Nach 100 Jahren könnte man einige Details korrigieren, aber das Grundprinzip ist nach wie vor aktuell. Hans Surén stellt die harmonische, naturnahe und ganzheitliche Entwicklung von Körper, Geist und Seele in den Mittelpunkt. Aus der altgriechischen Kultur zieht er Rückschlüsse auf die germanische (er vertritt die Meinung, dass die alten Griechen aus Germanien stammten; nach heutigen Erkenntnissen stimmt das nicht, aber es gibt gemeinsame Vorfahren) und sieht in dieser antiken Körperkultur, die in den olympischen Spielen gipfelte, ein Vorbild für unsere Zeit, dem sich auch die Politik besonders widmen sollte. Sicher war er auch von seinen Erfahrungen bei der Schutztruppe in Kamerun geprägt, wo er etwa Tänze von Eingeborenen beobachten konnte. Ziel seiner Körperschule ist der abgerundete Athlet oder Gymnast, der nicht nur seiner besonderen Veranlagung nachgeht, sondern zunächst ein breites Fundament aufbaut. Körperliche Harmonie und Schönheit, entsprechend den antiken Statuen, dienen ihm dabei als Maßstab im Gegensatz zu Extremleistungen und Rekorden auf einzelnen Gebieten und überzogenem Konkurrenzkampf. Aber auch der Spezialist im Wettkampf sollte von einer derart aufgebauten Grundlage profitieren können. Ja, die Kleidung ist selbstverständlich abzulegen, bei jeder Witterung. Nacktheit steht hier im scharfen Kontrast zum ungesunden, von der Natur entfremdeten Leben in den Städten. Von der karzinogenen Wirkung der UV-Strahlung war damals noch keine Rede, aber Surén empfiehlt immerhin schon eine langsame Gewöhnung an Sonne und Kälte, sodass der Nutzen die möglichen Risiken in den meisten Fällen überwiegen dürfte.