man from post-WWII to post-Wall in East Germany - seems ambitious, the novel initially doesn't present itself as such. The beauty of this book is in its simplicity.
Bernhard Huber's life really isn't the central focus, though he is the central presence in the five narrators' stories and these stories each provide the opportunity to explore East Germany from multiple perspectives from its transition to Communism to then capitalism - youth, early adulthood, adulthood, etc. While all this sounds very heady, the book's prose is simple, beautiful, and elegant and is a pleasure to read.
Eine interessante Romanstruktur, in der aus der Sicht von fünf Menschen in fünf Kapiteln die Lebensgeschichte des Bernhard Haber - des eigentlichen Protagonisten, wenn man ihn denn so nennen kann - erzählt wird. So entsteht dessen Lebensgeschichte in einem Mosaik und aus den ganz verschiedenen Blickwinkeln von Menschen mit unterschiedlichen Mentalitäten sowie sozialen und ökonomischen Hintergründen. Auch an den Lebensgeschichten der Erzähler der Kapitel nimmt man Anteil, leider fand ich zwei der fünf absolut unsympatisch, sodass es mir auch schwerer fiel, ihre Kapitel zu lesen und ein weiteres war leider einfach langweilig. Wiederum gut gelangen war die Einbindung wichtiger Stationen der DDR-Geschichte, die sozusagen am Beispiel einzelner Menschen und der Stadt Guldenberg rekapituliert werden. Eines der wichtigsten Motive des Romans ist das der Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg (so wie der Protagonist und seine Familie) und deren Behandlung in den aufnehmenden deutschen Städten. Und hier lassen sich erstaunliche Parallelen zur aktuellen Situation finden, die das Buch sehr aktuell machen.
3/5 [Read it for school] I really liked the easy-going writing style of the author and how the reader gets to know the story of a boy/man (Bernhard Haber) without ever having read his POV or an omniscient narrator but through the POVs of people surrounding him throughout his life. It was an entertaining read, however from time to time I found some of the short tales and digressions a tad bit too long drawn-out and hence I struggled to completely concentrate and not get easily distracted throughout those parts. What I really enjoyed was the diversity of the narrators, their own life stories, their relationships to Bernhard and therefore the different perspectives on his character and life. Also, the topic in general, the post-second-world-war-time and the struggle of being an outsider in your own country, and simply the authentic realness of the characters is what made this book (at least for me) not at all just a obligatory burden to read for school, but something I voluntarily liked to open and dive into.
Eastern Europe after the war. Good book, some twists I expected never occured. Enjoyed the storytelling of various character's views on the main character.
Eskapismus in seiner reinsten Form - ich wollte nichts, als diesem Drecksbuch zu entkommen.
Die Grundidee, einen Außenseiter und Fremden von gut integrierten Bürgern beschreiben und ihn dabei selbst nicht zu Wort kommen zu lassen ist prinzipiell echt spannend. Ich mochte auch die Entwicklung Bernhards von dem armen Sohn eines Vertriebenen hin zum Vater eines Sohnes, der als echter Guldenberger zum Karnevalsprinzen gewählt werden soll und selbst "Fidschis" aus den Festlichkeiten zieht, weil sie laut ihm keine echten Deutschen wären und deshalb nicht beim "deutschen Karneval" mitfeiern dürften. Besonders interessant fand ich außerdem die im Buch verteilten Einblicke in das Alltagsleben in SBZ/DDR. Das sind aber auch meine einzigen Gründe, dem Buch überhaupt zwei Sterne zu geben. Selbst mit dieser Entscheidung habe ich lange gerungen, denn objektiv betrachtet war es stellenweise fast schlimmer als Bücher, die ich mit nur einem Stern bewertet habe.
