Goethes und Schillers Freundschaft gilt als Traumpaarung der deutschen Klassik, als Sternstunde des Geistes. Doch ganz konfliktfrei war ihr Verhältnis nicht. Obwohl sie sich gegenseitig halfen und inspirierten, beneidete Schiller den großen Goethe und fürchtete sich Goethe vor dem Aufstieg Schillers. In seinem spannend zu lesenden Buch erzählt Rüdiger Safranski die gemeinsame Geschichte der beiden Geistesheroen von der ersten Begegnung 1779 in Stuttgart bis zu Schillers Beerdigung in Weimar, der Goethe fernblieb.
Rüdiger Safranski is a German literary scholar and author. He has been Professor of Philosophy and Humanities at the Free University of Berlin since 2012.
Hab es schon vor Jahren das erste Mal aus dem Buchregal meines Opas rausgezogen und bin jetzt doch endlich mal dazu gekommen, es ganz zu lesen. Total interessant, wie der Autor die gemeinsame Geschichte von Goethe und Schiller erzählt und sie immer wieder mit Hintergrundinfos und Ausschnitten aus dem Briefwechsel der beiden schmückt.
Der Autor beschreibt eine ehrliche Freundschaft zwischen Goethe und Schiller in Weimar. Es war ein gemeinsames Arbeiten, bei der Goethe auflebte und der Stern Schillers leider viel zu schnell verglühte. Als Schiller im Mai 1805 starb, blieb Goethe der Beedigung fern.
Auch beim zweiten Lesen war dieses Buch wieder ein reines Vergnügen. Safranski beschreibt die Freundschaft zwischen Goethe und Schiller so lebendig und unterhaltsam, daß es sich wie ein Roman liest. Der Stil ist flüssig, untermalt mit zahlreichen Zitaten, die sich angenehm in den Text einfinden und diesen nicht unterbrechen (wie es bei anderen Sachbüchern leider manchmal vorkommt). Der Autor hält sich selbst angenehm zurück (dies fiel mir gerade im Gegensatz zu den kürzlich gelesenen Büchern "Schillers Doppelliebe" und "Unser armer Schiller" sehr erfreulich auf), läßt Goethe und Schiller aber durch ihre eigenen Aussagen und jene ihrer Zeitgenossen sehr lebendig werden.
Es wird gut beschrieben, aus welchen Motiven und Gedanken die beiden großen Dichter anfangs nicht angetan voneinander waren, wie sie sich annäherten, welche Wirkung dies auf ihr jeweiliges Werk hatte. Auf die zur Zeit der Freundschaft entstandenen Werke geht Safranski jeweils ein und liefert dadurch auch für das Verständnis dieser wertvolle Informationen und Einsichten. Es ist beeindruckend zu lesen, wie sehr sich Goethe und Schiller austauschten, welchen Gewinn - und welches Vergnügen - beide dadurch zogen, wie aber auch Mißerfolge erlebt wurden. Ihre sehr gegensätzlichen Charaktere und Weltsichten werden hervorragend ausgearbeitet und ermöglichen dadurch ebenfalls einen neuen Blick darauf, warum und wie sie vieles taten, sahen, schrieben. Diese Gegensätze führten zur anfänglichen Abneigung, wurden dann aber vorzüglich zum beiderseitigen Vorteil genutzt, was beide auch erkannt haben. Die philosophischen Erläuterungen waren mir manchmal, wie auch in Safranskis Goethebiographie, zu ausführlich, aber das liegt in meinem mangelnden Interesse an diesem Thema begründet.
Nun war diese Freundschaft aber kein reines Zweckbündnis, und auch das wird in diesem Buch sehr angenehm dargestellt - die kleinen gegenseitigen Gesten der Freundschaft, der Sympathie werden anschaulich geschildert und so erfährt man viel nicht nur über die Dichter Goethe und Schiller, sondern auch die Menschen Goethe und Schiller. Es ist eine anschauliche detaillierte Rundumbetrachtung der Freundschaft und der beiden Männer. Wenn Information und Unterhaltung so angenehm verbunden werden, ist es eine Freude, ein Buch zu lesen.
What a great writer this Safranski is! He combines good narration with clear representation of philosophical ideas. This is higher entertainment. Such a pleasant way of spending time!
He identifies the elements of what made this friendship between Goethe and Schiller as fruitful as it was. Complementarity of character: Goethe 'naive', Schiller 'sentimental', i.e. Goethe living his life, and 'being' nature; Schiller contemplating life and 'commenting on' nature. Similarity of attitude: deadly serious in professionally carrying out their 'culture job', i.e. they were brothers in arms in the fight against dilettantism and the bad taste of the common man.
I must say that each time I read one of his biographies I am pleasantly surprised by his accessability and meaningful ways of putting relevant things (events, characters, ideas) together. Thus he achieves an unemphatic profundity about fundamental things in life and shows to be a true philosopher, next to the biographer.
'Ein glückliches Ereignis', so nannte Johann Wolfgang von Goethe seine Freundschaft mit Friedrich Schiller zurückblickend auf die wenigen Jahre, die den gemeinsamen Lebensweg dieser beiden Giganten der deutschen Literatur- und Geistesgeschichte beschreiben. Für gut 10 Jahre standen Weimar und Jena im Mittelpunkt ihres gemeinsamen geistigen Schaffens und Wirkens und mit seinem neuen Buch 'Goethe & Schiller, Geschichte einer Freundschaft' gelingt es Rüdiger Safranski, diese Ausnahmefreundschaft lebendig, unterhaltsam und auch mit einem kleinen Augenzwinkern vor unserem geistigen Auge erblühen zu lassen.
