Das Who-is-who der Gegenwart im Gespräch – das Beste aus dem gefeierten ZEIT-Podcast »Alles gesagt?«
Wenn es eines gibt, woran es Deutschland im Jahr 2023 nicht fehlt, dann sind es Diskussionsformate. In Fernsehen, im Radio und auf allerhand digitalen Kanälen wird debattiert, bis die Sendezeit vorbei ist – ausreden darf niemand.
Wenn es eines gibt, woran es im Podcast »Alles gesagt?« nicht fehlt, dann ist es Zeit. Christoph Amend, Editorial Director des ZEITmagazins, und ZEIT-ONLINE-Chefredakteur Jochen Wegner sprechen mit außergewöhnlichen Menschen aus Politik, Wissenschaft, Medien und Popkultur. Jedes Gespräch dauert so lange, wie es eben braucht. Die Gäste entscheiden, wann Schluss ist.
Dreieinhalb (Maja Göpel), fünfeinhalb (Maxim Biller) oder achteinhalb (Rezo) Stunden bieten Raum für Gedanken, auf die man nur zu sprechen kommt, wenn die Uhr nicht tickt. Um sie schwarz auf weiß festzuhalten, gibt es dieses Buch.
Ich kann nicht zählen, wie viele Folgen vom berühmten "Alles gesagt?"-Podcast ich schon auf meiner Hörliste habe - doch wann die Zeit finden für einen Podcast, bei dem eine Folge schon mal acht Stunden dauern kann? Umso besser, dass es einen Auszug aus einigen Folgen nun zu lesen gibt. Für mich war das der perfekte Kompromiss, da das Buch eine gute Mischung an Personen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen bietet, und aus deren Interviews dann noch die - so glaube ich - spannendsten Stellen zeigt. Zu jeder interviewten Person gibt es eine kurze Vorstellung, dann den Interviewauszug untermalt mit Fotos sowie am Ende jeweils vier A-oder-B-Fragen und einen kurzen Bericht darüber, wie es beruflich für die interviewte Person nach dem Podcast weiterging. Auch interessant fand ich, was es zum Podcast zu essen und trinken gab - denn bei einem stundenlangen Gesprächsmararhon muss es natürlich eine Stärkung geben. So habe ich z.B. erfahren, dass Kevin Kühnert eine große Vorliebe für indisches Essen hat.
Besonders interessant waren für mich die Gespräche mit Luisa Neubauer und Alice Hasters, dort zu lesen wie sie den Moderatoren Nachhaltigkeit bzw. Rassismus erklären. Auch Kevin Kühnerts Interview fand ich spannend, Kim de l'Horizon überraschte mit einem Gedicht, und Rezo mit einer Tempelpredigt, die mich beeindruckt hat.
Jedoch ist es vor allem das Gesamtpaket mit der Mischung an unterschiedlichen Leuten mit unterschiedlichen Gedanken, die das Buch so lesenswert - und auch Lust auf eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Podcast - macht. Es kommen auch Personen zur Rede, denen ich widersprechen wollte oder von denen ich ohne diesen Podcast nie gehört hätte, wie Richard Socher, Forscher im Bereich Künstliche Intelligenz mit interessantem Hintergrundwissen.
CN: Homofeindlichk3it, Transf3indlichkeit (beides bei Luise Pusch sowie bei Kim de l'Horizon), M0bbing, selbstv3rletzendes Verhalten (beides bei Rezo)
Nicht unerwartet aber trotzdem interessant zu sehen, wie sehr das andere Format (Schrift vs. Audio) den Stil und die Stimmung der Gespräche ändert bzw. auch verfälschen kann. Das Buch lässt sich gut zwischendurch lesen. (FTR, habe die Hardcopy-Ausgabe AKA ISBN 9783462005844 gelesen)