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Etomi: Erwachen

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Erde, 24. Jahrhundert: Aufgrund von Wirbelstürmen und Dürre ist für Menschen das Leben im Freien nicht mehr möglich. In der Kuppelstadt Eos wird der Hochglanz-Alltag von einer künstlichen Intelligenz gesteuert. Als diese Leas Tod beschließt, wagt Lea das Undenkbare: Sie flieht aus Eos und sucht nach dem mythischen Etomi, wo sie die Antwort auf all ihre Fragen erhofft. Doch die Welt außerhalb der Kuppel ist nicht so leer wie erwartet, und dort gibt es nicht nur Antworten, sondern vor allem neue Fragen.

461 pages, Kindle Edition

First published November 6, 2023

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Jol Rosenberg

14 books3 followers

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Profile Image for Callibso.
1,025 reviews20 followers
May 30, 2024
“Am Tag von Maris Erlösung zog Lea das dunkelrote Kleid an und schluckte das Kurvan, das ihr Ex-Partner Sulan ihr geschenkt hatte”

Zu Beginn hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es gibt sehr gutes Worldbuilding im ersten Kapitel, in dem Lea ihre Freundin zu dieser “Erlösung“ begleitet, die sich natürlich als angeordneter Tod entpuppt. Es gibt eine “Große Mutter”, also eine KI, die alles kontrolliert und “Etomi” ist zu meiner Überraschung erst einmal ein Parfum(!), dann aber auch “der Ort, an dem alles ist, wie es sein sollte”. Lea will Eos, die Kuppelstadt, verlassen. Und zwar möglichst bald nach ihrer Abschlussparty, die ihre eigene Erlösung einleitet. Sie nimmt dazu Kontakt auf mit einigen Personen, von denen sie Hilfe erhofft. Geschickt eingestreut und ohne Infodump erhalten wir weitere Informationen: In der Kuppelstadt gibt es eine starke soziale Kontrolle über ein Punktesystem, es gibt dort keine Familien mehr und so weiter...
Lea sind dabei die mit einem Kreis bezeichneten Kapitel gewidmet. Im weiteren Verlauf werden Personen aus anderen Bereichen eingeführt. In den "Dreiecks-Kapiteln" geht es um Josa, eine Ingenieurin, die mit zunehmender Verzweiflung versucht, wichtige Maschinen am Laufen zu halten. In den mit einem Quadrat bezeichneten Kapiteln geht es um Nori, einen Klon, der im Schlachthaus arbeitet.

Lea möchte Etomi suchen und dazu flüchtet sie aus der Kuppelstadt und lernt unter anderem Nori und Josa kennen. Dabei fand ich die Beschreibung der Klone am interessantesten: Sie sind für spezielle Aufgaben gezüchtete Lebewesen, in denen einzig Lea Menschen zu sehen scheint. So ist dann auch Nori die Figur, der die größte persönliche Entwicklung bevorsteht, von der wir in diesem ersten Teil der Dilogie sicher nur einen kleinen Teil erlebt haben. Auch Lea entwickelt sich im Laufe des Buches und einige Handlungsweisen, die ich beim Lesen erst etwas seltsam fand (nach der Flucht wird sich erst einmal geschminkt), entpuppen sich als Eigenschaften einer Person, die sich verändern und anpassen muss. Sie kommt aus dem behüteten, betreuten, aber unfreien Leben in der Kuppelstadt und muss sich nun in ganz anderen Umständen bewähren.

Im Mittelteil fand ich das Buch leider etwas langweilig: Hier fehlte mir jede Perspektive, wo die Handlung denn noch hingehen soll. Lea versucht sich zu behaupten, sie lernt viel und wirkt doch immer noch manchmal sehr naiv. Die Welt wurde mir nicht genug ausgebaut.

Gegen Ende des Buches entfaltet sich ein größerer Plan und das Buch hat mich wieder stärker gepackt, sodass ich doch gespannt auf die Fortsetzung bin.

Man kann diesen ersten Teil für sich alleine lesen, wird allerdings ziemlich unbefriedigt sein, denn die kleine Gruppe bricht erst am Ende auf, um die Welt zu verstehen und zu retten.
Profile Image for Ralf Schneider.
63 reviews1 follower
June 15, 2024
“Etomi – Erwachen” von Jol Rosenberg ist ein dystopisch-utopischer Roman in einer Welt, die zwar reguliert ist, aber einen Preis hat, der das Leben kostet.

