Ein 50 Jahre altes, sehr eigentümliches Buch vom Exildeutschen Curt Siodmak (Bruder des Filmregisseurs Robert S., zusammen waren sie u.a. an "Menschen am Sonntag" beteiligt), der vor allem durch "Donovan's Brain" bekannt wurde. Der atmosphärisch dichte, aber eher handlungsarme Roman ist eine Kreuzung aus einer Jekyll-Hyde-Variante (Wissenschaftler vereinnahmt das Gedächtnis eines tödlich verletzten Opfers von kalter und Welt-Krieg-Intrigen) und einer zeitgenössischen, aber klischierten Beschreibung von Ostblock-Gepflogenheiten zwischen Berlin und Prag. Durchaus mit Elementen eines Agententhrillers (Siodmak ließ sich in den USA zum Geheimagenten ausbilden), aber dabei mehr daran interessiert US-amerikanischen Lesern die DDR zu erklären als eine spannende Story zu erzählen.
Interessant ist dabei auch, dass die beiden Hauptfiguren, zwei Wissenschaftler, wie typische Hitchcock-Unschuldige in komplexe Vorgänge hereingezogen werden, dabei aber nicht zu heldenhaften Jason Bournes mit Kampftraining mutieren, sondern oft wie Blätter im Wind agieren, während die Vertreter der unterschiedlichen Geheimdienste sie (meist aus eigener Zielsetzung) zu "retten" versuchen.
Hat mich nicht weggerockt, aber war in seiner bizarren, sehr vergangenheitsbezogenen Weise sehr ansprechend, weil dt. Geschichte halt zu meinem Leben gehört und ich Jekyll & Hyde sehr mag. Abgesehen von einigen eher läppisch klingenden biochemischen Vorgängen, die zum "Gedächtnis-Dilemma" führen (Hauser übernimmt teilweise den fremden Körper, um sich u.a. für eine Verstümmelung im 2. WK zu rächen), beherbergt das Buch nahezu keine SF-Elemente, schildert aber detailliert Berlin und eine Liebesgeschichte, die darunter leidet, dass der Geist eines stolzen Deutschen im Körper eines Jahrzehnte jüngeren New Yorker Juden landet.
Gerade mit dem zeitlichen Abstand zur Entstehungszeit, wenn man James Bond und die DDR hinter sich gelassen hat, wirkt der Roman inzwischen fast wie aus einer Parallelwelt.
Ich lese bevorzugt im Original, aber die Übersetzung von Yoma Cap muss ich besonders loben, vor allem das akzentverzerrte Deutsch eines tschechischen Piloten hat mich verzückt ("Wir sind drieben", "Flughehe") unwahrscheinlich, dass das im Original so authentisch geklungen hat (weil die Dialoge da vermutlich auf Englisch stattfanden).