Such touching story of the two great geniuses of Germany and Europe. I can only recommend to read it, it will open up am intimate world that was fully alive between the two. An excerpt: Wenn man... nicht mit einer liebevollen Teilnahme, nicht mit einem gewissen parteiischen Enthusiasmus spricht, so bleibt so wenig daran das der Rede gar nicht wert ist. Lust, Freude, Teilnahme an den Dingen ist das einzig reele, und was wieder Realität hervorbringt, alles andere ist eitel und vereitelt nur.
Mittlerweile glaube ich, kann ich in jedem Safranskibuch Seiten überspringen, weil er sich so oft wiederholt. Anyway, slay Philosophieausführungen as always
Wie unsere Dichterfürsten schon selbst feststellten, wie ein Mensch auf einen Gegenstand emotional reagiert, hängt immer von der eigenen Gemütslage und den bereits gemachten Erfahrungen ab, die man mit diesem Gegenstand verbindet. ;)
Daher erhält dieses Buch auf jeden Fall schon mal einen extra halben Stern, einfach, weil es existiert. Der Freundschaft zwischen Goethe und Schiller geht eine Faszination aus, die es Wert ist, untersucht und für die Nachwelt aufbereitet zu werden.
Das 18. und 19. Jahrhundert waren die letzten, in denen noch ganz Europa umfassende Literaturbewegungen in jedem Land fast gleichzeitig statt fanden, und von einem kleinen Kreis von Vorreitern getrieben wurde. Die Zusammenkünfte im klassischen Weimar, in dem sich ja eine ganze Fülle solcher Genies, nicht nur literarisch, sondern auch philosophisch und naturwissenschaftlich begabt, tummelten, war ein ganz besonderer Fall. Und aus diesem Sonderfall stachen dann noch einmal Goethe und Schiller ganz besonders heraus.
Da kann dem modernen Literatur liebenden Leser schon eine Sehnsucht entstehen.
Daher finde ich es ein klein wenig schadet, dass das Buch fast vollständig darauf verzichtet, aufzudecken, wie die Zusammenarbeit der "Dioskuren" in ihrer Gegenwart aufgefasst wurde. Das liegt daran, dass der Autor, sich bei der Aufschlüsselung und Erläuterung der Beziehung einzig auf die Werke der beiden Dichter und ihren Briefwechsel stützt. Das führt sicher, lobenswerter Weise, dazu, dass sich der Autor bei seinen biographischen Skizzen gut an Quellen aus erster Hand bereichern kann, und nicht Gefahr läuft, sich in allzu persönlich gefärbten Legenden zu verstricken, aber der Blick von außen ein wenig Flöten geht.
Dass das Buch allzu trocken geschrieben ist, kann ich nicht bestätigen. Ich fand den Schreibstil dem Thema angemessen, und es finden sich durchaus ein paar lockerere Passagen. Das Buch beschränkt sich, wie bereits erwähnt, großteils auf die Zusammenarbeit zwischen Goethe und Schiller an einigen Werken und auf die gegenseitige Inspiriation. Daher wird viel erläutert zur Entstehungsgeschichte einiger Dramen, Romane und Balladen, sowie vor allem zur Entwicklung der jeweiligen Ästhetischen Theorien. Alltägliche biographische Anekdoten sollte man dagegen nicht erwarten, da auf ihnen nicht der Fokus liegt. Das könnte den Eindruck von Trockenheit erwecken. Die Entstehungsgeschichte eines Bildungsromans ist vielleicht kein so lockendes Thema wie eine unternommene Bildungsreise.
Trotzdem werden einem durch die zitierten Briefwechsel (und der Autor hier stützt sich glücklicherweise viel auf Zitate) die Dichterfürsten sehr menschlich. Die Entwicklung vom Neid zur Bewunderung und schließlich zur Liebe lässt sich auf sehr berührende Weise im Text nachvollziehen.
Ich bin kein großer Fan von Sachbüchern und Biografien - hauptsächlich weil sie meist unsäglich trocken geschrieben sind - aber dieses Buch hier hat mich wegen der Thematik angezogen.
Safranski stellt die Freundschaft und deren Bedeutung sowohl für die Dichter als auch deren Dichtkunst schön und gut lesbar dar. Allein die Erläuterung verschiedener philosophischer und literarischer Themen hätte man etwas lockerer gestalten können. So wechseln sich interessante Abschnitte über Goethes und Schillers Leben mit eher spröden Versuchen ab, Begriffe wie "sentimentalisch" etc. zu erläutern. Ebenfalls seltsam fand ich die ständigen Sprünge in der Erzählform zwischen Gegenwart und Vergangenheit ("war"/"ist").
Alles in allem ist es aber eine schöne Lektüre, die man Themeninteressierten durchaus weiterempfehlen kann.
Ah well... the story of Goethe and Schiller's friendship is utterly fascinating. Safranski's way of writing is not, at least not for me. Too dry for my taste, too many changes in tense and narration, which confused, sometimes even annoyed me. This can be done better.
entertaining read, good intro into G and S for people like me, who don't know much about German Idealism and petty bourgeois culture at the end of the XVIII, early XIX cy. Schiller is an even larger windbag than Goethe. Very amusing.