Moskau, 1923. Larissa Reissner hat als sowjetische Gesandte in Kabul strategische Pläne entdeckt, die das Britische Empire stürzen könnten. In der flirrenden Hauptstadt, wo man die Welt neu denkt und aus den Angeln heben will, sucht sie nach dem Verfasser, einem Deutschen namens Niedermayer. Denn der Sieg der Freiheit ist Reissners Lebenssinn, die junge Schriftstellerin und Revolutionärin wird als Wundertochter ihrer Epoche gefeiert. Aus illustrer Familie, lernte sie schon als Kind Lenin kennen, sie kämpfte als Politkommissarin der Wolgaflottille; Pasternak und Trotzki bewundern sie. Von Moskau bricht Reissner auf nach Berlin – zu ihrer größten Sie soll ein geheimes Bündnis zwischen der Sowjetunion und dem deutschen Militär vermitteln, verkörpert durch General Tuchatschewski, den «roten Napoleon», und jenen schillernden Ritter von Niedermayer. Doch Larissa verfolgt ihre eigenen Ziele. Zwischen ihr und den beiden Männern entspinnt sich ein Beziehungsgeflecht, das enorme Sprengkraft hat – in amouröser wie politischer Hinsicht.
Ein außergewöhnlicher Roman, in dem Ho Chi Minh ebenso zu Wort kommt wie die Lordsiegelbewahrer des britischen Weltreichs oder die Dichterfürstin Anna Achmatowa – Steffen Kopetzky fängt das Leben der Larissa Reissner ein, die nichts weniger als die Welt verändern wollte.
"Damenopfer" ist ein auf historischen Fakten basierender, kluger und unterhaltsamer Roman. Im Zentrum steht die russische Bolschewistin und Schriftstellerin Larissa Reissner. Es ist eine reale historische Person, die von 1895 bis 1926 lebte. Auch die meisten anderen Figuren in diesem Buch sind historische Persönlichkeiten. Im Roman wird Larissa vor allem durch diese andere Figuren wahrgenommen und erzählt. Ihr Typhustod wird sehr früh im Text verraten. Die Beerdigung ist ein wichtiges Ereignis, um das herum viele Elemente der Erzählung gestrickt sind. Die Geschichte wird nicht chronologisch, sondern puzzleartig erzählt. Es gibt Rückblenden und Erinnerungen aus verschiedenen Perspektiven. Das ist in der Komplexität teilweise auch etwas verworren. Wie ein anspruchsvolles Schachspiel. Aufgrund der tollen Beschreibungen geht der Spaß beim Lesen aber nie verloren.
Es steckt viel Geopolitik in dem Buch. Vor allem die Verbindung zwischen Russland und Deutschland wird beleuchtet. Kopetzky streut gegenwärtige Referenzen ein. Wenn General Tuchatschewski über die Neuentdeckung des Weltkrieges - den Panzer - liest, und diesen im Gegensatz zu vielen nicht als Defensivwaffe sondern als Offensivwaffe einordnet, ist der Bezug zum Ukraine-Krieg mehr als deutlich. Aber es wirkt dennoch im Kontext der Erzählung nicht künstlich herbeigeführt.
Es geht auch um die Lebensnotwendigkeit der Literatur, beispielsweise um Dostojewski und "Schuld und Sühne". Es geht sehr sinnlich zu: Man riecht die Luft, spürt das Wetter, fühlt den Stoff der Kleidung und sieht die Umgebung. Man hört das Gewandhausorchester, in dem Tania Kaplan in Leipzig spielt. Die Szene, in der sie quasi zufällig das Orchester bei einer Probe leitet, ist ein Höhepunkt dieses an Höhepunkten reichen Romans.
"Damenopfer" ist ein moderner Abenteuerroman, eine politische Geschichte, eine historisches Künstlererzählung. Es ist ein Meisterwerk.
Am 15.9. wird der Roman im "Literarischen Quartett" besprochen.
Meine Empfehlung: NICHT das Hörbuch konsumieren. Kopetzky hat ganze Arbeit geleistet und sehr viel Recherchearbeit in das Buch gesteckt. Das Ergebnis prügelt er einem, neben sehr schön gestalteten, unterhaltsamen, süffisanten Szenen, wie am Reißbrett gefertigt um die Ohren. Als Hörbuch, pure Überforderung. Den grundsätzlichen Schreibstil würde ich schon fast als schwebend, vornehm beschreiben. Immer ein dezentes Augenzwinkern mit dabei. Das beißt sich für mich mit den faktenbeladenen Sequenzen und dem verhandelten Thema. Hier wird ganz deutlich: bei einem Gogol und Sorokin funktioniert diese Art von Humor auch in der Kritik prächtig. Bei Kopetzky erscheint dies als Versuch von.... Insgesamt habe ich das Buch als unausgewogen empfunden. Unausgewogen auch im Hinblick auf die exorbitante Schönheit und Intelligenz Larissas, die bis zum Schluss, in einer Endlosschleife wiederholt werden muss. Die letzten 20% des Buches haben nochmal ordentlich Wohlwollen auf der Plotebene gewonnen, weshalb ich mich zu 3 Sternen durchringen kann. Zuvor ehr ein 2,5 Sterne Read.