Alles, was entfernt mit Frau zu tun hat, geht gar nicht. Frauen werden zu agendalosen (Sex-)Objekten reduziert. Das wäre vielleicht noch vertretbar, hätte es als Reflexion des zeittypischen Sexismus dienen sollen. Wäre diese im Buch vorkommende Frauenfeindlichkeit beispielsweise nur von männlichen Erzählern ausgegangen, hätte ich Christoph Hein vielleicht sogar so etwas in dieser Richtung abgekauft. Aber die Kapitel der Männer waren überhaupt nicht mein Hauptproblem: es waren die Erzählungen der Frauen selbst. Insgesamt erzählen fünf Charaktere, zwei davon sind Frauen und (das muss man dem Autor lassen) jeder Charakter hat seine eigene Stimme. Merkwürdigerweise werden aber ausgerechnet bei den Frauen die meisten komplexen Satzstrukturen gestrichen. Genauso wird das Vokabular bei beiden total eingedampft. Dann gibt es seitenlange horrende Exkurse über Unterwäsche, Brüste, neue Lackschuhe, den ersten Lippenstift, usw usw Am schlimmsten ist wohl die übermäßige Sexualisierung junger Mädchen, die nichts mit dem eigentlichen Thema des Buches zu tun hat. Was genau sagt uns die Tatsache, dass eine 14-jährige keinen BH trägt und so jeden "verführt", der nicht bei drei auf'm Baum ist über Einsamkeit, Fremdsein und Leben in der DDR? Gar nichts. Was genau sagt uns die 3 Seiten lange Passage über Frauen ohne Unterhosen? Mir zumindest nichts.
Dazu kommen noch die völlig unnötigen Rassismen. Historisch akkurat hin oder her, das Buch wurde 2004 veröffentlicht und beide N-wörter kamen in Landnahme sehr viel häufiger vor als in den meisten Werken aus Kolonialzeiten (sogar Karl May hat schon darüber geschrieben, dass N*gger nicht gesagt werden sollte). Diese Begriffe häufen sich auffällig. Das gibt mir so ein bisschen den Vibe eines Lehrers, der rassistische Buchpassagen laut und besonders betont noch einmal vorliest, weil es ja nunmal "leider" im Lehrplan wäre und er "nur seinen Bildungsauftrag erfüllen" würde.
Was mir den Rest gegeben hat, waren dann die unnötigen Abschweifungen vom Thema. Es ist oft interessant und sogar nützlich, mehr Details als strikt notwendig zu haben und seine Charaktere und die Welt in der sie leben etwas auszufleischen - aber Christoph Hein hat es weiß Gott übertrieben. Meine Ausgabe ist so um die 380 Seiten lang und mindestens 100 davon hätte man getrost streichen können, ohne Inhalt oder Character Development oder Charme und Detail in diesem "Werk" zu verlieren.
Alles in allem verstehe ich nicht, warum ausgerechnet "Landnahme" zur Schullektüre gemacht wurde. Vielleicht fällt mir ja noch in den nächsten Wochen der verdeckte Genius zwischen diesen Seiten auf aber ich habe das vage Gefühl, dass dem eher nicht so sein wird. Vielleicht sind Christoph Heins andere Bücher besser geraten. Offenbar ist er einer der großen systemkritischen DDR-Autoren schlechthin. Es ist aber höchst unwahrscheinlich, dass ich diese Behauptung jemals selbst überprüfen werde, denn ich habe auf jeden Fall erstmal genug von ihm und seinen literarischen Hinterlassenschaften.
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Ich bin mir nicht sicher, wie ich das Buch bewerten soll und gebe deshalb neutrale 3 Sterne. Gut oder umwerfend finde ich es nicht, deswegen weder 5 noch 4 Sterne. Ich fand es schön zu lesen, habe aber dennoch Kritikpunkte zu vermerken und schwanke eigentlich zwischen 2 und 3 Sternen.
Nun zu meiner Leseerfahrung und dem Grund meiner Unentschlossenheit: Positiv fand ich vor allem den Schreibstil. "Landnahme" handelt vom Vertriebenen Bernhard Haber, der unerwünscht in die sächsische Kleinstadt Guldenberg kommt. Jedoch ist er nicht der Erzähler des Buches. Stattdessen sprechen in 5 Kapiteln verschiedene Figuren über ihn: Thomas Nicolas, sein Banknachbarn für zwei Jahre, dann Marion Demutz, seine Freundin für 3 Jahre, Peter Koller, ebenfalls ein alter Klassenkamerad und späterer Komplize/ Arbeitskollege, Katharina Hollenbach, die Schwester von Habers Frau und zum Schluss Sigurd Kitzerow, Freund, Nachbar und Zulieferer für Haber. Besonders toll fand ich das erste Kapitel. Es ist der erste Kontakt mit der ungewöhnlichen Erzählweise und Thomas ist erstaunlich fokussiert auf Haber und erzählt fast nur über ihn, während man später deutlich mehr über die Erzähler erfährt. Offene Fragen sind für mich Fluch und Segen zugleich, und die gibt es hier einige. Am liebsten hätte ich gern alle beantwortet, andererseits haben sie auch ihren Reiz.
