Ganz netter Roman. Die Lovestory in der Handlung enthalten, ist wie die meisten etwas unrealistisch und zu romantisiert. Aber zum abschalten ganz nett.
Nach dem Bankrott des väterlichen Ofenbaubetriebs und dem Tod des einzigen Sohnes bei einer Choleraepidemie will Familie Klausner Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika einen Neuanfang wagen. Doch unmittelbar nach der Ankunft kommt es schon zu einer schweren Komplikation: Paula, die älteste Tochter, die als Kind an Polio erkrankt war und darum hinkt, wird von der Familie getrennt, und wegen ihrer Behinderung verwehrt man ihr die Einreise.
Todunglücklich tritt Paula die Rückfahrt an und fragt sich, was wohl in Hamburg aus ihr werden soll, wo sie kein Zuhause und keine Familie mehr hat, während für ihre Eltern und die beiden jüngeren Schwestern das Einleben in New York von der Trennung überschattet ist. In Ermangelung einer besseren Alternative landet das noch minderjährige Mädchen in einem Waisenhaus, das so streng geführt wird, dass Paula nur noch einen Gedanken kennt: sie will, so schnell es geht, dort weg, um sich ein eigenes Leben aufzubauen und vielleicht doch noch eine Spur der Familie zu finden, an die sie getreulich Brief um Brief richtet, ohne eine genaue Adresse zu kennen.
Diese Auswanderergeschichte (bzw. die Geschichte von Paulas misslungener Auswanderung) hat mich ausgezeichnet unterhalten. Greta Hansen erweckt Schauplätze wie Menschen zum Leben und entführt uns hautnah ins Gedränge auf Ellis Island, den Trubel am Hamburger Hafen, die Enge und die haarsträubenden hygienischen Verhältnisse in den dortigen Elendsvierteln und in die kühle Eleganz der großen Villen.
Paula Klausner hat das Herz am rechten Fleck und stellt sich ihrer äußerst ungewissen Zukunft mit Tatkraft und einem sympathischen Quentchen Trotz. Sie ist nicht über die Maßen emanzipiert, lässt sich aber auch nicht die Butter vom Brot nehmen und ist sich trotz ihres lahmen Beins nicht zu schade, im Rahmen ihrer Möglichkeiten kräftig anzupacken, selbst wenn sie oft genug am Rande der Verzweiflung ist.
Die Begegnungen mit verschiedenen Weggefährten, die ihr helfen, ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken, und eine zwar nicht überoriginelle, aber hübsche Liebesgeschichte verbinden sich mit den zwischendurch eingestreuten Briefen, die Paulas Mutter an ihre verschollene Tochter schreibt (um sie dann mangels einer Adresse in die Schublade zu legen), zu einem runden Ganzen, das auch erfreulicherweise nicht so kitschig endet, wie man es hätte befürchten können.