Michael Palin ist mit Ernest Hemingway durch Zufall bekannt geworden. Sein Buch A farewell to arms war für den jungen Michael noch das interessanteste Buch, das er von seinem Lehrer als Sommerlektüre vorgeschlagen bekommen hat. Aber dann haben ihn Hemingways Bücher nicht mehr losgelassen. Und was passiert, wenn sich Michael Palin für etwas besonders interessiert? Richtig- er macht eine Reise daraus. Michael Palin's Hemingway Adventure ist das Buch, das parallel zur gleichnamigen BBC-Reihe entstanden ist.
Weil ich erst vor kurzem A farewell to arms selbst gelesen habe, gefällt mir natürlich besonders gut, dass sich Michael Palin immer wieder auf das Buch bezieht. Und dass vorne und hinten im Buch Auszüge aus dem Originalmanuskript abgedruckt sind, ist natürlich ein besonderes Leckerli. Blöd nur, dass heute morgen mein Tee in der Tasche ausgelaufen ist, in der auch das Buch war :heul: :heul: :heul:
Erstes Reiseziel: Chicago/Michigan
Auch wenn Michael Palin die Werke Hemingways liebt, ist er trotzdem erstaunt darüber, wie ein Besuch im Elternhaus des Autors die Menschen berührt. Etliche fangen sogar an zu weinen! Mir gefällt die Episode am besten, als sich eine Gruppe Schüler über ein Bild von einem Mädchen mit langen blonden Haaren und weissem Kleid lustig macht. Das "Mädchen" heisst Ernest und wird später ein berühmter Schriftsteller werden.
Natürlich will Palin auch dort fischen, wo Ernest gefischt hat. Im Gegensatz zu ihm fängt er aber- nichts. Als Trost geht er auf den Schießstand. Dort ist er erfolgreicher, zumindest solange er mit kleinen Waffen schiesst. Und irgendwann fällt ihm dann auch ein, das sein ältester Sohn 30 geworden ist. Palins Timing ist nicht immer das beste.
Zweites Reiseziel: Italien
Diese Etappe war für mich besonders interessant, weil A farewell... hier spielt. Michael Palin hat seine 50er Jahre Ausgabe dabei. Später wird er sie an einer Hemingway-trächtigen Stelle vergraben. Ich weiss nicht, ob ich mich von einem Buch trennen könnte, dass mich so lange begleitet hat. Ich kann endlich einen ersten Blick von den weissen Turnschuhen erhaschen als Palin den Weg von Hemingway an die Front nachradelt. Zum Glück kam er unbeschadet wieder. So genau muss er Hemingways Abenteuer dann doch nicht nachstellen
Drittes Reiseziel: Paris
Palin schreibt erstaunlich wenig über seine und Hemingways Eindrücke von dieser Stadt. Vielleicht liegt es daran, dass Hemingway in Paris eine Schreibblokade hatte. Wie er sie losgeworden ist, finde ich schon interessant: er hat ein Oberlicht in seiner Wohnung auf den Kopf bekommen. Die Verletzung war so schwer, dass er im Krankenhaus genäht werden musste. Danach klappte es wieder mit dem Schreiben. Michael Palin stellt diese Szene nach- unblutig natürlich. Für alles andere ist er viel zu ängstlich :smile:
Viertes Reiseziel: Spanien
Spanien und Stiere gehörten für Ernest Hemingway zusammen. Also besucht Michael Palin den Stierlauf in Pamplona und später in Madrid eine Torreroschule und einen Stierkampf. Wie immer bei schwierigen Themen ist auch dieser Bericht sehr ausführlich, aber auch sehr neutral. Das mag ich an seinen Reisebeschreibungen: er läßt nichts aus, aber er bewertet nichts.
Fünftes Reiseziel: Key West
In Key West blüht das Andenken an den großen Schriftsteller. Es gibt einen Hemingway-Doppelgänger-Wettbewerb. Palin zeigt die Teilnehmer in seinem Buch ohne zu sagen, wer gewonnen hat. Die Auswahl ist nicht einfach. Außerdem trifft er einen Mann, mit Hemingways Sparringspartner war. Ich finde es faszinierend, wie viele Zeitzeugen es immer noch gibt.
Sechstes Reiseziel: Afrika
Michael Palin hat manchmal schon komische Gedanken. Im Gegensatz zu Ernest Hemingway, der über drei Wochen brauchte, erreicht er den Kilimanjaro in weniger als zwölf Stunden und fühlt sich deswegen ein bisschen schuldig. Zu diesem Gedanken passt das Monatsmotto perfekt :smile: Außerdem betreibt er ein bisschen Fanshopping und kauft ein Hemingway Jacket. Damit fühlt er sich wie ein wandelndes Munitionslager (a walking munition dump). Damit fühlt er sich schon nicht wirklich wohl und dieses Unwohlsein erreicht seinen Höhepunkt, als er einen Gepard streicheln soll. Angeblich ist der zahm, aber Michael fühlt trotzdem die Krallen an seinem Hosenbein. Später schämt er sich dann aber doch ein bisschen, weil er die "schlimme Verletzung" nicht mehr sehen kann. Aber so ist er eben: seine Gesundheit nimmt er sehr ernst (was mir beim Lesen immer wieder Spaß macht.
Siebtes Reiseziel: Kuba
Die Erkenntnis dieser Etappe ist, dass Palin weit weniger trinken kann als Ernest Hemingway. Während der zwölf Mojitos trinkt und am nächsten Morgen wieder frisch und munter ist, versagt bei Palin schon nach dem dritten die Orthografie. Wie er sich morgens fühlt, verschweigt er übrigens. Dafür schwärmt er von Hemingways Look-Out Farm mit 70+ Katzen und über 9000 Büchern. Die Farm wird wie alle Plätze, an denen Hemingway sich auf Kuba aufgehalten hat, liebevoll instand gehalten.
Letztes Reiseziel: Der amerikanische Westen
Michael Palin hat sich verliebt- in Montana. Das merkt man bei jedem einzelnen Satz. Hier wäre er wahrscheinlich gerne länger geblieben. Dann geht es zu seiner allerletzten Etappe: nach Ketchum, Idaho. Hier hat Hemingway zuletzt gewohnt und hier hat er sich auch erschossen. Sein Haus sieht immer noch so aus, als ob das Ehepaar nur kurz weg wäre. Das Buch endet leise, als ob Michael Palin nicht die letzte Ruhe Hemingways stören wollte.
Fazit
Dass ich gerne mit Michael Palin auf Reisen gehe, ist bekannt. Bei diesem Buch war ich mir aber nicht sicher, ob es mir genauso viel Spaß machen würde wie sonst. Es ist immer schwierig, jemand auf den Spuren seines Idols zu begleiten. Aber ich hätte mir keine Sorgen machen brauchen. Ob es wegen unserer ähnlichen Begeisterung für A farewell to arms war oder aus einem anderen Grund: auch diese Reise hat mir großen Spaß gemacht.