Mauerträume: Eine Liebe, die keine Grenzen kennt | Roman | Eine zeitgeschichtliche Reise nach Ost-Berlin – für Leserinnen und Leser von Ulrike Schweikerts ... Edens »Geteiltes Land«
Ihre Träume lassen sich nicht einmal von einer Mauer stoppen
Sommer 1975 in Ost-Berlin. Anni und ihre Familie leben in der DDR. Als Anni ihre Tante Gundula wie so oft zum Grenzübergang Tränenpalast begleitet, verliert sie ihr geliebtes Notizbuch. Der Finder des Büchleins ist Emil, ein junger Mann aus dem Westen, der ab und an beruflich nach Ost-Berlin reist. Um ihr Notizbuch wiederzubekommen, lässt Anni sich auf eine Verabredung mit ihm ein. Dabei hat sie sich geschworen, nie so eine zu werden, die sich einem Westdeutschen an den Hals wirft.
Annis Schwester Paula, deren größter Wunsch das Abitur ist, beginnt derweil für ihren Lehrer zu schwärmen. Als sie von der Stasi ein unmoralisches Angebot bekommt, gerät sie in eine Zwickmühle. Nachdem Tante Gundula schwer erkrankt und die Gefühle für Emil trotz ihres Vorsatzes immer stärker werden, wächst in Anni der Wunsch auf ein Leben im Westen. Doch wie kann sie die Mauer überwinden? Und ist sie überhaupt bereit dazu, ihre Familie und vor allem ihre Schwester zurückzulassen?
Ein packendes Buch über ein Leben im Osten und dem Wunsch nach einem im Westen
Ich habe bereits einige Bücher gelesen, die sich um den Mauerbau, die Zeit der Trennung Berlins und auch dem Fall der Mauer beschäftigen. Mit "Mauerträume" befinden wir uns in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Anni und ihre Schwester Paula wachsen mit ihren Eltern Marlies und Georg in Ostberlin auf. Georgs Schwester Gundula ist noch vor dem Mauerbau alleine in den Westen gegangen. Jeden Dienstag besucht sie die Familie und bringt Geschenke mit. Anni liebt es zu zeichnen und obwohl sie Talent dazu hat und Kundstgeschichte studieren wollte, erhielt sie keinen Studienplatz. Anni arbeitet als Kellnerin in einem Restaurant am Müggelsee. Ihr Notizbuch mit ihren Skizzen und Zeichnungen hat sie jedoch immer dabei. Als sie eines Dienstags wieder zum Grenzübergang Friedrichstraße geht, um ihre Tante Gundula abzuholen, stößt sie mit dem Westdeutschen Erich zusammen. Dabei fällt ihr ihr Notizbuch aus der Tasche. Erich möchte es ihr nur unter der Bedingung zurückgeben, dass er sie zu einem Date einladen kann. Anni möchte allerdings keinen Westdeutschen näher kennenlernen. Ihre Schwester Paula ist Klassenbeste und bekommt trotzdem keinen Platz an der EOS, weil sie den Staat kritisiert und verbotene Bücher liest, die ihr ihr Lehrer heimlich zusteckt. Da bekommt Paula vom Direktor der Schule ein Angebot. Wenn sie ihren Lehrer bespitzelt, erhält sie den gewünschten Platz am Gymnasium. Wird sich Paula darauf einlassen? Vater Georg arbeitet als einer der Letzten noch als Schuster in seiner eigenen Werkstatt, doch auch ihm wird das Leben schwer gemacht, während Marlies ihre privaten Tauschgeschäfte führt...
Annies und Paulas Familie steht für viele Familien in der ehemaligen DDR, die nicht ganz der Norm oder dem Wunsch der Obrigen entsprachen. Als Leser begleiten wir die beiden Jugendlichen und ihre erhalten Einblicke in ihre Wünsche und Träume, die sich nicht oft mit denen des Staats vereinbaren lassen. Trotzdem fallen beide nicht wirklich auf und erst als Gundula fragt, was Glück für die Mädchen bedeutet, werden sie nachdenklich und überdenken ihr Leben. Dabei ist auch der Zusammenhalt der Familie ein großes Thema.
Kati Stephan beschreibt das Leben in der DDR sehr anschaulich und bildhaft. Der Schreibstil ist angenehm und eindringlich. Die Figuren sind sehr lebendig und trotzdem konnte ich nicht immer mit ihnen so mitfühlen, wie ich es gerne getan hätte. Leider verrät der Klappentext sehr viel bzw. hat er für mich eher den Touch einer Liebesgeschichte. Diese steht aber keineswegs im Vordergrund und bekommt erst zum Ende hin mehr Raum. Dieses letzte Viertel war mir dann auch fast etwas zu schnell abgehandelt, denn die Zeitsprünge geben ein etwas gerafftes Bild wieder.
Wer gerne mehr über die deutsch-deutsche Geschichte lesen möchte, dem empfehle ich die Trilogie von Farina Eden "Geteiltes Land".
Fazit: "Mauerträume" erzählt vorallem über Träume und dem Zusammenhalt der Familie auf der anderen Seite der Mauer in Berlin der Siebziger Jahre. Gut rechercheirt und eindringlich erzählt, aber nicht mein Favorit der Romane, die ich bisher über die deutsch-deutsche Geschichte gelesen habe.
Was für eine einfühlsame, mitreißende und absolut authentische historische Story. Ich bin total begeistert von dem Buch. Kein Wunder, dass ich es förmlich inhaliert habe.
Kati Stephans Schreibstil hat mir unfassbar gut gefallen. Die Atmosphäre hat mich vollends gefangen genommen. Sie schafft es, historische Realität mit persönlichem Drama zu verweben, ohne dabei belehrend zu wirken. Ich konnte mich emotional sehr gut auf das Buch einlassen. Die Autorin schafft es, die Enge und Zerrissenheit des Lebens in der DDR spürbar zu machen, aber auch eine kraftvolle Liebesgeschichte zu erzählen.
Die Protagonistin Anni hab ich sofort ins Herz geschlossen. Ihren Wunsch nach Freiheit konnte ich absolut nachvollziehen. Doch sie ist absolut loyal ihrer Familie gegenüber. Dennoch führt sie einen inneren Konflikt, der sie im Laufe des Buches wachsen lässt. Ist sie anfangs noch sehr misstrauisch, doch im Verlauf wird sie mutig und stark. Die Beziehung zu Emil wird gefühlvoll und glaubwürdig dargestellt mit vielen intensiven Momenten. Doch es gibt auch noch Paula, Annis Schwester. Ihre Geschichte hat mich auf eine ganz andere Weise berührt. Denn sie durchlebt ein moralisches Dilemma.
Mauerträume ist nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern auch ein Zeitdokument über Hoffnung, Rebellion und Zusammenhalt in einer Zeit, in der Grenzen weit mehr waren als nur Mauern aus Beton. Für mich absolut lesenswert!