Ob beabsichtigt oder nicht, drängten sich mir unmittelbar nach den ersten Seiten alte Erinnerungen aus der Kindheit auf. Erinnerungen an einen Film, den ich schon lange nicht mehr gesehen hatte, sich aber dereinst in mein Hirn eingebrannt hat. Ich spreche von “Logan’s Run – Flucht ins 23. Jahrhundert“.

Wie schon im Streifen von 1976, fesselte mich auch bei “Etomi – Erwachen” sofort die Vorstellung von einer Zivilisation, die ihre Mitglieder nur ein klar definiertes Alter erreichen lässt, um die Population kontrollieren zu können. Die Vorstellung, in einer Welt zu leben, in der ein “humaner” Demozid an der Tagesordnung ist und von allen vollständig, akzeptiert, ja nahezu herbeigesehnt wird, erschreckte mich schon beim Film von Michael Anderson mit Michael York, Jenny Agutter, Farrah Fawcett und Peter Ustinov.

“Etomi – Erwachen” ist aber keinesfalls ein Remake des Romans von William F. Nolan (den ich noch nicht gelesen habe), denn mit der Parallele zum genannten Setting endet auch schon die Ähnlichkeit. Zwar flüchtet auch der Hauptcharakter Lea aus der Gesellschaft, die sie terminieren möchte mit einer zweiten Person namens Ruben, doch Jol Rosenbergs Charaktere und ihrer Lebenswelten sind weitaus differenzierter gezeichnet als dies beim Film der Fall ist.

Überhaupt sind nicht nur die Charaktere besonders ausdifferenziert gestaltet, sondern man merkt, dass Jol Rosenberg bei der Erzählung der Beziehungen der Charaktere untereinander viel Sorgfalt verwandt hat und diese ihr sehr wichtig waren.

Vor allem wird die/der Leser_in in eine Welt der Gerüche geworfen, was in einem Roman ziemlich unüblich ist. Was normalerweise durch visuelle Beschreibungen übernommen wird, ergänzt Rosenberg geschickt und überaus intensiv mit Szenenbeschreibung der olfaktorischen Reise der Protagonistin an einen Ort von einer Parfumflasche. Auch wenn es sich eher um weniger angenehme Gerüche handelte, besticht die zuerst utopische, dann doch eher dystopisch anmutende Welt Leas durch Details, die man so eher selten liest und man sich wirklich dabei ertappt, wie man die Nase rümpft.



Auch wenn’s albern klingt, so traf mich eine Episode im Roman besonders.




Die Eigenart der Protagonistin Lea, sich in unsicheren Phasen durch Schminken sicher fühlen zu wollen, ist zuweilen zwar etwas verstörend, aber auch wieder entlarvend und fügt dem allmählich größer und bunter werdenden Charakter-Puzzle diesen nicht unwichtigen Baustein ihres Unterbewusstseins hinzu.

Möchte man Leas Charakter in einem kurzen Biogramm beschreiben, würden mir zuallererst Eigenschaften wie sehr naiv, gutherzig und egoistisch einfallen. Doch dass das viel zu kurz greift, weiß man auch sofort, wenn man Jol Rosenbergs Geschichten kennt. Das “Mehr” unter der Oberfläche braucht bei Lea zwar etwas länger, um durchzubrechen, aber die außergewöhnliche “Umpflanzung” von Eos nach Aranus hinterlässt ihre Spuren und trägt interessante Früchte.

Eines der ersten Lebewesen, die Lea in der “Neuen Welt” begegnet ist ein Mensch und doch keiner. Jol Rosenberg nutzt den Point of View des Klons Nori, um die Situation eines “unmöglichen” Zwischenwesens als Produkt einer zukünftigen Gesellschaft zu verdeutlichen. Weder Mensch noch Maschine, weder mit freiem Willen ausgestattet noch vollständig einem fremden Willen unterworfen, voller Sehnsucht nach seiner im zugewiesenen Rolle im durchgetakteten Gefüge und doch neugierig auf die Welt. Überaus spannend, da die Figur sowohl an einen Golem, einen harmlosen Borg, Pinocchio und auch Data von der Enterprise erinnert. Ein aus dem Nest geworfener Begleiter Leas, der seiner Daseinsgrundlage beraubt wurde und schwindet.

Durch Leas Eindringen in Aranus 3beta stößt sie eine Kettenreaktion an, die Noris Leben maßgeblich umlenkt und auch Ruben, Dinesh, Josa, Nelson, Bora und alle anderen in einer nicht immer angenehmen Art und Weise beeinflusst, wie es keine_r von ihnen vorausgesehen hat.

