Kurz gesagt: Der Inhalt hat meine durch den Bucheinband geweckten Erwartungen enttäuscht und den Schreibsstil fand ich aufgrund von erzwungenen Wortwitzen sowie rot gedruckter Passagen und nicht erkennbaren Zusammenhängen zwischen verwendeten Zitaten und den Kapiteln anstrengend. Als leichte Lektüre in Ordnung.
Vorneweg: Habe das Buch geschenkt bekommen - von allein wäre ich wohl nicht darauf gestoßen. Andere Bücher der Autoren kenne ich nicht, werde ich vermutlich auch nicht lesen.
Bewertung:
Auch wenn der Titel etwas seltsam wirkt (Spoiler Alert: Mit ähnlichen Wortspielen geht es auch weiter), fand ich die im Untertitel gestellte Frage doch sehr spannend. Mir war von Anfang an klar, dass die Frage nicht allgemeingültig beantwortet werden kann. Allein beim Blick aufs Cover hätte ich aber eine humoristische, aber inhaltlich ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage erwartet.
Nach dem Lesen des Klappentext hätte ich hingegen eher einen Aufbau in Kurzerzählungen aus verschiedenen Perspektiven (Jule, Marc und Tobias werden dort genannt) erwartet, anhand derer sich dem Thema angenähert wird.
So viel zu den Erwartetungen. Tatsächlich ist es keins von beidem geworden. Für mich erschließt sich der Aufbau des Buches weder logisch, noch hinsichtlich eines roten Fadens. Die Kapitel scheinen quasi zusammenhangslos, innerhalb der Kapitel tritt dies auch nochmal ein und auch innerhalb eines Abschnitts finden sich immer wieder Zitate (von Geistlichen, Komikern, Autoren, Journalisten, der Band Queen, anderen mehr oder weniger bekannten Personen und allgemeine Sprichworte), die für mich selten zum Rest gepasst haben und den Lesefluss gestört haben. Die Störung erfolgte nicht nur inhaltlich, sondern auch durch die Verwendung von roter Tinte. Ebenfalls in rot sind seitenlange Anekdoten aus dem Leben der Autoren gedruckt sowie Sammlungen von Bibelversen oder bspw. selbst erfundene "10 Gebote für Religionsgründer" oder dem Vergleich von Jesus mit Superhelden.
Bevor sich jemand fragt: Ja, mir ist in den Sinn gekommen, näher über den Zusammenhang der Kapitel untereinander und zu den Zitaten nachzudenken. Daran hindert mich allerdings der Sprachstil, der zwischen flapsig und überheblich wechselt oder beides vermischt. Wortspiele wie "Das Imperium tritt zurück - wären wir ohne Kirche besser dran?" kann man zu Beginn noch wertschätzen, aber spätestens bei "Eden für Jeden" wurde es anstrengend.
Auch wenn ich selbst nicht wirklich gläubig bin, fand ich die Darstellung zu einseitig. Das wäre für ein humoristisches Sachbuch auch als Stilmittel in Ordnung. Die geübte Kritik erfolgt (abgesehen von Ausnahmen bei Skandalen, von denen eh jeder weiß) aber hauptsächlich nach dem Schema "Hihihi, schaut mal, was da Dummes geschrieben steht".
Wirklich interessant fand ich nur Teile des 3. und 4. Kapitels, ansonsten habe ich das Buch hauptsächlich beendet, weil ich Bücher praktisch immer ganz lese und mich das Fazit interessiert hat. Trotz der meiner Meinung nach einseitigen Darstellung überzeugt mich der Schritt aus den Kapiteln ins Fazit nur teilweise. Als Erkenntnisgewinn sehe ich es nicht, es bleibt aber dem restlichen Text schon weitgehend treu.
Den zweiten Stern gebe ich, weil ich das Buch nicht komplett "schlecht" finde, sondern eher meine persönlichen Erwartungen enttäuscht wurden. Wenn man auf der Suche nach einer sehr leichten Lektüre mit homöopathisch dosierten Sachinformationen, nach Zitaten für die Sammlung "Was Einstein über Schafherden und der Kölner Vikar über Nacktduschen denken" oder nach neuen Witzen für das Phrasenschwein, kann man "Heilige Scheiße" insgesamt empfehlen.