Das ist große Geschichte, groß erzählt - und zwar über die historische Larissa Reissner, die vor rund 100 Jahren unfassbar umtriebig war und dabei auf zahlreiche Persönlichkeiten der Weltgeschichte traf. Super von Kopetzky, dass er dieser faszinierenden Frau so ein beeindruckendes literarisches Denkmal gesetzt hat.
Man lernt so einiges bei der Lektüre dieses Buches und erweitert seinen historischen Horizont. Das aber ist auch der Makel eines Romans, der streckenweise zu lehrbuchhaft rüberkommt. Der Autor schreibt für meinen Lesegeschmack zu realistisch, sodass ich mich für die interessante Hauptfigur nicht so recht erwärmen konnte.
I WOULD NEVER READ KINDLE - IF JEFF BEZOS NEEDS A PENIS STARCRAFT, IT'S BECAUSE HE DOESN#T HAVE A REAL P***?
Manche Bücher liest man ohne danach noch viele Gedanken daran zu verschwenden, andere Bücher fordern den Leser, wieder andere fordern den Leser heraus. Irgendwo zwischen den letzten beiden Kategorien bewegt sich Steffen Kopetzky. Man schätzt an ihm seinen sarkatischen Unterton, wenn er historische Ereignisse leichtfüßig berichtet, er schreibt Unterhaltungsliteratur, aber nicht auf einfache, platte Art, seine bildgewaltige Sprache erscheint wie Gemälde von M.C.Escher, bei dem sich immer wieder neue Wege und Richtungen zu erkennen geben, woraus eine große Landkarte entsteht. Mit den stilistischen Mitteln der Montage erfindet Kopetzky einen „schweiftragender Komet“ von einem Roman, eine sehr lohnende Lektüre. Rowohlt Verlag
Steffen Kopetzky hat es sich in diesem Roman zur Aufgabe gemacht, das Leben Larissa Reissners nachzuerzählen. Sie war eine Heldin in den 1920ern unter den Kommunisten der Sowjetunion. Sie war als einzige Frau in einer hohen Führungsposition und genoss durch ihre Texte ein großes Ansehen. Und sie machte es sich zur Aufgabe, einen militärischen Pakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion herzustellen, da Deutschland zu dieser Zeit bereits sehr viele geheime Agenten aus der Sowjetunion unter sich hatte. Sie wollten eine Revolution starten, um den Kommunismus weiter in den Westen vordringen zu lassen. Eine Revolution, die nie stattfand, weil die Führungskräfte im entscheidenden Moment nicht gehandelt haben. Kopetzky erzählt in diesem Roman von einer starken Frauenfigur, von der Zeit der Internationalen und der innenpolitischen Unruhen der Sowjetunion, da Lenin im Sterben lag. Dieses sehr gut recherchierte Werk ist für alle, die sich für die Oktoberrevolution und allgemein die Sowjetunion und die Ausbreitung der Internationalen und des Kommunismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts interessieren, aber diese Infos in einem gut ausgearbeiteten Roman lesen wollen.
Ich werde kein Kopetzky-Fan mehr...mir war das zu repetitiv, zu anhimmelnd und verehrend. An sich eine interessante Figur und Geschichte, aber ich habe viele Anläufe benötigt , um tatsächlich bis zum Ende durchzuhalten
Ein Puzzle aus Biographie der Schriftstellerin Larissa Reissner, Kommunistin und Journalistin, und aus historischen Ereignissen - ein geschickt verwobener Teppich aus Zeitgeschichte und Persönlichem
Ein toller Roman, der auf historischen Fakten basiert und eine Seite der russischen Geschichte zeigt, die man nicht unbedingt im Geschichtsunterricht lernt.
Nicht mein erster Kopetzky. Dieses Buch war nicht so richtig mein Ding. Für verschiedene Kapitel war mein Verstand wohl nicht bereit ;-) Immerhin weiss ich jetzt wer Larissa Reissener war.
A masterpiece! inventive, lots of literary references, an unforgettable heroine, finest historical writing and retrieval of an unknown chapter of geo politics. superb!