Das Ende ist … angemessen gemein … sehr abrupt und ein Cliffhanger mitten beim Einatmen …
Ob ich solange die Luft anhalten kann, bis Band 2 erscheint … man wird sehen.
Profile Image for Emma.
781 reviews32 followers
June 14, 2026
Dieses Buch lag so lange auf meinem ebook-Sub, dass ich es jetzt nur angelesen habe, um zu entscheiden, ob es runterfliegt - und schwups, hatte ich 85% gelesen und festgestellt, dass ich es wohl doch nicht aussortiere :D

In einer fernen Zukunft leben Menschen behütet und ohne Sorgen in ihrer eigenen Kuppelstadt, geleitet durch eine freundliche und besorgte KI - hier die Große Mutter - die sich um alles kümmert und die Menschen in einem Zustand voller Naivität lässt, in dem sie folgsamer und nichts hinterfragend sind.
Das Konzept ist nicht neu und hat mich an andere Werke erinnert. Lea, die Protagonistin aus der Kuppelstadt Eos, ist mir wie ich erwartet hatte auch nicht sonderlich sympathisch, schließlich kann ich mit den Grundvoraussetzungen meist wenig anfangen. Allerdings geht Jol Rosenberg dann einen Weg, der sich doch von anderen Werken unterscheidet. Lea wacht nicht plötzlich auf und wird immer intelligenter und hinterfragt und wird dadurch ein Sympathieträger. Und so naiv anstrengend sie auch bleibt, sie kommt auch nicht in ein "wildes" Draußen, was ich fast erwartet hatte nach Erfahrungen mit ähnlichen Büchern, oder innerhalb ihrer Kuppelstadt in Konflikt mit der herrschenden KI.

Stattdessen lernt man gemeinsam mit Lea die Randgebiete kennen, die für die Versorgung da sind, vom Schlachthof bis hin zu verschiedenen noch heruntergekommeneren Gebieten. Viele Fragen bleiben offen, machen aber erst recht neugierig auf Band 2 und was es mit Etomi auf sich hat.
Rosenberg packt nicht nur die eine Gesellschaft von der Kuppelstadt Eos mit ihren naiven "Jugendmenschen" in die Geschichte, sondern kontrastiert sie gleich mit zwei anderen, was Leas Naivität gut kontrastiert. Man hat einmal die "erwachsenen" Menschen, die eben so über die Runden kommen, aber eben auch in einer abgeschiedenen Komplex-Welt, die nicht draußen ist, und die sich bewusst sind, dass es Eos und das sorglose Leben dort gibt. Daneben gibt es noch die Klone, die eigentlich gar nicht denken und reden können sollten und das fand ich einen der spannendsten Stränge des ganzen Romans, vor allem wie Lea sich ihnen gegenüber verhält, im Vergleich zu den Menschen, denen sie begegnet.

Etomi: Erwachen ist ein sehr vielschichtiger, interessanter Zukunftsroman, der bislang nur die halbe Geschichte erzählt (in einer Dilogie so üblich *hust*) und dabei herrlich progressiv daher kommt. Da kommt Leas sorglose Art aus Eos, mit zahlreichen Lustbarkeiten, aber keinen tiefen Beziehungen, dafür Geschlechtsidentitäten, die selbstbestimmt festgelegt statt vorgeschrieben werden. Selbstverständlich stellt sich hier jede*r mit Pronomen vor und es wird nie hinterfragt, mehr noch, bei noch unbekannten Personen wird niemals einfach fremdvorgeschrieben, mit wem wir es hier zu tun haben.

Ich bin sehr gespannt, wie es in Etomi: Aufbruch weitergeht und kann den Anfang der Dilogie auf jeden Fall nur empfehlen!
Profile Image for Ingrid.
865 reviews6 followers
March 28, 2025
Eine Welt, die in verschiedene Bereiche eingeteilt ist, die alle voneinander getrennt sind. Lea wohnt in Eos im Luxus, der allerdings zeitlich begrenzt. Nach dem 44. Geburtstag wird man aufgefordert, sich zu seiner Auflösung einzubinden.
Lea ist 44 und flieht aus Eos.
Ihr Weg in die Außenwelt ist gefährlich und von Hindernissen erfüllt. Die anderen Protagonisten Nori und Josa treffen mit ihr zusammen.
Mir hat der Weltenaufbau gefallen.
Nur Leas kindliches Wesen hat manchmal genervt.
Der Roman endet mit dem Aufbruch in das wirkliche Außen. In Teil 2 geht es weiter.
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