Im großen und ganzen ist es kein spannendes Buch, aber ich fand es dennoch schön zu lesen, wenn da nicht dieses Frauenbild wäre. Jede Frau wird ausnahmslos sexualisiert. Sie werden als Huren oder Fremdgängerinnen dargestellt. Besonders ist mir da ein Satz aus dem letzten Kapitel im Kopf geblieben, der die Einstellung zu Männern und Frauen in diesem Buch wunderbar beschreibt: "Es ist für mich keine Frage von ehelicher Treue, eher eine Veranlagung zur Monogamie. Ich war mit Veronika verheiratet und hatte keine darüber hinausgehenden sexuellen Bedürfnisse. Und die lächerlich kleinen Geschichten, die mir zustießen [...] hatten nichts mit Erotik und Sex zu tun, das war lediglich ein bisschen Biologie, ein mutwilliges Unternehmen der Natur, an dem ich recht eigentlich fast nicht beteiligt war." Schuld und untreu sind immer die Frauen und selbst eine prüde erscheinende Frau geht ihrem Mann fremd, den sie eigentlich vergöttert. Es scheint keine Frau zu geben, die es nicht tut - subjektiv gesehen, denn es gibt sie tatsächlich, aber dann werden sie anderweitig umso mehr sexualisiert oder als Flittchen dargestellt, was aber völlig normal scheint und kaum zur Kritik kommt.
Ich hätte es wahrscheinlich noch im Prolog abgebrochen und nie zu Ende gelesen, hätte ich nicht gemusst, denn der Prolog ist alles andere als catchy. Zumal er eine kaputte Beziehung andeutet, die nie wieder aufgegriffen und erklärt wird, obwohl genau die mein Interesse an der Geschichte geweckt hat. Generell bleiben einige Schicksale schleierhaft und lassen Fragen offen. Gern hätte ich auch gewusst, was in Haber vor geht. Ein Kapitel, das von ihm erzählt wird, wäre vielleicht aufschlussreich gewesen. Andererseits hätte es wohl den Schleier eines gewissen Etwas von ihm genommen, das mich schlussendlich zum Weiterlesen motiviert hat.
Ich habe dieses Buch nur gelesen, da es Pflichtlektüre für die Schule ist. Zugegebenermaßen ist die Thematik der Vertriebenen durchaus interessant und sollte auch behandelt werden. Allerdings war es nicht angenehm dieses Buch zu lesen, bspw. durch die Sexualisierung minderjähriger weiblicher Charaktere. Zudem kam ich persönlich nicht wirklich mit dem Schreibstil zurecht. Zwar ist er einfach zu verstehen, allerdings gab es meiner Meinung nach zu viele unnötige Ausschweifungen, die sehr vom eigentlichen Thema abgelenkt haben. Insgesamt war der Ansatz des Buches gut, allerdings ist es in der Ausführung gescheitert.
Naja, also an sich war das Buch ok. Es ist mit eins der am angenehmsten geschriebenen Bücher der Oberstufe, und die Themen wie der Umgang mit Vetriebenen, und dem Eingreifen des Staates in das Leben der Menschen der DDR sind auch ganz interessant. Allerdings hat mir etwas garnicht gefallen, und das war das unnötige Sexualisieren der weiblichen Charaktere. War es nötig gefühlt aller zwei Sätze zu erwähnen das Babsy ja so ein kurzes Kleid anhat, oder das es so rüberkommt das das einzige interessante an Marion außer Krebs nur noch ihre großen Brüste sind? Ich weiß ja nicht, wenn die Frauen in dem Buch mehr Charakter gehabt hätten wäre es eine 3,5/5.
Auch wenn mir die Idee gefällt, die Geschichte Bernhards aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, weiß ich nicht genau, was ich über das Buch denken soll. Der geschichtliche Hintergrund ist auf jeden Fall da, man kann etwas über das Leben in der DDR und der Umsiedler lernen. Jedoch werden Frauen dauerhaft sexualisiert und sehr abwertend dargestellt. Das hat in meinen Augen auch nichts damit zu tun, dass vieles damals „einfach anders” war, es ist meiner Meinung nach einfach unnötig und verschiebt den Fokus von dem eigentlichen Thema, nämlich Bernhard und dem Rassismus, dem er täglich begegnet wieder einmal auf die Objektivizierung des weiblichen Körpers.